
Fällt die Rede auf Hochgeschwindigkeitszüge, so denken die meisten Menschen direkt an den japanischen Shinkansen. Als die älteste Hochgeschwindigkeitsstrecke überhaupt zählt der Shinkansen nicht nur zu den schnellsten, sondern auch zu den sichersten Zügen der Welt: Seit Inbetriebnahme im Jahre 1964 wurde bis heute kein einziger Unfall mit Todesopfern vermeldet. CRI-Korrespondent Xie Hongyu befindet sich vor Ort und berichtet ausführlich, wie sich die große Sicherheit des Shinkansen erklären lässt.
„Für die sichere Fahrweise des Shinkansen gibt es zwei Hauptgründe: Zum einen wird die Geschwindigkeit streng kontrolliert, um die Sicherheit garantieren zu können. Im Testbetrieb erreicht der Zug eine Höchstgeschwindigkeit von 420 Kilometern pro Stunde. Aber während des täglichen Einsatzes wird ein Tempolimit von maximal 250 Kilometern pro Stunde streng eingehalten. Darüber hinaus ist das Signalsystem des Shinkansen sehr umfassend und sicher gestaltet."
Wie Xie weiterhin in Erfahrung bringen konnte, sei die Fahrt bei hohen Geschwindigkeiten insbesondere bei Nacht oder unter schlechten Wetterbedingungen äußerst gefährlich. Aus diesem Grund sind sowohl an Bord des Zuges als auch entlang der Strecke automatische Kontrollsysteme installiert. Sollte ein Zug zu schnell fahren, wird er automatisch von diesen Systemen gebremst. Zudem stehen in jedem Shinkansen mehrere Kontrolleinheiten bereit – fällt ein System aus, übernimmt eine der Reserveeinheiten sofort die Aufgaben des beschädigten Elements. Schlussendlich werden alle Shinkansen-Züge automatisch durch ein Computersystem gesteuert, um manuelle Fehler oder menschliches Versagen ausschließen zu können.
Begeben wir uns nun nach Deutschland, wo sich eine der modernsten Hochgeschwindigkeitsstrecken Europas befindet. Am 3. Juni 1998 kam es in Eschede zu einem schweren Zugunfall: Ein ICE der ersten Generation mit dem Namen „Wilhelm Conrad Röntgen" hatte den Hauptbahnhof Hannover in Richtung Hamburg verlassen und war kurz darauf an einer Brücke im niedersächsischen Eschede zerschellt. Bei dem verheerenden Unglück kamen 101 Menschen ums Leben, weitere 88 wurden schwer verletzt. Über die Bergungsarbeiten und die strafrechtlichen Ermittlungen kann uns Korrespondent Yin Fan aus Berlin mehr berichten.
„Bei diesem ICE-Unglück handelte es sich um die größte Katastrophe der Deutschen Bahn seit Ende des Zweiten Weltkrieges. Unverzüglich nach dem Unfall, konkreter, nach Ablauf von sieben Minuten, begannen die Räum- und Bergungsarbeiten. Die folgenden Ermittlungen und Untersuchungen dauerten fünf Jahre an. Schließlich kam man zu dem Ergebnis, dass ein gebrochener Radreifen den Zug zum Entgleisen gebracht und so die Tragödie ausgelöst hatte. Daher wurden sämtliche ICEs der ersten Generation einer Kontrolle unterzogen, alle geschweißten Radreifen wurden fortan durch kompakte Stahlräder aus einem Guss ersetzt. Zudem senkte man die Höchstgeschwindigkeit aller ICEs von 280 auf 160 km/h."
Nach eigenen Angaben zahlte die Deutsche Bahn den Verletzten und Hinterbliebenen des Unglücks Entschädigungen in einer Gesamthöhe von 25 Millionen Euro. Das Rechtsverfahren gegen zwei Ingenieure der Bahn und einen Techniker des Radreifenherstellers endete im Jahre 2003 mit Geldstrafen in Höhe von jeweils 10.000 Euro. Bis heute erinnern 101 Kirschbäume neben den Bahngleisen in Eschede an die Toten des Unglücks.
Werfen wir zum Abschluss einen Blick auf die andere Seite des Atlantik. Zwar spielt der Schienenverkehr in den USA keine so wichtige Rolle, wie dies in anderen Ländern der Fall ist. Doch hinsichtlich der Sicherheit befinden sich die amerikanischen Züge auf Weltniveau. Shen Ting arbeitet als CRI-Korrespondent in New York und erklärt uns Näheres über den Zugunfall im Bundesstaat Maryland.
„Im Februar 1996 ereignete sich in der Region Silver Spring ein Zugunglück, bei dem elf Menschen getötet und 40 weitere verletzt wurden. Die Ermittlungen dauerten 17 Monate an, bevor man die Ursache eindeutig identifiziert hatte: Auslöser der Katastrophe waren demnach ein Ampelverstoß des Zugführers sowie ein defektes Bremssystem. Im Anschluss wurde der amerikanische Schienenverkehr einer weitreichenden Überprüfung unterzogen. Man entwickelte ein neues Bremssystem und stattete alle Züge damit aus. Am Unglücksort erinnert heute ein Mahnmal an die Opfer des Unglücks von 1996."
Für China heißt es nun, aus den japanischen, deutschen und amerikanischen Erfahrungen zu lernen. Ein sicheres Hochgeschwindigkeitsnetz lässt sich ohne umfassende Vorsorgemaßnahmen nicht realisieren. Nur auf diesem Wege lassen sich eventuelle Unglücksursachen identifizieren und weitgehend ausschließen.
Übersetzt und Gesprochen von Zhang Chen



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