F: Herzlich willkommen zu „Sie fragen, wir antworten". Auf Wunsch unseres Stammhörers Engelbert Borkner aus Hildesheim möchten wir Ihnen heute das Münzensammeln in China vorstellen. Herr Borkner hatte uns in seinem Brief geschrieben:
M: „Liebe Freunde in Beijing, in der heutigen Sendung behandelten Sie das Thema Briefmarkensammeln. Wie sieht es auf dem Gebiet des Münzensammelns in China aus? In welchem Umfang gibt die Chinesische Nationalbank Gedenkmünzen im Laufe des Jahres heraus? Wie hoch belaufen sich die Prägezahlen? Wird ein Teil dieser Prägungen auch an interessierte Sammler ins Ausland verkauft?"
F: Ja, lieber Herr Borkner, diese Fragen beantworten wir Ihnen natürlich gerne. Und sie sind sicher auch für viele andere Hörer sehr interessant. Münzensammeln ist schließlich ein sehr beliebtes Hobby. Chinesische Münzen sind ein wichtiger Bestandteil der gesetzlichen Zahlungsmittel des Landes. Sie haben eine einzigartige Konstruktion, ein feines kunstvolles Design und eine fortschrittliche Prägetechnologie. Schon jetzt sind sie zu etwas ganz Besonderem für in- und ausländische Sammler geworden.
M: Erzählen wir Ihnen nun zunächst etwas über die Geschichte der chinesischen Münzen. Die Geschichte des Geldwesens reflektiert ja auch immer die Kultur eines Landes. Sie ist wie ein kulturelles Spiegelbild. Die Verwendung von Münzen als Zahlungsmittel lässt sich in China bis in die Antike zurückverfolgen.
F: Haben Sie gewusst, dass Muscheln schon vor tausenden von Jahren als Zahlungsmittel benutzt worden sind? Die Muschelwährung geht auf die archaische Gesellschaft zurück, die es vor 4.000 bis 5.000 Jahren in China gegeben hat. Zu jener Zeit war die Produktivkraft noch sehr gering. Es gab lediglich Tauschhandel. Eine Währung als Zahlungsmittel existierte nicht, weil man sie schlicht nicht brauchte.
M: Genau. Erst der rapide gesellschaftliche Fortschritt machte eine Währung erforderlich. Als der Tauschhandel den realen Marktgegebenheiten nicht mehr gerecht werden konnte, kamen nach und nach Kaurimuscheln als Zahlungsmittel auf. Sie waren damals äußerst wertvoll. Die Einheit der Muschelwährung war „Peng" – so wurde eine Kette aus zehn Kaurimuscheln bezeichnet.
F: Gegen Ende der Shang-Dynastie entwickelte sich die Warenwirtschaft weiter und der Handel nahm kontinuierlich zu. Weil es im Norden Chinas nur wenige große Muscheln gab, musste ein anderes Material zur Herstellung eines Zahlungsmittels gefunden werden.
M: So wurde die Muschelwährung aus dem Süden im Norden aus Materialien wie Ton, Stein, Knochen, Jade, Bronze oder Gold nachgebildet. Bronze setzte sich schließlich durch, die bronzene Nachbildung der Muschelwährung wurde zur ersten Metallmünze in der chinesischen Geschichte.
F: Genau. Und sie setzte sich vor etwa 3.000 Jahren rasch in weiten Teilen Chinas durch. Nach Gründung der Volksrepublik wurde in den Provinzen Henan, Jiangsu, Anhui, Hubei und Hunan eine große Anzahl von Bronzemünzen ausgegraben, die Kaurimuscheln nachempfunden waren.
M: Die ältesten Münzen der Welt sind die sogenannten Messer- und Spatenmünzen. Sie kamen gegen Ende der Qin-Dynastie vor über 2.000 Jahren auf und haben in der Mitte ein charakteristisches viereckiges Loch. Etwas später, zur Zeit der Han-Dynastie wurden auch runde Münzen mit einem viereckigen Loch in der Mitte als Zahlungsmittel verwendet.
F: In der Tang-Zeit wurde schließlich die „Kai Yuan Tong Bao" in Umlauf gebracht. Mit dieser Münze, die Tang Gao Zu, der erste Kaiser der Tang-Dynastie, erstmals im Jahr 621 prägen ließ, begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des chinesischen Geldwesens. Von da an wurde es üblich, auf Münzen die Regierungsperiode zu prägen, in der sie hergestellt worden waren.
F: Alte chinesische Münzen weisen mehrere Besonderheiten auf: Typisch sind vor allem runde Münzen mit einem viereckigen Loch in der Mitte. Ebenfalls charakteristisch sind Schriftzeichen anstelle von Bildern.
M: Die meisten Münzen im alten China wurden aus Bronze, Blei oder Zinn hergestellt. Eisen wurde eher selten verwendet. Dasselbe gilt für Gold- und Silber.
F: Nun machen wir einen Sprung vom alten ins neue China. Die Volkswährung Renminbi gibt es in Münzen im Wert von einem Fen, zwei Fen, fünf Fen, zehn Fen, 20 Fen, 50 Fen und einem Yuan.
M: Genau. Seit Gründung der Volksrepublik China wurden bereits vier Münzsätze herausgegeben. Der erste Münzsatz wurde 1955 geprägt und im Dezember 1957 offiziell im Umlauf gebracht. Er umfasst Geldstücke im Wert von einem Fen, zwei Fen und fünf Fen, die aus einer Alu-Magnesiumlegierung bestehen. Auf der Vorderseite befinden sich das Staatswappen und der Ländernamen, auf der Rückseite Ähren. Dieser erste Münzsatz wird unter Münzsammlern sehr geschätzt. Er kann bis zu über 3.000 Yuan wert sein.
F: Der zweite Münzsatz gelangte im April 1980 in Umlauf. Er umfasst insgesamt vier Münzen im Wert von zehn Fen, 20 Fen, 50 Fen und einem Yuan, die aus Tombak hergestellt wurden. Auf der Vorderseite befindet sich ebenso das Staatswappen und der Ländernamen, auf der Rückseite Ähre und Zahnrad. Der im Jahre 1986 herausgegebene zweite Münzsatz ist sehr selten, es wurden nur 660 Sätze aufgelegt. Deshalb ist er teuer, man muss normalerweise über 30.000 Yuan dafür zahlen.
M: 1991 wurde der dritte Münzsatz geprägt, der seit Juni 1992 offiziell in Umlauf ist. Es gibt insgesamt drei Münzen im Wert von zehn Fen, 50 Fen und einem Yuan. Das Material ist eine Alu-Magnesiumlegierung und Tombak. Auf der Vorderseite befinden sich Staatswappen sowie Länder- und Regierungsnamen, auf der Rückseite Blumen – Chrysantheme, Winterblüte und Strauchpäonie. Die Auflage dieses Münzsatzes ist sehr hoch, in manchen Jahren über 100.000 Sätze pro Jahr.
F: Der vierte Münzsatz wurde im Oktober 1999 offiziell im Umlauf gebracht, mit drei Münzen im Wert von zehn Fen, 50 Fen und einem Yuan. Auch sie bestehen aus einer Alu-Magnesiumlegierung und Tombak. Auf der Vorderseite findet man Geldwert und Regierungsnamen, auf der Rückseite Blumen und der Namen der Bank.
M: Ja. Normalerweise liegt die jährliche Produktionsmenge zwischen einigen Zehntausend und einigen Hunderttausend Münzen. Einige Münzen stehen in der Sammlergunst ganz oben. Derzeit sind der erste und der zweite Münzsatz sowie Geldstücke aus speziellen Jahren, wie zum Beispiel fünf Fen von 1979, zwei Fen und fünf Fen von 1980 sowie ein Fen und fünf Fen von 1981 für Sammler von äußerst großem Wert. Sie werden als die „fünf Superstars" der chinesischen Numismatik bezeichnet. Auch die Yuan-Münze aus dem Jahr 1994 ist sehr wertvoll.
F: Ja, genau. Mit der Erhöhung des Lebensstandards des Volkes ist auch die Zahl der Münzsammler in China gestiegen. Natürlich wird ein Teil dieser Münzen auch an interessierte Sammler aus dem Ausland verkauft. Ausländische Touristen können in einigen Souvenirläden chinesische Münzsätze kaufen.
M: Soviel, liebe Freunde, über das Münzsammeln in China in unserer Rubrik „Sie fragen, wir antworten".



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