Momentan gibt es eine rege Nachfrage nach kurzfristigen Kapitalanlagen, die von chinesischen Kreditinstituten angeboten werden. Viele Chinesen kaufen diese Finanzprodukte, da die Zinsen etwas höher liegen, als bei klassischen Sparkonten. Wir schauen uns das mal genauer an.
Der aktuelle jährliche Zinssatz für Spareinlagen liegt bei 3,25 Prozent. Bei vielen neuen Finanzprodukten werden die Kunden mit wesentlich höheren Zinsen gelockt. Li Ping, eine Mitarbeiterin der China Merchants Bank in Beijing erklärt, aufgrund der steigenden Nachfrage hätten viele Kreditinstitute ihre Finanzdienstleistungen ausgebaut. So auch ihr Arbeitgeber:
„Bis Ende Mai dieses Jahres hat die China Merchants Bank mehr als 300 Finanzprodukte auf den Markt gebracht, doppelt so viel, wie im Vorjahr. Alleine in Beijing hat die Bank dadurch mehr als 110 Milliarden Yuan eingenommen. Letzten Mai waren es 30 Milliarden."
Aber warum erfreuen sich diese Finanzprodukte gerade in letzter Zeit wachsender Beliebtheit? Experten meinen, dass die steigende Inflation ein Auslöser sei. Der Konsumpreisindex ist im Mai, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, um 5,5 Prozent gestiegen. Der momentane Zinssatz für Spareinlagen beträgt jedoch nur 3,25 Prozent. Viele Anleger fürchten, dass ihr Vermögen schnell schrumpfen wird.
Normalerweise werden langfristige Anlagen stärker nachgefragt. Jetzt aber bevorzugen immer mehr Kunden kurzfristige Anlagen, da die Zinsen der langfristigen nicht mit dem Grundzinssatz steigen.
Professor He Qiang von der Zentralen Universität für Finanzen und Ökonomie in Beijing ist der Ansicht, dass viele Menschen heutzutage von kurzfristigen Anlagen höhere Erträge erwarten:
"Wenn ich Bankkunde wäre, würde ich auch in diese Anlagen investieren. Warum? Die Gewinnspanne ist höher als bei Spareinlagen. Außerdem erlebt unsere Gesellschaft momentan einen negativen Zinssatz. Also, warum sollte man seine Ersparnisse nicht besser verwalten?"
Um die hohe Liquidität auf dem heimischen Markt einzudämmen, hat die Chinesische Zentralbank den Mindestreservesatz seit dem letzten Jahr kontinuierlich erhöht. Li Ping von der China Merchants Bank sagt, eine Steigerung des Verkaufs von Finanzprodukten sei für Geschäftsbanken eine direkte Methode, adäquate Kapitalreserven zu garantieren:
„Wenn Kreditinstitute sich nur auf traditionelle Angebote, wie Spareinlagen oder die Ausgabe von Staatsanleihen, fokussieren, ist das zu wenig, um Profit zu machen. Vermehrt Finanzprodukte anzubieten ist für uns der beste Weg, um unseren Marktanteil zu vergrößern und hohe Gewinne einzufahren."
Die meisten der neuen kurzfristigen Anlagen haben eine Laufzeit von unter zwei Monaten. Die kürzeste beträgt gerade mal zehn Tage. Bei den meisten Anlagemöglichkeiten dieser Art wird ein jährlicher Mindestzinssatz von 4,2 bis 4,8 Prozent garantiert, der leicht über den 3,25 Prozent für Spareinlagen liegt. Aber Experten mahnen die Anleger, darauf zu achten, ob bei den Finanzprodukten eine Grundkapitalsicherung garantiert wird.



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