Was ist der beste Weg, um umweltschädigende Emissionen zu reduzieren? Diese Fragen stellen sich Regierungen in aller Welt schon seit Jahren. Eine Möglichkeit ist der CO2-Handel, und diese Idee wird nun auch in China vorgestellt. Hören Sie jetzt mehr dazu!
Urlauber entspannen sich an einem Strand im Nordosten Chinas. In einigen Jahrzehnten aber könnte diese Gegend unter Wasser sein. Experten sagen einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu einem Meter bis zum Ende dieses Jahrhunderts voraus, bedingt durch den Klimawandel. Umweltschutz genießt in China mehr und mehr Ansehen. So hat etwa die chinesische Regierung vor kurzem ein Vorhaben zur Reduzierung von schädlichen Emissionen angekündigt, indem es den Handel mit Kohlendioxid-Zertifikaten vorgestellt hat.
Deborah Seligsohn arbeitet für das World Resources Institute in Washington. Sie erklärt, was es mit diesem speziellen Handel auf sich hat:
„Beim CO2-Handel wird das Maß der Hauptverursacher der Kohlendioxidverschmutzung unter Erlaubnis herausgegeben; nehmen wir an, ein Unternehmen darf pro Jahr so und soviel Einheiten CO2 ausstoßen. Wenn es mehr freisetzt, muss es von einem anderen Unternehmen die Rechte dazu kaufen, um dies zu ermöglichen. Wenn man also weniger ausstößt als man darf, kann man dieses Recht an andere verkaufen."
Die Idee ist also, Unternehmen mit weniger Emissionen zu belohnen und solche zu bestrafen, die zuviel ausstoßen – und zwar durch finanzielle Anreize. Dieses Schema existiert bereits in den USA und in Europa, in China soll es nun versuchsweise eingeführt werden. Jun Ying ist Analyst des Beratungsunternehmens Bloomberg New Energy Consultant, er sagt dazu:
„Ich persönlich bin nicht ganz sicher, wie schnell China dieses Schema großangelegt einführen will, um etwa mehr Sektoren miteinzubeziehen oder sogar die gesamte Wirtschaft, Regionen oder Städte."
Aber wie ist diese Idee geeignet für den chinesischen Markt? Dazu noch einmal Deborah Seligsohn:
„Nun, das ist die große Frage. Denn es ist nicht einfach, einen CO2-Handel zu organisieren. Daher finden auch viele, China täte besser daran, sich einer CO2-Steuer anzunähern als dem CO2-Handel. China hat nämlich ein sehr effektives Steuersystem; eine weitere Steuer einzuführen, wäre also eine relativ gute Wahl für das Land."
Jun Ying von Bloomberg New Energy Finance sagt hingegen, der CO2-Handel könne die Schadstoffemission reduzieren und die gesamte Wirtschaft ankurbeln:
„Man braucht Händler, man braucht die ganzen Finanzunternehmen. Es ist nicht nur eine Sache der Industrie, wie etwa Unternehmen oder Fabriken, es können auch Makler, Händler, Zweitkäufer oder -verkäufer am Markt teilhaben. Es bedeutet also eine Menge Möglichkeiten, etwa das Schaffen von Arbeitsplätzen oder einen BIP-Anstieg der gesamten Wirtschaft."
Die Idee des CO2-Handels an sich wurde kritisiert, weil es großen Umweltverschmutzern erlaubt, mit der Verschmutzung fortzufahren. Deborah Seligsohn aber sagt, ein Vorteil liege darin, ein System einzuführen, mit dessen Hilfe in Zukunft strengere Regeln zur Emissionskontrolle umgesetzt werden können:
„All diese Systeme sind auf der Methodik zu mehr Beschränkung von Schadstoffen aufgebaut. Aber ohne dies und ohne die weltweite Beteiligung ist man nicht dazu in der Lage, die Schadstoffemission auf ein Maß zu reduzieren, um einen katastrophalen Klimawandel zu vermeiden."
Zwischen 1993 und 2009 ist der Meeresspiegel pro Jahr um drei Millimeter gestiegen - deutlich schneller als in den vorangegangenen Jahren. Der CO2-Handel ist unter Umständen eine der Möglichkeiten um sicherzustellen, dass die heute gemachten Anstrengungen zur Reduzierung der Schadstoffemission mehr sind als nur ein Tropfen auf den heißen Stein.



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