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Einsam fürs Vaterland – auf Grenzwacht in Tibet
  2011-07-28 13:28:17  cri
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Im Alter von 20 will man die Jugend und die Liebe so richtig genießen. Das gilt auch für die jungen chinesischen Grenzsoldaten, die im Autonomen Gebiet Tibet auf über 4.000 Meter über Meer stationiert sind.

Soldat Lu Zhouyang ist seit zwei Monaten in Gangba auf 4.900 Metern über Meer stationiert. Auf Patrouille mit dem Gewehr war der 20-Jährige erst zweimal. Als er zum ersten Mal mit dem Gewehr in der Hand entlang der Grenze zu Indien patrouillierte, wurde ihm erst so richtig bewusst, welche Verantwortung er eigentlich trägt. Vor seinem Eintritt in die Volksbefreiungsarmee studierte Lu Zhouyang an der Pädagogischen Hochschule Zhoukou in der zentralchinesischen Provinz Henan. Anfänglich kamen ihm immer wieder Zweifel, ob seine Entscheidung für eine Karriere in der Armee auch richtig war:

„Meine Kommilitonen sagten mir am Telefon, wie gut ihr jetziges Leben ist. Ich habe mich auch schon gefragt, ob ich die richtige Wahl getroffen habe, schließlich bin ich weit von einem gemütlichen Leben entfernt. Dann aber sagte ich mir: viele andere Soldaten sind ja auch hier. Wenn sie hier bleiben können, dann sollte ich das ja auch schaffen. Außerdem kann ich hier das lernen, was meine Kommilitonen später vielleicht noch lernen müssen."

Die extremen klimatischen Bedingungen auf dem 4.900 Meter hohen Plateau machen den Offizieren und Soldaten ganz schön zu schaffen. Lu Zhouyang bildet hierbei keine Ausnahme. Wie seine Kameraden hat auch er schon unter Kopfschmerzen, Atembeschwerden und anderen Folgen der Höhenkrankheit gelitten. Profitiert hat er bisher vor allen in mentaler Hinsicht: Seit seiner Stationierung im tibetischen Hochland ist er ausdauernder, mutiger und verantwortungsvoller geworden. Zudem hat er gelernt, Probleme eigenständig zu lösen.

Der Wachposten Zhanniangshe liegt auf über 4.600 Meter über Meer. Er ist praktisch komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Eine Zufahrtstraße gibt es noch nicht. Die hier stationierten Soldaten sind nur von steilen Felswänden und Wolken umgeben. Im Soldatenjargon wird Zhanniangshe daher oft auch als „Wachposten in den Wolken" bezeichnet. Nicht selten singen die Soldaten, um sich ihrer Einsamkeit zu entledigen.

Von Oktober bis April gibt es für die Soldaten hier oben nichts anderes zu essen als eingemachtes Gemüse. Getrunken wird geschmolzener Schnee. Auch ihre Freizeitmöglichkeiten sind stark eingeschränkt: wer mit Schnee nichts anfangen kann, dem bleiben nur Tischtennis, Bücher und der Fernseher. Mangels Leitungswasser ist auch das Duschen sehr umständlich. Daher träumen die Soldaten im Sommer immer davon, einmal in die Grenzkreisstadt Yadong zum Duschen zu gehen. Ma Guanjing ist einer der Soldaten auf dem „Wachposten in den Wolken". Der 23-Jährige erzählt seinen Eltern bewusst nicht, wie hart der Alltag im unwirtlichen Schneeland ist:

„Ich habe ihnen immer gesagt, dass die Lebensbedingungen hier gut sind und dass ich das ganze Jahr hindurch frisches Gemüse essen kann. Ich bin ein Einzelkind. Wenn meine Eltern wüssten, wie es mir hier oben wirklich geht, dann würden sie sich bestimmt Sorgen machen."

Auch Frauen sind an der Grenze zu Indien im Einsatz. Soldatin Bao Zhenglu kommt aus dem ostchinesischen Anhui. Nach ihrem Eintritt in die Volksbefreiungsarmee im November 2009 wurde sie nach Tibet geschickt. Die Sonne hat ihre Haut schon ganz braun gefärbt. Zeit für die Schönheitspflege wie im zivilen Leben hat Bao Zhenglu in der Armee so gut wie keine:

„Ich hab nie genug Zeit, um mich frisieren zu lassen. Bei uns in der Armee gibt es zwar einen Frisör. Aber draußen in den Frisörläden kriegt man eine schönere Frisur. Leider dürfen wir uns für höchstens zwei Stunden abmelden. Ich bitte den Frisör dann immer, möglichst rasch vorwärts zu machen."

Der Wachposten Chaguola am Fuße des mächtigen Qomolangma liegt auf fast 5.300 Metern über Meer. Kommandeur Wujin Dorji ist Tibeter. Er verbringt jedes Jahr fünf Monate auf dem Posten Chaguola. Seine Frau Lamo hat er seit der Heirat an lediglich 30 Tagen gesehen. Lamo selbst versucht ihren Mann so gut es nur geht zu unterstützen:

„Als seine Eltern krank waren, habe ich ihm auch nicht Bescheid gesagt. Ich habe sie immer selbst zur ärztlichen Behandlung gebracht. Er ist schon stark beschäftigt und seine Arbeit ist sehr anstrengend. Das ist meine Art, ihn zu unterstützen. Er ist mein ganzer Stolz."


(Wujin Dorji und seine Frau )

Im nächsten Jahr wollen Wujin Dorji und seine Frau im Urlaub zusammen einige Tage in Qingdao am Meer verbringen.

Viele der in Tibet stationierten Grenzsoldaten sind Junggesellen. Einer von ihnen ist Dolmetscher He Zhenghai. Er hat sich erst kürzlich mehrmals mit einer jungen Frau verabredet. Zwar fanden sich beide ganz sympathisch, doch mussten sie auch einsehen, dass eine Fernbeziehung nicht das gelbe vom Ei ist:

„Sie fragte mich, wann ich zurückkehren würde. Ich sagte dann, vielleicht in zehn Jahren. Darauf antwortete sie, zehn Jahre seien zu lang. Ich denke, sie hat Recht. Ich meine, wie viele gute Jahre hat eine Frau? Trotzdem versuchte ich sie noch zu überreden. Sie fragte mich dann, an wen sie sich wenden solle, falls sie in der Nacht plötzlich krank werden sollte? Ich musste mir dann auch eingestehen, dass sie ein besseres Leben verdient hat."

Wu Changrun dient in Xigarze. Ihren Freund sieht die 24-jährige Soldatin höchstens zweimal pro Monat:

„Wir haben es nie so romantisch wie gewöhnliche Liebespaare, die heute ins Kino gehen, und sich morgen schon wieder woanders treffen. Uns genügen schon ein Blumenstrauß und ein bisschen Schokolade. Wenn man die Uniform trägt, dann muss man sich langsam an ein solches Leben gewöhnen."

Wu Changrun und ihre Kameraden auf Grenzwacht im fernen Tibet haben mit der Trennung von ihren Liebsten zu leben gelernt. Für sie gilt, was in alten chinesischen Gedichten ganz oft über die Liebe geschrieben wird: „Wenn die Liebe zwischen einem Paar lange währt, dann muss das Paar nicht unbedingt jeden Tag zusammen sein."

Übersetzt und gesprochen von Qiu Jing

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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