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Die Hauptstadt des Porzellans – Jingdezhen
  2011-05-19 10:31:47  cri
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Das im Nordosten der chinesischen Provinz Jiangxi gelegene Jingdezhen ist bekannt für seine Porzellanwaren. Dank einzigartiger geologischer Bedingungen ist Jingdezhen seit langem ein Standort der Keramik- und Porzellanindustrie. Die Produktion von Keramiken wurde in Jingdezhen bereits während der Han-Dynastie vor mehr als 1.700 Jahren aufgenommen. Während der Yuan-Dynastie tauchte in Jingdezhen das bald weltweit berühmte blauweiße Porzellan auf. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich die Stadt Jingdezhen zum landesweiten Zentrum der Porzellanherstellung. Doch nicht nur das, mit der Verbreitung von Porzellanwaren auf der ganzen Welt verdiente sich Jingdezhen den Namen „Hauptstadt des Porzellans".

Das englische Wort „china" trägt zwei Bedeutungen: Die erste bezieht sich auf das Land China. Die andere hingegen verweist auf das Produkt Porzellan. Die zweite Variante entwickelte sich aus dem Ortsnamen Changnan, wie man das heutige Jingdezhen ursprünglich nannte.

Jingdezhen befindet sich im Nordosten der chinesischen Provinz Jiangxi.

Im Umfeld der Stadt türmen sich Gebirge auf, das Terrain wird von zahlreichen Flüssen durchschnitten. Die frühen Keramikproduzenten fanden hier reiche Vorkommen der für ihr Handwerk benötigten Ressourcen vor. Aufgrund dieser günstigen Voraussetzungen entwickelte sich Jingdezhen zu einem Zentrum der Keramik- und Porzellanindustrie. Der Beginn der Produktion von Töpferwaren fällt in die Han-Dynastie vor 1.700 Jahren, massenhafte Produktionen lassen sich für die Tang-Dynastie nachweisen. Doch besonders berühmt wurde Jingdezhen während der Yuan-Dynastie, als das blauweiße Porzellan Chinas überall auf der Welt zu finden war. In den sich anschließenden Dynastien der Ming und Qing erreichte die Porzellanindustrie der Region den Höhepunkt ihrer Entwicklung. Handwerker aus allen Landesteilen strömten nach Jingdezhen, während die Waren der Stadt in alle Welt verkauft wurden. Seit diesen Tagen ist der Name Jingdezhen auf den Porzellanmärkten des Erdenrunds bekannt.

Ursprünglich hieß die Stadt Jingdezhen eigentlich Changnan. Doch wegen ihrer engen Beziehung zum Porzellan wurde sie später umbenannt und mit ihrem heutigen Namen versehen. Wie uns der stellvertretende Direktor des örtlichen Porzellanmuseums Xu Yaosheng erklärt, geht diese Namensänderung auf den Kaiser Zhenzong der Song-Dynastie zurück. Diesem gefielen die Waren aus Jingdezhen besonders gut, und so verlieh er der Stadt ihren neuen, bis heute verwendeten Namen.

„Wir sprechen jetzt über die Song-Dynastie im Jahre 1004, als Kaiser Zhenzong das Land regierte. Er beehrte das Changnan seiner Zeit mit dem Namen seiner Regierungsdevise Jingde – seitdem heißt die Stadt Jingdezhen. Diesen Namen hat sie seither 1.000 Jahre lang getragen."

Die in Jingdezhen produzierten Porzellanwaren sind von großer Schönheit. Eine häufige Beschreibung charakterisiert sie als weiß wie Jade, glänzend wie ein Spiegel und dünn wie Papier.

Aufgrund dieser Qualitäten stellten die hiesigen Manufakturen schon sehr früh Porzellane im Auftrag des Kaiserhofes her. Der erste Kaiser der Ming-Dynastie, Zhu Yuanzhang, ließ in der Stadt amtliche Manufakturen errichten, in der Qing-Dynastie wurde schließlich der gesamte Produktionsprozess von kaiserlichen Beamten überwacht. Zu jener Zeit versammelten sich die Meister der Porzellanherstellung aus allen Landesteilen Chinas in den Manufakturen Jingdezhens, um mit besten Rohstoffen erlesene Kunstwerke hervorzubringen.

Wie uns Xu Yaosheng erklärt, sei die amtliche Manufaktur so groß gewesen, dass sie einst ohne weiteres eine 40.000 Stück umfassende Bestellung des Kaiserhofes erfüllen konnte.

„Nach Aussage historischer Dokumente war die damalige kaiserliche Manufaktur ungefähr 1,5 Quadratkilometer groß. Die Werkstätten waren in 20 Abteilungen untergliedert, die eine abgeschlossene Produktionskette bildeten. Diese Kette begann bei der Rohstoffgewinnung und endete mit dem fertigen Produkt. Schätzungen zufolge waren hier mehr als 10.000 Arbeiter beschäftigt."

Ab der Song-Dynastie gelangten die Waren aus Jingdezhen über die Seidenstraße sowohl auf dem Landweg aus auch über das Meer in alle Teile der Welt. Vom Charme des Porzellans verzaubert, verliehen ihm die Menschen im Westen den Namen „weißes Gold". Mit der Erschließung neuer Seehandelsrouten durch die Portugiesen nahmen die europäischen Länder im 15. Jahrhundert ihren Porzellanhandel mit China auf. In historischen Aufzeichnungen heißt es, dass allein zwischen 1602 und 1657 etwa drei Millionen Porzellanwaren nach Europa ausgeführt wurden. Auch hierzu kann uns der stellvertretende Museumsdirektor Xu mehr berichten.

„Neben den fertiggestellten Porzellanwaren bestellten westliche Länder damals auch Auftragsstücke. Unter anderem verlangten westliche Herrscherhäuser nach Porzellanen, die mit ihren Wappen verziert waren. Dieser Handel löste in einigen Ländern des Westens Ängste aus, da durch das Porzellangeschäft große Mengen an Silber nach China flossen."

Mit dem Beginn der Neuzeit bis in die Frühphase der VR China geriet die Porzellanherstellung in Jingdezhen immer mehr in die Krise. Doch nach dem Beginn der Reform- und Öffnungspolitik entwickelte sich die lokale Wirtschaft schnell, was auch der Porzellanproduktion zuträglich war. Heute trägt Jingdezhen daher wieder ihren angestammten Status als unbestrittene Hauptstadt des Porzellans.

Neben der allgemeinen Förderung der Porzellanherstellung hat Jingdezhen auch eine Umstrukturierung seiner Industrie eingeleitet. So wurden modernste Produktionsmethoden eingeführt, mit deren Hilfe auch High-Tech-Keramiken und im Baugewerbe benötigte Porzellane hergestellt werden können. Der stellvertretende Bürgermeister Jingdezhens, Huang Kangming, erklärt uns anhand konkreter Statistiken die gegenwärtige Entwicklung.

„Im vergangenen Jahr hat die Porzellanindustrie in Jingdezhen rund 16 Milliarden Yuan RMB erwirtschaftet. Die Steuereinnahmen aus dieser Branche betrugen 300 Millionen RMB. Zudem wurden Porzellanwaren im Wert von 300 Millionen US-Dollar exportiert. Im Vergleich zum Zeitraum vor zehn Jahren haben sich diese Werte verzehnfacht."

Im Jahre 2004 fand in Jingdezhen die erste internationale Keramik- und Porzellanmesse statt. Seither sind die Teilnehmerzahlen sowie die Handelssumme der jährlichen Veranstaltung ständig gestiegen. Nach Aussage Huang Kangmings wurden im Zuge der Messe im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Yuan RMB erwirtschaftet. Darüber hinaus wurden Handelsvereinbarungen in Höhe von einer Milliarde Yuan RMB unterzeichnet.

Zudem hat das durch die Messe erweiterte Interesse zu einer Steigerung ausländischer Investitionen auf mehr als drei Milliarden Yuan im Jahr 2010 geführt. Wie uns Huang Kangming erklärt, trägt die internationale Fachmesse vor allem zwei Bedeutungen.

„Die Messe bietet Keramik- und Porzellanhändlern, Handwerkern, Künstlern sowie Experten in diesem Bereich eine Plattform an, um sich über Produktion und Handel auszutauschen. Zudem hoffen wir, die Porzellanindustrie in Jingdezhen fördern zu können. Der Status Jingdezhens als Porzellanhauptstadt der Welt soll weiter gestärkt werden."

Auch zukünftig will man in Jingdezhen moderne Technologien einführen, um die Umstrukturierung der Porzellanbranche voranzutreiben. Das Entwicklungsprogramm für die kommenden fünf Jahre sieht die Errichtung eines staatlichen Industrieparks, die Förderung von Forschungsvorhaben sowie die Ausbildung von Fachkräften vor. Diese Maßnahmen sollen der Erhöhung der Konkurrenzfähigkeit der örtlichen Porzellanindustrie dienen. Sollten diese Vorhaben planmäßig verlaufen, wird für das Jahr 2015 mit einer Warenproduktion im Wert von 50 Milliarden Yuan RMB gerechnet.

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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