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Sterbehilfe in China - Ein langwieriger Weg
  2011-05-10 09:58:27  cri
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Bereits 1988 haben Abgeordnete des Nationalen Volkskongresses einen Gesetzentwurf über Euthanasie, also aktive Sterbehilfe, eingebracht. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Fälle in China, in denen Ärzte auch tatsächlich auf Bitte eines Patienten oder von Familienangehörigen hin aktiv Sterbehilfe geleistet haben. Angesichts dessen gilt es also, die Sterbehilfe gesetzlich zu verankern.

Hitzige Debatten finden darüber in China statt, warum aber die Sterbehilfe bisher nicht durch legislative Verfahren anerkannt wurde, ist hauptsächlich auf drei Gründe zurückzuführen:

Zum einen besteht natürlich ein Widerspruch, wenn man traditionelle Ethik und Moral betrachtet. Demnach sollen Ärzte Schwerkranken helfen und Verletzten medizinische Hilfe anbieten. Folgerichtig ist es für viele Menschen inakzeptabel, wenn diese „Götter in weiß" dann plötzlich Sterbehilfe leisten. Außerdem ist es in der chinesischen Ethik tief verwurzelt und auch von Generation zu Generation weitergegeben, dass der Mensch sein eigenes Leben respektieren und nie leichtfertig aufgeben soll. Euthanasie, die ja darauf hinausläuft, das Leben eines Kranken zu beenden, läuft also ohne Zweifel der traditionellen Ethik und Moral zuwider. Deshalb fällt es vielen Chinesen schwer, Sterbehilfe zu akzeptieren und dem Leben eines Familienangehörigen möglicherweise ein Ende zu setzen.

Zum anderen gibt es auch die Sorge um einen eventuellen Mißbrauch der Sterbehilfe. Es fehlt sowohl der Regierung als auch der Bevölkerung an Zuversicht, dass ein solches Sterbehilfe-Gesetz in China rechtmäßig durchgeführt werden kann. Und jeder mögliche Mißbrauch dieses Gesetzes würde Mord bedeuten. Wie man wiederum die darauf folgenden gesellschaftlichen Probleme vermeiden kann, steht ebenfalls im Mittelpunkt der Debatten.

Und schließlich würde sich die chinesische Regierung einem größeren Druck der Außenwelt gegenübersehen und mehr Verpflichtungen tragen müssen, da die medizinische Versorgung in China noch nicht überall zufriedenstellend ist. Einer internationalen Menschenrechtskonvention zufolge verpflichtet sich jeder Staat dazu, seinen Bürgern eine grundlegende medizinische Versorgung und Sozialabsicherung zu bieten. Es ist sicherlich so, dass China als Entwicklungsland ein noch unvollständiges Sozialsystem hat. Vor allem große Teile der Landbevölkerung, welche die deutliche Mehrheit der Bevölkerung in China ausmacht, sind bisher noch nicht in das staatliche Sozialabsicherungssystem aufgenommen. Die Regierung hat deshalb Bedenken, dass ohne ein komplettes Sozialabsicherungssystem als Fundament die gesetzmäßige Durchführung von Sterbehilfe funktionieren kann. Sterbehilfe in diesem Fall im Gesetz zu verankern, könnte von manchen Ärzten leicht dazu ausgenutzt werden, um ihrer Verantwortung zu entgehen.

Meinungsumfragen zufolge plädieren die meisten Chinesen für die Legalisierung der Sterbehilfe. In der medizinischen Praxis gibt es auch immer wieder Patienten, welche die Qualen ihrer Krankheit nicht mehr ertragen können und ihre Ärzte um Sterbehilfe bitten. Angesichts der immer lauteren Stimmen für eine Legalisierung ist es für die chinesische Regierung an der Zeit, Sterbehilfe per Gesetz anzuerkennen und die Umsetzung zu standardisieren.

Um ein solides Fundament für die Anwendung von Sterbehilfe in China aufzubauen, sollen zunächst das medizinische Versorgungssystem und das Sozialsystem weiter verbessert werden. Mit besseren Systemgarantien soll so das Vertrauen in die rechtmäßige Leistung von Sterbehilfe gesteigert werden. In einem legislativen Verfahren sollen alle bereits aufgezählten möglichen sozialen Probleme berücksichtigt werden. Das Wichtigste aber ist, einen eventuellen Mißbrauch des Sterbehilfe-Gesetzes zu vermeiden. Experten sagen daher, die Gesetzgebung solle durch umsichtige Diskussionen beziehungsweise Debatten zustandekommen. Möglichst viele Bürger sollten an der Entstehung des Gesetzes teilhaben, so dass unterschiedliche Meinungen zum Ausdruck gebracht und Einigungen erzielt werden können. Unter allen Debatten über das Thema ist aber eine Frage von Grund auf am wichtigsten: ist die Regierung bereit, Sterbehilfe im ganzen Land zuzulassen und die damit verbundene große Verantwortung zu übernehmen? Eine entsprechende Gesetzgebung kann nur dann erfolgen, wenn diese Frage beantwortet worden ist.

Übersetzt von Liu Yuanyuan

Gesprochen von Li Yanping

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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