Obwohl man in Beijing noch immer im Frühlingswind tanzende Plastikbeutel zu Gesicht bekommt, muss man doch zugeben, dass sich die Beijinger immer mehr um den Umweltschutz bemühen. Junge und alte Menschen sowie die Unternehmen tragen alle auf ihre eigene Weise mehr oder weniger zum Umweltschutz bei. Dabei leisten sie gleichzeitig, ob bewusst oder unbewusst, einen Beitrag für die weitere Entwicklung der Wirtschaft und Gesellschaft.
Frau Tang ist eine 62-jährige Hausfrau. Obwohl sie, wie sie selbst sagt, „nichts Besonderes" für die Umwelt getan hat, zählt sie schon fast zur Gruppe der Umweltschützer:

„Wenn ich und mein Mann ausgehen wollen, nehmen wir nur sehr selten das Auto unserer Kinder. Wir fahren mit der U-Bahn oder mit dem Bus. Mein Mann nimmt meist das Fahrrad, wenn er etwas kaufen möchte. Mit dem Wasser, das wir für unser Aquarium oder beim Gemüsewaschen benutzt haben, begießen wir die Blumen oder wir spülen damit die Toilette."
Wenig ist besser als nichts. Wenn sich jeder von uns wie Frau Tang ein wenig mehr für die Umwelt einsetzen würde, wäre der Umweltschutz um vieles weiter.
In den chinesischen Grundschulen wird den Kindern Wissen zum Umweltschutz vermittelt. Dies hat bereits erste Erfolge bewirken können.
Zhang Xuan besucht an der Jingshan Grundschule in Beijing die vierte Klasse. Sie erzählt uns, was kürzlich an ihrer Schule geschehen ist:
„Früher haben wir beim Essen in der Schule Einweggeschirr benutzt. Einige Mitschüler meinten, dass das schlecht für die Umwelt ist. Die Schule hat dann ihren Vorschlag akzeptiert. Nun benutzen wir beim Essen unser eigenes Geschirr."
Im Umweltschutz sind Kinder oftmals umsichtiger als viele Erwachsene. In manchen Fällen spielen sie die Rolle eines „Umweltschutz-Kontrolleurs".
Frau Tang berichtet Folgendes über ihre Enkelin:
„Meine Enkelin besucht nun die Mittelschule. Im Vergleich zu mir kümmert sie sich noch viel mehr um die Umwelt. Sie fordert ihre Eltern dazu auf, weniger mit dem Auto zu fahren. Sie kritisiert ihre Eltern sogar, wenn sie etwas Umweltschädliches getan haben. "
Wenn ihre Kinder ein solches Bewusstsein für die Natur an den Tag legen, können Erwachsene den Umweltschutz da überhaupt noch vernachlässigen?
Frau Liu arbeitet bei einem Außenhandelsunternehmen. Mit den Maßnahmen des Unternehmens zum Umweltschutz ist sie relativ zufrieden:
„In unserem Unternehmen wurde vorgeschlagen, E-Mails statt Faxe zu verschicken, um Papier zu sparen. Und Computer, die nach dem Feierabend nicht mehr gebraucht werden, müssen ausgeschaltet werden. Wir haben auch unterschiedliche Mülleimer im Büro, die Abfälle werden gut sortiert."
Allerdings gibt es noch immer viel in ihrem Unternehmen zu verbessern, meint Frau Liu:
„Ich hatte vorgeschlagen, in der Kantine kleinere Portionen für Frauen anzubieten. Frauen essen ja normalerweise weniger als Männer. Aber sie bekommen genauso viel zum Essen. Wenn sie es nicht aufessen können, werden Getreide und Gemüse verschwendet."
Sich im Alltag Gedanken über den Umweltschutz zu machen, kostet uns nicht viel Energie. Doch jeder einzelne Vorschlag trägt die Möglichkeit in sich, die Welt positiv zu verändern.
Hu Ruijuan studiert an der Pädagogischen Hochschule Beijing und engagiert sich als Freiwillige im Umweltschutz. Sie teilt uns mit, dass sie es traurig findet, dass die heutigen Kinder immer weiter von der Natur entfernt aufwachsen. Um ein Umweltbewusstsein auszubilden, müssten die Kinder aber zuerst etwas über die Natur wissen:
„Ich nehme an einigen Umweltschutzmaßnahmen teil, die sich mit der Umweltbildung beschäftigen. Gestern habe ich mich zum Beispiel an einer Eltern-Kinder-Aktivität beteiligt, die vom Umweltbildungszentrum Aiziran, wörtlich übersetzt „die Natur lieben", organisiert wurde. Eltern und Kinder sind gemeinsam bei gutem Wetter in den Bergen gewandert. Wir haben den Kindern dabei die Natur näher gebracht."
Während die Kinder ein besseres Verständnis der Natur gewinnen, sei die Arbeit auch für sie selbst von Vorteil, wie Hu Ruijuan erklärt. Sie erzählt uns, dass sie von klein auf davon geträumt hat, eine eigene Farm für den Bio-Tourismus auszubauen. Die Arbeit für unterschiedliche Umweltorganisationen bietet ihr die Möglichkeit, mehr Freunde kennen zu lernen und Erfahrungen zu sammeln.
Wie man sieht, können der Umweltschutz und die Entwicklung einer Einzelperson durchaus in enger Beziehung zueinander stehen.
Im Gebäudekomplex Fudun am dritten Ring in Beijing gibt es derzeit 632 Haushalte, 200 Büros und 15 Geschäfte. Jeden Tag fallen hier etwa 60 Tonnen Abfälle an. Der 29-jährige Li Zhen hat aus diesem Umstand eine Geschäftsidee entwickelt: Er hat den Auftrag, den gesamten Müll des Gebäudes zu entsorgen. Bevor Li Zhen diese Arbeit übernahm, mussten die Mieter jährlich mehr als 100.000 Yuan für die Abfallentsorgung entrichten. Doch Li Zhen hat ein neues System eingeführt, bei dem der Müll in zehn verschiedene Kategorien eingeteilt wird. Dabei können neun der zehn Abfallsorten recycelt werden, wie uns Li Zhen mitteilt. Dadurch konnten die Kosten für Müllentsorgung auf jährlich 30.000 Yuan gesenkt werden, während der Weiterverkauf der wieder verwendbaren Abfälle einen Gewinn von 50.000 Yuan pro Jahr einbringt. Nach Auskunft Li Zhens würde er bereit sein, viel mehr Zeit in die Suche von Abnehmern für den Müll zu investieren als die Gebäudeverwaltung. Daher könne er die recyclingfähigen Abfälle zu einem viel besseren Preis verkaufen.
So kommt eine „Win-Win-Situation" zustande. Li Zhen und seine Mitarbeiter verdienen Geld, die Umweltbehörden brauchen nicht mehr so viel Müll wie vorher zu transportieren, und die Unternehmen bekommen hochwertige Rohstoffe. Außerdem werden im Rahmen dieses Prozesses natürlich auch Ressourcen eingespart, was der Umwelt hilft.
Dieses Beispiel zeigt einmal mehr, dass sich Umweltschutz und wirtschaftlicher Erfolg keineswegs gegenseitig ausschließen müssen.
Interview und Text von Hu Hao
Gesprochen von Li Yanping



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