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Wie das Wasser in den Wasserhahn kommt
  2011-04-01 09:53:49  cri
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Jeder Reiseführer und jeder Einheimische wird ihnen davon abraten, in Beijing Leitungswasser zu trinken, zumindest, ohne es vorhin zu filtern oder abzukochen. Das Hauptproblem sollen dabei die alten und verrosteten Leitungen sein. Verantwortlich für die Wasserversorgung in der Hauptstadt sind die Beijinger Wasserwerke. Dort hatte man die Idee, die Bevölkerung besser über die eigene Arbeit zu informieren.

Die Angestellte des Museums Liang Shuyun:

„Das Beijinger Museum für Leitungswasser wurde im Oktober 2000 errichtet. Es befindet sich im alten Pumphaus des ersten Beijinger Wasserwerks in Dongzhimen. Die Besucher des Museums werden über die riesigen Veränderungen bei der Wasserversorgung in den letzten hundert Jahren informiert. Sie erfahren über den Aufbau des Systems, die Entwicklung des Wasserleitung-Netzes, die Überprüfung der Wasserqualität und anderes mehr. Es wird die Erkenntnis vermittelt, dass das Wasser nicht von selbst aus dem Wasserhahn fließt und welche Arbeit dahinter steckt."

Das Museum kann grob in drei Abschnitte unterteilt werden. Der erste erzählt die Geschichte der Wasserversorgung in der Hauptstadt bis 1949, der zweite widmet sich dem schrittweisen Aufbau des heutigen Systems nach der Gründung der Volksrepublik. Und der dritte Teil erzählt von den Herausforderungen, mit denen die Wasserwerke heute konfrontiert sind.

Vor dem Aufbau eines Leitungssystems bezog der Beijinger das Wasser überwiegend aus Brunnen. Daran erinnern noch heute zahlreiche Straßennamen. So übersetzt man Wangfujing, die berühmte Einkaufstraße im Stadtzentrum, wörtlich als „Brunnen für die Residenzen der Prinzen". In dieser Gegend befand sich also ein Brunnen, aus dem das Wasser für die in der Nähe wohnenden Herrschaften geschöpft wurde.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts änderte sich die Situation. Bezeichnenderweise waren aber nicht die Sorge um die mangelnde Versorgung und die schlechte Qualität des Wassers der Grund für die ersten Wasserleitungen. Die Regentin Cixi grämte sich vielmehr wegen dem fehlenden Brandschutz.

So wurde unter der Oberleitung von Yuan Shikai, dem späteren Präsidenten der Republik, die „Hauptstädtische Aktiengesellschaft für Leitungswasser" gegründet – die erste Aktiengesellschaft in China. Mit Hilfe von Ingeneuren und Technik aus Deutschland wurde außerhalb von Dongzhimen, also außerhalb der damaligen Stadtmauern, das erste Wasserwerk der Hauptstadt errichtet.

Die Profite erzielte die Aktiengesellschaft natürlich nicht durch den Brandschutz, sondern durch den Verkauf des Wassers an die Bewohner. Doch trotz der schlechten Qualität des Wassers aus den Brunnen hat es recht lange gedauert, bis die Menschen das neue System akzeptierten. Wegen dem unklaren Ursprung und den Wasserblasen, die bei Zapfstellen entstehen, nannte man es verächtlich „ausländisches Seifenwasser". Die Aktiengesellschaft musste in Zeitungsanzeigen investieren, um die Bedenken der Menschen zu zerstreuen. Schließlich hat man es aber geschafft und die Wasserzapfstellen wurden zum Teil des Beijing der Republikzeit.

Bereits nach der Gründung der Volksrepublik begann man schrittweise mit dem Anschluss der einzelnen Haushalte an die Wasserversorgung. Denn bis Anfang der 1950er Jahre bezogen nach wie vor etwa zwei Drittel der Bevölkerung das Wasser nicht an den Zapfstellen, sondern wie früher aus Brunnen. Immer mehr und immer modernere Wasserwerke entstanden in und rund um Beijing. Eine Karte im Museum zeigt die Position der Werke und die wichtigsten Ursprungsquellen für das heutige Beijinger Wasser an.

Der Stausee im Miyun im Norden der Stadt wurde nach seiner Errichtung zu Beginn der 60er Jahre zu einer der Hauptquellen für die Versorgung der Stadt. Die anderen beiden sind Untergrundwasser und das Gebiet Pinggu, ebenfalls etwas weiter im Norden von Beijing. Um das Angebot zu diversifizieren, wurden schließlich vier Gebiete in der Provinz Hebei ebenfalls an die Versorgung der Hauptstadt angeschlossen.

Im trockenen Norden Chinas ist Wasser eine kostbare Ressource. Um so schwerer ist es, ausreichend Wasser in eine riesige Stadt wie Beijing zu liefern. Deswegen legen die Wasserwerke der chinesischen Hauptstadt ihr Augenmerk verstärkt auf den Bau von Klär- und Aufbereitungsanlagen - eine Tatsache, auf die man im Museum gerne mehrmals hinweist.

Es ist sicherlich für ein Museum mit Leitungswasser als Hauptthema nicht einfach, viele Besucher anzulocken. So machen auch organisierte Gruppen den größten Teil der Führungen aus. Nur selten verliert sich ein individueller Besucher hierher. Der Student Zhang ist einer dieser Wenigen:

„Ich hab früher gar nicht gewusst, dass es hier in Beijing so ein Museum für Leitungswasser gibt. Und habe ich auch nie darüber nachgedacht, woher das Leitungswasser kommt und wie es transportiert wird. Erst nach dem Besuch des Museums wurde mir klar, welche Arbeit und welche Mühe hinter dem Prozess steckt."

Doch lassen sich die Betreiber von den wenigen Besuchern nicht abschrecken. Es wird sogar angedacht, ein neues und größeres Museum in der unmittelbaren Nähe zu bauen. Wir wollen uns nicht darüber streiten, ob der Wasserversorgung wirklich ein größeres, mehrstöckiges Museum gewidmet werden soll. Doch sollte der Bau einer neuen Anlage auf keinen Fall das alte Areal beeinträchtigen.

Einen großen Teil des Geländes vor dem Museum nimmt eine ausgedehnte Rasenfläche ein. Auf der gegenüber liegenden Seite stehen aus der Republikzeit stammende Pavillons, die in einer Mischung von westlichen und chinesischen Stil der damaligen Zeit erbaut wurden. Ebenfalls erhalten ist das Dampfrohr, das früher wohl von weit her den Standort der Werke anzeigte, heute aber von den rundherum stehenden Hochhäusern verdeckt wird.

Umgeben von den mehrspurigen Schnellstraßen, Hochbahnen, Bürogebäuden und lärmenden Baustellen ist das Museum eine eigenartige Oase der Ruhe in einem der geschäftlichsten Teile der chinesischen Hauptstadt.

Text von Jörg Pensin

Gesprochen von  Jörg Pensin

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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