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Teekonsum und Teezeremonie in China
  2011-01-16 14:57:44  cri
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F: Herzlich willkommen zu unserer Fragerunde! Heute möchten wir uns mit den Fragen unserer Hörer Hans Kopyciok aus Rostock und Engelbert Borkner aus Hildesheim zum Thema „Tee" beschäftigen. Herr Kopyciok schrieb uns vor kurzem in einem Brief:

M: „Der Hörerbriefkasten brachte nun wiederum eine Menge von Informationen. Meine Frau und ich sind passionierte Teetrinker, eine Frage möchte ich bitte beantwortet haben: Gibt es in China die gleiche oder eine ähnliche Teezeremonie wie in Japan?"

F: Zum Thema Tee erreichte uns auch ein Brief unseres Stammhörers Engelbert Borkner:

M: „Zum Tee habe ich noch eine Frage. Wie hoch ist der Teekonsum in China? Steht er als täglicher Getränk an der Spitze oder wird ihm der Rang durch andere Getränke abgelaufen."

F: Wir gehen sehr gern auf diese Fragen ein, lieber Herr Kopyciok und Herr Borkner, liebe Hörer. Wie Sie alle vielleicht schon wissen, ist China die Heimat des Tees. Der Teekonsum in China ist einer der höchsten der Welt. Der Tee ist selbstverständlich das Lieblingsgetränk der Chinesen. Man trinkt hier jeden Tag und das ganze Jahr hindurch Tee. In jeder Stadt und in jedem Dorf gibt es Teehäuser. Man trinkt Tee auf der Arbeit und abends sitzt man in fast allen Familien zusammen beim Tee und plaudert. Beim Gästebesuch oder anderen geselligen Anlässen ist ein guter Tee ein Muss. Der chinesische Volksmund führt den Tee deshalb als eines der sieben wichtigsten Dingen des Alltagslebens.

M: Genau. In China wird der Tee in den klimatisch günstig gelegenen Regionen im Süden des Landes angebaut. Mit rund 1,6 Millionen Hektar und damit etwa der Hälfte der weltweiten Anbaufläche ist China der größte Teeanbauer des Planeten. Auch in der Produktionsmenge steht China unangefochten auf Platz eins. 2008 erreichte die Teeproduktion hierzulande 1,24 Millionen Tonnen.

F: Ja. Aber es ist nicht nur die Menge, die Chinas Teeproduktion ausmacht, sondern auch die Sortenvielfalt. Im Großen und Ganzen wird der Tee in China in sechs Hauptarten untergliedert. Die wären der grüne, der rote, der Oolong, der gelbe Tee sowie der weiße und der schwarze Tee. Wobei das, was man in Deutschland herkömmlicherweise unter Schwarztee versteht, in China eher als roter Tee eingestuft wird. Im Durchschnitt trinkt man in China 500 Gramm Tee pro Jahr, wobei der Konsum in der Stadt deutlich über dem auf dem Land liegt.

M: Ja, genau. Die Teesträucher wurden in China schon in der grauen Vorzeit entdeckt und genutzt. Aber zu einer allgemeinen Gewohnheit wurde das Teetrinken erst seit der Tang-Dynastie, also vor etwa 1 300 Jahren. Es ist auch die Zeit, in der Lu Yu das „Cha Jing" – „Das Buch vom Tee" beziehungsweise den „Teeklassiker" geschrieben hat. Es ist die erste Monografie zum Thema Tee weltweit. Anfang des 9. Jahrhunderts kam die Teekultur schließlich nach Japan und im 17. Jahrhundert nach Europa.

F: Ja, auch die Teezeremonie stammt aus China. Schon in der Tang-Dynastie legte man großen Wert auf die Umgebung, die Umgangsformen und das Einschenken beim Teetrinken. Es bildeten sich feste Gepflogenheiten und Standards heraus. Man führte verschiedene Zeremonien am Hof, im Tempel oder bei Gelehrten durch. Ihnen wurde große Bedeutung bei der Ausbildung eines Menschen beigemessen.

M: Oh ja. In der Tang-Zeit sollten die Förmlichkeiten der Teezeremonie die traditionelle Etikette anerziehen, den eigenen Charakter stärken und den Menschen moralisch wie charakterlich vervollkommnen. Man sollte sich selbst finden und ein anderer Mensch werden können. Die Betonung der Moral und der Erziehung zeugen natürlich vom starken Einfluss des konfuzianischen Weltbildes.

F: Ja, genau. Beim chinesischen Teeritual legte man großen Wert auf Qualität des Wassers und seiner Temperatur, die Dauer des Aufbrühens ebenso wie dem Einschenken und der Umgebung. Zugleich war die eigene Gemütslage und die augenblickliche Stimmung von großer Bedeutung. Ebenfalls fand die Zeremonie nicht losgelöst von allem anderen statt. Sie sollte sich mit anderen Kunstformen wie der Dichtkunst, Kalligraphie und Malerei oder der Gartenbaukunst ergänzen.

M: Ja, das stimmt. Nun kommen wir näher auf den Unterschied zwischen chinesischer und japanischer Teezeremonie zu sprechen. Zwar kam die japanische Variante ursprünglich aus China, sie hat sich aber relativ früh abgespalten und sich unabhängig davon weiterentwickelt. Der wahrscheinlich einflussreichste japanische Meister der Teezeremonie, Sen no Rikyu, hat im 16. Jahrhundert das Grundprinzip von „He, Jing, Qing, Ji", also „Harmonie, Respekt, Reinheit und Ruhe" ausgerufen. Mittels Reinheit und Ruhe sollte der Mensch sein Herz von Schmutz und Misstrauen reinigen und so mit sich selbst und seiner Umgebung Frieden schließen und so Harmonie und gegenseitigen Respekt erreichen. Im Klartext heißt es, dass der Teetrinker sein Getränk in einer zurückgezogenen und dennoch eleganten Atmosphäre genießen sollte. Der Ort des Rituals oder die Inneneinrichtung müssen also ebenso wie die einzelnen Zeremonieschritte strengen Regeln entsprechen.

F: Das japanische Ritual gilt also als formeller und statischer als sein chinesisches Pendant. Die religiösen Komponenten haben eine stärkere Bedeutung. Vor allem Einflüsse des Buddhismus machen sich deutlich bemerkbar. Zwei wichtige Konzepte sollen nochmals betont werden. Zum einen gibt es in Japan die Vorstellung der Einzigartigkeit des Augenblicks. Man geht also davon aus, dass die einzelnen Schritte einmalig sind und nie wieder vorkommen. Entsprechend sorgsam muss man auf die einzelnen Vorschriften und Handgriffe achten. Des Weiteren gibt es das „Konzept des Alleinsitzens". Der Teetrinker sollte nach Möglichkeit entweder ganz allein im Pavillon sitzen, oder sich in möglichst großer Abkehr von anderen die Prozedur durchführen. Beide Konzepte sind stark vom Buddhismus durchdrungen.

M: In China läuft die Sache weit weniger formell ab. Das kann man bereits an den jeweiligen Bezeichnungen sehen. Während die Japaner üblicherweise von „Chado" also dem Dao, oder dem Weg des Tees sprechen, hat diese Bezeichnung in China einen sehr formellen oder gehobenen Klang. Man neigt dazu von „Cha Yi" oder „Cha Wenhua" zu sprechen, also der Teekunst oder der Teekultur. Neben bereits erwähnten konfuzianischen und buddhistischen Elementen kommen starke daoistische Einflüsse hinzu. Sie binden den Akt des Trinkens und den Tee selbst viel stärker in ein Gesamtkonzept ein. „Der Mensch soll mit dem Himmel eins werden" lautet eine berühmte Formel. Die jeweilige Person rückt also mehr in den Vordergrund, es ist nicht ein bloßes Befolgen von rituellen Formeln und Regeln.

F: Wobei sich die Zeremonie sich je nach Kontext und den Vorlieben der teilnehmenden Personen sehr stark unterscheiden kann. Man kann einzelne Elemente hervorheben und wieder andere eher in den Hintergrund rücken. Des Weiteren ließ das turbulente 20. Jahrhundert die Teezeremonie in China in eine tiefe Krise stürzen. Erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts begann man sich auf die Tradition zurückzubesinnen. Sowohl auf dem Festland als auch auf Taiwan wurden verschiedene Versuche unternommen, die wesentlichen Bestandteile oder die Kernprinzipien der chinesischen Teezeremonie festzulegen. Zwar unterschieden sich die einzelnen Ansätze, doch beinhalteten sie alle „He", die Harmonie, als ein Kernelement. Wieder ist es der Mensch und seine Einheit mit der Natur und seiner Umgebung die ausschlaggebenden Kriterien.

M: Verallgemeinernd kann man also sagen, dass die wesentlichen Unterschiede zwischen dem Teeritual in China und Japan der fehlende Strenge im Reich der Mitte ist. Hierzulande konkurrieren mehrere Auffassungen über den wesentlichen Kern und Ziele der Zeremonie. Man ist weitaus weniger auf feste ideologische oder formelle Bestimmungen gebunden. Ebenfalls ist in China weitaus stärker im einfachen Volk verbreitet. Das, was ihr an beinahe sakraler Strenge und rituellen Gepflogenheiten fehlt, macht sie durch Kreativität und Vielseitigkeit wett.

F: Ja, soviel liebe Radiofreunde, über das Thema Teekonsum und Teezeremonie in China.

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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