
Mod. Am 5. Januar 1950, vor 61 Jahren, hat ein in der chinesischen Geschichte bedeutender Deutscher, John Rabe, die Welt für immer verlassen. An diesem Tag möchten wir mit Ihnen, lieben Hörerinnen und Hörern, dieses guten Menschen gedenken.
Spr. John Rabe wurde 1882 in Hamburg geboren. Er machte eine kaufmännische Lehre und kam 1908 nach China, nachdem er zuvor einige Jahre in Afrika verbracht hatte. Von 1911 bis 1938 lebte er in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanjing. Dort arbeitete er in der Siemens-Niederlassung, deren Geschäftsführer er 1931 wurde. Nur wenige Monate nach Beginn der japanischen Invasion im Jahr 1937 wurde Nanjing von den Japanern eingenommen. Danach ging die japanische Armee mit unwahrscheinlicher Brutalität gegen die Zivilbevölkerung vor. Zahllose Menschen wurden getötet, viele Frauen vergewaltigt.
Zu dieser Zeit hatte sich John Rabe bereits entschieden, in Nanjing zu bleiben und den leidenden Einwohnern zu helfen. Zufällig entdeckte er, dass die Hakenkreuzfahne über der Siemens-Niederlassung aufgrund des deutsch-japanischen Bündnisses einen Schutz vor den Bombardierungen der Japaner bot. Rabe öffnete abertausenden Nanjingern die Tore der Firma und brachte sie so in Sicherheit. Zusammen mit anderen in der Stadt verbliebenen Ausländern errichtete er eine 3,88 Quadratkilometer große Sicherheitszone und wurde zum Vorsitzenden des internationalen Komitees dieser Sicherheitszone gewählt. Zeitweise fanden bis zu 250.000 Menschen Unterschlupf in der von ihm und seinen Helfern errichteten Schutzzone. Allein in seinem Einfamilienhaus nahm er mehr als 600 Chinesen auf. Sein Mut, sein unermüdlicher Einsatz und seine Großzügigkeit brachten Rabe bei den Chinesen den Ehrennamen „lebender Buddha" ein.
Wegen des zunehmenden Drucks aus Japan wurde er im Februar 1938 vom Siemens-Konzern nach Deutschland zurückgerufen. Trotz der Warnungen der Nazis hielt er in Städten wie Berlin und Hamburg mehrere Vorträge über die japanischen Kriegsverbrechen. Als er einen Brief an Adolf Hitler schickte, mit der Bitte, die Japaner aufzufordern, ihre Gräueltaten zu stoppen, wurde Rabe von der Gestapo verhaftet.
Von 1945 bis 1946 lebten Rabe und seine Familie in Berlin. Dort entkamen sie nur knapp dem Hungertod, da der ehemalige Leiter der Siemens-Niederlassung in Nanjing vor seiner Entnazifizierung nicht weiter bei Siemens beschäftigt werden konnte. Am 5. Januar 1950 starb Rabe infolge eines Schlaganfalls verarmt in Berlin.
In Deutschland war John Rabe weitgehend in Vergessenheit geraten, bis im Dezember 1996 sein Tagebuch veröffentlicht wurde. Darüber erzählt Yang Shanyou, Leiter der Gedenkstätte für John Rabe und die Internationale Sicherheitszone in Nanjing:
„John Rabe hat vom 19. September 1937 bis 26. Februar 1938 ein Tagebuch geführt. Auf den mehr als 2100 Seiten wurden über 500 Gräueltaten der japanischen Soldaten aufgezeichnet. Zudem hat er mehr als 100 Fotos über die Gewalttaten des japanischen Militärs aufgenommen, die heute auch im Tagebuch zu sehen sind."
Auf der Basis des Tagebuches wurde von Oktober 2007 bis Februar 2008 in Shanghai und am Originalschauplatz des Massakers in Nanjing der Film „John Rabe" gedreht. Seitdem gewinnt der ehemalige Wohnsitz von John Rabe, der mit der Unterstützung Deutschlands zu einer Gedenkstätte für John Rabe und die Internationale Sicherheitszone geworden ist, weltweit zunehmend an Bekanntheit.
„Die Verfilmung des Tagebuches von John Rabe hat ein großes Echo ausgelöst. Unser John-Rabe-Haus hat seit der Eröffnung Ende 2006 mehr als 60.000 bedeutende Gäste empfangen, darunter den ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau und den stellvertretenden niedersächsischen Ministerpräsidenten Jörg Bode. Nahezu 10.000 davon sind nach der Veröffentlichung des Films gekommen. Die Homepage von John Rabe verzeichnet zurzeit zirka 460.000 Besucher und hat über 300 Medienberichte gesammelt. Die meisten Berichte sind nach dem Start des Films verfasst worden."
Bewegt sind aber nicht nur bedeutende Persönlichkeiten, sondern auch unzählige einfache Menschen. In gut 46 Notizbüchern haben Besucher aus der ganzen Welt ihren Gefühlen Ausdruck verliehen. Prof. Egon Spiegel von der deutschen Universität Vechta schrieb: „Tief erschüttert besuchen wir diesen Ort – mit großer Hoffnung auf eine Welt ohne Krieg und Gewalt verlassen wir ihn. Danke den guten Menschen, die vor Ort die Erinnerung an den guten Deutschen, an John Rabe, bewahren helfen." Die Reaktionen der Besucher kann Davis Guan gut verstehen. Er arbeitet seit dem 1. August 2010 als österreichischer Freiwilliger im John-Rabe-Haus. Mit China ist er aber schon von Geburt an eng verbunden, da seine Eltern beide aus dem Land stammen. Für Davis ist die Arbeit in der Gedenkstätte sehr sinnvoll. Er mag besonders die Atmosphäre dort:
„Was mich beeindruckt, ist natürlich, dass es hier ziemlich viele Freiwillige gibt. Sie kommen aus China und der ganzen Welt und arbeiten im John-Rabe-Haus, teils wöchentlich teils monatlich, aber meist über eine längere Zeit. Und das gefällt mir sehr, weil man dadurch sieht, dass sich doch Einige für John Rabe interessieren."
Mod. John Rabe, der gute Mensch von Nanjing, zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten in den über 100-jährigen chinesisch-deutschen Beziehungen. Wie schon der deutsche Generalkonsul in Shanghai Dr. Wolfgang Röhr bei der Eröffnungszeremonie des John-Rabe-Hauses sagte: Wer könnte besser als John Rabe die Freundschaft zwischen Deutschland und China repräsentieren? Das John-Rabe-Haus strahlt seinen humanitären und menschenfreundlichen Geist über die chinesischen Staatsgrenzen hinaus in die ganze Welt aus.



Wir über uns






