M: Am Fluss Argun an der nordostchinesischen Grenze zu Russland gibt es eine Gemeinde mit Nachfahren der Russen. Die Shiwei-Gemeinde liegt im chinesischen Autonomen Gebiet der Inneren Mogolei und ist die einzige Gemeinde der russischen Nationalität in China. Hier leben über 1700 Nachkommen der Chinesen und der Russen.
F: Bunte Holzhäuser, Gärten mit vielen Blumen, und die Menschen in dem Dorf Shiwei haben schwarze Haare, blaue Augen und eine weiße Haut – sie sind Nachfahren von Chinesen und Russen.
M: Um das Jahr 1900 herum rekrutierte Russland zahlreiche chinesische Arbeiter zum Bau von Eisenbahnen in Russland. Die meisten Arbeiter damals waren ledig und heirateten russische Frauen. Nach ihrer Rückkehr aus dem zaristischen Russland siedelten sie sich in den Dörfern am Fluss Argun an. Ihre Kinder waren die ersten Nachkommen der Chinesen und Russen.
F: In den Dörfern am Argun lebt heute die fünfte Generation. Sie haben sich noch immer russische Traditionen bewahrt. Die Bauern wohnen in den typischen russischen Häusern, essen Brot und Butter und in ihren Gärten pflanzen sie Blumen an. Der Bewohner Victo sagt,
„Wir haben chinesische und russische Lebensgewohnheiten. Am Drachenbootfest essen wir die chinesische Spezialität Zongzi und am russischen Basque Festival basteln wir bunte Eier."
M: Weil das Dorf nur unzureichend an ein Verkehrsnetz angebunden war, war Shiwei früher ganz rückständig. Unter der Leitung der lokalen Regierung haben mittlerweile 90 Prozent der Dorfbewohner Pensionen eröffnet, um Touristen zu empfangen. Dadurch haben sie Geld verdient und ihre Gemeinde der russischen Nationalität bekannt gemacht.
F: Zhang Jianhua hat ihre Pension vor ein paar Jahren eröffnet. Die Häuser mit typisch russischer Holzschnitzerei und der russischen Einrichtung sind noch immer auffällig. Zhang selbst sieht jedoch nicht mehr wie eine Russin aus, einzig ihrem Mann sieht man die Abstammung an. Er ist groß, hat braune Haare und blaue Augen. Russisch spricht aber keiner von beiden.
M: Am Abend kommt eine dreißigköpfige Tourismusgruppe aus der südchinesischen Stadt Xiamen an. Zhang Jianhua sagt, ihre Touristen kämen aus verschiedenen Regionen des Landes. Ihre Pension ist heiß begehrt. Das Abendessen wurde von Zhang gekocht. Es gibt russische Brote, Blaubeermarmelade, sauere Gurken und Salat.
„Das ist unsere erste Reise hier. Die schöne Landschaft hat uns tief beeindruckt. Die Angehörigen der russischen Nationalität sind leidenschaftlich und gastfreundlich."
F: Die Pensionen in dem Dorf haben Namen wie Kathosa, Donia oder Nata. Die kleinen Holzhäuser sind fein und schön dekoriert. Die Besitzer arbeiteten früher als Bauern oder als Hirten im Weidenland. Zhang Jianhua sagt, das Leben sei früher schwierig gewesen. Aber seitdem sie eine Pension betreibe, verdiene sie viel besser.
„Am Anfang verstanden viele Menschen nicht, warum wir eine Pension eröffneten. Sie glaubten nicht, dass Touristen in unsere Region kommen würden. Aber Tatsache ist, dass wir mittlerweile dadurch unser Geld verdienen. In den vergangenen zwei Jahren haben wir Zehntausende Yuan RMB verdient."
M: In der Gemeinde Shiwei gibt es viele solcher Pensionen. Maro ist schon über 70 Jahre alt und auch sie besitzt ein Gästehaus. Die Angehörige der russischen Nationalität singt gerne und erzählt oft von ihren zwei Reisen nach Russland, einmal in den 1980er Jahren und dann noch einmal im vergangenen Jahr.
„Als wir 1983 mit unserer Enkeltochter nach Russland reisten, beneideten wir das Leben der Russen. Sie hatten Autos und schöne Lampen. Wir hatten damals noch keine Lampe. Im vergangenen Jahr sind wir noch mal nach Russland gereist. Wir fanden, dass sich im Gegensatz zu China dort gar nicht so viel verändert hatte. Heute sind unsere Lampen viel schöner als ihre. Meine Enkeltochter wollte gar nicht lange in Russland bleiben und fand, dass unser Zuhause besser ist."
Moderatoren: Xu Wei, Lü Xiqian



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