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„Szene am Flussufer während des Qingming-Festes" nun auch digital erlebbar
  2010-07-08 15:08:59  cri
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Die „Szene am Flussufer während des Qingming-Festes", auch als „Qingming-Rolle" bekannt, zählt zu den berühmtesten Meisterwerken der chinesischen Malerei. Die Rolle, auf Chinesisch „Qingming Shang He Tu", wird als „nationaler Schatz" im Beijinger Palastmuseum aufbewahrt. Nun entstand unter Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum von Microsoft Asien das digitale Projekt „Eintritt in die Qingming-Rolle", eine lebendige Darstellung des Bildes mit Bewegungen und Tönen. Dank modernster Technik werden 51 Szenen aus der bemalten Rolle mit mehr als 700 Dialogen dargestellt, das Publikum kann nun jedes kleine Detail des Bildes lebendig veranschaulicht bewundern. Auch wurde dank der Spezialisten ein Einblick in das blühende Leben in Kaifeng, der damaligen Hauptstadt der Nördlichen Song-Dynastie (960-1127), ermöglicht.

Die Qingming-Rolle stammt von Zhang Zeduan, einem Maler der späten Nördlichen Song-Dynastie. Das Bild ist ungefähr 24 Zentimeter breit und 528 Zentimeter lang. Auf einer Rolle aufbewahrt, zeigt das Bild lebendig und genau die volkstümlichen Bräuche zum Qingming-Fest am Bianhe-Fluss in der Stadt Bianliang, wie Kaifeng damals hieß, der Hauptstadt der Song-Dynastie.

Zahlreiche Figuren und mehrere Szenen wurden auf der Rolle meisterhaft dargestellt. Gelehrte, Bauern, Geschäftsleute, Wahrsager, Ärzte, Mönche oder auch Haustiere und Esel, Pferde, Kühe, ja sogar Kamele sind abgebildet; wie viele Figuren genau auf der Rolle dargestellt sind, darüber gibt es tatsächlich unterschiedliche Meinungen. Einige sagen 500, andere sagen 700 und ganz wenige behaupten, es seien sogar über 1.000 Figuren. Sämtliche Szenen sind jedenfalls sehr lebendig dargestellt: das Markttreiben, das Leben in den Geschäften, Spaziergänger, Weingenießer im Restaurant, Menschen auf der Straße, Treidler, die ein Schiff ziehen, – all dies ist in dem Meisterwerk zu entdecken. Der dominierende Bianhe-Fluss wurde dabei von Zhang Zeduan genau so klar und deutlich gemalt wie etwa Nieten an den Booten oder die Waren der Geschäftsleute.

Allerdings kann es vielleicht etwas schwierig sein, die Details und die innere Bedeutung des Bildes zu verstehen, sollte man keine umfassenden historischen und kulturellen Kenntnisse haben. Dank des nun verwirklichten Projekts wird den Figuren und Szenen des Bildes aber regelrecht „Leben" eingehaucht. Wenn man den digitalen Bildschirm in der Kunstgalerie Wuying im Beijinger Palastmuseum berührt, kann man quasi umgehend in die Bildrolle „eintreten". Frau Li Qiong vom Palastmuseum weiß mehr über die Qingming-Rolle zu erzählen:

„Wir sehen nun die nächste Szene. Es zeigt einen Wahrsager, der großes Selbstbewusstsein hat und seinen Kunden ihre Zukunft vorhersagt. Eigentlich soll das Bild widerspiegeln, dass im damaligen Bianliang die Wahrsagerei sehr verbreitert war. Aufzeichnung von Wang Anshi zufolge, einem hochrangigen Beamten der damaligen Regierung, gab es mehr als 10.000 Personen, die sich mit diesem Bereich beschäftigten, und sie hatten einen hohen Status in der Gesellschaft."

Der berühmteste Ausschnitt der Rolle zeigt jedoch eine Szene an der Hongqiao-Brücke. Auf einer Fläche von ungefähr 20 mal 20 Zentimetern sind mehr als hundert Figuren auf und unter der Brücke zu sehen. Berührt man eine Stelle auf dem digitalen Bildschirm, so erscheint ein vergrößerter Ausschnitt und man kann selbst kleinste Details genauer beobachten.

Hu Chui, Direktor des Materialien- und Informationszentrums des Palastmuseums, ist einer der Verantwortlichen des Ton-Bild-Projekts. Ihm zufolge wurden bei der Erstellung des Projekts hochaufgelöste digitale Ansichten verwendet, um sämtliche Feinheiten auf der Rolle so scharf wie möglich darstellen zu können. Auf der Originalrolle sind 51 Szenen abgebildet, nach umfangreichen Forschungen wurden im Rahmen des Projekts mehr als 700 Dialoge und sogar auch Musik entsprechend den Szenen hinzugefügt. Besucher können dank des Detailreichtums die Bedeutung der Bildrolle besser verstehen. Dazu Hu Chui:

„Es ist eine Innovation der Darstellungsform. In traditionellen Museen sind Exponate statisch vor dem Betrachter platziert. Wie können sie die inneliegende historische Bedeutungen begreifen? Wie können wir im digitalen Zeitalter auf neue, unterschiedliche Weise Kulturstücke ausstellen, damit Besucher sie auch „verstehen" können? Deshalb also haben wir etwas Neues gemacht. Wir haben der Rolle Dialoge hinzugefügt, ganz entsprechend den Forschungsergebnissen von Experten und nach umfangreichen Erörterungen mit Fachleuten. Alle Dialoge basieren auf akademischen Forschungen."

Xu Yingqing ist Verantwortlicher für technische Fragen des Projekts und arbeitet beim Forschungszentrum von Microsoft Asien. Er sagt, die Integrierung von Technik und Kultur könne auch zu einer besseren Verbreitung der traditionellen chinesischen Kultur beitragen:

„Man sollte die Vorteile der hochauflösenden Technik nutzen und den Betrachtern lebendige Geschichten mit lebensechten Dialogen bieten, die von Experten exemplarisch hinzugefügt wurden. Dies verleiht dem Ganzen einen besonderen audiovisuellen Genuss. Wenn man neue Ausstellungsideen mit fortschrittlicher Technik kombiniert und auf diese Weise historische Kulturstücke wie Bilder oder Kaligraphien schützen und erhalten kann, wird gleichzeitig die blühende chinesische Kultur noch besser verbreitet."

Li Yue, die gerade die neuartige Ausstellung der Qingming-Rolle gesehen hat, zeigt sich positiv überrascht:

„Im Großen und Ganzen kann ich sagen, dass ich dank dieser Technik das Bild noch umfassender verstehe. Diese lebendige Darstellungsform hilft mir, mein eigentliches Verständnis zu vertiefen. Viele zuvor übersehene Details fallen mir nun einfach auf."

Li Ji, stellvertretender Direktor des Beijinger Palastmuseums, sagt, man solle nicht nur das großartige Kulturerbe schützen und erhalten, sondern es auch durch neuartige Ausstellungsmethoden und Techniken präsentieren. Das Projekt „Eintritt in die Qingming-Rolle" sei solch ein positiver Versuch, traditionelle Kultur mit dem Zeitgeist zu kombinieren. Es diene auch der Entwicklung von traditionellen Museen in einer Zeit voller Technik.

Liebe Hörer, sollten also auch Sie einmal die Gelegenheit haben, die Verbotene Stadt zu besuchen, so dürfen Sie einen Abstecher in die Kunstgalerie in der Wuying-Halle auf keinen Fall verpassen! Mit wenigen Fingerzeigen können Sie in das Alltagsleben in einer alten Stadt aus der Song-Dynastie eintauchen, eine einmalige Gelegenheit!

Verfasst von: Liu Si'en

Übersetzt von: Liu Xinyue

Gesprochen von: Yuan Yuan

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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