
F: Klimawandel, CO2-Emissionen, globale Erwärmung: glaube ich sind heutzutage in fast aller Munde. Wenn es um den Umweltschutz geht, reichen Regierungsprojekte allein nicht aus, alle Menschen müssen da mit anpacken.
M: In der nordchinesischen Stadt Baoding haben sich das auch viele Menschen zu Herzen genommen. In dieser Kleinstadt konnten die Menschen die CO2-Emissionen kräftig herunterschrauben.
F: He Zhihong ist ein Baodinger Anwalt. Im vergangenen März kaufte er sich ein Auto. Zu Beginn fuhr er so oft es ging mit seinem neuen Automobil. An den Wochenenden fuhr er mit seiner Familie in die umliegende Gegend zur Erholung. Doch nur etwa zwei Monate später, im vergangenen Mai, las er eher zufällig eine paar Zahlen: Jeden Tag atmet eine Person ungefähr 1,14 Kilogramm CO2 aus. Ein Computer produziert durchschnittlich in einem Jahr indirekt 10,5 Kilogramm CO2. Für jeden Liter Benzin stößt ein Auto etwa 2,5 Kilogramm Kohlendioxid in die Luft.
"Ich finde diese Zahlen einfach erschreckend. Wir brauchen eine umweltfreundlichere Lebensweise. Wir müssen ein Leben mit niedrigerem Kohlendioxid-Ausstoß führen."
M: Für Cui Zhihong waren diese Kohlendioxid-Zahlen auch der Beginn einer umweltfreundlicheren Lebensweise.
"Ich habe alle Glühbirnen zu Hause durch Energiesparlampen ersetzt. Wenn ich die Klimaanlage verwende, stelle ich die Temperaturen nicht zu niedrig ein. Ich schaue auch nicht allzu viel fern und lasse das Leitungswasser nicht lange laufen, wenn ich mir die Hände oder mein Gesicht wasche. All dies kann man ganz einfach im Alltag tun. Ich habe auch viele Freunde, die begonnen haben, umweltfreundlicher beziehungsweise mit weniger Kohlendioxidemissionen zu leben."
F: In Baoding gibt es viele Menschen, die ihre Lebensweise aus Liebe zur Umwelt umgestellt haben. Vor zwei Jahren wurde Baoding vom World Wide Fund for Nature (WWF) zur Modellstadt mit geringen Kohlendioxidemissionswerten erhoben. Diese Idee verbreitete sich dann allmählich unter der ganzen Bevölkerung und somit veränderten sich auch die Lebensgewohnheiten der Menschen nach und nach.
M: Fast alle Beleuchtungsanlagen in Baoding, wie Ampeln, Straßenlampen und die Lampen in Grünanlagen sind mit Solaranlagen ausgestattet. Solar-Warmwasserbereiter sind an vielen Wohngebäuden angebracht. Auch Mülleimer auf der Straße und Parkbänke sind mit Solarakkus ausgestattet, an denen man per Kabel seine Handys oder gar Computer aufladen kann.
F: Wow... das nenn ich mal Innovation... umweltfreundlich und praktisch zugleich.
M: Ja schon... obwohl ich Mülltonnen für einen etwas seltsamen Ort halte, um mein Handy aufzuladen. Beeindruckt bin ich von den Solar-Warmwasserbereitern auf den Wohnhäusern der Wohnsiedlung Xiyidai. Die Siedlung wurde 2008 fertig gestellt und obwohl die Wohnungen hier teurer als jene in umliegenden Wohnsiedlungen sind, verkaufen sie sich sehr gut. Denn bevor die Menschen dort einzogen, bekamen sie neben anderen Dingen auch noch eine Anleitung zum Aufbau von Solar-Warmwasserbereitern. Heute steht den Bewohnern rundum die Uhr warmes Wasser zur Verfügung, sagt stellvertretende Generalmanager der Baufirma der Wohnsiedlung, Bai Zhanghai
"Wir haben die Produktionskosten genau kalkuliert. Um eine Tonne Wasser zu erwärmen, kostet es durch Solarenergie 15 bis 18 Yuan RMB, durch Kohleenergie etwa 30 Yuan, durch Erdgas 35 Yuan und durch Benzin oder Strom steigen die Kosten auf etwa 40 Yuan."
F: Für die Bewohner ist dieser umweltfreundliche 24-stündige Warmwasserservice ein zusätzlicher Bonus.
"Ich bin im Juni 2008 umgezogen. In den vergangenen Tagen schneit es unentwegt und es ist sehr kalt. Wenn ich nach Hause komme, kann ich dann sofort warmes Wasser benutzen. Das ist sehr angenehm. Das warme Wasser bekommen wir durch Solarenergie. Anders als bei Kohle und Erdgas ist diese Energie sauber und umweltfreundlich."
M: Baoding hat bis Ende 2009 den Einsatz von Solarenergie in sieben Bereichen wie Verkehr, Bauarbeit, Wohnsiedlungen und Parkanlagen ausgebaut. So können jedes Jahr 19.000 Kilowatt Strom gespart und CO2-Emissionen effektiv reduziert werden.
F: In Baoding haben sich die umweltfreundlichen Ideen auch bei den Schülern rum gesprochen.
"Beim Leben mit weniger CO2-Emissionen geht es ums Energiesparen und den Umweltschutz. Man soll mehr Bus fahren. Radfahren und Laufen sind auch gesund und gut für unseren Körper. Das Wasser zum Gesichtwaschen kann man danach zum Füßewaschen und für die Toilettenspülung benutzen."
M: Die Stadt Baoding verdient ihr Geld vor allem im Agrarsektor. In den vergangenen zehn Jahren hat die Stadt jedoch besonders die Entwicklung erneuerbarer Energien, wie Windenergie und Solarenergie verstärkt. In der High-Tech-Industrie Zone Baodings haben sich über 170 Firmen angesiedelt, die sich auf neue Energien spezialisieren. Im vergangenen Jahr setzte diese Industriesparte der Stadt 32 Milliarden Yuan RMB um. Dabei sei Baoding in diesem Bereich in China führend, sagt der Beamte der Entwicklungs- und Reformkommission der Stadt, Kang Qing.
"Im Vergleich mit anderen Städten mangelt es Baoding an Ressourcen und konventionellen Energien. Deshalb fördern wir die Entwicklung erneuerbarer Energien. Diese Tendenz liegt insgesamt im weltweiten Trend."
Moderatoren: Lü Xiqian, Michael Koliska



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