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Die Hochzeitsbräuche der vielen Nationalitäten in China
  2010-01-31 20:16:24  cri
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F: Auf Wunsch unserer Hörer Peter Vaegler aus Stralsund und Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus in Deutschland möchten wir Ihnen heute Näheres über die Hochzeitsbräuche der verschiedenen Nationalitäten in China erzählen. Herr Vaegler schrieb uns in einer E-Mail:

M: "Liebe Freunde, heute möchte ich Ihnen eine Frage für die Hörersendung stellen. In Deutschland kann man eine rechtsgültige Ehe nur beim Standesamt schließen. Damit haben die Ehepartner dann zum Beispiel das Erbrecht und so weiter. Wo werden Ehen in China geschlossen? Welche Unterschiede gibt es bei den Hochzeiten zwischen den vielen nationalen Minderheiten? Herzliche Grüße aus Stralsund."

F: Unser Stammhörer Lutz Winkler aus Schmitten im Taunus hat uns ebenfalls eine Frage übers Heiraten in China gestellt:

M: "Wie wird eigentlich eine Hochzeit in China gefeiert? Wo wird gefeiert: meistens zu Hause oder in Gaststätten?"

F: Diese Fragen beantworten wir Ihnen natürlich sehr gerne, Herr Vaegler und Herr Winkler. Auch in China ist eine Ehe natürlich auch nur rechtsgültig, wenn sie auf dem Standesamt geschlossen wird. In Beijing beispielsweise kann man eine Ehe beim Standesamt des Wohnbezirks schliessen, in dem man lebt. Auf dem Lande ist das Standesamt der jeweiligen Gemeinde für die Eheschliessung zuständig.

M: Soviel erstmals zum rechtlichen Aspekt der Eheschliessung in China. Nun wollen wir uns kurz über das Thema der Eheschliessung bei den verschiedenen Nationalitäten in China unterhalten. Zuerst aber noch einige Informationen über die Hochzeitssitten der Han-Nationalität. Wenn die Tochter heiratet, dann ist es bei den Han üblich, dass ihre Eltern für sie eine Mitgift vorbereiten.

 

F: Genau. Als Mitgift gelten Kleidungsstücke, Bettzeug, Dekorationsgegenstände, elektrische Haushaltsgeräte wie Fernseher oder Kühlschränke, oder auch Gebrauchsartikel wie ein Teeservice, Essgeschirr, Möbel, sowie Tisch und Stühle. Heutzutage kann es schon mal vorkommen, dass sogar ein Auto als Mitgift mitgegeben wird.

M: Ob die Mitgift großzügig oder bescheiden ausfällt, hängt ganz von der jeweiligen Familie ab. Bei der Mitgift gibt es auch einige witzige Gebräuche, die sich von Region zu Region unterscheiden. In der Nähe der ostchinesischen Stadt Hangzhou ist ein roter Nachteimer aus Holz ein absolutes Muss. Der sogenannte "Kindereimer" voller Datteln, Erdnüssen, Esskastanien oder Litchis soll den Kinderwunsch des jungen Paares erfüllen.

F: In der Stadt Dongyang in der Provinz Zhejiang wiederum ist es Usus, dass die Übergabe der Mitgift im grossen Stil gefeiert wird. Die Familienmitglieder der Braut tragen die Mitgift zum Klang detonierender Knallkörper. Sie tun dabei so, als ob jedes einzelne Stück der Mitgift unglaublich schwer wäre - auch dann, wenn es sich um einen leichten Gegenstand handelt. Zudem wird nicht der direkteste Weg zum Haus des Bräutigams gewählt. Das Tragen der Mitgift auf Umwegen soll eine feierliche Atmosphäre schaffen.

M: In einigen ländlichen Regionen ist es noch immer üblich, dass die Braut mit einer Sänfte abgeholt wird. Unterwegs werden dann laute Kracher gezündet. Den Sänftenträgern voraus laufen Fahnen- und Lampionträger, sowie wie Musikanten. In den meisten Fällen sind dies ein Trommler und ein Gongspieler.

F: Sobald die Sänfte mit der Braut vor dem Haus des Bräutigams ankommt, tritt die Hochzeit in eine neue Phase. Während die Braut über die Schwelle steigt, wird ein lautes Feuerwerk gezündet. An manchen Orten muss die Braut auch über ein Stövchen steigen. Nicht ungewöhnlich sind auch auf dem Boden verstreute Kupfermünzen oder Stäbchen. In den meisten Fällen muss die Braut beim Einzug in ihr neues Heim zwei gekochte Eier essen. Durch den Verzehr der Eier soll der Kinderwunsch des jungen Paares in Erfüllung gehen. Nachdem die Braut ihr neues Schlafzimmer betreten hat, wird ihr Schleier in einer speziellen Zeremonie gelüftet.

M: So richtig rund geht es dann beim Hochzeitsbankett am Abend, wo die Brautleute zusammen trinken. Nach einem ausgiebigen Mahl begeben sich die Hochzeitsgäste - egal, ob alt oder jung - in die Brautkammer, um Scherze zu treiben und Witze zu reissen.

F: Werfen wir nun einen Blick auf die Hochzeitsbräuche der verschiedenen Nationalitäten in China. Zuerst befassen wir uns mit der Hochzeit der Zhuang-Nationalität in Guangxi. Wenn sich junge Zhuang ihre Liebe gestehen, werfen sie sich gegenseitig Stoffbälle oder rote Eier zu. Auch das Schenken von Schuhen gilt bei den Zhuang als Liebesbeweis.

M: Sobald die Eltern die Wahl ihrer Kinder abgesegnet haben, kann mit der eigentlichen Hochzeitsvorbereitung begonnen werden. Am Tag der Hochzeit wird die Braut mit dem Ochsenkarren abgeholt. An einigen Orten wird der Bräutigam bei der Hochzeit mit Wasser abgespritzt. Nach der Hochzeitsfeier wohnt die Braut aber noch für kurze Zeit bei den Eltern. Dieser Brauch wird „Zuo Jia" genannt. Das Brautpaar darf sich während dieser Zeit aber natürlich so oft treffen, wie es will - vorausgesetzt, die Eltern sind damit einverstanden. Erst wenn die Frau schwanger ist, zieht sie bei ihrem Ehemann ein. In einigen Gebieten der Zhuang in Guangxi ist es sogar so, dass die Braut erst während der Saatzeit im nächsten Jahr im Haus ihres Gatten einzieht.

F: Bei der Yi-Nationalität spielt das Armband eine zentrale Rolle. Wenn ein Mädchen und ein Junge der Yi-Nationalität ineinander verliebt sind, halbiert das Mädchen sein Lieblingsarmband und schenkt eine Hälfte ihrem Liebsten. Das Tragen des geteilten Armbandes gilt als Ausdruck der gegenseitigen Zuneigung.

M: Auch die Wa-Nationalität in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas hat ihre eigenen Hochzeitsbräuche. Nach der Verlobung muss der junge Mann eine Zeit lang im Elternhaus der Braut arbeiten. Diese "Probezeit" kann von einigen Monaten bis zu einem oder zwei Jahren dauern. Nach dem Hochzeitsbankett müssen die Braut und der Bräutigam ins Feld gehen und symbolische Feldarbeit verrichten. Dieser Akt symbolisiert, dass das Paar von nun an zusammen leben und arbeiten wird.

F: Etwas weniger arbeitsintensiv zu und her geht es bei der Hani-Nationalität. Um den richtigen Partner respektive die richtige Partnerin zu finden, treffen sich die jungen Hani öfters im Sonntagsgewand an Festen. Bei ihren Treffen spielen sie jeweils mit der Flöte oder anderen Instrumenten. Durch den Wechsel von Gesang und Musik versuchen sie, eine passende Frau beziehungsweise einen passenden Mann zu finden. Ihre gegenseitige Zuneigung gestehen sich die Hani durch das Schenken von Blumen, Kleidung oder Schmuck.

M: Zur Hochzeit der Hani-Nationalität wird die Braut meistens vom Ehevermittler oder Bruder des Bräutigams abgeholt. Diese Sitte heißt "Ling Hun". Am Hochzeitstag wird die Braut von Verwandten und Freunden versteckt. Der Bräutigam muss die Braut also zuerst einmal finden. Sobald der Bräutigam seine Auserwählte gefunden hat, muss diese einen weißen Rock anziehen, den sie von ihrer Schwiergermutter als Geschenk erhalten hat.

F: In einigen Gebieten der Hani-Nationalität ist auch "Ku Hun", die "weinende Hochzeit" verbreitet. Drei Tage vor der Hochzeit beginnt die Braut zu singen. Das Lied über den bevorstehenden Abschied von ihrer Familie ist so emotional, dass die Bräute in den meisten Fällen zu weinen beginnen. Während ihre Tochter singt, belehrt sie die Mutter über die Pflichten als Schwiegertochter.

M: Bei der Hezhe-Nationalität in der Provinz Heilongjiang im Nordosten Chinas geht bei einer Hochzeit nichts ohne Verehrung der Sonne. Als erstes muss das junge Ehepaar sich vor der Sonne verneigen. Beim Hochzeitsessen muss die Braut an die Wand starren, bis alle Verwandten satt sind und den Raum verlassen haben. Sobald niemand mehr im Raum ist, isst der Bräutigam den Schweinekopf und die Braut den Schweineschwanz. Der Verzehr dieser beiden Körperteile symbolisiert eine harmonische Ehe. Zum Schluss müssen die beiden Eheleute noch Nudeln essen. Auf diese Weise, so die Überzeugung der Hezhe, wird das junge Ehepaar bis in alle Ewigkeit glücklich sein.

F: Soviel, liebe Hörer, über die mannigfaltigen Hochzeitsbräuche der verschiedenen Nationalitäten Chinas.

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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