Vom ersten chinesischen künstlichen Satelliten „Dong Fang Hong Nr.1" über den ersten rückholbaren Satelliten bis hin zu Chinas erster Mondsonde „Chang E Nr.1" – bei all diesen schwierigen Projekten trug eine und dieselbe Person die technische Verantwortung und wurde so bei den Chinesen immer bekannter: sein Name lautet Sun Jiadong.
Vor kurzem bekam der inzwischen über 80-jährige Wissenschaftler den höchsten nationalen Wissenschaftspreis der Volksrepublik China verliehen. Der Preis wurde ihm dabei vom Staatspräsidenten Hu Jintao höchstpersönlich übergeben. In den nächsten Minuten wollen wir Ihnen diesen bedeutenden Wissenschaftler etwas näher vorstellen.
Im April 1929 in der nordostchinesischen Provinz Liaoning geboren, ist Sun Jiadong groß gewachsen und strahlt voller Freundlichkeit und Wärme. Trotz seines hohen Alters wirkt der einfach gekleidete Wissenschaftler noch recht rüstig. Es ist kaum zu glauben, dass dieser Mann bei einem Drittel der mehr als 100 chinesischen Raumfahrtprojekte die technische Verantwortung innehatte beziehungsweise, dass diese von ihm entwickelt wurden.
Das erste Mal in Berührung mit der Raumfahrt kam Sun Jiadong in den 1950er Jahren. Damals stand das Raumfahrtwesen in China noch am Anfang:
„Es war 1951, als die Regierung 30 Studenten in die ehemalige Sowjetunion schickte. Ich war einer davon. Wir sollten am besten Institut des Landes für Raumfahrtwesen die Konstruktion von Flugmaschinen studieren. Als ich 1958 nach dem Abschluß des Studiums nach China zurückkehrte, stand aber gerade der Bau von Raketen im Mittelpunkt."
So wechselte Sun Jiadong seine Fachrichtung und wurde Raketentechniker. Er dachte sich, egal, wohin man ihn schicken würde, er werde die Aufgaben gut erfüllen. Seinem Wissen und seiner Tüchtigkeit verdankte er es, dass er 1967 schließlich technischer Verantwortlicher für den Bau des ersten chinesischen künstlichen Satelliten wurde.
Satelliten ins All zu bringen, ist ein großangelegtes und kompliziertes Projekt. Obwohl chinesische Wissenschaftler bereits zehn Jahre lang daran gearbeitet hatten, standen noch zahlreiche Probleme vor dem Wissenschaftler und seinen Kollegen:
„Es war nicht leicht, einen geeigneten Produkttyp zu finden. Zum Beispiel fand man schwer eine normgerechte Steckdose. Shanghai war damals das industrielle Zentrum des Landes. Dort suchten wir nach den erfahrensten technischen Mitarbeitern, um Probleme gemeinsam zu lösen. Wegen einer unzureichenden industriellen Basis ließen sich oft die einfachsten Dinge nur schwer lösen. Auch Kommunikationsleitungen stellten ein großes Problem dar. Damals gab es keine drahtlosen Verbindungen oder solche Kabelverbindungen oder Lichtkabel wie heute. Wir mussten mit Hilfe von Betonpflastern Elektroleitungen verlegen, von Regionen in Nordwestchina bis Nordostchina, von Süd nach Nord. Die Frage war aber: wie konnte man trotz der großen Entfernung die Sicherheit gewährleisten?"
Über jeden technischen Vorgang, was das Volumen, das Gewicht oder die Funktionsverteilung betraf, machten sich Sun Jiadong und seine Kollegen schweres Kopfzerbrechen.
Der 24. April 1970 wurde für Sun Jiadong schließlich ein unvergeßlicher Tag. An diesem Tag brachte China seinen ersten künstlichen Satelliten „Dong Fang Hong Nr.1" erfolgreich ins All. China war damit nach der Sowjetunion, den USA, Frankreich und Japan das fünfte Land der Welt, das solch einen Satelliten eigenständig entwickeln und ins All bringen konnte. Dieser Erfolg versetzte damals die ganze Welt ins Staunen. Besonders stolz war Sun Jiadong darauf, dass alle Bauelemente, das gesamte Zubehör, die Anlagen und Materialien in China entwickelt worden sind.
Der Wissenschaftler intensivierte nach diesem Erfolg seine Anstrengungen und entwickelte den ersten rückholbaren Satellit und den ersten Synchronsatelliten Chinas. Er leitete zudem die Projekte zur Umsetzung des Satellitenkommunikationssystem „Dong Fang Hong Nr.3" und des Synchronmeteosatelliten „Feng Yun Nr.2" sowie das chinesisch-brasilianische Satelliten- und Raumfahrtprogramm. Später wurde er außerdem Chefkonstrukteur des chinesischen Satellitennavigationssystems „Nordstern".
Die rasche Entwicklung des chinesischen Raumfahrtwesens im neuen Jahrhundert und besonders die Erfolge der bemannten Raumfahrt haben das Sondieren bis hinein in die Tiefen des Weltraums auf die Tagesordnung gebracht. 2004 wurde in China offiziell das Programm zur Erkundung des Mondes eingeleitet. Dem damals bereits 75 Jahre alten Wissenschaftler wurde nochmals eine schwierige Aufgabe zugeteilt, nämlich die Leitung der Projektkonstruktion.
Sun Jiadong wusste im Vorfeld, wie schwierig diese Aufgabe sein würde:
„Diese Reichweite hatten wir bislang noch nicht gehabt. Die 400.000 Kilometer große Entfernung brachte äußerst viele Probleme und Herausforderungen mit sich. Ob unsere Kontrollsysteme und alle Kommunikationsanlagen mithalten können würden, blieb ein offenes Thema. Im Vergleich zu den Missionen früher sollte diesmal der Flugkörper die Erdumlaufbahn verlassen und zum Mond fliegen. Es ging also nicht mehr einfach nur um die Erforschung von den Beziehungen zwischen dem Flugkörper und dem Erdball. "
Den technischen Voraussetzungen entsprechend, legten Sun Jiadong und sein Team einen „Drei-Phasen-Plan" fest. Im ersten Schritt sollte die Mondsonde „Chang'e Nr.1" zu einer einjährigen Sondierung des Mondes ins All gebracht werden. Danach folgt die erste Landung eines Flugkörpers auf der Mondoberfläche. Im dritten Schritt sollen dann Gesteinsproben vom Mond zur Erde gebracht werden.
Am 24. Oktober 2007 stieg „Chang'e Nr.1" unversehrt in den Himmel auf. Vor Aufregung traten dem alten Wissenschaftler direkt Tränen in die Augen. Nach einem Jahr im All wurden alle vorgegebenen Aufgaben erfolgreich erfüllt und insgesamt 1,37 TB wissenschaftliche Daten gewonnen. Zu den erfolgreichen Forschungen sagt Sun Jiadong:
„Dank jahrzehntelangen Anstrengungen ist auf dem Gebiet des Raumfahrtwesens bereits ein komplettes Qualitätskontrollsystem etabliert worden. Unabhängig vom Posten sind sich alle über die Qualität der Produkte bewusst. Qualität ist also Grundvoraussetzung des Raumfahrtwesens."
Aufgrund seines hohen Alters nimmt der Wissenschaftler heute nicht mehr so wie in seiner Jugend an Tischtennis- oder Badmintonturnieren teil. In seiner Freizeit liest er nun verstärkt Bücher und sieht Materialien durch, die mit der Raumfahrt zu tun haben. Ab und zu unterbreitet er auch Vorschläge für die nachfolgenden Mondmissionen und diskutiert mit jungen Wissenschaftlern technische Fragen. Aus seinen Lippen erklingt dabei oft das Wort „Ernsthaftigkeit".
Gesprochen von: Li Zheng, Qiu Jing
Text von: Wei Ning



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