Der weltbekannte chinesisch-amerikanische Cellist Yo-Yo Ma trat Mitte November gemeinsam mit seiner langjährigen musikalischen Partnerin, der Pianistin Kathryn Stott, zum ersten Mal im National Centre for the Performing Arts in Beijing auf. 16 Grammy Awards und mehr als 70 aufgenommene Alben rechtfertigen durchaus, Ma als besten Cellisten der Gegenwart zu bezeichnen.

Yo-Yo Mas Konzert in Beijing traf mit US-Präsident Barack Obamas China-Besuch zusammen. Daraufhin scherzte Ma:
"Ich glaube, er ist mir gefolgt. Ich komme gerade aus Japan, in Tokio habe ich ein Solokonzert gegeben. Der Präsident kam dann ebenfalls nach Japan und hat dort eine Rede gehalten. Dann verließ ich Japan und fuhr nach Beijing. Obama folgte mir, und nun sind wir beide in Beijing. Habe ich irgendetwas falsch gemacht?"
Wegen seinem ausgeprägten Sinn für Humor, seinem modischen Auftreten und seinem fesselnden Aufführungsstil wurde der 54-Jährige vom People Magazine längst zum "Sexiest Classical Musician" gekürt.
Yo-Yo Ma hat schon für fünf US-Präsidenten gespielt, einschließlich seines Auftritts auf der Inaugurationsfeier von Barack Obama. Darüber hinaus wurde er zum Mitglied des "President's Committee on the Arts and the Humanities" ernannt. Millionen der in den USA lebenden Chinesen sind stolz auf ihren Landsmann. Ma deutete allerdings darauf hin, dass er viel lieber über Musik als über politische Themen sprechen würde.
"Ich denke, es gibt verschiedene Bereiche und Motoren in einer Gesellschaft: politische, wirtschaftliche und kulturelle. Die verschiedenen Bereiche erfordern jeweils unterschiedliche Rahmenbedingungen. Da würde ich gerne im kulturellen Sektor bleiben."
Yo-Yo Ma kam 1955 im französischen Paris zur Welt. Seine Mutter war Sängerin, sein Vater renommierter Musikprofessor. Als der kleine Yo-Yo Ma vier Jahre alt war, zog die Familie in die USA. Schon Anfang der 1960er Jahre begann er in New York mit dem Cello-Studium. Nach seinem Abschluss an der Harvard Universität 1976 war er bereits ein international gefeierter Cellist
In Yo-Yo Ma steckt viel Phantasie und Lust, Neues zu probieren. Ob im klassischen Cello-Repertoire, in der Kammermusik mit anderen Musikern oder in musikalischen Stilrichtungen außerhalb der westlichen Kultur: Immer wieder versucht der Cellist neue musikalische Wege zu gehen.
Obwohl er selbst nie in China gelebt habe, fasziniere ihn die chinesische Kultur. Früher hätten ihm seine Eltern immer auf Französisch darüber erzählt, erinnert sich Ma:
"Mein Vater hat mir die chinesische Kalligraphie beigebracht, erzählte mir Geschichten über die ‚Drei Reiche' im chinesischen Altertum und ging mit mir ins Kino, um chinesische Filme anzusehen. Als ich an der Uni war, bekam ich noch mehr Möglichkeiten, die chinesische Geschichte und Literatur kennenzulernen. Ich habe eine Menge Bücher gelesen, geschrieben von namhaften chinesischen Autoren wie beispielsweise Lu Xun und Ba Jin."
Genau dieses besondere Interesse und die Begeisterung war Grund für Mas musikalische Erkundung der antiken Seidenstraße. Die Seidenstraße galt früher als wichtige Brücke für den kulturellen Austausch zwischen Ost und West.
Für sein Seidenstraßen-Projekt hat Ma eigens ein Ensemble ins Leben gerufen. Die Ensemblemitglieder kommen allesamt aus Ländern, die historisch mit der Seidenstraße in Verbindung stehen. Yo-Yo Ma:
"Ich denke, das ist es, was mich wirklich fasziniert: Kultur ist nicht nur ein Spiegelbild dessen, was heute passiert. Ich versuche, die chinesische Geschichte so zu verstehen, als sei sie ein großer Fluss, der zahlreiche fremde Kulturen aufnimmt und unvorstellbare künstlerische Werke hervorbringt."
Verfasst von:Yingying
Übersetzt von: Xiaolan
Gesprochen von: Zhu Liwen



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