
F: Liebe Hörer, herzlich willkommen bei "Sie fragen, wir antworten". Heute möchten wir Ihnen auf Wunsch unseres Hörers Dieter Feltes aus Pyrbaum in Deutschland die bekannte alte Stadt Pingyao in der nordchinesischen Provinz Shanxi vorstellen. Herr Feltes schrieb uns:
M: "Ich höre gern das 'Reisemagazin' und interessiere mich für die Top-Reiseziele in China. Ich hätte eine Frage. Wo verbringen Sie als Mitarbeiter der deutschen Redaktion Ihren Urlaub? Vielleicht können Sie einmal einen kleinen Bericht davon machen."
F: Ja, liebe Hörer und lieber Herr Feltes, diesen Wunsch erfüllen wir Ihnen gerne. Heute möchten wir Ihnen die bekannte alte Stadt Pingyao in der nordchinesischen Provinz Shanxi vorstellen, denn ich bin im August dorthin gereist, um meinen Urlaub dieses Jahr dort zu verbringen. Und ich war begeistert. Zwar war es zu der Zeit noch ziemlich heiß, aber mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug, dem CRH, erreichten wir schnell und bequem die Stadt Taiyuan - die Hauptstadt der Provinz. In Taiyuan stiegen wir um, und nach einer guten Stunde erreichten wir die alte Stadt Pingyao. Anfangs schien es mir, als ob ich wieder in die Ming- und Qing-Dynastie vor etwa 6 bis 7 hundert Jahren zurückgekommen sei. Schnell haben wir unsere Sachen in einem kleinen Gasthof abgeladen und begannen dann mit unserer Pingyao-Reise. Weil Pingyao eine der vier bekannten alten Städte in China ist, erzählen wir Ihnen, lieben Hörern, zuerst etwas über ihre Geschichte.
M: Ja, gerne. Die alte Stadt Pingyao liegt mitten in der Provinz Shanxi. Heute wohnen hier 42.000 Stadtbewohner. Diese Kreisstadt wurde ursprünglich in der westlichen Zhou-Dynastie gegründet und hat schon eine Geschichte von mehr als 2700 Jahren. In der Ming-Dynastie vor mehr als 600 Jahren wurde sie ausgebaut. Auch heute hat die Stadt immer noch ihr Aussehen aus der Ming- und Qing-Dynastie und wird als Museum der Baukunst der Ming- und Qing-Dynastie angesehen. Sie wird als die am besten und am vollständigsten erhaltene alte Stadt im Wohngebiet der Han-Nationalität in China bezeichnet. Die alten Bauten und Kulturdenkmäler hier in der Stadt sind für die Forschung über alte Städte und Stadtbauten in China sowie über die Entwicklung der traditionellen Kultur von wichtiger Bedeutung. Im Dezember 1997 wurde Pingyao in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
F: Ja, stimmt. Pingyao ist in Planung und Gestaltung eine typisch traditionelle Kreisstadt der Han-Nationalität. Sie hat in der historischen Entwicklung in China eine komplette beeindruckende Szenerie der Entwicklung in jeder Hinsicht der Gesellschaft gezeigt. Wir haben in Pingyao viel gesehen und erlebt. Spazieren auf der alten Stadtmauer ist ein unvergessliches Erlebnis. Das gigantische Bauwerk wurde in der Ming-Dynastie vor mehr als 600 Jahren gebaut. Mit einer Gesamtlänge von 6163 Metern und einer Höhe von 12 Metern hat sie die nur 2,25 Quadratkilometer große Stadt Pingyao in zwei Teile mit ganz unterschiedlichem Stil abgetrennt. In der Innenseite befindet sich die alte Kreisstadt der Ming- und Qing-Dynastie. Mit dem Torturm als Zentrum gibt es hier vier große Straßen, acht kleine Straßen und 72 Gassen. Sie sind miteinander verschlungen und funktionieren getrennt. Alle alten Wohnhäuser in der Stadt sind typisch chinesische "Si He Yuan" - Gehöfte also. Alle Häuser sind aus grauem Backstein und Dachziegeln gebaut. Der Hof hat eine ganz klare Achslinie. Alle Häuser liegen einander gegenüber. Außerdem wurden in der Stadt noch viele Tempel und Läden im alten Stil gebaut. Diese altertümlichen Bauten spiegeln das Aussehen der Kreisstadt in der Ming- und Qing-Dynastie original und unverfälscht wider.
M: Ja. Wie viele andere alte Städte gibt es in Pingyao auch viele gut erhaltene Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler. Statistiken zufolge erreicht ihre Zahl über 300. Es gibt zum Beispiel den Kreisamtssitz und 6 Tempelkomplexe usw. Außer der oben erwähnten alten Stadtmauer möchten wir Ihnen hier noch den Zhenguosi-Tempel, den Shuanglinsi-Tempel und die erste moderne Bank in China - das Wechselbüro "Ri Sheng Chang" - kurz vorstellen. Der Zhenguosi-Tempel befindet sich in der Nähe des nördlichen Stadttors. Die Tempelhalle Wan Fo - Halle der zehntausend Buddhas - wurde in der Zeit der Fünf Dynastien gebaut und hat schon eine Geschichte von etwa 1000 Jahren. In diesem alten Holzbau wird eine große Menge bunter Skulpturen aus den Fünf Dynastien aufbewahrt. Sie wird als eine Kunstschatzkammer für bunte Skulpturen aus alter Zeit in China bezeichnet. Der Shuanglinsi-Tempel befindet sich im Südwesten der Stadt und ist fast 1500 Jahre alt. In den 10 großen Hallen des Tempels werden auch mehr als 2000 bunte Skulpturen aus dem 13. bis 17. Jahrhundert verwahrt.
F: Genau. "Ri Sheng Chang" ist die erste moderne Bank in der chinesischen Finanzgeschichte. Sie wurde im Jahr 1824 errichtet und hat eine Fläche von mehr als 2000 Quadratmetern. Nach ein paar Jahren gab es in mehr als 30 Städten des Landes Filialen. Und danach expandierte die Bank weiter nach Japan, Singapur und Russland. Durch die "Ri Sheng Chang" spielt Pingyao in der chinesischen Finanzgeschichte eine sehr wichtige Rolle. Qing Xu Guan mit seiner eigenartigen Struktur ist ein bekannter taoistischer Tempel. Im Tempel stehen nun noch mehr als 20 Holzplastiken. Es handelt sich um Raritäten für die Forschung der Holzschnitzerei in alter Zeit in China und der Entwicklung des chinesischen Taoismus.
M: Ja. Und nicht zu vergessen die vorhandenen 4000 alten Wohnhäuser in der Innenstadt von Pingyao. 400 davon repräsentieren konzentriert den Stil und die Besonderheiten der Wohnhäuser in alter Zeit in Nordchina.
F: Ja, genau. Der Gasthof, in dem wir übernachteten, ist ein typisches "Si He Yuan" - ein Gehöft. Es gibt hier einen auffälligen Innenhof, mit klarer Achslinie und Steinschnitzerei-Dekoration. Alle Häuser liegen sich jeweils gegenüber und werden mit typischen feinen Schnitzereien und Scherenschnitten dekoriert. Der Stil des ganzen Hofs ist schlicht, naturgetreu und lebensecht. Ich war sehr davon beeindruckt. Im Haus gibt es nur den "Kang" - die gemauerte und heizbare Schlafbank. Darauf konnten wir sehr gut schlafen.
M: Ja, ein interessantes Erlebnis! Ich finde, dass auch die Straßennamen in Pingyao sehr interessant sind, zum Beispiel die Süßwasser-Straße, die Tugend-Straße, die Sojabohnensprossen-Straße, die Kürbisbauch-Straße usw.
F: Ja, wirklich interessant. Die Spezialitäten in Pingyao sind auch lecker. Es gibt viele Nudelgerichte und Mehlspeisen, wie zum Beispiel gekochte Nudeln, gedünstete Nudeln, gedampfte Baozi und Jiaozi mit Hammelfleisch, Hefekuchen usw. Das gekochte Rindfleisch in einer Spezialsoße aus Pingyao hat schon eine lange Geschichte und ist landesweit bekannt. Es gibt deswegen eine Redewendung, die besagt, dass Pingyao die Heimat des Rindfleischs in China ist.
M: Ja, genau. Mit einem Wort wurde die alte Kreisstadt Pingyao ganz nach traditioneller Kultur und Denkweise der Han-Nationalität gebaut. Sie kann den Baustil der Han-Nationalität in Zentralchina sehr gut repräsentieren und als Muster für die Forschung über die Entwicklung in Politik, Wirtschaft, Kultur und Kunst sowie Religion in China betrachtet werden.
F: Ja. In Pingyao gibt es noch viel anderes Interessantes. Aber in China sagt man: Sehen ist hundertmal besser als Hören. Also reisen Sie, liebe Hörer, auch einmal nach Pingyao in der nordchinesischen Provinz Shanxi, dann können Sie dort bestimmt viel erleben!
M: Ja, soweit, liebe Hörer, unser Bericht über die bekannte alte Kreisstadt Pingyao in der nordchinesischen Provinz Shanxi.
Moderatoren: Huang Gang, Lu Shan



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