Seit dem 17. Oktober sind rund 80 Musiker aus Deutschland in China auf Tour: die Deutsche Radio Philharmonie. Das ist das gemeinsame Rundfunkorchester des Saarländischen Rundfunks und des Südwestrundfunks. Es spielt insgesamt fünf Konzerte hier in China. Solist ist der gebürtige Chinese Han Xiaoming, der jetzt schon seit etlichen Jahren in Deutschland lebt, aber immer wieder in China ist. Unter anderem als Gastprofessor für Horn. Unser Reporter Steffen Wurzel hat die Deutsche Radio Philharmonie begleitet, im Konzertsaal und hinter den Kulissen.
"Warten Sie bitte, ich zähle jetzt nochmals ...!"
Der chinesische Fremdenführer am Aufgang zur Großen Mauer ist genervt. Bei so einer großen Truppe ist es gar nicht so einfach, den Überblick zu behalten. Der China-Tourplan der Deutschen Radio Philharmonie ist zwar dicht gepackt, aber für einen Besuch der Chinesischen Mauer muss trotzdem Zeit sein. Mit allem, was dazu gehört.
(Foto: Steffen Wurzel)
"Die haben mich glaube ich gerade übers Ohr gehauen. Und zwar habe ich was gekauft für 100 RMB und habe ihnen einen Hunderter gegeben und die kamen dann zurück und haben gesagt, der Hunderter sei nicht in Ordnung. Und ich glaube, die haben mir einen gegeben, der falsch ist."
"Also, wir haben erkannt, dass wir betrogen wurden. Aber das ist in Ordnung. Wir lieben China trotzdem!"
Geigerin Carmen Maior-Rüstig nimmts gelassen. Das gehört wohl einfach dazu. Die Falschgelderfahrung bleibt aber zum Glück die einzige dieser Art. China, diese Erfahrung machen die meisten der Musiker, ist ein Freundliches Land. Ein Land, das entdeckt werden will. Und das macht man am Besten auf eigene Faust. So wie Cellist Stefan Panzer:
"Zum einen ist mir klar geworden: Dieser unglaubliche Stolz, den die Chinesen haben! Auf das, was sie erreicht haben in den vergangenen 50, 60 Jahren. Und man sieht an diesen Tiananmen-Platz, wie sie die Größe ihres Landes einfach feiern. Und das ist schon faszinierend, wenn man diese Reisegruppen sieht, die aus der Provinz hier her gebracht werden und man zeigt ihnen einfach: ‚Hier! Das ist unsere Größe! Wir haben noch viel zu tun, aber wir sind da. Und diese Energie, die finde ich sehr faszinierend. Und dann fährst Du mit dem Fahrrad - ich habe mir gestern ein Fahrrad geliehen - damit fährst Du einen Kilometer weiter und dann bist Du plötzlich in einer archaischen Welt, die mit den großen Boulevards, mit den Skyscrapern hier, überhaupt nichts mehr zu tun hat."
Die Konzertsäle in Peking, Suzhou, Shanhgai und Macau fallen allerdings in die Kategorie ‚Große Boulevards und Wolkenkratzer'. Architektonische Meisterwerke mit Top-Ausstattung und beeindruckender Akustik. So auch das National Centre of Performing Arts in Peking. Ein riesiges, silbernes Ei mit drei Konzertsälen für Oper, Theater und Konzerte. Es steht mitten in Chinas Hauptstadt, in direkter Nachbarschaft zum Platz des Himmlischen Friedens und diversen Ministerien. Dirigent Christoph Poppen:
(Foto: Steffen Wurzel)
"Ich denke, das ist ein wunderbares Symbol, dass man hier einen Konzertsaal baut, wirklich in die Mitte der politischen Stadt. Also da, wo die politische Aktion ist, wo auch Historie ist - vielfältige Historie - und das ist ein Bekenntnis der hiesigen Kulturpolitik. Der Saal an sich ist einfach fantastisch. Plötzlich hört man Dinge im Orchester, die man zuhause noch gar nicht wahrgenommen hat."
Auf dem Programm stehen unter anderem Beethoven, Haydn und ein Hornkonzert von Mozart.
Solist ist Han Xiaoming. Er ist in China geboren, lebt aber schon seit vielen Jahren als Musiker in Deutschland. Hier in Peking ist er während der Tour auch ein bisschen so etwas wie ein Reiseführer. Seine Kollegen der Deutschen Radio Philharmonie hatten viele Fragen an ihn, zum Leben und Klarkommen in China.
"Gibt es hier Vegetarier? Wo kann ich Geld wechseln? Wo bekomme ich Telefonkarten? Wie ist es mit den Steckdosen? Wo kann ich Seiden-Material kaufen ...?"
Für besonders viel Applaus sorgt eine Zugabe, die das Orchester extra für China ins Programm genommen hat. Die offizielle Olympia-Hymne aus dem vergangenen Jahr: "You and me".
"Das war perfekt," findet der 24-jährige Li Chong nach dem Konzert, „das ist ein Zeichen für die chinesisch-deutsche Freundschaft."
Auch die 29-jährige Werbekauffrau Liona ist begeistert: "Deutschland ist ein Musikland," sagt sie, "wahrscheinlich kann dort jeder Klavier oder Geige spielen!"
Die Deutsche Radio Philharmonie in China: Das ist Völkerverständigung durch Musik, durch westliche, klassische Musik, die in China immer beliebter wird. Bass-Posaunist Joachim Laukemper:
"Ich denke, es ist eine Kultur, die hier wenig bekannt und im Kommen ist, durch die Öffnung des Landes nach Westen. Und da ist viel Neugier dabei, schätze ich, für die gerade jüngere Generation in China, die diese Musik einfach kennen lernen möchte und die damit verbundene Kultur kennen lernen möchte."
Auch Dirigent Chistoph Poppen ist zufrieden. Das erste Konzert der Deutschen Radio Philharmonie in China: Ein voller Erfolg.
"Ja, das war eine große Freude, hier zu spielen. Das Publikum ist offen und man hat ja auch gemerkt, in der Reaktionsfähigkeit sehr steigerungsfähig. Am Ende war ja wirklich sehr großer, echter Enthusiasmus. Die wollten uns ja kaum gehen lassen nach der dritten Zugabe! Also insofern bin ich sehr glücklich mit diesem Abend in China."
Wir berichteten über die China-Tournee der deutschen Radio Philharmonie.
Verfasst und gesprochen von: Steffen Wurzel



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