
Kalligrafie und Malerei sind zwei Kunstarten, die die traditionsreiche chinesische Kultur präsentieren. Zusammen mit Tusche, Papier und Reibstein gehört der Pinsel in China zu den "vier Schätzen des Studierzimmers". Der Pinsel ist das wichtigste Werkzeug in der chinesischen Kalligrafie.
Der chinesische Pinsel könnte das älteste Schreibwerkzeug der Welt sein. Seine Nutzung kann bis auf die Neusteinzeit zurückgeführt werden. Der Pinsel galt als das wichtigste Schreibgerät der Chinesen, bevor der Füller Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts aus dem Westen eingeführt wurde.
Der Pinsel kann in vier Kategorien unterteilt werden, nämlich in Yang Hao, Lang Hao, Jian Hao und Zi Hao, so der Pinselhersteller Zhang Jingsheng.
"Yang Hao ist sanft und wird aus Ziegenhaaren hergestellt. Lang Hao ist dagegen hart und besteht aus Wieselhaaren. Zi Hao ist ein Produkt aus braunen Hasenhaaren und Jian Hao aus einer Mischung verschiedener Haaren."
Wegen ihren verschiedenen Strukturen und charakterischen Besonderheiten werden verschiedene Pinsel für verschiedene Zwecke benutzt. Zhang Jinsheng:
"Der Yang Hao Pinsel wird gern zum Schreiben benutzt, insbesondere von den Kalligrafen und den Kalligrafieliebhabern. Der Lang Hao wird hauptsächlich in der Malerei verwendet, weil er härter und leichter zu führen ist. Deshalb eignet er sich bestens für Kalligrafie-Anfänger.
Der Zi Hao ist weder zu hart noch zu weich und der Jian Hao Pinsel ist extrem fein. Er wird meistens von Mönchen zum Schreiben benutzt.
Für Kalligrafen ist ein Qualitätspinsel sehr wichtig. Pinsel, die in Huzhou in der ostchinesischen Provinz Zhejiang hergestellt werden, sind qualitativ die besten und blicken auf eine über 2000-jährige Geschichte zurück. Sie sind nach ihrem Herstellungsort benannt und heißen deshalb "Hu-Pinsel". Der Kalligrafieliebhaber An Yanjing ist von der Qualität der Hu-Pinsel überzeugt.
"Die Hu-Pinsel sind die besten Schreibgeräte unseres Landes und schon an sich eine Kunst. Gute Pinsel eignen sich für die unterschiedlichen Anforderungen der Schreiber. Außerdem müssen sie die Kraft, Sanftmut und die Kunst der Schriftzeichen zum Ausdruck bringen können."
Der Pinsel sieht zwar einfach aus, seine Fertigung ist aber sehr kompliziert. Zhang Jinsheng zufolge ist die Herstellung eines Qualitätspinsels mit sehr viel Aufwand verbunden.
"Von der Auswahl der Materialien, der Verarbeitung der Haare, des Schnitzens des Stils bis hin zur Verpackung erfordert die Pinselherstellung insgesamt 72 Arbeitsgänge. Einen guten Pinsel herzustellen dauert 20 bis 30 Tage."
Unter allen Verfahren ist "Shui Pen" am kompliziersten. Dabei werden die Tierhaare im Wasser bearbeitet, damit sie gerade werden. Die Haare werden nach der Länge sortiert, um Pinsel verschiedener Größen herzustellen. Der ganze Prozess kann einen halben Monat lang dauern.
Neben den Haaren werden die Materialien für den Pinselstiel ebenfalls sorgfältig ausgesucht. Nach Zhang Jinsheng werden heutzutage immer mehr neue Materialien verwendet.
"Traditionell wird eigentlich nur Bambus aus der Provinz Zhejiang für den Pinselstiel benutzt. Mittlerweile ist aber auch Bambus aus der Provinz Fujian akzeptiert. Heutzutage werden auch neue Materialien wie zum Beispiel Palisanderholz, Horn oder Kunststoff verwendet."
Ein neuer Pinsel sollte vor dem Schreiben im Wasser kurz eingeweicht werden. Wenn er gut aufbewahrt wird, kann man mit einem Pinsel mehrere Jahre schreiben. Die Tusche muss nach dem Schreiben gründlich abgewaschen und der Pinsel auf einem Gestell zum Trocknen aufgehängt werden.
Heutzutage ist der Pinsel nicht nur ein Schreibgerät, sondern auch ein Sammelobjekt. Schön verzierte Pinsel haben sowohl künstlerisch als auch finanziell einen hohen Wert.
Verfasst von: Chen Zhe
Übersetzt von: Xiao Lan
Gesprochen von: Qiu Jing



Wir über uns






