F: Heute wollen wir Ihnen auf Wunsch unseres Stammhörers Christoph Preutenborbeck aus Odenthal in Deutschland die Pferdekultur und die Pferdezucht in China etwas näher vorstellen. Herr Preutenborbeck schrieb uns vor kurzem in einem Brief:
M: "Liebes CRI-Team! Gerne habe ich heute folgende Fragen für den Hörerbriefkasten: Welche Rolle spielen Pferde in der chinesischen Kultur? Ich habe gehört, dass einige nationale Minderheiten in China Pferderennen bevorzugen. Gibt es Voltigieren in China? Gibt es eine gute Pferdezucht in China?"
F: Ja, das ist eine interessante und auch selten gestellte Frage, liebe Hörer und lieber Herr Preutenborbeck! Gerade solche Fragen beantworten wir natürlich gerne. Zuerst informieren wir Sie also etwas über die Pferdezucht in China. Nach der Gründung der VR China hat die Anzahl der Pferde in China allmählich zugenommen. 1977 erreichte die Pferdepopulation ihren Höhepunkt, damals gab es in China die meisten Pferde weltweit. Bis zum Ende des vergangenen Jahrhunderts ging die Zahl der Pferde in China jedoch wieder zurück. Trotzdem ist China immer noch ein wichtiges Land für die Pferdezucht. Von den etwa 58,2 Millionen Pferden weltweit leben derzeit 8,9 Millionen in China, ein führender Wert im internationalen Vergleich.
M: Ganz richtig. Die Pferdezucht in China verteilt sich vor allem auf die Gebiete im Norden des Landes, besonders auf das Autonome Gebiet der Inneren Mongolei und das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang. In diesen Teilen des Landes gibt es wasserreiches Weideland. Die Landschaft dort ist atemberaubend schön. Perfekte Voraussetzungen also für die Zucht von Pferden. In den 1950er Jahren wurden aus der ehemaligen Sowjetunion einige tausend Zuchtpferde eingeführt und im Norden des Landes auf Weiden untergebracht. Davon konnte die Entwicklung der Pferdezucht in China deutlich profitieren. Später wurden in China auch hochwertige Pferde aus der Region gezüchtet.
F: Ganz genau. In der Vergangenheit waren Pferde in China meistens die Haupttransportkraft in der Landwirtschaft. In den 1990er Jahren setzte sich in China das Reiten dann auch als Leistungssport und Hobby durch. In diesem Zusammenhang wurde die Pferdezucht intensiviert und verbessert. Aktuell gibt es in China jedoch keine herausragenden Zuchtpferde. Die Pferde für Reitsportveranstaltungen, etwa das Voltigieren oder das Springreiten, werden größtenteils eingeführt, wie es auch bei den Olympischen Spielen oder den Asienspielen der Fall war. Nicht nur bei großen Sportfesten, auch für andere sportliche Aktivitäten in den von nationalen Minderheiten bewohnten Gebieten braucht man viele hervorragende Pferde. Dies alles eröffnete neue Möglichkeiten für die Pferdezucht in China.
M: Gegenwärtig kostet ein einfaches Reitpferd in China etwa zwischen 6.000 und 10.000 Yuan. Verbunden mit der gesellschaftlichen Entwicklung werden in China in Zukunft sicher mehr hochwertige Sportpferde gebraucht. So sollen Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2012 in China 5.000 neue Reitpferde jährlich benötigt werden. Außerdem wird auch ein vermehrter Absatz von Pferdefleisch und Stutenmilch erwartet.
F: Werfen wir nun einen Blick auf die Pferdekultur in China. Viele nationale Minderheiten in China haben ein besonderes Verhältnis zu Pferden. Die mongolische Nationalität wird zum Beispiel als die „Nationalität auf dem Pferderücken" bezeichnet. Das Pferd spielt in der chinesischen Kultur und in den Künsten, etwa in der Malerei, der Musik oder dem Tanz, eine wichtige Rolle. Der traditionelle Reitsport und das Voltigieren sind ein unentbehrlicher Bestandteil der nationalen Minderheiten in China und des chinesischen Nationalgeistes.
M: So ist es. Weiter geht es, liebe Hörer, mit dem Nadamfest der mongolischen Nationalität. Dieses Fest ist eng mit der Pferdekultur in China verbunden und ist eine äußerst beliebte traditionelle Veranstaltung. Ersten Aufzeichnungen zufolge wurde das Nadamfest bereits Anfang des 13. Jahrhunderts gefeiert. Schon damals feierten die verschiedenen Oberhäupter der mongolischen Nationalität das Nadamfest als großartige Festveranstaltung. Die Hauptdisziplinen auf dem Nadamfest waren schon damals das beliebte Bogenschießen, der Ringkampf und das Pferderennen. Sie wurden als die "drei Kunstfertigkeiten der Männer" bezeichnet.
F: Ja. Die "drei Kunstfertigkeiten der Männer" spielen seit langer Zeit im Leben der Anhänger der mongolischen Nationalität eine wichtige Rolle. Sie sind eine Folge des Lebensumstände und Arbeitsverhältnisse. Bis zur Qing-Dynastie vor mehr als 300 Jahren etablierte sich das Nadamfest als eine regelmäßig organisierte Veranstaltung der Mongolen. Neben einem sportlichen und künstlerischen Programm gab es auch einen Markt und regen Warenaustausch. Das Nadamfest wurde damit stets bedeutender und vielseitiger.
M: Ja. Heute wird das Nadamfest üblicherweise im Juli oder August auf der wunderschönen Ordos-Steppe in der Inneren Mongolei veranstaltet. Es ist eine wichtige Sport- und Unterhaltungsveranstaltung der mongolischen Bevölkerung. In der regenreichen Erntezeit scheint meist die Sonne, das Wetter ist bezaubernd und angenehm frisch. Man kann es sich also mit verschiedenen Gerichten und etwas Stutenmilchwein gemütlich machen. Die Hirten werfen sich in Schale und reiten ihr geliebtes Rennpferd. Aus allen Himmelsrichtungen reisen die Teilnehmer zum Versammlungsort an. Nach der Eröffnungsfeier werden dann die drei traditionellen Wettkampfsportarten der Männer – Bogenschießen, Ringkampf und Pferderennen – durchgeführt. Auch begleitende künstlerische Veranstaltungen sind im Programm enthalten. Nach drei bis fünf Tagen gehen die Feierlichkeiten wieder zu Ende.
F: Das hört sich alles sehr interessant, fröhlich und ausgelassen an! Während des Nadamfestes bauen die Hirten auf der Steppe auch Zelte auf. Auf einfachen Öfen oder offenen Feuern wird Tee mit Milch gekocht oder Fleisch gegrillt. Es steigt Rauch auf über der Steppe auf, wodurch ein Anblick mit besonderer Atmosphäre entsteht. Neben dem traditionellen sportlichen und künstlerischen Programminhalten werden zudem wieder Märkte und neuerdings sogar Messen oder Ausstellung abgehalten. Auch der Informationsaustausch und die Weitergabe von wissenschaftlichen Kenntnissen nehmen weiter zu.
M: Das Pferderennen ist zweifellos ein wichtiger Bestandteil des Nadamfestes. Es ist eine traditionelle Sportart der mongolischen Nationalität. Mittlerweilen messen sich die Teilnehmer auch in neuen Disziplinen wie Voltigieren, Polo, Reitkunst, Leichtathletik oder Ballsportwettkämpfen. Ungebrochen ist jedoch die weltweite Anerkennung, die das Reitkunstteam des Autonomen Gebietes der Inneren Mongolei erhält.



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