Die "Dizi", eine traditionelle Querflöte, ist ein in ganz China bekanntes volkstümliches Instrument. Archäologischen Funden zufolge geht der Ursprung dieses Instruments mehr als 7.000 Jahre zurück. Die Dizi hat eine zylindrische Bohrung und verfügt über mehrere Löcher. Es ist ein ausdrucksstarkes Instrument, mit dem verschiedene Gefühle vermittelt werden können. Die Dizi spielt daher auch eine wichtige Rolle in einem Orchester für volkstümliche Musik aus China. Meistens wird sie aber als Soloinstrument eingesetzt. In den folgenden Minuten stellen wir ihnen Wang Ciheng vor, seines Zeichens namhafter Flötist.

Der mittlerweile 50-jährige Wang Ciheng ist erster Flötist des Zentralen Orchesters für volkstümliche Musik. Schon in seiner Kindheit hat Wang Ciheng gelernt, verschiedene Instrumente zu spielen, etwa Klavier, Geige und Flöte. Die Querflöte hat ihn aber immer schon interessiert. Dazu Wang Ciheng:
"Die Querflöte ist einfach gebaut. Da alle Kinder in meiner Umgebung Querflöte lernten, fing auch ich an, sie zu lernen. Nach und nach habe ich ein immer größeres Interesse an dem Instrument entwickelt. Ich habe auch viele andere Instrumente gelernt, aber die Querflöte ist bis heute mein Lieblingsinstrument. Weltweit gibt es viele Arten von Flöten. Aber nur die chinesische Flöte hat eine Folie, die einen hellen Klang erzeugen kann. Der Klang gefällt mir sehr. Ich habe Klavier und westliche Flöte gelernt, aber schließlich kam ich wieder zur Querflöte zurück."
Wang Ciheng vereinigt die in China üblichen Spieltechniken der nördlichen und südlichen Stilrichtungen und macht sich westliche Einflüsse zu Nutze. Auf dieser Basis hat er seinen eigenen Stil entwickelt:
"Als ein Instrumentalist der chinesischen Musik stellte ich fest, dass die traditionelle chinesische Musik sich einigermaßen von der westlichen Musik unterscheidet. China ist ein Vielnationalitätenstaat, und viele denken irrtümlicherweise, dass die Flöte nur zum Ausdruck fröhlicher Gefühle geeignet ist. Tatsächlich können damit aber sämtliche menschlichen Gefühle ausgedrückt werden, zum Beispiel Fröhlichkeit, Zorn, Trauer oder Freude. Diese chinesische Flöte erfordert von den Instrumentalisten eine geschicktere Spieltechnik, eine höhere musikalische Qualifikation und ein tieferes Verständnis der traditionellen chinesischen Musik."
Seit den 1990er Jahren ist Wang Ciheng mehrfach zu Gastspielen und Vorlesungen nach Österreich, Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder die USA gereist und hat dabei auch Solokonzerte gegeben. Seine drei Deutschland-Konzerte wurden beispielsweise begeistert aufgenommen. Ein Fan aus Deutschland folgte ihm sogar in mehrere Länder, um seine Auftritte mitzuverfolgen! Wang Ciheng nutzte die Vorlesungen und Gastspiele auch, um Erfahrungen mit seinen ausländischen Fachkollegen auszutauschen.
"Ich wurde mehrere Male zu Vorlesungen ins Britischen Royal Konservatorium eingeladen. Es verwunderte die britischen Fachkollegen sehr, dass selbst das europäische Tonsystem mit seinen zwölf Tönen auf einer sechslöchrigen Flöte gespielt werden kann. Es erfordert natürlich sehr viel Geduld, Fleiß und hohe technische Fertigkeiten, um das scheinbar Unmögliche zu erreichen."
Musik kennt keine nationalen Grenzen. Und so sagt Wang Ciheng, er könne beim Auftritt mit ausländischen Musikern viele Gemeinsamkeiten feststellen. Das Zusammenspiel mit einem örtlichen Streichquartett oder mit Klavier führe zu einem extrem harmonischen Eindruck, meint Wang Ciheng. Er ist der Ansicht, dass chinesische Musiker unter der Voraussetzung der Beibehaltung der charakteristischen Besonderheiten der chinesischen Musik von der westlichen Musik lernen können. Und das könne wiederum die Ausdruckskraft der chinesischen Musik stärken.
Verfasst von: Wu Xiaonü
Gesprochen von: Qiu Jing



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