F: Heute wollen wir Ihnen auf Wunsch unseres Stammhörers Paul Gager aus Deutschkreutz in Österreich die 24 Jahresabschnitte in China etwas näher vorstellen. Herr Gager schrieb uns vor kurzem in einer E-Mail:
M: "In der lokalen Presse fand ich folgende Notiz: Das chinesische Jahr ist in 24 Zeitabständen gegliedert, die verschiedene Namen tragen. Am 5. März startete die Periode des "Erwachen der Insekten". Dann ist es an der Zeit für die Bauern, mit der Frühlingsbestellung zu beginnen. Der chinesische Kalender richtet sich sowohl nach der Sonne als auch nach dem Mond. Jeder Monat hat 30 Tage, entsprechend dem Mondzyklus. Um die 365 Tage des Sonnenjahres zu füllen, gibt es einen Schaltmonat. Könnten Sie uns vielleicht etwas mehr über die verschiedenen Perioden des chinesischen Kalenders erzählen? Danke!"
F: Ja, diesen Wunsch erfüllen wir Ihnen, liebe Hörer und lieber Herr Gager, natürlich gerne. Die 24 chinesischen Jahresabschnitte stammen ursprünglich aus dem Einzugsgebiet des Gelben Flusses. Sie werden auch als die 24 Sonnenjahreseinteilungen bezeichnet. Schon in der Frühlings- und Herbstperiode vor mehr als 2.000 Jahren hat man in China die vier Jahresabschnitte in Mitfrühling, Hochsommer, Mitherbst und Mitwinter eingeteilt. Später wurde diese Einteilung weiter verbessert und vervollständigt. Bis zur Qin- und Han-Dynastie vor etwa 2.000 Jahren wurden so die 24 Jahresabschnitte komplett festgelegt. Im Jahr 104 vor Christus wurden die 24 Jahresabschnitte offiziell in die Zeitrechnung eingegliedert und ihre astronomischen Positionen bestimmt.
M: Ja, genau. Der Lauf der Sonne beginnt bei 0 Grad auf der Ekliptik, also auf der Bahn der Sonne im Verlauf eines Jahres. Die Zeit, die für das Durchlaufen von 15 Grad entlang der Ekliptiklänge benötigt wird, bezeichnet man als „Jahresabschnitt". Pro Jahr bewegt sich die Sonne um 360 Grad, es gibt also 24 Jahresabschnitte – pro Monat zwei. Diese 24 Jahresabschnitte spiegeln die Jahresbewegung der Sonne wider. Deshalb ist deren Datum auch im internationalen Kalender im Großen und Ganzen festgelegt. In der ersten Jahreshälfte fällt der Beginn eines solchen Jahresabschnitts normalerweise auf einen 6. oder 21. eines Monats, in der zweiten Jahreshälfte auf einen 8. oder 23. Die Differenz beträgt dabei also höchstens zwei Tage.
F: Ganz genau. Und nun zu den jeweiligen Namen der 24 chinesischen Jahresabschnitte: Diese lauten "Frühlingsbeginn", "Regenwasser", "Das Erwachen der Insekten", "Frühlingsäquinoktium", "Das helle Licht", "Der Saatregen", "Sommerbeginn", "Ährenbildung", "Körner mit Grannen", "Sommersolstitium", "Mäßige Hitze", "Große Hitze", "Herbstbeginn", "Das Ende der Hitze", "Der weiße Tau", "Herbstäquinoktium", "Der kalte Tau", "Reiffall", "Winterbeginn", "Mäßiger Schnee", "Der große Schnee", "Wintersolstitium", "Die mäßige Kälte" und "Die große Kälte".
M: Ja. Nun einige Informationen über die 24 chinesischen Jahresabschnitte. Seit der Qin-Dynastie vor etwa 2200 Jahren gibt es in China bereits den Jahresabschnitt "Frühlingsbeginn". Zum "Frühlingsbeginn" kann man deutlich fühlen, dass die Tage länger werden und die Kraft der Sonne zunimmt. Die Temperaturen, die Dauer des Sonnenscheins und die Regentage gelangen an einen Wendepunkt und nehmen wieder zu. Die Feldfrüchte beginnen zu wachsen, es heißt also für die Landwirte, zu dieser Jahreszeit auch rechtzeitig zu bewässern und zu düngen.
F: Ja. Nach dem "Frühlingsbeginn" kommt folgerichtig dann auch der Jahresabschnitt "Regenwasser". Es beginnt in diesem Abschnitt meist zu regnen, die Niederschlagsmenge nimmt dabei immer mehr zu. Im Einzugsgebiet des Gelben Flusses steigt außerdem die Temperatur auf über 0 Grad Celsius. In Südchina liegt die durchschnittliche Temperatur bei über 10 Grad. Es ist also tatsächlich der Beginn des Frühlings und Zeit für das Aufforsten und das Veredeln von Obstbäumen, der sogenannten Okulation. Anschließend folgt "Das Erwachen der Insekten", Die in ihrem jeweiligen Entwicklungsstadium überwinternden Insekten erwachen zu dieser Zeit wieder aus ihrer Winterruhe beziehungsweise der Winterstarre, denn die Temperaturen steigen um diese Jahreszeit deutlich an. In den meisten Gebieten in China beginnen zu dieser Jahreszeit die Bauern mit der Frühjahrsbestellung der Felder.
M: Stimmt. Seit dem Altertum zeigen in China die Jahresabschnitte Frühlingsbeginn, Sommerbeginn, Herbstbeginn und Winterbeginn den Beginn der vier Jahreszeiten. Das Frühlingsäquinoktium, die Tagundnachtgleiche im Frühling also, das Sommersolstitium oder auch Sommersonnwende, das Herbstäquinoktium und das Wintersolstitium liegen jeweils in der Mitte der entsprechenden Jahreszeit. Am Tag des Frühlingsäquinoktiums steht die Sonne direkt über dem Äquator, der Tag dauert dann genauso lang wie die Nacht. Nach dem Frühlingsäquinoktium beginnt in Südchina die Wachstumsphase von winterharten Früchten. Auch ist nun die Zeit günstig für das Aufforsten.
F: Ja. Und danach kommt der Jahresabschnitt "Das helle Licht". Zu Beginn dieses Abschnitts findet in China das Qingming-Fest statt, das Totenfest. Dabei ist es üblich, einen Frühjahrsausflug zu machen, nur kalte Speisen zu essen und die Gräber der Vorfahren zu besuchen. Während des Jahresabschnitts "Der Saatregen" wachsen das Getreide und die Feldfrüchte kräftig, die Niederschläge nehmen zu. Gerade Wasserreis, Mais und Baumwolle wachsen nun besonders gut.
M: Ja. "Sommerbeginn" muß sicher nicht weiter erklärt werden, und im Anschluß daran beginnt der entscheidende Zeitraum für das Setzen von Sommerreis in Zentral- und Südchina. Der Zeitpunkt der Regenschauer und die Regenmenge sind in dieser Phase sehr wichtig für die Landwirtschaft. Mit "Ährenbildung" ist gemeint, dass die Feldfrüchte des Sommers heranwachsen. Es ist zudem die Jahreszeit für das Setzen des Wasserreises. Im Jahresabschnitt "Körner mit Grannen" reift das Getreide heran. In den meisten Gebieten in Südchina sind die Reissetzlinge lichtgrün, auf den Feldern ist viel Arbeit zu leisten.
F: Am Tag des Sommersolstitiums, also der Sommersonnwende, steht die Sonne im Wendekreis des Krebses. Es ist dies der längste Tag auf der Nordhalbkugel. In Südchina werden zu dieser Zeit die Felder gepflegt. Die Regenmenge nimmt meist zu. Es folgen die Abschnitte "Die mäßige Hitze" und "Die große Hitze", und ganz den Namen entsprechend ist dies die heißeste Zeit des Jahres. Der "Herbstbeginn" bringt schließlich eine angenehm Frische. Zugleich ist das Getreide in den meisten Gebieten in Südchina reif für die Ernte.
M: Ja. "Das Ende der Hitze" bedeutet, wie der Name schon sagt, das Ende der Hundstage. Im Jahresabschnitt "Der weiße Tau" haben sich die Temperaturen für gewöhnlich bereits abgekühlt. Zudem regnet es ausgiebig, die Anzahl der Sonnenstunden nimmt deutlich ab. Es folgt das "Herbstäquinoktium", die Tagundnachtgleiche. Anschließend kommen die beiden Jahresabschnitte "Der kalte Tau" und "Reiffall".
F: Ja. Nach dem Winterbeginn folgen dann die Jahreszeiten "Der mäßige Schnee" und "Der große Schnee", bis schließlich am Tag der Wintersonnwende, des "Wintersolstitiums" der Tag auf der Nordhalbkugel am kürzesten ist. "Die mäßige Kälte" und "Die große Kälte" sind dann der kälteste Zeitabschnitt des Jahres. In der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang erreichen zu dieser Jahreszeit die Temperaturen sogar minus 40 Grad Celsius. In Südchina liegt die Durchschnittstemperatur meistens zwischen sechs und acht Grad Celsius. Während dieser Jahreszeit fällt am wenigsten Niederschlag im Jahr.
Verfasst von Lu Shan



Wir über uns






