
Die Pferdekopfgeige erhielt ihren Namen wegen der Verzierung mit einem Pferdekopf am oberen Ende des Instruments. Ihr dunkler und schwermütiger Klang hallt schon seit Jahrhunderten durch die weit ausgedehnte mongolische Steppe. In den folgenden Minuten lernen Sie dieses traditionelle Instrument der Mongolen etwas näher kennen.
Die Pferdekopfgeige hat sich seit dem 13. Jahrhundert auf den Steppen der heutigen Inneren Mongolei verbreitet. Um ihren Ursprung rankt sich eine rührende Legende:
Vor langer Zeit lebte ein Hirte namens Su He. Dieser züchtete ein weißes Fohlen. Jedes Mal, wenn Su He ein Lied summte, wieherte das Tier. Mit der Zeit wuchs das Fohlen zu einem prächtigen Schimmel heran. Bei einem Reitwettbewerb gewann Su He schließlich einmal mit seinem weißen Pferd den ersten Preis. Dies hat jedoch den Neid des Fürsten hervorgerufen, und als Folge daraus ließ er den Schimmel erschießen.
Su He war natürlich sehr traurig über den Tod seines Pferdes. Eines Tages träumte er schließlich von seinem geliebten Pferd, und in diesem Traum sagte das Pferd zu ihm: "Herr, wenn du mich für immer bei dir haben möchtest, dann baue bitte aus meinen Knochen, aus meiner Haut und aus meinem Schwanzhaaren eine Geige." Der Hirte fertigte daraufhin ganz den Worten des Pferdes zufolge eine schöne Geige an. Seitdem ist die Pferdekopfgeige auf der Steppe äußerst populär. Diese Legende bringt sehr deutlich die enge Verbundenheit der Mongolen zu ihren Pferden zum Ausdruck.
Die Pferdekopfgeige hat einen hölzernen, trapezförmigen Resonanzkörper, der mit charakteristischen Mustern der mongolischen Nationalität versehen ist. Ursprünglich wurden die Saiten der Pferdekopfgeige aus Pferdehaaren hergestellt. Heutzutage werden diese Haare durch Nylon ersetzt.
Für die Anfertigung einer Qualitätsgeige sind dutzende Arbeitsgänge erforderlich. Allein die Lackierung dauert ungefähr einen ganzen Monat, so der Geigenbauer Bao Xuefeng.
Früher wurde die Pferdekopfgeige hauptsächlich als Begleitinstrument zu einem Sprechgesang oder für mongolische Volkslieder eingesetzt. Es klingt besonders typisch mongolisch, wenn die Pferdekopfgeige zu einer bekannten langen Melodie gespielt wird. Tritt man in eine traditionelle mongolische Jurte ein, so fällt einem sofort eine Pferdekopfgeige auf, die meist hoch an der Wand hängt. Der Gastgeber und seine Gäste sitzen gerne in gemütlicher Runde zusammen. Dabei wird gewöhnlich Milchtee getrunken und unter der Begleitung der Pferdekopfgeige laut gesungen. Die hell und laut klingenden Lieder sind auf den ausgedehnten Steppen mehrere Kilometer weit zu hören.
Im Laufe der Zeit haben sich die Struktur und die Spielweise der Pferdekopfgeige schrittweise weiterentwickelt. Die so verbesserte Geige hat mittlerweile einen breiteren Stimmumfang sowie eine prächtigere und dunklere Klangfarbe. Sie ist sowohl für das Spielen von grandiosen Szenen, beispielsweise von galoppierenden Pferden, als auch das Begleiten von ruhigen und lyrischen Szenen wie Schaf- und Rinderherden unter blauem Himmel und weißen Wolken geeignet.
Der 65-jährige Qibao Ligao ist ein Meisterbauer, der die Pferdekopfgeige bereits in drei Stufen verbessert hat. Schon als kleines Kind kam Qibao Ligao mit der Pferdekopfgeige in Berührung, und in seinem achten Lebensjahr war er mit den Melodien von dutzenden Volksliedern vertraut. Qibao Ligao liegt die Fortführung dieses traditionellen mongolischen Instruments besonders am Herzen:
"Ich habe zwischen meinem 16. und 20. Lebensjahr am Zentralen Konservatorium in Beijing Geigenspiel studiert. Nachdem ich zurückgekommen war, dachte ich, die Pferdekopfgeige wird irgendwann einmal im Museum landen, sollte sie nicht erneuert werden."
Qibao Ligao hat sich darüber Gedanken gemacht, wie man dieses Instrument mit einer eigentlich relativ niedrigen Grundlautstärke, welches nur für das Spielen in einer Jurte geeignet war, zu einem Instrument weiterentwickeln konnte, das auch bei Freilichtkonzerten eingesetzt werden konnte.
Nach mehrfachen Versuchen gelang es ihm schließlich, den Instrumentenkörper anstatt mit Schafs- oder Pferdehaut zu überziehen, aus Platanenholz herzustellen. Ein weiterer Erfolg von ihm war es, dieses Soloinstrument zum Orchesterinstrument umzugestalten. Anschließend gründete Qibao Ligao das erste Ensemble für Pferdekopfgeige - das Ensemble "Wilde Pferde". Bei einer Gastvorführung dieser Gruppe in Tansania waren beispielsweise alle Besucher so begeistert, dass sie freudig zu der Musik mittanzten. 2005 trat Qibao Ligao selbst sogar auf der Bühne des "Goldenen Saals" in Wien auf.
Verfasst von: Lin Ling
Übersetzt von: Xiao Lan
Gesprochen von: Qiu Jing



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