F: Herzlich willkommen zu "Sie fragen, wir antworten". Liebe Hörer, heute wollen wir Ihnen auf Wunsch unseres Stammhörers Herbert Jörger aus Bühl in Deutschland das Dunhuang-Wandgemälde in Westchina vorstellen. Herr Jörger schrieb uns vor kurzem in einer E-Mail:
M: "Liebe Freunde von Radio China International! Für Ihre guten Beschreibungen der Beiträge im Hörerbriefkasten darf ich mich auch im Namen zahlreicher anderer Hörer recht herzlich bedanken. Könnten Sie in einer Ihrer Briefkastensendungen etwas näher auf die Höhlenbilder im Westen Chinas eingehen, um China besser kennen zu lernen? Dort soll nämlich eine einzigartige alte Geisterstadt liegen."
F: Liebe Hörer und lieber Herr Jörger, zuerst herzlichen Dank für die aufmunternden Worte und die Anerkennung unserer Arbeit. Diesen Wunsch erfüllen wir Ihnen selbstverständlich gerne. Die Stadt Dunhuang liegt im Nordwesten der Provinz Gansu, im Grenzgebiet der Provinzen Gansu, Qinghai und dem Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Dunhuang gehört zum Verwaltungsbezirk der Stadt Jiuquan in der Provinz Gansu. Die Stadt Dunhuang hat eine Gesamtfläche von 31.200 Quadratkilometer und eine Einwohnerzahl von über 180.000. Die meisten Bewohner von Dunhuang leben von der Landwirtschaft und vom Tourismus. Je nach Jahreszeit wachsen in der Region Dunhuang verschiedene Früchte.
M: Genau. Das Klima von Dunhuang gehört zur warmen gemäßigten Zone. In der Stadt ist es trocken und die vier Jahreszeiten unterscheiden sich deutlich voneinander. Dunhuang ist eine lang gestreckte Oase, die von schier endlosen Wüsten umgeben ist. Die klimatischen Bedingungen haben im Laufe der Zeit eine einzigartige Wüstenlandschaft um Dunhuang herum geschaffen. Die Wasserversorgung der Stadt hängt im Wesentlichen vom Danghe-Fluss ab. Der Danghe-Fluss hat eine Gesamtlänge von 390 Kilometer und entspringt im Qilianshan-Gebirge. Sein Einzugsgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 16.800 Quadratkilometer. Aufgrund seiner zentralen Rolle für die Wasserversorgung von Dunhuang wird er von den Einheimischen auch als „Mutterfluss" bezeichnet.
F: Ja, so ist es. Dunhuang ist ein schöner, fruchtbarer und faszinierender Ort mit einer langen Geschichte und einer kulturellen Vielfalt. Als strategisch wichtiger Handelsposten entlang der Seidenstraße war Dunhuang lange ein Zentrum für den Kulturaustausch zwischen China und dem Westen. In Dunhuang verschmelzen die westliche und die östliche Zivilisation miteinander. Die Stadt ist aber auch eine Art Ausgangspunkt für die Verbreitung der verschiedenen Kulturen. Im Jahr 1986 erhielt Dunhuang vom chinesischen Staatsrat die ehrenvolle Auszeichnung "bekannte historische Kulturstadt".
M: Diesen Titel hat sich Dunhuang wirklich verdient, gibt es in dieser geschichtsträchtigen Stadt doch eine ganze Reihe interessanter Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler. Die bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Dunhuang sind die Mogao-Grotten, die Yulin-Grotten, die Grotten der Tausend Buddhas und die Mondsichel-Quelle. Die Hauptattraktion der Stadt sind zweifelsohne die 25 Kilometer südöstlich des Stadtzentrums liegenden Mogao-Grotten. Die Mogao-Grotten sind die größte und bekannteste Höhlengruppe der buddhistischen Kunst in China. Ihre Höhlenskulpturen gehen bis aufs vierte Jahrhundert nach Christus zurück. Ihre überwältigende Schönheit hat den Mogao-Grotten den Übernamen "Perle der östlichen Kunst" eingebracht. 1961 wurden die Mogao-Grotten in die Liste der Hauptkulturdenkmäler Chinas aufgenommen. Im Jahr 1987 wurden sie schließlich auch in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
F: Das klingt wirklich sehr interessant. Die Mogao-Grotten sind 1.600 Meter lang und bestehen aus insgesamt 492 Grotten. Alle Grotten weisen eine Geschichte von mehr als tausend Jahren auf. In den Grotten kann man Wandmalereien mit einer Gesamtfläche von 45.000 Quadratmetern und über 2.400 farbige Skulpturen bewundern. Die größte Grotte ist rund 40 Meter hoch, die kleinste nur einige Dutzend Zentimeter. Die Wandmalereien stellen in erster Linie Szenen aus buddhistischen Erzählungen dar oder zeigen historische Stätten des Buddhismus. Zu den weiteren Themen der Wandmalereien in den Mogao-Grotten gehören die Darstellung von Legenden, Brauchtümern, Jagdszenen, Gesang und Tanz, Volksfeste oder Reiseerlebnisse. Die Wandmalereien und farbigen Skulpturen wirken sehr lebendig. Alle haben einen feinen Bildaufbau. Wegen ihrer einmaligen Schönheit, Größe und kulturellem Wert gelten die Mogao-Grotten weltweit als "Schatzkammer der buddhistischen Kunst".
M: Im Jahr 1990 wurde "Cang Jing Dong", die Grotte, wo die Sutren aufbewahrt wurden, gefunden. Eine große Menge alter Handschriften und anderer Kulturschätze konnte in dieser Grotte freigelegt werden. Die 20 Westlichen Grotten der Tausend Buddhas liegen 35 Kilometer westlich des Stadtzentrums von Dunhuang. Sie sind nicht ganz so alt wie die Mogao-Grotten. Ihre Wandmalereien hingegen sind fast identisch mit jenen der Mogao-Grotten. Die 41 Yulin-Grotten befinden sich rund 70 Kilometer südwestlich des Kreises Anxi. Sie stammen aus der Tang-Dynastie vor ungefähr 1.300 Jahren. Die 23 Östlichen Grotten der Tausend Buddhas liegen südöstlich des Kreises Anxi. Die Dunhuang-Grotten wurden in den über tausend Jahren bis zur Qing-Dynastie ständig ausgebaut. Die darin befindlichen Wandmalereien und Skulpturen widerspiegeln die Entwicklung der buddhistischen Kunst.
F: Stimmt. Mit dem Begriff "Dunhuang-Wandgemälde" sind die Wandmalereien in den Mogao-Grotten, in den Westlichen Grotten der Tausend Buddhas und in den Yulin-Grotten gemeint.
Ingesamt erstrecken sich die Wandmalereien über eine Fläche von 50.000 Quadratmeter. Die Dunhuang-Grotten sind die Grottengruppe mit den meisten Wandmalereien weltweit. Die Dunhuang-Wandmalereien sind von hohem künstlerischem Wert. Ihre Themen sind vielfältig. Sie zeigen hauptsächlich göttliche Figuren und ihre Aktivitäten sowie die guten Wünsche der Menschen. Der Stil dieser Wandmalereien unterscheidet sich von den allgemeinen Malereien der damaligen Zeit. Trotzdem weisen auch sie gewisse nationale Elemente auf. Die damaligen Künstler nahmen die traditionelle nationale Kunst zum Vorbild und ließen sich von der exotischen Kunst inspirieren. Diese Kombination von nationaler und exotischer Kunst kommt insbesondere im Größenverhältnis der Körper und in der Farbauswahl zum Ausdruck.
M: Ja. Die Hauptmotive der Dunhuang-Wandmalereien sind Buddhastatuen, Legenden, wie zum Beispiel jene von der "Mutter des Westkönigs, die mit dem Drachenwagen oder dem Phönixwagen fährt", Porträts der Versorger, Dekorationsbilder, Szenen aus buddhistischen Erzählungen oder Landschaftsbilder. Besonders umfangreich sind die Wandbilder, die Szenen aus buddhistischen Erzählungen zeigen. Der bedeutungsvolle Inhalt der Sutren und die historischen Schauplätze des Buddhismus wurden den Volksmassen auf einfache und anschauliche Art und Weise übermittelt. Die Wandmalereien können daher als bildhafte und lebendige Zeugen der buddhistischen Geschichte bezeichnet werden.
F: Genau. Auch der Inhalt der Landschaftsbilder ist vielfältig, wie zum Beispiel das "Bild des Berges Wutaishan". Die Dunhuang-Wandmalereien sind äußerst wertvoll. Ihre Struktur, ihr Design, oder auch ihre Farben widerspiegeln den Kunststil der verschiedenen Epochen sowie die Verbindung zwischen der chinesischen und der westlichen Kunst. Das Dunhuang-Wandgemälde ist nicht nur Kunst, sondern auch Geschichte.
M: Dem stimme ich gerne zu. Soviel, liebe Hörer, zum Dunhuang-Wandgemälde im Westen Chinas. Damit beenden wir die heutige Ausgabe unserer Rubrik "Sie fragen, wir antworten".
Moderatoren: Lu Ming, Lu Shan



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