Am Puls der Natur . Die Rückkehr der Intelligenz - Überlegungen zu den Lehmhäusern in der Provinz Yunnan

In Yunnan gibt es viele hinreißend schöne Orte: Dali, Lijiang, Xishuangbanna... Kommt man jedoch in die Gegend von Mittel- und Südyunnan, tief ins Ailao-Gebirge und ins Gebiet des Flusses Honghe, dann tauchen Bilder mit hohen Bergen, fließendem Wasser, terrassenförmig angelegten Feldern und Bauernhäusern auf, und man stellt fest, dass es hier ebenso schön ist. Die Berge sind herrlich, das Wasser ist klar und der Charakter der Menschen ist gut. Innerhalb dieser Schönheit spürt man eine Lebenskraft, mächtig und fest verwurzelt, die eine gewisse Rührung hervorruft.

Hier kann man Weltwunder sehen: Terrassenfelder im Wolkenmeer, die alten Wege von Butou, und noch reizvoller die zwischen hohen Bergen und tiefen Schluchten verstreuten "Lehmhausdörfer" in ihrer einzigartigen Schönheit, die aussehen, als seien sie aus dem Schlamm der großen Berge gewachsen.

Ebenerdige Häuser

Im Ailao-Gebirge reiht sich Gipfel an Gipfel, die Landschaft auf beiden Ufern des Honghe ist großartig. Hier ist das Klima mild, es regnet reichlich und die Wälder sind dicht belaubt; seit Jahrtausenden leben die Yi, Hani, Dai, Miao, Yao, Zhuang, Han und andere Völkergruppen zwischen diesen hohen Bergen in den tiefen Tälern, und die "Lehmhäuser", die sie innerhalb dieser ausgedehnten natürlichen Umgebung aufgebaut haben, sind ihnen Wohnstätte und Heimat.

Insgesamt kann man sagen, verglichen mit der eleganten Bauweise der Wohnhäuser in manchen Gebieten von Yunnan (z.B. die Wohnhäuser der Dai in Dali im westlichen Yunnan), sind die Lehmhäuser einfach und ökonomisch; auch mit der Raffinesse der Wohnhäuser in Jianshui, in der gleichen Gegend, kann man sie längst nicht vergleichen. Aber diese Lehmhäuser drücken die Ehrlichkeit und Direktheit der Yi und der Hani gegenüber dem Leben aus, die Zufriedenheit mit ihrer Existenz, die Anpassung an die Produktionsmöglichkeiten und die Beziehung zur Umwelt, und vor allem spiegeln die Häuser die Weisheit wider, mit der die Yi und Hani ihr Leben aufbauen und führen.

Lehmhäuser sind Konstruktionen aus Lehm und Holz mit flachem Dach, und weil auch das Dach aus Lehm gemacht ist, heißen sie eigentlich "Lehmflächen"-Häuser. Typisches Merkmal der Lehmhäuser ist ihr quadratischer Grundriss, der vom zentralen Hauptgebäude zusammen mit den Seitengebäuden gebildet wird; das Haupthaus ist breit genug für drei Räume und meistens zweistöckig, die Seitenhäuser sind normalerweise einstöckig. Es handelt sich um eine Holzkonstruktion, die Stein- oder Lehmwände stehen meistens auf einem Lehmfundament. Im Innenraum stehen Holzsäulen, die die Querbalken tragen, auf denen Zweige als Unterlage ausgebreitet werden. Darauf liegen Kiefernnadeln, und darüber wird eine Schicht aus mit Schlamm und Gras gemischtem Lehm gebreitet. Diese Schicht wird mit dem Hammer festgeklopft, bis sich ein flaches Lehmdach gebildet hat. Die Fläche ist glatt und sauber, fest, stabil und widerstandsfähig gegenüber dem Wasser. Das Baumaterial für die Lehmhäuser stammt sämtlich aus der Gegend, Konstruktion und Bauweise sind einfach, die Kosten niedrig und die Bauart ist dem Ort angemessen; die Häuser sind leicht zu bauen und einfach instand zu halten. Von den Wohnhäusern der ethnischen Minderheiten im Gebiet des Ailao-Gebirges sind ungefähr 80-90% Lehmhäuser.

Das Material für die Lehmhäuser, Lehm und Holz, ist für die dortige Bevölkerung am leichtesten zugänglich, leicht auszutauschen und wieder zurückzuführen in die Natur. Es ist zäh, bietet einen natürlichen Schutz und lässt sich leicht bearbeiten. Lehm und Holz sind Geschenke der Natur, und es ist logisch, sich daraus Häuser zu bauen. Im Nordwesten Chinas, in Tibet, im mittleren Osten, im babylonischen Gebiet und in Nordafrika, überall gibt es aus Schlamm und Lehm gebaute Häuser und Wohnsiedlungen. Die Architekten nennen solche Häuser "Lehmbauten" ,und die Lehmhäuser in Yunnan sind ein typisches Beispiel dafür.

Das Innere der Häuser, mit Holzsäulen und Querbalken konstruiert, ist auf die Bedürfnisse des täglichen Lebens zugeschnitten. Bei den meisten zweistöckigen Lehmhäusern befinden sich Schlafzimmer, Wohnzimmer und Küche im Erdgeschoss, während das Obergeschoss als Lagerraum dient. Sowohl bei Lehmhäusern als auch bei Strohhäusern ist der mittlere Raum das Wohnzimmer, in dem Besucher empfangen werden und wo gegessen wird; auch der Hausaltar befindet sich darin. Schlafzimmer und Küche liegen rechts und links davon, während Rinder, Pferde, Schweine und Hühner woanders untergebracht sind. Die Yi und Hani sehen das Holzgerüst ihrer Häuser nicht nur als tragende Konstruktion an, sondern als notwendigen Schutz für den Aufbau der Familie. Deshalb wählen die Yi, wenn sie mit dem Bau eines neuen Hauses beginnen, für den Aufbau des Holzgerüstes einen Glück verheißenden Tag und eine bestimmte Tageszeit: Die Säulen und die Querbalken werden bei Nacht aufgerichtet, so dass das Gerüst vor Sonnenaufgang steht. Am folgenden Nachmittag werden die äußeren Dachbalken aufgelegt, zwischen die ein rotes Tuch gespannt wird, und unter lautem Knattern von Feuerwerk werden dann die tragenden Dachbalken eingesetzt.

Da die Lehmhausdörfer sich größtenteils auf halber Höhe der hohen Berge befinden, rundherum gleich die Terrassenfelder anfangen und die flachen Plätze auf den Berghängen ohnehin sehr knapp sind, erweist sich das flache Dach der Lehmhäuser als "zusätzlicher Platz zum Leben und Arbeiten für die Familie". Dort können landwirtschaftliche Erzeugnisse getrocknet werden, und auch das Familienleben spielt sich teilweise hier ab. Da finden sich nicht nur Reis, Mais, Buchweizen, verschiedene Bohnenarten, Gemüse, Melonen und andere Früchte, sondern hier wird auch fleißig gearbeitet oder im häuslichen Kreis ausgeruht, wodurch das Bild eines harmonischen Familienlebens entsteht. Das erstaunlichste ist, dass die flachen Dächer in den Dörfern durch hölzerne Leitern miteinander verbunden sind, wodurch sich "luftige Verkehrswege" bilden, und Gäste oft "aus dem Luftraum herabsteigen". Man kann nicht umhin, die Dorfbewohner für die Kreativität und Phantasie zu bewundern, die sie beim Bau ihrer Dörfer entfalten.

Wegen des passenden Baumaterials, der Bauform und Bauweise und des dicken, schweren Baukörpers mit der Dachfläche haben die Häuser eine gute Wärmedämmung und eignen sich hervorragend für das dortige Flusstalklima. Sie heizen sich in der Sonne nicht auf, halten die kalten Winde ab und der Regen dringt nicht ein, sie sind im Winter warm und im Sommer kühl, so dass die Einheimischen scherzhaft sagen: die Lehmhäuser sind wie eine Thermoskanne.

Wände und Dach der Lehmhäuser bestehen aus Lehm, sie haben wenige oder nur kleine Fenster. Von weitem gesehen sehen sie aus wie rötlich-gelbe Flecken in wechselnder Höhe, sie wirken massiv und schlicht und zeigen eine tiefe, in sich ruhende Ästhetik.

Heimat der Seele

Für die Bewohner der Lehmhäuser stellen ihre Häuser nicht nur die Wohnstätte dar, sondern die Heimat für die Seele.

Viele Forscher denken, die Lehmhäuser und die ihnen verwandten Pilzhäuser im Tal des Honghe in Yunnan hätten sich aus Höhlen entwickelt, da die Yi und Hani für die Nachfolger des ehemals nach Süden ausgewanderten Qiang-Volkes gehalten werden, das in Höhlen wohnte. Diese Verwandtschaft ist noch nicht näher erforscht, doch die spirituellen Eigenschaften der Lehmhäuser stimmen mit denen der Höhlen der Qiang überein. So finden sich in vielen Mythen der Yi und Hani Erinnerungen an die Herkunft ihres Volkes und seine Wanderungen, wie z.B. in dem wichtigen, mündlich überlieferten Werk "Hani congpopo" (Congpopo bedeutet in der Sprache der Hani die Wanderung von einem Ort zum andern, eigentlich hieß das Werk "Die Wanderung der Vorfahren der Hani".), in dem direkt gesagt wird, "6 000 Hani verließen die Heimat und machten sich auf zu den Gebirgen im Süden". Bis heute hat sich bei den Yi und Hani der Brauch der Anbetung der Ahnen, Helden und Geister erhalten, ähnlich dem uralten Brauch des alten Qiangvolkes in den oberen Tälern des Gelben Flusses. Auch der zentrale Platz des Dorfes, der dazugehörige heilige Wald und das Eingangstor haben eine wichtige symbolische Bedeutung. So spürt man, dass die Lehmhäuser und die Lehmhausdörfer das vage Bewusstsein von Raum und Zeit ihrer Vorfahren widerspiegeln sowie deren seelische Nähe.

In der Mythologie der Hani gibt es eine Sage: In alter Zeit, als die Hani in Berghöhlen lebten, zwischen hohen Bergen mit steilen Wegen, war es mühselig, draußen zu arbeiten. Später stießen sie auf einen "Reluo" genannten Platz, und da sahen sie, dass der ganze Berg mit großen Pilzen bewachsen war. Wind und Regen konnten diesen Pilzen nichts anhaben, Ameisen und andere kleine Insekten siedelten sich unter ihnen an. So bauten die Menschen dann Häuser in der Form dieser Pilze. Der Geisterglaube spielte aber auch mit bei der Anordnung des Dorfes. Zum Beispiel wird zuerst der Wald oberhalb des Dorfes für den Dorfgott bestimmt, der Menschen, Ernten und Haustiere schützen soll. Ein großer Baum außerhalb des Dorfes symbolisiert das Tor oder man verwendet Äste, um ein einfaches Tor zu bauen, mit dem Ziel, Katastrophen, Unheil und böse Geister vom Dorf fernzuhalten. Am Rande des Dorfes befindet sich der Moqiu-Platz, auf dem sämtliche Opferfeierlichkeiten des Dorfes abgehalten werden. Von der Quelle, die den Brunnen speist, glauben die Hani, sie sei ein Geschenk des Berggottes. Wenn die Frauen daraus trinken, werden sie schön, und wenn die Männer daraus trinken, werden sie attraktiv. Dies zeigt, dass für die Yi und Hani ihr Dorf und ihre Häuser auch eine spirituelle Bedeutung haben, und deshalb verbinden sie damit so schöne Vorstellungen von ihrer Herkunft und die Erwartung eines guten Lebens in der Zukunft.

In den Lehmhausdörfern hat jedes Haus eine Feuerstelle, auch dies ein Ort, wo sich das Familienleben abspielt und die Seele zur Ruhe kommen kann. Die Feuerstelle befindet sich in der Mitte des Raumes, das Feuer brennt immer, darüber steht ein Dreifuß, auf dem in einem Topf das Essen gekocht wird. Oft sitzt die ganze Familie um die Feuerstelle, trinkt Tee und isst. An Winterabenden sitzen alle am Feuer und wärmen sich. In manchen Familien wird das Bett der alten Leute ans Feuer gestellt, was den alten Brauch veranschaulicht: "Rund ums Feuer schlafen." Kommen Gäste, bietet der herzliche Hausherr ihnen einen Platz am Feuer an, lässt sie an einer langen Wasserpfeife ziehen und gibt ihnen eine Tasse dampfenden Klebreis-Dufttee zu trinken, dazu eine Schale duftenden Menguo-Schnaps. Tritt daraufhin eine gewisse Benommenheit ein, so beginnt der Hausherr mit lauter Stimme Glückwunschlieder zu singen. Dabei sitzt man an der wärmenden Feuerstelle und eine tiefe Freundschaft entsteht.

Eine weitere Besonderheit der Lehmhäuser und Lehmhausdörfer ist, dass Fläche und Volumen nicht groß sind, und zwar bei allen Häusern im Dorf gleichermaßen, so dass es ausgeglichen und gleichberechtigt wirkt. Es gibt weder hohe Mauern noch große Höfe, weder enge Gassen noch im Hintergrund liegende Häuschen. Landschaft und Aussicht sind offen, und alles gibt dem Menschen ein angenehmes, ruhiges Gefühl und eine heitere Stimmung, was diese Siedlungen unterscheidet von den Siedlungen anderer Völker, bei denen Ausmaß und Qualität der Häuser deutliche Unterschiede zeigen. Dies alles wird durch die Familien- und Gesellschaftsordnung der Yi und Hani bestimmt. So hat sich bei den Hani bis heute eine patriarchalische Familienordnung erhalten, bei der das Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach sehr selten ist. Die Menschen folgen der Tradition: "Wenn der Baum wächst, verzweigt er sich". Bis auf den jüngsten Sohn, der bei den Eltern bleibt, so lange sie leben, ziehen die Kinder aus, wenn sie heiraten. So entstehen in jeder Generation mehrere neue Kleinfamilien, ihrerseits Basiszellen der Gesellschaft. Durch diese Trennung der Generationen gibt es im Dorf ein kompliziertes, aber deutlich erkennbares Netz von Blutsverwandtschaften. Das hat zur Folge, dass alle einander gegenseitig unterstützen und eine freundliche, harmonische Atmosphäre im Dorf herrscht. Das "Bankett der langen Straße" der Hani ist ein gutes Beispiel für diese frohe, glückliche Nachbarn- und Dorfgemeinschaft.

Nach der uralten Kalendereinteilung der Hani, einem Mondkalender, wird der erste "Drachentag" des zehnten Monats als erster Tag des neuen Jahres festgelegt. Am Morgen des Neujahrstages wird im Zentrum jedes Hani-Dorfs ein langes Bankett aufgebaut und das ganze Dorf gemeinsam feiert fröhlich diesen Glück verheißenden Tag, der symbolisch für den Zusammenhalt und die Harmonie des Dorfes steht. Dieses einzigartige Bankett ähnelt einem langen Drachen, es wird "Bankett der langen Straße" genannt. In der Mitte der Straße werden quadratische Tische aufgestellt, einer an den anderen, hundert zusammen, so dass sie einen hundert Meter langen Drachen bilden. Jede Familie bringt das beste Essen, das sie zubereiten kann, in kunstvollen Bambuskörbchen herbei. Soweit das Auge reicht, werden verschiedene Vögel, Aale, Karpfen, Bambussprossen, Baumpilze, frisches Obst usw. aufgetischt, sowie alle Arten besonderer, ortstypischer Leckerbissen. Aus diesem lebhaften Bild geht die enge Verschmelzung zwischen der Bauweise der Lehmhausdörfer, der Anordnung der Häuser und Straßen und dem täglichen Leben hervor. Die Fenster in den Lehmhäusern sind alle sehr klein, meistens haben sie ein Gitter aus grobem Holz.

Im Einklang mit dem Geist der Natur

Die Lehmhausdörfer und ihre natürliche Umgebung stehen in Einklang miteinander, sie bilden eine natürliche Heimstätte für die Menschen. Die Häuser werden auf den Terrassen der Südhänge gebaut, auf unterschiedlicher Höhe. Quellwasser fließt vom Berg herab ins Dorf, an den Häusern vorbei. Oft werden Goldbambus, Palmen oder andere Pflanzen gepflanzt, so dass eine angenehme Umgebung entsteht. Getreu dem alten Lied der Hani: "Oberhalb des Dorfes pflanzt man drei Reihen von Palmen, am Haus drei Reihen Goldbambus..." Rund um das Dorf wächst dichter, üppiger Wald. Unterhalb des Dorfes erstrecken sich Terrassenfelder bis zum Fuß des Berges. Immer wenn die Reissetzlinge in die überfluteten Terrassenfelder gesteckt werden, sehen die Felder aus wie klare, silberne Spiegel und funkeln in der Sonne.

Die Terrassenfelder der Hani sind ein Meisterwerk der Verehrung und Nutzung der Natur. Seit Tausenden von Jahren sammeln die Hani Erfahrungen mit der Form der Terrassenfelder, unter harten Bedingungen, in den tiefen Tälern zwischen den hohen Bergen. Je nach den geographischen Bedingungen wurden Dämme und Wege zwischen den Reisfeldern angelegt, die natürlichen Gegebenheiten nutzend werden die das ganze Jahr über fließenden Quellen in die Felder geleitet. Im Vorfrühling sehen die Felder aus, als seien glänzende Perlen vom Himmel gefallen; im März und April gleichen sie vielen Schichten leuchtend grüner Teppiche; Ende Sommer, Anfang Herbst, wenn die Saat reif ist, sehen sie aus wie goldgelbe Scheiben, das ist die Belohnung der Natur für den Fleiß der Hani. Im Auf und Ab des Ailao-Gebirges gibt es manchmal hundert Terrassenfelder wie Stufen übereinander, manchmal zieht sich eine Stufe aber auch über mehrere Berge hin. Sie reichen oft bis ins Wolkenmeer hinein, die Landschaft ist ganz großartig. Manche Forscher sagen: "Die Einführung der Terrassenfelder hat die Sozialgeschichte der Hani entscheidend verändert, sie brachte die Sesshaftigkeit mit sich, die das Nomadendasein ablöste und auf der Basis des Reisanbaus auf Terrassenfeldern eine neue Lebensweise, neue Werte und eine neue Lebensphilosophie hervorbrachte." Der berühmte mingzeitliche Agrarwissenschaftler Xu Guangqi (1562-1633), der zu Forschungszwecken tief in die Gebirge im Südwesten Chinas gereist war, zeigte sich sehr überrascht von den Terrassen der Hani. Begeistert beschrieb er die Terrassenfelder in seinem Werk "Alles über die Landwirtschaft".

Heute sind die Terrassenfelder unlösbar mit dem Leben der Hani verbunden. Die Hani im Ailao-Gebirge sagen: "Die Terrassenfelder sind das eigentliche Gesicht eines jungen Mannes." Ob der Bursche schön ist oder nicht, in erster Linie zählt nicht sein Aussehen, sondern ob er das Feld gut bearbeitet. Wirft er die Wege auf, baut die Dämme und pflügt das Feld, so erntet er von allen Lob und gewinnt die Zuneigung der Mädchen. Ob ein Mädchen schön ist oder nicht, das Aussehen genügt nicht, sondern es zählt auch, ob sie bei der Feldarbeit geschickt ist.

Der Fleiß und die Intelligenz der Hani zeigen sich nicht nur bei der Anlage der Terrassenfelder, noch wichtiger ist, dass sie die "Terrassenfeldkultur" geschaffen haben. Der Geist dieser Kultur beruht auf den folgenden drei Prinzipien: Dankbarkeit gegenüber der Natur, Anpassung an die Natur, Achtung gegenüber der Natur.

Die Lehmhausdörfer auf halber Höhe der Berge sind mit der sie umgebenden Natur verschmolzen und haben einen eigenen Platz gefunden. "Oben am Berg Weiden, in der Mitte Wohnhäuser und unten Felder", erklärt diese Besiedelung am ehesten. Diese Anordnung wird auch immer wieder in alten Liedern und Sprichwörtern der Hani genannt, wie: "Der Bergesgipfel als Kissen, der Bergesfuß als Schemel, die Seiten als Armlehnen, und in der Mitte schlafen die Dörfer; hohe Berge, heilige Wälder, nichts fehlt, und am Fuße des Dorfes beginnen die Terrassenfelder." "Auf dem Gipfel ist es kalt, wilde Tiere tauchen auf, am Fuß ist es heiß und feucht, günstig für Ackerbau; in der Mitte des Berges ist das Klima gemäßigt und für die Besiedlung geeignet." "Felder bebauen soll man am Bergesfuß, Kinder kriegen soll man auf halber Höhe." "Wo sind die Terrassen der Hani? Auf den hohen Bergen, die schönen Pferden gleichen... Wie die Haare im Schwanz des Pferdes die untere Hälfte des Berges, die großen Berge sind wie die Brüste der Mutter, die die Dörfer schützend umarmen... legt man ein Dorf an, schaut man, ob ein dichter Wald oberhalb liegt...ob es eine Drachenquelle gibt, die aussieht wie Mädchenaugen..." "Hohe Bergrücken, klares Gebirgswasser, selten ein Unheil; auf hohen Bergen besteht keine Gefahr der Überschwemmung, an steilen Hängen werden böse Menschen nicht hinaufklettern; durch einen dichten Wald einen Weg zu bahnen, ist schwer, böse Menschen wagen sich nicht ins Dorf, Kinder und Enkel der Hani lieben es, sich auf den Bergen anzusiedeln."

Oberhalb jedes Hani-Dorfes befindet sich der dichte, üppige Wald, den sie für heilig halten und in dem sie jedes Jahr bei einer Zeremonie um Frieden für das Dorf, Gesundheit für seine Bewohner und eine gute Ernte beten. Deshalb haben sie natürlich den Wunsch, den Bergwald zu schützen. Die Hani achten stark auf ein harmonisches Verhältnis zwischen Bevölkerung und sie umgebender Natur, ihre Dörfer sind normalerweise nicht sehr groß, sie fassen nur einige hundert Familien, und wenn die Bevölkerung entsprechend ansteigt, dann teilt sie sich wieder und baut nach dem gleichen Muster eine neue Siedlung und legt neue Terrassenfelder an. Auch dies zeigt das Naturverständnis und die Anpassungsfähigkeit der ortsansässigen Bevölkerung.

Die Lehmhausdörfer und die sie umgebende Landschaft sind wie ein Feenland, die ganze Siedlung ist wie ein großer Garten, die Häuser stehen in einer grünen Welt. Die Lehmhausdörfer sind wie die Seele der Völker, die im Ailao-Gebirge leben, sie sind schon längst in der Natur aufgegangen und leben im Einklang mit dem Geist der Natur.