Holzhäuser und Wind-Regen-Brücken - Einblick in die Bergdörfer von Nord-Guangxi


China ist riesig, und das Volk lebt in allen Arten von Häusern, mit unterschiedlichen, sehr vielfältigen Bauformen, die man fast nicht überblicken kann An traditionellen Wohnhäusern gab es ursprünglich zwei Arten Im Altertum lebten die Menschen im Süden in Baumhäusern, die im Norden in Hohlen Die heutigen Hohlenwohnungen im Norden sind ein Überbleibsel aus alter Zeit, die Holzhäuser in den Gebirgsregionen des Sudwestens gehen auf die frühesten Baumhäuser in Sudchina zurück Diese Holzhäuser finden sich vor allem in den ausgedehnten Gebieten im nördlichen Guangxi (Guibei), im östlichen Guizhou (Jindongnan) und im westlichen Hunan (Xiangxi), sie sind zwischen den Bergen verstreut oder in Dorfern zusammengedrängt Mit ihren Dorftoren, Lusheng-Plätzen (die Lusheng ist ein Blasinstrument aus Bambus), Trommel türmen und Wind-Regen-Brücken bilden sie die Heimat vieler Volker wie der Miao, Dong, Zhuang, Yao und anderen.

Das "lan" von "ganlan", auch "malan" genannt, heißt in der Sprache der Zhuang soviel wie Heim, Haus Die Entwicklung dieser Holzhauser erstreckt sich über mehrere tausend Jahre, schon in der offiziellen Geschichte der Nördlichen Wei-Zeit (386-557), im Buch der Wei, im Liaozhuan, werden sie erwähnt „An Baume gelehnte Holzbauten, um darauf zu wohnen, die man Ganlan nennt " Auch die in Hemudu in Yuyao in der Provinz Zhejiang gefundenen neusteinzeitlichen Dörfer ließen Reste von Holzhäusern erkennen, die vor ca. 7000 Jahren erbaut worden waren. Im Altertum gehörte der Großteil des Gebietes im Süden Chinas den Yue. In den ausgedehnten Gebirgsregionen und Hügelketten von Zhejiang bis Guangxi und Yunnan gab es überall Baumhäuser und Häuser in dieser "lan"-Form, diese Häuser waren also über einen langen Zeitraum verbreitet. Mit der Entwicklung der Produktionskräfte, der Umwandlung der Gesellschaft und dem technischen Fortschritt wurden die Holzhäuser im Flachland und in den entwickelten Gebieten durch Konstruktionen aus Holz und Ziegeln und andere Wohnmodelle abgelöst; doch bei den nationalen Minderheiten, die in den Berggebieten leben, haben sich in einem großen Gebiet die Holzhäuser erhalten, und ebenso die einheimischen Sitten und Gebräuche des Volkes.

Besuch der Holzhausdörfer

In den Berggebieten in Nord-Guangxi gibt es tausend verschiedene Formen von Holzhausdörfern, da die Form jeweils an die geographischen Gegebenheiten angepasst ist - entweder an einem Bach gelegen, am Fuß eines Berges, auf einem Hügel oder in einem Flusstal. Die Holzhausdörfer haben meistens ein Dorftor, die Dörfer der Dong haben außerdem noch einen Zugang über eine Wind-Regen-Brücke, und manche große Dörfer haben sogar mehrere Dorftore. Die Bergstraßen, die Bäche und die Holzhäuser gehören zusammen, die Felder und die Dörfer bilden eine Einheit und spiegeln die wirtschaftliche Grundlage dieser Dörfer wider, nämlich einfachste kleinbäuerliche Familienbetriebe.

Im autonomen Kreis Longshenggezu, 100 km von der Stadt Guilin, 1000 m über dem Meeresspiegel, liegen die dreizehn Dörfer auf dem Rückgrat des Drachen, die man "die Königinnen der Terrassenfelder der Welt" nennt, weil sie sich mit großartigem Schwung um die Berge winden. Unter den ungünstigen Umweltbedingungen haben sich die Zhuang, die dort leben, in besonderer Weise entwickelt: Von den dreizehn Dörfern liegt Ping'anzhai am höchsten über dem Meeresspiegel, das größte Terrassenfeld hier ist nicht größer als ein Mu, nämlich 666 m2, während die kleinsten als "die Felder, von denen ein Grashüpfer mit einem Sprung drei überquert" bezeichnet werden. Jeder Mensch besitzt im Durchschnitt nur 460 m2, insgesamt gibt es 630 Mu Nassfelder, davon kann nicht einmal ein Drittel mit Ochsen gepflügt werden, auf den anderen muss ein Mensch den Pflug ziehen.

Wenn man nach Ping'anzhai hineinkommt, kann man über eine mit Steinen gepflasterte, steile Bergstraße alle über den Hang verstreuten Häuser erreichen. Die einfarbigen, schrägen Dächer der Holzhäuser stützen sich vorn auf Pfeiler und hinten am Hang ab, bei manchen Holzhäusern ist der Stützpfeiler fünf bis sechs Meter hoch, und zwischen den einzelnen Häusern erstrecken sich Terrassenfelder. Die Holzhäuser sind an die Form des Gebirges angepasst, und entsprechend den Bedürfnissen der Kleinlandwirtschaft liegen die Felder gleich neben dem Dorf, denn man sagt: "Die Felder am Haus sind nie mager, die weit entfernten aber machen die Menschen nicht reich." Im autonomen Kreis Sanjiang, wo die Dong leben, haben sich im Lauf der Zeit ganze Gebiete herausgebildet, wo mehrere Dörfer dicht nebeneinander liegen, wie z.B. Linxi, das aus drei Dörfern besteht. Am höchsten liegt Huangchaozhai, man kommt über steile Treppen ins Dorf, und unterwegs kommt man durch Tore, die wie Pavillons aussehen. Der Grundriss des Dorfes ist rechteckig, das Tor, der Trommelturm, der Dorfteich und der kleine Trommelturm sind der Reihe nach in dichter Folge angeordnet. Yanzhai liegt unterhalb von Huangchaozhai, am Fuß des Berghangs, im Flusstal, neben einem Bach. Von der Wind-Regen-Brücke windet sich ein kleiner Pfad am Fluss entlang bis zum Tor des Dorfes. Es liegt aber oberhalb des Flussufers, und so hat sich eine Besonderheit herausgebildet, nämlich dass der Trommelturm, ein Torturm, gleichzeitig das Dorftor bildet, durch das man erst "hindurchklettern" muss, bevor man ins Dorf hineinkommt.

Vor Yanzhai führt eine kleine Wind-Regen-Brücke über das Flüsschen und verbindet es mit dem Dorf Liangzhai, das ebenfalls ein eigenes Dorftor und einen Trommelturm hat. Die drei Dörfer sind wie drei Punkte, jedes hat eine andere Form, sie sind getrennt und doch miteinander verbunden.

Das Dorf Zuolongzhai in der Gemeinde Dudong ist auf drei Seiten vom Wasser eingeschlossen, an der vierten Seite steigt der Berghang auf. Der Ort, der etwas über vierzig Familien beherbergt, gleicht einem liegenden Drachen. Die Dorf Straße ist sehr schmal und steil, die Holzhäuser stehen auf unterschiedlicher Höhe, selbst die Zugtiere müssen Treppen steigen. Der Trommelturm, der Tempel und das Dorftor ragen über die anderen Häuser hinaus.

Wechselgesang auf der Chengyang-Brücke

An Festtagen kommen alle Bewohner zusammen, die Alten werden gestützt, die Kinder werden geführt, aus allen Richtungen kommen die Menschen fröhlich herbei und versammeln sich auf der Chengyang-Brücke, der imposantesten der insgesamt 108 Wind-Regen-Brücken dieser Region. Die jungen Frauen und Männer tragen festliche Kleidung, zünden Feuerwerk an und tanzen den "Caitang" zur Musik der Lusheng... Am Aufgang zur Chengyang-Brücke sammeln sich die Menschen, die jungen Leute binden grüne Bambusstangen zu einem Zaun zusammen und versperren den Zugang zur Brücke und zum Dorf. Während der Festlichkeiten werden die Gäste und die Besucher nicht durchgelassen; die jungen Leute wollen keinen Passierschein sehen, sie wollen auch keinen "Wegezoll", sondern sie wollen mit den Gästen ihren Wechselgesang durchführen, der einem Wettkampf gleicht. So lautet das Lied "Versperrte Brücke":

Nie gesehen so hell glänzendes Sonnenlicht
Nie gesehen so herrlich erblühte Blumen
Denn heute kommen Gäste von weither
Und das Bild der Dong verändert sich.

Genau wie die Wind-Regen-Brücke ist das Lied der Dong charakteristisch für ihre Freundlichkeit, Natürlichkeit, Harmonie und Schönheit. Haben die Gäste einige Lieder lang an diesem Wechselgesang teilgenommen, so können sie die Brücke überqueren und erhalten einen herzlichen Empfang. Diese Art zu feiern ist im ganzen Gebiet der Dong verbreitet, doch die Chengyang-Brücke gehört zu den staatlich geschützten Kulturdenkmälern, deshalb ist diese Zeremonie besonders berühmt.

Die Chengyang-Brücke wurde gemeinsam gebaut von Chengyang, Ma'an und den anderen der acht Dörfer. Der Bau wurde von fünf alten Männern geleitet, neben der Feldarbeit bauten sie die Brücke, forderten auch andere auf, mitzuarbeiten, und riefen zum Holzspenden auf. Sie holten die besten Steinmetze und Tischler, der Bau dauerte zwölf Jahre: vier Jahre lang wurden Steine herbeigeschafft und die Brückenpfeiler aufgemauert, drei Jahre dauerte es, die Balken herzubringen und die Brücke auszulegen, und in den restlichen fünf Jahren wurden die Pavillons auf der Brücke gebaut, mit Dachziegeln gedeckt und geschmückt.

Die Brücke befindet sich in Linxi im Kreis Sanjiang im nördlichen Guangxi, wo sie den Fluss Linxi überquert. Sie ist 64 m lang, 3 m breit und über 10 m hoch; sie hat fünf Brückenpfeiler und vier Brückenbögen, von denen jeder mit insgesamt sieben Tannenholzbalken gebaut wurde und 30 m lang und über einen halben Meter dick ist. Dann wurde die Brücke mit Holzbrettern belegt, Stützpfeiler wurden gebaut, die Dachbalken darüber gelegt und die Eckpfosten für den Pavillon aufgerichtet. Anschließend wurde das Dach gebaut und mit Ziegeln gedeckt, und auf beiden Seiten der Brücke wurden Sitzplätze mit einem Geländer angefügt, genannt "Die Schöne lehnt sich an". Von diesen Wind-Regen-Brücken gibt es in der Gemeinde Linxi über fünfzehn, in der Umgangssprache nennt man sie "Blumenbrücken". Besonders bewundernswert ist, dass sie völlig ohne Nägel auskommen, sie sind ohne jedes Eisen gebaut, nur nach der traditionellen chinesischen Handwerkstechnik zusammengesteckt und mit Keilen befestigt.

Im Gebiet der Dong, in Nord-Guangxi, gibt es in jedem Dorf eine Wind-Regen-Brücke, die alle unterschiedlich voneinander sind: Manche haben drei Pavillons, manche vier, manche fünf, manchmal ist der Grundriss der Dächer viereckig, manchmal sechseckig; manchmal verfügen sie über einen Dachaufbau, manchmal sogar über fünf, und das Dach kann statt einer Spitze die "Xieshan-Form"(.Die "Xieshan-Form" hat vorne und hinten eine große Schräge, rechts und links aber nur je eine kleine, dreieckige. Der Turm auf dem Tiananmen-Platz hat ein Dach in doppelter "Xieshan-Form", d.h. mit einem zweiten, abgesetzten Dachaufbau.) haben . Bei keiner dieser Brücken sind die Anzahl der Pavillons, der Dachaufbauten und die Form der Dächer gleich, jede hat ihren eigenen Charakter. Dann gibt es noch die Brücke in der Gemeinde Batuan, die zweistöckig ist; oben laufen die Menschen, unten die Zugtiere. Die Geschicklichkeit dieser Menschen ist wirklich bewundernswert.

Die Wind-Regen-Brücke ist der eigentliche Dorfeingang, sie stellt einerseits die Verbindung zwischen den beiden Flussufern dar, andererseits bildet sie den einzigen Zugang zum Dorf und ist gleichzeitig ein Emblem für das Dorf; doch der Wechselgesang auf der Brücke gibt der Architektur der Dong ihre besondere kulturelle Bedeutung.

Trommelturm und Lusheng-Säule

So bedeutend wie die Wind-Regen-Brücke ist auch der Trommelturm; im Gebiet der Dong steht mitten in jedem Dorf einer, manche Dörfer haben sogar zwei oder mehr. Der Trommelturm steht mitten auf dem zentralen Platz des Dorfes, von weitem sichtbar, ebenfalls ein Meisterwerk der Baukunst der Dong. Das Sprichwort: "Fasanen- und Pfauenfedern übertreffen nicht die Schönheit der Trommeltürme der Dong" drückt die Wertschätzung der Menschen aus.

Die Trommeltürme bestehen aus zwei Teilen, die untere Hälfte ähnelt einem Pavillon, die obere einer Pagode. Der untere Teil stützt sich auf acht Pfeiler, vier innen und vier außen; die inneren bestehen aus dicken Stämmen, denn sie tragen die Turmbalken, die äußeren stützen nur das Dach des Pavillons. Der obere, pagodenförmige Teil besteht aus mehreren Absätzen, es gibt vier-, sechs- oder sogar achteckige Türme; manche haben fünf Absätze, manche sieben, auf jeden Fall eine ungerade Zahl. Es können sogar neun oder elf sein. Auf dem Dach befinden sich oft ein Flaschenkürbis und ein tausendjähriger Kranich als Glückssymbole. Im Inneren ist der Boden mit Steinen gepflastert, in der Mitte befindet sich die Feuerstelle und am Rand sind Sitzplätze. Ein großer Trommelturm kann hundert bis zweihundert Menschen aufnehmen. Die Trommel, die darin steht, besteht aus einem Stück eines riesigen, ausgehöhlten Baumstamms, der an beiden Seiten mit Rindsleder bespannt ist. Der Turm diente als Versammlungsort, an dem öffentliche Angelegenheiten und Regelungen für das Dorfleben geprüft und beschlossen wurden; außerdem diente die Trommel dazu, die Bevölkerung bei einem Banditenangriff zu warnen und zusammenzurufen, so dass sie gemeinsam dagegen vorgehen konnten.

In den Dörfern der Dong steht der Trommelturm im Zentrum, in den Dörfern der Miao ist es die Lusheng- Säule. Es handelt sich um einen riesigen Holzstamm, auf dem Stierhörner, Drachen, Phönixe und Krummschwerter zu sehen sind, die Spitze ist wie ein Phönix geformt. Die Lusheng-Säule steht in der Mitte der Miao-Dörfer, im Zentrum des Lusheng- Platzes, und der Boden rund um die Säule ist in einem Muster aus konzentrischen Kreisen mit Steinen gepflastert. Die Lusheng-Säule ist der Totempfahl der Miao, an Festtagen ziehen sie Festkleidung an, die jungen Mädchen wirbeln bunte Tücher durch die Luft, die jungen Männer spielen die Lusheng und so tanzen sie rund um die Lusheng-Säule den "Caitang"-Tanz.

Warum haben die Dong Trommelturm und Wind-Regen-Brücke, während die Miao nur die Lusheng-Säule haben? Das Sprichwort sagt: "Die Yao leben hoch im Gebirge, die Miao leben am Fuß des Gebirges, die Han leben in der Ebene und die Dong leben an den Flussufern." In der alten Gesellschaft hing es von der Stärke eines Volkes ab, ob es sich in einem Gebiet mit günstigen geographischen Bedingungen ansiedeln konnte. Abgesehen von den Han, die die Ebenen besetzt hatten, waren die Dong das stärkste Volk in Nord-Guangxi. Deshalb konnten sie die Gebiete entlang der Flüsse besiedeln, wo es reiche Wasserquellen und viel Ackerland gibt, und in den Dörfern an den Ufern der Flüsse und Bäche brauchte man natürlich mehr Brücken, das war auch günstig zur Abwehr der Banditenangriffe. Qualität und Ausmaße der Dörfer und Holzhäuser der Dong zeigen deutlich, dass es ihnen relativ gut ging.

Ganlan-Holzhäuser

In Guangxi gibt es viele Berge und dichte Wälder, das Klima ist feuchtheiß, es regnet reichlich, in den Bergen gibt es Giftschlangen und wilde Tiere, deshalb leben die Menschen in den Berggebieten Nord-Guangxis in Holzhäusern. Ihre Vorfahren haben nach und nach die Ganlan-Holzhäuser mit Balken und Pfeilern aus Bambus und Holz entwickelt. Oben wohnen die Menschen, unten, wo das Haus offen ist, die Haustiere, außerdem können Geräte und anderes dort untergebracht werden. Die Holzhäuser haben normalerweise einen rechteckigen Grundriss und sind in der "Drei Zimmer vier Balken"-Bauweise (Die "Drei Zimmer vier Balken"-Bauweise entspricht der chinesischen Bautradition mit drei Räumen nebeneinander und vier Balken darüber, auf denen das Dach ruht.) gebaut. Je nach Familiengröße, Standort des Hauses und Straßenführung kann die Form des Grundrisses L-, konkav- oder konvex-förmig sein. Da oft am Berghang gebaut wird, wo die Grundfläche knapp ist, werden mehrere Etagen angelegt, wobei die zweite und die dritte oft über die erste hinausragen. Die Holzhäuser im autonomen Gebiet der Dong, Sanjiang, haben meistens Dächer in Xieshan-Form, d.h. mit einem längeren Dachfirst, während die Dörfer der Miao im Kreis Rongshui meistens ein Walmdach haben. (Das Walmdach wird auch "Tiaoshan" genannt, d.h. es besteht aus zwei über die Länge des Hauses hinausgehenden Dachschrägen.)Das Hauptmaterial für die Dächer sind Dachziegel, doch hoch auf den Bergen in den Wäldern werden auch Holzschindeln verwendet. Die Wände sind ganz mit Holzbrettern verkleidet, sie haben sehr kleine Fensteröffnungen, die Holzbretter können aber auch ganz entfernt werden. Die kleinen bis mittleren Holzhäuser in Nord-Guangxi sind normalerweise 3-5 m breit, je nachdem, wie lang die Tannenstämme sind. Beim gesamten Hausbau werden fast nur Holzverbindungen eingesetzt, Eisenteile sind sehr selten.

Die Holzpfeiler im unteren Teil des Hauses stehen auf Steinen, und die ganze Holzkonstruktion stützt und trägt sich selbst, so dass, wenn ein Pfeiler kaputtgeht oder wenn einer der Steine verrutscht, auf denen die Pfeiler ruhen, das Haus trotzdem völlig stabil bleibt. Diese Art der Konstruktion ist sehr vorteilhaft: erstens kann mit Hilfe der längeren und kürzeren Holzpfeiler das Haus genau an die unterschiedliche Bodenhöhe angepasst werden, da man in den Bergen selten einen ebenen Platz als Fundament findet. Zweitens kann man durch diese Art der Wandkonstruktion entweder die kleinen Fenster öffnen oder aber durch Entfernen der Holzbretter, die die Wand verkleiden, nach Bedarf aus dem Raum eine Terrasse mit Geländer machen, die entweder das Sonnenlicht hereinlässt oder eine kühle Brise. Drittens, diese Häuser sind leicht zu vergrößern, das Regenwasser fließt einfach ab und sie sind nicht gefährdet bei Erdbeben.

Bei den Ganlan-Holzhäusern in Nord-Guangxi müssen zwei Bauelemente besonders hervorgehoben werden: Hängende Pfeiler und überstehende Balken. Um die Wohnfläche der Holzhäuser, die auf so begrenztem Raum gebaut wurden, zu vergrößern, ragen die höheren Stockwerke eines über das andere hinaus, wobei der Querbalken dann einen weiteren Pfeiler trägt. Sie sind nach traditioneller chinesischer Handwerkstechnik durch Steckverbindungen und Keile miteinander verbunden. Das vom Querbalken ohne Funktion nach unten hängende Stück des Stützpfeilers heißt Hängepfeiler, es ist oft durch eine Schnitzerei geschmückt, so dass es aussieht wie eine Lotosblüte oder wie eine Laterne, ähnlich wie die bemalten Hängenden Lotos-Pfeiler mit ihren Lotosblüten an den Hängeblumentoren der in sich abgeschlossenen Wohnhöfe in Beijing. Die andere Besonderheit, die überstehenden Balken und das weit überhängende Dach, sind in Südchina günstig wegen der häufigen Regenfälle und der starken Sonneneinstrahlung. Der Dachvorsprung ist meistens ca. 1,50 m breit. Der überstehende Balken wird in zwei bis drei Schritten verlängert und trägt mehrere Dachstützen. Die Häuser sind zwar nicht durch feine Schnitzereien geschmückt, doch die Holzverbindungen mit den Keilen, die hängenden Pfeiler, die Terrassen, die überstehenden Balken und die unterschiedliche Höhe der einzelnen Hausteile machen das Ganze zu einem vielfältigen, grazilen Bauwerk.

Die Feuerstelle - der heilige Platz in den Holzhäusern

Jedes Ganlan-Holzhaus in Nord-Guangxi verfügt über eine Feuerstelle, die mitten im großen Raum im zweiten Stockwerk liegt, die größeren Häuser haben sogar zwei oder drei. Die Feuerstelle befindet sich in einer Art Becken, das in den Fußboden eingelassen ist, einen Quadratmeter groß. Das schwere Becken ruht auf Holzbalken, innen und rundherum ist es mit Erde und feuerfestem Schlamm ausgekleidet. Zum Verbrennen wird Kohle verwendet, und der ölige Qualm, der den Raum füllt, färbt Decken und Wände mit der Zeit sehr dunkel, doch die Bewohner sagen, er sei ein guter Schutz für das Holz, so dass es nicht verfaule und der Nässe gut standhalte.

Die Feuerstelle ist ein sehr wichtiger Platz im Haushalt, außer zum Kochen dient sie auch als Kommunikationsort der Familie, hier trifft sich die Familie, werden Gäste empfangen und hier ruht man sich aus. Egal ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter, in den Holzhausdörfern gehen die Feuer nie aus. Die Feuerstelle ist auch ein heiliger Platz, den man nicht überspringen darf, denn das gilt als respektloses Verhalten. In Longsheng veranstalten die Zhuang oft Wechselgesänge rund um die Feuerstelle. Besonders die jungen Männer und Frauen führen Gesangswettkämpfe durch, indem sie abwechselnd fragen und antworten, einen Vers singen und einen neuen hinzufügen. Hier kann jeder gut singen, es gibt Teelieder, Loblieder, Spottlieder, Liebeslieder... Findet so ein Wettkampf statt, dauert er bis tief in die Nacht oder gar bis zum Morgengrauen, wenn die Hähne krähen:

Am Fuße des Longji-Gebirges Maulbeerbäume am Wasser,

Die kleine Schwester singt ein Lied voller Liebessehnen,

Im Herzen sprudelt es wie eine Quelle,

Aus dem Mund tritt das Lied wie ein Strom.

Das Longsheng-Wasser kommt wie ein Fluss heran,

Von allen kennt der große Bruder die meisten Liebeslieder,

Drei Tage lang fällt ganz feiner Regen,

Eine Kette von Regenperlen wie ein Lied.

Auf dem Feuer ein Topf, ein Becher Tee in der Hand, ein Lied, das ist das Normalste und zugleich das Schönste im Leben der Zhuang, das dem Raum mit der Feuerstelle in den Holzhäusern auch seine besondere kulturelle Bedeutung verleiht. Hier verschmilzt der architektonische Raum mit dem müßigen Leben und den Bräuchen des Volkes.