2.2.4. Alte Landgüter von Adligen

Es sind nicht viele Landgüter von tibetischen Adligen erhalten geblieben; nur die Landgüter Pharla, Nanseling und Palast Lhagyili sind noch zu sehen.

Der Sitz des Landgutes Pharla

Der Sitz des Landgutes Pharla ist gut erhalten, er liegt im Dorf Bangjor Lhunbo auf der südlichen Seite des Flusses Nyang Qu, knapp 4 km von der Stadt Gyangze entfernt. Die Sippe Pharla war in der neueren Geschichte Tibets eine bekannte und mächtige Adelsfamilie. Fünf Familienmitglieder waren hohe Beamte in der Lokalregierung Tibets. Die Sippe war eine der acht mächtigen Sippen Tibets. Im Ostteil Tibets hatte sie 25 Landgüter für Ackerbau und 8 Landgüter für Viehzucht. Sie verfügte insgesamt über eine Fläche von 6, 67 Mio. mJ und über 7000 Stück Vieh. Die Sippe besaß etwa 3000 Leibeigene und Sklaven.

Das Landgut Pharla, eines dieser Landgüter, hat ein dreistöckiges Hauptgebäude, in welchem zahlreiche Fotos und Gegenstände ausgestellt sind, die einen Einblick in die damalige Zeit vermitteln. Da sieht man verschiedene luxuriöse Gebrauchsgegenstande und daneben schreckliche Folterwerkzeuge. Im krassen Gegensatz zum luxuriös ausgestatteten Wohnhaus der Adligen stehen die ärmlichen Hütten der Dorfbewohner die ausnahmslos Leibeigene oder Sklaven waren. Durch einen Besuch in diesem Landgut erfährt man, wie es im alten Tibet wirklich aussah. Die Dorfbewohner die früher Leibeigene der Adelsfamilie waren, wohnen jetzt in neuen Häusern, die dem früheren Wohnhaus der Adligen in nichts nachstehen, so dass die Besucher kaum noch einen Unterschied feststellen können.

Das Landgut Pharla wurde von der Lokalregierung des Autonomen Gebiets Tibet als Stätte zur patriotischen Erziehung bestimmt und als wichtiges Kulturzeugnis in Xigaze eingestuft.

Der Sitz des Landgutes Nanseling

Der Sitz des Landgutes Nanseling, auch erhalten. Es wurde in der Ming-Dynastie (136g - 1644) erbaut und gehört heute zu den unter Schutz stehenden bedeutenden Kulturstätten des Bezirks Shannan. Das, Landgut befindet sich in der Gemeinde Zanang im Kreis Zanang. Es liegt, durch einen Fluss getrennt, dem Samgye-Kloster gegenüber und ist 25 km von der Gemeinde Zenang entfernt. Das Hauptgebäude des Landguts hat sieben Stockwerke. Vom hat es einen Anbau, zu beiden Seiten gibt es Nebenräume, Pferdeställe, Mühlen, Färbereien, Webereien, Festungsanlagen und Gefängnisse.

Der Sitz des Paläste Lhagyili

Der Sitz des Palasts Lhagyili ist relativ gut erhallen. Er liegt südlich der Kreisstadt Qusum. Dies war die Residenz des Dharma-Königs Lhagyili und das Zentrum des von ihm beherrschten Gebiets.

Im 10. Jahrhundert brachten einige Adlige der Tubo-Dynastie zwei Enkelsöhne Lang Darmas, des letzten Königs der Tubo-Dynastie, hierher und gründeten die Yarlung Jorwo-Dynastie und den Tempel Gyili; das Königshaus wurde Lhagyili genannt. „Lha" bedeutet im Tibetischen „Gottheit". Später schloss das Könighaus Bündnisse mit den Mächtigen der buddhistischen Klöster und erwarb sich den Titel „Dharma-König". Während des Machtwechsels von der Yuan- zur Ming-Dynastie, also in der Epoche der Sagya- und Parba Zhaba-Herrschaft, konnte der Dharma-König seine relative Unabhängigkeit bewahren. Zu Beginn der Qing-Dynastie schlossen sich die Klöster von Lhagyili der Gelug-Sekte an. Der fünfte Dalai Lama erkannte die Macht des Dharmakönigs und seiner Erben an. Das Gebiet wurde durch direkt vom Dharmakönig entsandten Vertreter verwaltet.

Die ganze Palastanlage ist imposant. Die Hallen Zhaxi Qoinzong und Gandain Lhaze sind gut erhalten. Die königliche Familie lebte im nördlichen Flügel der Halle Gandain Lhaze, und amtliche Angelegenheiten wurden meist auch dort erledigt. Diese Halle hat eine Fläche von 5000 m2; sie bestand aus einem östlichen und westlichen Teil und hatte einst fünf Stockwerke. Fehlerhafte Renovierungsversuche führten zur Reduzierung auf drei Stockwerke. Die Säulengänge und die Querbalken sind zum Teil mit vergoldeten Schnitzereien und bunter Bemalung verziert. Verschiedene Motive -Löwen, Wolken oder Lotusblumen - weisen auf die reiche Symbolik in der tibetischen Architektur hin.

Der Hallenboden besteht aus gestampfter Erde, 8 cm stark. Die Fläche hat einen matten Glanz. Die Besonderheit dieses Baukomplexes besteht u.a. darin dass viele architektonische Elemente aus dem Landesinneren übernommen wurden, was vor allem an den Türrahmen und an der Dachkonstruktion deutlich wird.


    Vorwort
1. Der außergewöhnliche Reichtum der Natur
     1.1 Geologie und Topographie
            1.1.1 Gebirgslandschaft
            1.1.2 Karstlandschaft
            1.1.3 Der "Lößwald"
            1.1.4 Gletscherlandschaft
     1.2 Flüsse und Seen
            1.2.1 Flußlandschaften
            1.2.2 Seenlandschaften
            1.2.3 Quellenlandschaften
            1.2.4 Wasserfälle in Tibet
     1.3 Wetter und Klima
     1.4 Fauna und Flora
            1.4.1 Die Flora in Tibet
            1.4.2 Die Fauna in Tibet
     1.5 Naturschutzgebiete
2. Das einzigartige Kulturgut
     2.1 Relikte der Urmenschen
     2.2 Alte Bauwerke in Tibet
            2.2.1 Die Paläste
            2.2.2 Mausoleen und Gräber
            2.2.3 Ruinen alter Bauwerke
            2.2.4 Alte Landgüter von Adligen
            2.2.5 Tempel und Klöster
     2.3 Gärten
            2.3.1 Norbulingka
            2.3.2 Zongjiao Lhokang (Teich des Drachenkönigs)
     2.4 Landschaftsgebiete
     2.5 Sitten und Gebräuche
            2.5.1 Bekleidung, Nahrung, Wohnung und Verkehr
            2.5.2 Höfliche Umgangsformen
            2.5.3 Die hauptsächlichen traditionellen Feste
     2.6 Sakrale und Volkskunst
            2.6.1 Die bildende Kunst
            2.6.2 Darbietungskunst
     2.7 Die traditionelle Wissenschaft und Technik sowie das traditionelle Kunstgewerbe
            2.7.1 Tibetischer Kalender
            2.7.2 Tibetische Medizin
            2.7.3 Bautechnik
            2.7.4 Kunstgewerbliche Metallware
            2.7.5 Kunstgewerbliche Textilwaren
     2.8 Religionen
     2.9 Museen
3. Reisegebiete, wichtige Tourismusstädte und -marktflecken
     3.1 Kurzinformationen zu den Tourismusgebieten
            3.1.1 Die Stadt Lhasa mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten
            3.1.2 Der Bezirk Xigaze mit den für Tibet typischen Landschaften
            3.1.3 Der Bezirk Shannan mit künstlich angelegten und naturlichen Sehenswürdigkeiten
            3.1.4 Der Bezirk Nyingchi mit den größten Urwäldern Chinas
            3.1.5 Der Bezirk Qamdo, ein reiches Gebiet in Osttibet
            3.1.6 Der "dem Himmel nahe" Bezirk Nagqu
            3.1.7 Der Bezirk Ngari, "die höchste Stelle auf dem Dach der Welt"
4. Reiseverkehr und wichtige Reiserouten
     4.1 Überblick über den Reiseverkehr
            4.1.1 Luftverkehr
            4.1.2 Straßenverkehr
            4.1.3 Eisenbahnverkehr
            4.1.4 Verkehr in den Marktflecken
     4.2 Wichtige Reiserouten
            4.2.1 Südtibetische Route
            4.2.2 Südwesttibetische Route
            4.2.3 Westtibetische Route
            4.2.4 Südosttibetische Route
            4.2.5 Nordtibetische Route