2.2.3
Ruinen alter Bauwerke
Ruinen
des Königreichs Guge
Die
Ruinen des Königreichs Guge gehören zu den
Kulturzeugnissen, die als erste unter staatlichen
Denkmalschutz gestellt wurden. Die immer noch majestätisch
wirkenden Ruinen befinden sich im Kreis Zada, und zwar
auf einem 300 m hohen Hügel aus gelber Erde am Fluss
Xiangquanhe. Sie sind 18 km von der Kreisstadt Zada
entfernt. Der Fluss Xiangquanhe fließt vom Mapam
Yumco in nordwestlicher Richtung. Die Landschaft hat
einen eigenartigen Reiz, und die Ruinen verstärken
noch diesen Eindruck.
Die
Dynastie Guge wurde im 10. Jahrhundert von Nachkommen
der Tubo-Dynastie gegründet und war lange Zeit eine
lokale Macht. Nach dem gewaltsamen Tod Dharmo Tsanpos
(Lang Darma) spaltete sich die Tubo-Dynastie, wodurch
es zu lang anhaltenden Kriegswirren kam. Ein Urenkel
Dharmo Tsanpos, Gyide Nyima Gun, floh mit seinen
restlichen Truppen nach Ngari und gründete dort die
Guge-Dynastie. Danach übten seine drei Söhne und
deren Nachkommen jeweils in ihren eigenen Einflusssphären
die Herrschaft aus: das waren die Anfänge der Guge-,
Darlac-, und Burang-Dynastie, die alle auf glänzende
Leistungen verweisen konnten. In der Blütezeit
umfassten die Herrschaftsgebiete nicht nur das ganze
Gebiet des heutigen Bezirks Ngari, sondern auch Teile
des heutigen Kaschmir und Pakistan. Über den
Untergang der Guge-Dynastie rätseln die Historiker
bis heute; die meisten vermuten, dass die Soldaten von
Darlac 1635 die Paläste der Guge-Dynastie gestürmt,
zerstört und die königliche Familie sowie andere
Palastbewohner getötet haben. Einige wenige Angehörige
der königlichen Familie und etliche ihrer Anhänger
wurden als Gefangene in Festung gebracht und starben
dort. Damit verschwand die Guge-Familie vom Schauplatz
der Geschichte.
Die
vorhandenen Ruinen beweisen, wie imposant früher die
Bauwerke gewesen sein müssen. Der ganze Palast wurde
an einem Berghang gebaut und beherrschte von da aus
majestätisch die Gegend. Vom Palast aus liefen
unterirdisch Gänge in verschiedene Richtungen. Der
Palast war von einer festen Mauer umschlossen. Die
Ruinen des Palastes liegen auf einer Fläche von 720
000 m2; sie bestehen aus 445 Häusern, 879
Höhlen, 58 Festungen, vier geheimen unterirdischen
Wegen und 28 Stupas. Bis hinauf zum Gipfel des Berges
stehen Hunderte von Häusern. Die meisten haben, dicht
aneinander gereiht, gewölbte Dächer. Dieser
einzigartige Palastkomplex besteht aus einer Sommer-
und einer Winterresidenz. An den Ecken der Schutzmauer
standen vier Schutztürme. Bis heute gut erhalten
geblieben sind der Altarttempel, die Sutrahallen, der
Rote Tempel, der Weiße Tempel des Samsara. Inner- und
außerhalb des Palastes gab es Getreidespeicher, außerdem
fand man dort landwirtschaftliche Geräte, Kleidungstücke
und Waffen wie Panzer, Schilde oder Pfeile. Wegen des
kalten und trockenen Klimas hat sich alles gut
erhalten. In den Höhlen der Ruinen wurden zahlreiche
kopflose Leichen entdeckt. Besonders bemerkenswert ist
ein in einer Wand begrabenes drei- bis vierjähriges Mädchen;
es ist die einzige unversehrte Leiche aus dieser Zeit.
Sie befindet sich heute im Museum des Autonomen
Gebiets Tibet.
Von
der Guge-Dynastie sind viele Wandmalereien, Skulpturen
und einzigartige Holzschnitzereien überliefert. All
dies basiert auf der Kunst aus der Zeit der
Tubo-Dynastie; jedoch ist außerdem der Einfluss
indischer und nepalesischer buddhistischer Kunst zu
erkennen. Diese Gegenstände werden von chinesischen
und ausländischen Kunsthistorikern als "Guge-Kunst"
bezeichnet. Bei den Wandmalereien sind die verwendeten
Farben und die Figurengestaltung beachtenswert. Auf
den Wandmalereien werden das Paradies, die
Menschenwelt und die Hölle dargestellt. Dabei werden
menschliche Figuren zu Gottheit erhöht, die kunstvoll
gestaltet sind und durch eine flüssige Linienführung
einen dynamischen Eindruck vermitteln. Eine derart
vollkommene künstlerische Gestaltung ist bei
tibetischen Wandmalereien nur selten zu sehen. Obwohl
sie vor Jahrhunderten entstanden, haben sich die
Farbenpracht der Gemälde bis zur Gegenwart erhalten.
Auf den farbenprächtigen Wandmalereien sind
Schakjamuni sowie Könige der Guge-Dynastie und ihre
Konkubinen zu sehen. Außerdem sind auch Gläubige der
esoterischen Richtung des Buddhismus dargestellt.
Durch kräftige Linienführung werden besonders
intensiv die Höllenqualen zur Anschauung gebracht. An
den Rändern der Bilder sind Dutzende weibliche
Gottheiten dargestellt; sie sehen alle sehr anmutig
aus, unterscheiden sich von einander durch Figuren und
Pose. Auf den Wandmalereien im Roten und Weißen
Tempel sowie im Tempel des Samsara sind Schakjamuni, Könige
und Prinzen der Tubo-Dynastie zu sehen. Außerdem sind
auch Könige der Guge-Dynastie und deren Berater
abgebildet. Diese Wandmalereien sind den berühmten
Wandmalereien von Dunhuang in jeder Hinsicht ebenbürtig.
Die Skulpturen weisen einige Besonderheiten auf. Sie
sind zwar insgesamt nicht sehr groß, aber die
menschlichen Figuren sind im Verhältnis zu den übrigen
überdimensioniert und vermitteln den Eindruck von
Kraft und Stärke. Auf dem Holzbalken der Tempel sind
verschiedene Tierfiguren wie Löwen, Elefanten,
Pferde, Drachen und Pfauen zu bewundern. Die
eigentliche Schatzkammer der Steinschnitzerei ist aber
die Mauer der früheren Stadt. Sie diente früher zwar
hauptsächlich der Verteidigung, doch sind dort auch
viele Zeugnisse künstlerischen Schaffens zu
entdecken. In der Mauer sind mehr als 4502 Figuren zu
sehen; auch sind Verwünschungen und andere Sprüche
auf Tibetisch und Sanskrit eingeritzt. Die meisten
sind allerdings im Laufe der Jahrhunderte verwirrt und
wurden durch die Natur eingefärbt, was ihnen
besonderen Charme verleiht. Die Stadtmauer kann
gewissermaßen als Ausstellung der
Nyima-Steinschnitzerei gelten. Natürlich sind auch außerhalb
der Mauer sehenswerte Schnitzereien zu finden, vor
allem die in große Kieselsteine geschnitzten Figuren
sind oft Meisterwerke.
Runie des
Palastes Qingwa Dagze
Bei
der Ruine des Palastes Qingwa Dagze, auch Qoinwa Daze
genannt, handelt des sich eigentlich um einen großen
Komplex von Palästen der Könige der frühen
Tubo-Dynatie. Die Ruine liegt auf den Steinberg am
Fluss Qoingyi.
Hier
war das Kernbebiet des Stammes Yarlung. Damals lebten
die Könige in den hier befindlichen Festungen, in
diesem Sinne lag hier Hauptstadt der Tubo-Dynastie in
ihrer Frühphase. In den tibetischen Geschichtesbüchern
steht geschrieben, dass der Palast Qingwa Dagze in der
Äre des 9. Königs Budaigonggyi gebaut wurde. Die auf
diesem folgenden fünf Könige haben sich hier
enbenfalls eigene Paläste bauen lassen. Daraus
entstand ein Bautenkomplex, den man später die
„sechs Paläste von Qingwa Dagze“ nannte. Die Überreste
der Paläste und Festungsmauern sind noch heute zu
sehen. Zwischen ihnen auf dem Berge stehend, wird ihre
günstige Lage für den Verteidigungsfall deutlich.
Am
Felsen auf der südlichen Bergseite des Qoinwa Dagze
sind Schnitzereien zu sehen, die schwer zu datieren
sind. Man sieht Figuren und Schriftzeichen. Es sind 56
Figuren zu erkennen, die Gotteiten des tibetischen
Buddhismus darstellen; Buddha und Schutzgottheiten
sind zu sehen. Die größte Figur ist 3m hoch, die
kleinste nur 20cm. Die Schriftzeichen sind allerdings
so verwittert, dass sie kaum noch zu entziffern sind.
Ruine
des Palastes Gyima
Diese
Ruine liegt bei der Gyima-Grube im südlichen Teil des
Kreises Maizhokunggar. Hier befand sich einst das
Zentrum der Tubo-Dynastie.
Im
6. Jahrhundert hatte Songtsan Gampos Vater, Xiangri
Songtsan, mit seinen Truppen nach Überquerung des
Yarlung Zangbo und Überwindung hoher Schneeberge im
Norden die Region Gyima erobert und ließ hier den
Palast Gyima bauen. Die berühmteste tibetische Persönlichkeit
der chinesischen Geschichte, der Begründer der
Tubo-Dynastie, Songtsan Gampo, wurde hier geboren. Zu
jener Zeit wurden auch der Palast Tuigar und andere
Paläste gebaut. Dieser Ort war das politische Zentrum
der Tubo-Dynastie, bevor es 633 nach Lhasa verlagt
wurde.
Die
Paläste wurden an Berghängen errichtet. Heute sind
noch Ruine und Spuren von Straßen zu sehen, die von
hier aus ins Land führten. Doch erkennt man noch die
großzügige Anlage der Paläste. Zur Kennzeichnung
der ehemaligen Wohnstätte Songtsan Gampos hat man in
späterer Zeit drei weiße Stupas erbaut. Im Tal, in
der Nähe eines Hanges, wurde in späterer Zeit ein
kleiner Tempel errichtet, in dem Statuen von Songtsan
Gampo und Prinzessin Wencheng aufgestellt wurden.
Unweit dieses Tempels sprudelt eine Quelle. Überlieferungen
zufolge hat sich Songtsan Gampo in seiner Kindheit
dort häufig das Gesicht gewaschen. Und durch
Wasserspiegelungen sei ihm offenbart worden, er solle
auf den Roten Berg in Lhasa einen Roten Palast bauen.
Aus diesem Grund wird diese Quelle als göttliches
Wasser angesehen. Viele Lebende Buddhas und Pilger
sind hochbeglückt, wenn sie das Wasser aus dieser
Quelle trinken und ihr Antlitz darin waschen können.
In
der Yuan-Dynastie (1271-1368) befand sich hier eine
der dreizehn Wanhu-Verwaltungseinheiten von Tibet. Das
ehemalige Verwaltungsgebäude existiert noch, im Volk
wurde es Palast Gyima genannt. 1640 gab es
kriegerische Augeindersetzungen zwischen dem Vorsteher
der Wanhu-Verwaltungseinheit, der der Desi
Tsangpa-Macht unterstand, und den von der Gelug-Sekte
nach Tibet geführten mongolischen Truppen, wodurch
viele Bauwerke, darunter auch der Sitz der
Wanhu-Verwaltungseinheit, zerstört wurden. Zahlreiche
Ruinen der Festungen aus der Yuan-Dynastie sind hier
zu betrachten. Bei archäologischen Untersuchungen
wurden auch verschiedene Kulturgegenstände entdeckt.
In
der Nähe der Ruine des Palastes Gyima liegen Dörfer
und einzelne Bauernhäuser, umgeben von dichtem Gehölz.
Da lag das Landgut des bedeutenden tibetischen Adligen
Horkang. Der heutige Vizevorsitzende des
Landeskomitees der Politischen Kosulativkonferenz des
Chinesischen Volkes, Ngapoi Ngawang Jimei, hat früher
hier gelebt. An den heute ziemlich verfallenen
Palastmauern erkennt man, dass hier früher massive
Bauwerke standen; allein die Schutzmauer war 2m stark;
und vor dieser Mauer lag noch ein Schutzgraben.