1.2.2. Seenlandschaften

Die Seen in Tibet sind zahlreich wie die Sterne am Himmel und erwecken natürlich großes Interesse bei in- und ausländischen Touristen. Der Nam Co, der Yamzhog Yumco, der Mapam Yumco und so weiter sind alle ideale und weltbekannte Ziele des Tourismus.

Tibet hat nicht nur die größte Anzahl von Seen in China, sondern auch die höchstgelegenen Seen der Welt. Tibet hat 1500 Seen verschiedener Größe. Mit einer Seefläche von 24 566 km2 besitzt Tibet 30% der Gesamtseefläche Chinas; 787 Seen Tibets haben eine Fläche von mehr als einem km2. Das Tibet-Hochplateau ist damit nicht nur das größte Gebiet Chinas, in dem so viele Seen konzentriert sind, sondern auch das Hochplateau mit den meisten Seen und der größten Seefläche der Welt.

Die Seen in Tibet gehören zu verschiedenen Kategorien. Je nach ihren Verbindungen zu Flussnetzen werden die Seen in Binnenseen und in die in Flüsse mündenden Seen eingeteilt. Nach der chemischen Zusammensetzung ihres Wassers werden sie in Süßwasser-, Salzwasser- und Salzseen eingeteilt. Nach ihrer Entstehung werden sie in tektonische, Gletscher- oder Abdämmungsseen untergliedert. Sie haben fast alle Merkmale chinesischer Seen. Die meisten Seen in Tibet haben klares Wasser, in dem sich die Schneegebirge spiegeln. Dies alles bildet eine schöne Landschaft. An den Seen liegen üppige Weiden; im See sind unzählige Wassertiere und Fische zu sehen.

In größeren Seen gibt es fast immer Inseln, die man "Reich der Vögel" nennt. Besonders die Vogelinsel im Banggong Co ist da zu nennen. Nordtibet hat mehr als 400 Salzseen. Ihr Wasser enthält Salze, Mirabilit und andere seltene Elemente. In Südtibet gibt es auch viele heiße Quellen in Seen.

In Tibet haben viele Seen eine religiöse Bedeutung. Der Nam Co, der Mapam Yumco und der Yamzhog Yumco werden von den Tibetern als "drei heilige Seen in Tibet" verehrt.

Der Basum Co - das Landschaftsgebiet der staatlichen AAAA-Kategorie in Tibet

Der schöne Basum Co ist eine in ganz Tibet bekannte Landschaft mit dem gleichnamigen schönen See. Er liegt im Kreis Gongbo'gyamda, in etwa 90 km Entfernung von der Kreisstadt Golinka und 120 km vom Marktflecken Bayi.

Der See ist etwa 18 km lang, durchschnittlich 1,5 km breit, bis zu 60 m tief und hat eine Räche von nahezu 26 km2. Er liegt 3538 m über dem Meeresspiegel. Die den See umgebenden Gipfel sind während des ganzen Jahres mit Schnee bedeckt, am Fuß des Gebirges aber dehnen sich unermessliche Wälder, in denen Bären, Leoparden, Blauschafe und Moschustiere vorkommen. Im Vergleich zu den majestätischen und imposanten Seen wie dem Nam Co, dem Yamzhog Yumco und dem Mapam Yumco ist der Basum Co friedlich, malerisch und still. Niemand kann seiner ruhigen Anziehungskraft entgehen.

Für zahlreiche Gläubige ist auch dieser ein heiliger See. Am 15. Tag des vierten Monats nach dem tibetischen Kalender findet hier das traditionelle Fest der Seeumrundung statt. Auf einer Insel in der Seemitte steht der Cozong-Tempel der Nyingma-Sekte aus dem 17. Jahrhundert.

1997 wurde der See von der Internationalen Tourismusorganisation in den Status einer Weltsehenswürdigkeit erhoben. 2001 erhielten die ersten fünf Sehenswürdigkeiten Tibets vom Staatlichen Amt für Tourismus die AAAA-Kategorie. Der Basum Co ist das einzige Landschaftsgebiet darunter. 2002 wurde er in die Liste der nationalen Waldparks aufgenommen.

Der Nam Co

Der Nam Co ist der größte See in Tibet, der höchstgelegene große See der Welt und der zweitgrößte Salzwassersee Chinas. Er befindet sich zwischen dem Kreis Damxung in Lhasa und dem Kreis Bangoin im Bezirk Nagqu.

Nam Co bedeutet im Tibetischen "See des Himmels". Er liegt 4740 m über dem Meeresspiegel, ist 70 km lang, 30 km breit und hat eine Fläche von 1920 km². Der schmelzende Schnee vom Nyainqentanglha ist eine wichtige WasserqueUe für den Nam Co. Am See wachsen üppige Weidegräser. Hier ist die beste natürliche Weide in Nordtibet und hier leben auch viele Wildtiere und Vögel. Im See liegen 5 kleine Inseln; und 5 Halbinseln reichen weit in den See hinein.

Der schöne und ruhige Basum Co

Die Halbinsel Zhaxi ist mit einer Fläche von 10 km2 die größte davon. Auf ihr steht das Zhaxi-Kloster. Auch eine Tropfsteinhöhle, ein Karstwald und eine von der Natur geschaffene Brücke sind zu sehen. Jährlich kommen unzählige Gläubige aus Tibet, Qinghai und Sichuan hierher, um den See zu umwandern. Im Jahr der Ziege nach dem tibetischen Kalender kommen noch mehr Pilger als sonst hierher. Die Umkreisung des Sees dauert 20 bis 30 Tage.

Der Yamzhog Yumco

Der Yamzhog Yumco liegt 110 km südwestlich von Lhasa, im Kreis Nanggarze, Bezirk Shannan. Er misst von Ost nach West 130 km und von Süd nach Nord 70 km. Er hat eine Fläche von 638 km2 und einen Umfang von mehr als 250 km. Er liegt 4441 m über dem Meeresspiegel. Die durchschnittliche Wassertiefe beträgt 20-40 m, die tiefste Stelle liegt sogar bei 60 m. Er ist der größte Binnensee am Nordhang des Himalaya und zählt zu den "drei heiligen Seen Tibets".

Hier befindet sich der größte Nistplatz für Zugvögel in Südtibet. Jährlich kommen unzählige Vögel zum Brüten hierher. Im See lebt eine Karpfenart, die sich durch dünne Haut und zartes, wohlschmeckendes Fleisch auszeichnet. Man schätzt, dass im See etwa 800 Mio. kg Fische vorhanden sind. Jetzt wird dort Fischzucht im großen Maßstab betrieben und der See wird nun auch als "Fischspeicher Tibets" bezeichnet.

Den See umgibt üppiges Weideland. Im Westen hegt eine sich in östlicher Richtung erstreckende Halbinsel. Darauf drängen sich Dorfhöfe dicht aneinander. Im See liegen mehr als zehn kleine Inseln, die kleinste ist nur hundert m2 groß. Das luftgetrocknete Fleisch aus der Yamzhog Yumco-Gegend ist knusprig, schmackhaft und genießt einen guten Ruf in ganz Tibet.

Das höchstgelegene Pumpspeicherwerk der Welt mit dem größten Wassergefälle, das Yamzhog Yumco-Pumpspeicherwerk, befindet sich zwischen dem Yamzhog Yumco und dem Yarlung Zangbo. Das größte Wassergefälle beträgt mehr als 800 m; der Tunnel für die Pumpen ist 6000 m lang. Das Kraftwerk hat 4 Generatorsätze mit einer Kapazität von 90 000 kW. Das Kraftwerk nimmt mit seinen Dimensionen und Leistungen viele erste Plätze in der Welt oder zumindest in China ein.

Der Mapam Yumco

Der Mapam Yumco ist einer der höchstgelegenen Süßwasserseen in der Welt und einer der "drei heiligen Seen Tibets". Er liegt 4583 m über dem Meeresspiegel und hat eine Fläche von 412 km2. Im Norden ist der See breit, im Süden dagegen schmal. Die maximale Tiefe liegt bei mehr als 70 m. Das Seewasser ist blau und klar wie ein Edelstein. Der See befindet sich im Kreis Burang, 20 km südöstlich vom Kangrinboqe-Gebirge, mehr als 200 km vom Marktflecken Shiquanhe.

"Mapam" bedeutet im Tibetischen unbesiegbar, "Yumco" bedeutet See der Jade. Der Mönch Xuanzang aus der Tang-Dynastie (618-907) hat in seinem Buch Die westlichen Regionen der Tang-Dynastie irrtümlich den "Mapam Yumco" als den, Jadesee im Paradies im Westen" bezeichnet. Im 11. Jahrhundert hatte der Buddhismus im Disput mit den Priestern der Bon-Religion gesiegt und den Namen des Sees in"Mapam Yumco" geändert. Der neue Name bedeutet "See der Unbesiegbarkeit". Nach dem tibetischen Buddhismus kann man ungezügelte Begierden, Leid und Schuld tilgen, wenn man sich in dem Wasser des Sees badet. Und wer Wasser aus dem See trinkt, vertreibt seine Krankheiten. Um den See zu wandern, verheißt grenzenlose Wohltaten. Seit alten Zeiten gelten das Umwandern des Sees und ein Bad in seinem Wasser als Glück für die Pilger. Jedes Jahr kommen chinesische und ausländische Buddhisten und andere fromme Gläubige in einem nicht enden wollenden Strom zu diesem See. Der Mapam Yumco und der Kangrinboqe-Gipfel werden als "heiliger See" bzw. als "heiliger Berg" verehrt.

Jeden Sommer kommen in großer Zahl Schwäne hierher und erhöhen den Reiz der Gegend. Man sagt auch, wer Fische aus dem See isst, werde von Sterilität, Dystokie und Wassersucht geheilt. Chemischen Untersuchungen zufolge enthält das Seewasser viele Mineralien.

Der nur 3 km vom Mapam Yumco entfernte "Dämonensee" - Lannga Co ist ein Salzwassersee, über den häufig Stürme fegen und die Wellen gefährlich hoch peitschen.

Der Langhalskranich-See, der Banggong Co

Der Banggong Co ist ein bekannter Grenzsee. Er liegt im Norden des Kreises Rutog und erstreckt sich nach Westen bis in Gebiete außerhalb Chinas. "Banggong" bedeutet im Indischen "grasbedecktes Moor". Auf Tibetisch heißt der See "Comnganglaringbo Co", was soviel wie "Langhalskranich-See" bedeutet.

Der größere Teil des Banggong Co befindet sich in China, der kleinere in Kaschmir. Der See ist in Ost-West-Richtung 155 km lang, hat aber nur eine durchschnittliche Breite von 2 bis 5 km; die breiteste Stelle in Nord-Süd-Richtung misst nur 15 km. Der See besteht eigentlich aus 3 kleineren Seen, die durch Wasserläufe miteinander verbunden sind. Er hat eine Fläche von 593 km2 und liegt 4242 m über dem Meeresspiegel. Die größte Tiefe liegt bei 57 m. Der östliche Teil des Sees (zu China gehörend) hat Süßwasser, der westliche (zum Teil zu Kaschmir gehörend) Salzwasser. Der chinesische Teil hat klares Wasser, aber ist nur von einer spärlichen Pflanzendecke umgeben. Kaschmirs Teil dagegen ist in eine dichte Vegetation eingehüllt.

Im See gibt es ungeheuere Mengen einer besonderen tibetischen Karpfenart. Dieser Fisch sieht aus, als sei sein Bauch aufgeplatzt; eine große Flosse am Bauch vermittelt diesen Eindruck. Diese Karpfenart hat sich sehr gut an die harten Bedingungen der tibetischen Hochlandseen angepasst.

Im See liegt eine sehr kleine Insel von etwa 300 m x 200 m. Aber über 20 Vogelarten brüten dort. Es ist die am höchsten gelegene Vogelinsel der Welt. Rings um den See sind zahlreiche Relikte urzeitlicher Kultur zu sehen.

Der am höchsten gelegene See der Welt, der Senri Co

Der Titicaca-See mit einer Höhe von nur 3812 m in der Grenzregion zwischen Bolivien und Peru in Südamerika wurde lange Zeit von den Westlern als der höchstgelegene See der Welt bezeichnet. In Tibet allein gibt es aber fast 1000 Seen, die mehr als 4000 m über dem Meeresspiegel liegen, dazu noch 17 Seen mit einer Höhe von mehr als 5000 m.

Den Untersuchungen chinesischer Wissenschaftler zufolge ist der Senri Co in Tibet der höchstgelegene See der Welt. Der Senri Co befindet sich im Kreis Zhongba und liegt 5386 m über dem Meeresspiegel. Er ist ein Süßwassersee und hat einen Abfluss in den Yarlung Zangbo. Der See liegt im Dauerfrostboden. Die natürlichen Bedingungen sind dort sehr hart.

Die Caka (Salzseen) mit besonderem Charme

Ein Salzsee heißt im Tibetischen "Caka''. In Tibet gibt es mehr Salzwasser-Seen als Süßwasser-Seen. Die gesamte Räche aller Salzwasserseen beträgt 8000 km2; das macht immerhin 2,6% der Gesamtfläche Tibets aus. Die Caka-Salzseen haben ihren eigenen Charme und sind für manche Reisende äußerst anziehend. Der Chabyer Caka liegt 4421 m über dem Meeresspiegel und ist etwa 213 km2 groß. Er sieht wie eine Kalebasse aus. Auf halber Länge liegt eine Enge, die den See in einen südlichen und einen nördlichen Teil gliedert. Der südliche Teil ist silberweiß vom Salz und völlig ausgetrocknet; der nördliche hat Wasser, ungefähr 20 bis 100 cm tief. Im Westen ist der Schneeberg Ri'argeliang zu sehen, 6364 m hoch. Das Schmelzwasser von diesem Berg ergießt sich in den See. Der Chabyer Caka ist ein bekannter Salzsee mit Karbonat. In ihm ist mehr Borax als in jedem anderen Salzsee zu finden. Daneben kommen im See auch andere Salze und Mineralien in großen Mengen vor, die meisten sind Natrium-, Kalium- und Lithiumverbindungen. Ein weiteres Beispiel für einen ungewöhnlichen Salzsee ist der Margog Caka in Nordtibet. Der See liegt in einem menschenleeren Gebiet. Er ist etwa 80 km2 groß; an seiner "tiefsten" Stelle aber beträgt der Wasserstand gerade mal 5,5 cm. Der ganze See wirkt wie ein riesiger Spiegel oder wie eine große Eisbahn. Da es zahlreiche solche Caka-Seen in Tibet gibt, sind die Salzvorräte des Gebietes enorm. Nach ersten Untersuchungen von Wissenschaftlern kann allein der Margai Caka (der Yorjitai Co) mit einer Fläche von nur rund 70 km2 den Salzbedarf ganz Tibets decken. An den Salzseen liegen aber fast immer üppige Weiden, und viele seltene Tiere und Vögel haben hier ihre Sammelplätze, sofern sie nicht auf Dauer hier leben.

 


    Vorwort
1. Der außergewöhnliche Reichtum der Natur
     1.1 Geologie und Topographie
            1.1.1 Gebirgslandschaft
            1.1.2 Karstlandschaft
            1.1.3 Der "Lößwald"
            1.1.4 Gletscherlandschaft
     1.2 Flüsse und Seen
            1.2.1 Flußlandschaften
            1.2.2 Seenlandschaften
            1.2.3 Quellenlandschaften
            1.2.4 Wasserfälle in Tibet
     1.3 Wetter und Klima
     1.4 Fauna und Flora
            1.4.1 Die Flora in Tibet
            1.4.2 Die Fauna in Tibet
     1.5 Naturschutzgebiete
2. Das einzigartige Kulturgut
     2.1 Relikte der Urmenschen
     2.2 Alte Bauwerke in Tibet
            2.2.1 Die Paläste
            2.2.2 Mausoleen und Gräber
            2.2.3 Ruinen alter Bauwerke
            2.2.4 Alte Landgüter von Adligen
            2.2.5 Tempel und Klöster
     2.3 Gärten
            2.3.1 Norbulingka
            2.3.2 Zongjiao Lhokang (Teich des Drachenkönigs)
     2.4 Landschaftsgebiete
     2.5 Sitten und Gebräuche
            2.5.1 Bekleidung, Nahrung, Wohnung und Verkehr
            2.5.2 Höfliche Umgangsformen
            2.5.3 Die hauptsächlichen traditionellen Feste
     2.6 Sakrale und Volkskunst
            2.6.1 Die bildende Kunst
            2.6.2 Darbietungskunst
     2.7 Die traditionelle Wissenschaft und Technik sowie das traditionelle Kunstgewerbe
            2.7.1 Tibetischer Kalender
            2.7.2 Tibetische Medizin
            2.7.3 Bautechnik
            2.7.4 Kunstgewerbliche Metallware
            2.7.5 Kunstgewerbliche Textilwaren
     2.8 Religionen
     2.9 Museen
3. Reisegebiete, wichtige Tourismusstädte und -marktflecken
     3.1 Kurzinformationen zu den Tourismusgebieten
            3.1.1 Die Stadt Lhasa mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten
            3.1.2 Der Bezirk Xigaze mit den für Tibet typischen Landschaften
            3.1.3 Der Bezirk Shannan mit künstlich angelegten und naturlichen Sehenswürdigkeiten
            3.1.4 Der Bezirk Nyingchi mit den größten Urwäldern Chinas
            3.1.5 Der Bezirk Qamdo, ein reiches Gebiet in Osttibet
            3.1.6 Der "dem Himmel nahe" Bezirk Nagqu
            3.1.7 Der Bezirk Ngari, "die höchste Stelle auf dem Dach der Welt"
4. Reiseverkehr und wichtige Reiserouten
     4.1 Überblick über den Reiseverkehr
            4.1.1 Luftverkehr
            4.1.2 Straßenverkehr
            4.1.3 Eisenbahnverkehr
            4.1.4 Verkehr in den Marktflecken
     4.2 Wichtige Reiserouten
            4.2.1 Südtibetische Route
            4.2.2 Südwesttibetische Route
            4.2.3 Westtibetische Route
            4.2.4 Südosttibetische Route
            4.2.5 Nordtibetische Route