1.1.1. Gebirgslandschaft

Tibet wird als "Meer der Gebirge" bezeichnet. Im Norden findet man das Kunlun- und das Tanggula-Gebirge, im Süden ragt das höchste Gebirge der Welt, der Himalaya, empor, im Westen erhebt sich der Karakorum und im Osten das Hengduan-Gebirge. In Tibet verläuft auch die Gandise-Nyainqentanglha-Gebirgskette in Ost-West-Richtung.

Der Himalaya ist das höchste Gebirge der Welt. Die Gesamtlänge des Himalaya beträgt 2400 km, die Breite 200-300 km und die durchschnittliche Höhe liegt bei 6200 m über dem Meeresspiegel. Es gibt hier mehr als 50 Gipfel mit einer Höhe von über 7000 m. Nirgendwo sonst findet man solch eine Vielzahl an Bergen über 7000 Metern. Die Gandise-Nyainqentanglha-Gebirgskette bildet die

Grenzlinie zwischen Nord- und Südtibet; sie ist auch die Grenze zwischen Binnenflüssen und ins Meer mündenden Flüssen in Tibet. Das Kunlun-Gebirge grenzt an Tibet und das Autonome Gebiet Xinjiang der Uygur-Nationalität. Es durchläuft Mittelasien mit gewaltiger Länge und Breite und  wird deshalb "Rückgrat Asiens" genannt.

Das Tanggula-Gebirge ist das Grenzgebirge zwischen Tibet und der Provinz Qinghai, dessen höchster Gipfel Geladantong 6621 m misst. Das Tanggula ist das Quellgebiet für den längsten Fluss Chinas, den Yangtse.

Wegen der verschiedenen Höhenlage und vielfältigen Topographie haben sich in den Gebirgsgebieten Tibets unterschiedliche Landschaften ausgeprägt, die allesamt herrlich zu betrachten sind. Im Winter sind alle Gebirge tief verschneit; im Sommer aber zeigen sie völlig verschiedene Gesichter. Die Gebirge in Osttibet wirken dunkelgrün, die Gebirge in Nordtibet hellgrün, im Süden und in Lhasa erscheinen die Gebirge dunkelviolett, in Xigaze dunkelrot und in Yigong dunkelbraun.

Bei den Bergen im Landesinneren sind meist historische Sehenswürdigkeiten zu finden. Dort vereinigen sich oft Architektur, Bildhauerkunst, Kalligraphie, Malerei und Gartengestaltung zu einem Gesamtkunstwerk. Doch die Berge Tibets sind das Werk der Natur.

 

Der Qomolangma

Der Qomolangma ist der höchste Gipfel der Welt und ragt 8848,13 m im Himalaya empor, direkt an der Grenze zwischen China und Nepal. Der nördliche Teil des Gipfels befindet sich im Kreis Tingri in Tibet. In seiner Umgebung finden sich 5 der weltweit 14 Gipfel mit über 8000 m Höhe und dazu noch 38 Gipfel mit mehr als 7000 m. Diese Konzentration hoher Berge schafft eine auf der Welt einmalig imposante Landschaft.

Geologischen Analysen zufolge war der Qomolangma vor hundert Millionen von Jahren noch Bestandteil des "Alten Mittelmeeres". Durch die Auffaltung des Himalaya wurde das "Alte Mittelmeer" schließlich zum "Dach der Welt". Messungen chinesischer Geowissenschaftler zeigen, dass der Himalaya noch immer jährlich um 3,2 bis 12 7 mm wächst.

Am Qomolangma hängt immer ein weißer Wolkenstreifen, der mit dem Westwind nach Osten weht wie eine Flagge. Diese wunderbare Erscheinung nennt man die "Flaggenwolke am Qomolangma". Manchmal glaubt man aufwallende Wellen zu sehen, manchmal aufsteigenden Herdrauch, manchmal galoppierende Pferde, manchmal aber den geheimnisvollen Schleier einer Göttin. Wenn man lange Zeit den Qomolangma betrachtet, versinkt man in eine weltentsagende oder majestätische Stimmung, heißt es.

In den letzten Jahren ist der Qomolangma das populärste Ziel vieler Bergexpeditionen geworden. Die Temperaturen im Qomolangma-Gebiet sind wechselhaft. Normalerweise sind sie von Anfang März bis Ende Mai und von Anfang September bis Ende Oktober mild. Das ist daher die günstigste Saison für Reisen und Bergbesteigungen.

Das Rongbo-Kloster, am Auslauf des Rongbo-Gletschers gelegen, liegt 5600 m hoch. Es ist damit das am höchsten liegende Kloster der Welt. Von hier aus hat man in der Regel die beste Sicht auf den Qomolangma. Heute ist das Rongbo-Kloster das Basislager für die Bergsteiger, die den Qomolangma über den Nordhang ersteigen. Das Kloster hat auch ein Gästehaus, in dem Besucher und Bergsteiger übernachten können. Somit ist das Kloster auch das am höchsten liegende Hotel der Welt.

Der Kangrinboqe-Gipfel

Der Kangrinboqe-Gipfel ist der höchste Gipfel des Gandise-Gebirges. Er ist auch der berühmteste heilige Berg ganz Asiens. Er sieht wie eine Pyramide mit runder Bedeckung aus. Der Gipfel ist während des ganzen Jahres schneebedeckt. Er überragt mit seiner imposanten Erscheinung alle anderen Gipfel seiner Umgebung.

Der Kangrinboqe-Gipfel liegt auf 6656 m Höhe. Hier entspringen der Shiquan (der im Unterlauf Indus heißt), der Maquan (die Quelle des Yarlung Zangbo), der Xiangquan (im Unterlauf als Sutlej bezeichnet) und der Kongque (sein Unterlauf ist der Ganges).

Der Kangrinboqe-Gipfel gilt seit prähistorischen Zeiten als heilig. Bis heute wird er im tibetischen Buddhismus (Lamaismus), im Hinduismus, in der Bon-Religion und im Jainismus als heiliger Berg verehrt. All diese Religionen betrachten diesen Berg als Wohnstätte ihrer Götter. Das ist auch ein wichtiger Pilgerort für diese Religionen. Jedes Jahr kommen unzählige Pilger aus Indien, Nepal, Bhutan und Tibet hierher. Und im Pferdejahr nach dem tibetischen Kalender kommen noch mehr Pilger als in anderen Jahren. Denn der Überlieferung nach entstand dieser heilige Berg in einem Pferdejahr. Und wenn man da nur einmal um den Berg herumgeht, gilt dies als 13-fache Umrundung.

 


    Vorwort
1. Der außergewöhnliche Reichtum der Natur
     1.1 Geologie und Topographie
            1.1.1 Gebirgslandschaft
            1.1.2 Karstlandschaft
            1.1.3 Der "Lößwald"
            1.1.4 Gletscherlandschaft
     1.2 Flüsse und Seen
            1.2.1 Flußlandschaften
            1.2.2 Seenlandschaften
            1.2.3 Quellenlandschaften
            1.2.4 Wasserfälle in Tibet
     1.3 Wetter und Klima
     1.4 Fauna und Flora
            1.4.1 Die Flora in Tibet
            1.4.2 Die Fauna in Tibet
     1.5 Naturschutzgebiete
2. Das einzigartige Kulturgut
     2.1 Relikte der Urmenschen
     2.2 Alte Bauwerke in Tibet
            2.2.1 Die Paläste
            2.2.2 Mausoleen und Gräber
            2.2.3 Ruinen alter Bauwerke
            2.2.4 Alte Landgüter von Adligen
            2.2.5 Tempel und Klöster
     2.3 Gärten
            2.3.1 Norbulingka
            2.3.2 Zongjiao Lhokang (Teich des Drachenkönigs)
     2.4 Landschaftsgebiete
     2.5 Sitten und Gebräuche
            2.5.1 Bekleidung, Nahrung, Wohnung und Verkehr
            2.5.2 Höfliche Umgangsformen
            2.5.3 Die hauptsächlichen traditionellen Feste
     2.6 Sakrale und Volkskunst
            2.6.1 Die bildende Kunst
            2.6.2 Darbietungskunst
     2.7 Die traditionelle Wissenschaft und Technik sowie das traditionelle Kunstgewerbe
            2.7.1 Tibetischer Kalender
            2.7.2 Tibetische Medizin
            2.7.3 Bautechnik
            2.7.4 Kunstgewerbliche Metallware
            2.7.5 Kunstgewerbliche Textilwaren
     2.8 Religionen
     2.9 Museen
3. Reisegebiete, wichtige Tourismusstädte und -marktflecken
     3.1 Kurzinformationen zu den Tourismusgebieten
            3.1.1 Die Stadt Lhasa mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten
            3.1.2 Der Bezirk Xigaze mit den für Tibet typischen Landschaften
            3.1.3 Der Bezirk Shannan mit künstlich angelegten und naturlichen Sehenswürdigkeiten
            3.1.4 Der Bezirk Nyingchi mit den größten Urwäldern Chinas
            3.1.5 Der Bezirk Qamdo, ein reiches Gebiet in Osttibet
            3.1.6 Der "dem Himmel nahe" Bezirk Nagqu
            3.1.7 Der Bezirk Ngari, "die höchste Stelle auf dem Dach der Welt"
4. Reiseverkehr und wichtige Reiserouten
     4.1 Überblick über den Reiseverkehr
            4.1.1 Luftverkehr
            4.1.2 Straßenverkehr
            4.1.3 Eisenbahnverkehr
            4.1.4 Verkehr in den Marktflecken
     4.2 Wichtige Reiserouten
            4.2.1 Südtibetische Route
            4.2.2 Südwesttibetische Route
            4.2.3 Westtibetische Route
            4.2.4 Südosttibetische Route
            4.2.5 Nordtibetische Route