1. Die Ursprünge des Teetrinkens und der Keim der Teekultur
     1.1 Shen Nong probierte Kräuter, das war der Anfang
     1.2 Die Kulturkreise in der Han-Dynastie hatten eine Vorliebe für Tee
     1.3 Der luxuriöse Lebensstil und die Pflege einer schlichten Lebensführung mit Tee
     1.4 Die Metaphysiker und die Stitte des Teetrinkens in der alten Zeit
     1.5 Die "Unsterblichen" und der Tee
2. Die Entwicklung der chinesischen Teekultur
     2.1 Die Tang-Dynastie - die Zeit der Herausbildung der chinesischen Teekultur
     2.2 Der Tribut-Tee und Teewettbewerbe in der Song-Dynastie
     2.3 Die Entwicklung der Teekultur in der Yuan-, der Ming- und Qing-Dynastie
3. Die chinesische Teekunst
     3.1 Tee als Kunstobjekt
     3.2 Einiges über das Wasser
     3.3 Die Teegeräte
     3.4 Die Zubereitung des Tees und das richtige Genießen
4. Der Geist der chinesischen Teezeremonie
     4.1 Der Konfuzianismus und der Geist der chinesischen Teezeremonie
     4.2 Der Taoismus und die taoistische Teekultur
     4.3 Der Platz des Buddhismus in der Teekultur
5. Die Teehauskultur
     5.1 Die Sichuan-Kultur und die Teehäuser in Sichuan
     5.2 Die Wuyue-Kultur und die Teehäuser in Hangzhou
     5.3 Tee-Einrichtungen in Tianjin, Shanghai und Guandong
     5.4 Die Teehauskultur in Beijing
6. Tee, Kunst und Volksliteratur
     6.1 Repräsentative Bilder mit Tee als Motiv
     6.2 Die Kalligraphen und der Tee
     6.3 Geschichten über den Tee
7. Tee und Rituale
     7.1 Teerituale im Alltagsleben
     7.2 Heiratssitten und Teerituale
     7.3 Der Tee bei Bestattungs- und Opferritualen
8. Volkstümliche Teekunst
     8.1 Der alte Stil von Huzhou
     8.2 Der Gongfu-Tee in Chaozhou und Shantou
     8.3 Die Teekultur in Yunnan
9. Teebrauchtum der nationalen Minderheiten
     9.1 Teebrachtum in Yunnan, Guizhou und Sichuan
     9.2 Die tibetische Teekultur
     9.3 Der Milchtee in den Hochlandsteppen
     9.4 Der Beitrag der Mandschuren zur Teekultur
10. Die chinesiche Teekultur findet Zugang zur Welt
     10.1 Die Verbreitung des chinesischen Tees in Asien
     10.2 Die Verbreitung des chinesischen Tees nach Westen

Shen Nong probierte Kräuter, das war der Anfang

Dieses Buch versucht, die geistigen und kulturellen Phänomene des Tees näher zu bringen. Als erstes wollen wir uns mit der Entdeckung und Nutzung des Tees beschäftigen.

Die Entdeckung und Nutzung von Tee durch Chinesen reichen bis in die archaische Shennong-Zeit vor 5000 Jahren zurück. Die Chinesen bezeichnen sich als Nachkommen der Kaiser Yan und Huang. Historischen Forschungen zufolge dürfte Shen Nong der Stammesfürst Yan sein. Shen Nong galt als Schutzpatron des Ackerbaus. Er erfand, so heißt es, viele landwirtschaftliche Geräte und brachte den Menschen den Ackerbau bei. Und er gilt als Begründer der Kräuterheilkunde. Die chinesische Medizin gewinnt Arzneimittel hauptsächlich aus Pflanzen. Um die Menschen von Krankheiten zu befreien, benutzte schon Shen Nong wildwachsende Pflanzen als Heilmittel. Er probierte verschiedene Kräuter und testete an sich selbst ihre Heilwirkungen. Dabei soll er an einem einzigen Tag 72-mal Bekanntschaft mit giftigen Pflanzen gemacht haben. Zum Glück entdeckte er eine Pflanze, die entgiften konnte, und das war der Tee. Seitdem betrachten die Chinesen den Tee als ein wirksames Heilmittel, das die Natur den Menschen schenkt. Also wurde Tee ursprünglich als Heilmittel benutzt.

Anfang der Zhou-Dynastie (etwa 11. Jahrhundert bis 771 v. Chr.) gelangte der Tee als Heilmittel vom Volk zu den Königshäusern. Zu den Tributen, die Menschen aus der Gegend der heutigen Provinz Sichuan dem König Wu (etwa im 11. Jahrhundert v. Chr.) lieferten, gehörte auch Tee. Dem 3000 Jahre alten buch Zhou Li (Zhou-Ritualbuch) ist zu entnehmen, dass es am Königshof Zhou ein eigenes Amt für die Teezubereitung gab.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass einige Zeit Teeblätter gegessen wurden.

Fest steht, dass Tee als Getränk erst in der Han-Dynastie (206 v. Chr. Bis 220 n. Chr.) Anwendung fand. In der Han-Zeit war der Anbau der Teesträucher allgemein verbreitet. In der Grabanlage Mawangdui (errichtet im 2. Jahrhundert v. Chr.) in der Provinz Hunan befand sich unter Grabbeigaben auch eine Kiste Tee. Im Grab des Königs Han Wendi (reg. 179 - 156 v. Chr.) in Jiangling, Provinz Hubei, entdeckte man ebenfalls eine Kiste Tee. Dies beweist, dass der Tee damals eine sehr hohe Wertschätzung genoss.

So sehr der Tee einst als Heilmittel geschätzt wurde, sein Siegeszug durch China und dann ins Ausland vollzog sich erst, als Tee zum Getränk wurde.