* Einleitung
 

* Linien in der traditionellen Chinesischen Malerei

* Bilder als Aufzeichnungen der Realität im Altertum Chinas

* Lob auf die Schönheit der Frauen

* Widerspiegelung der Tierwelt

* Chinesische Landschaftsmalerei im Altertum

* "Die Flußufer-Szene vom Qingming-Fest"

Die Tuschmalerei

Die Struktur mit partiellem Fokus der chinesischen Landschaftsmalerei

Die Malerei mit dem Motiv von "Vier Gentlemen", die Blumen- und Vogelmalerei und ihre Bedeutungen

Die "Gelehrte-Malerei" im Aufsteigen

Antike Karikaturen

Die Malerkreise in Suzhou während der Ming-Dynastie

Neue Durchbrüche in der Blumen- und Vogelmalerei

Die Verzerrung des Stils der Chinesischen Malerei

Maler im Wandel der Zeiten

Ba Da Shan Ren

Die Einführung der Europäischen Malerei in China

Das Blühen der Malerei in Yangzhou

Shanghai - Zentrum für die Malerei in den letzten Jahren der Qing-Dynastie

Das Ende der Gelehrte Malerei

Hundert Blumen blühen

 

 

Einleitung

Die Chinesische Malerei entstand vor 5000 - 6000 Jahren, als Vorfahren der Chinesen mit mineralischen Farben menschliche und tierische Figuren auf Felsen und schöne Muster auf Keramiken zeichneten. Später gravierten sie auf Bronzewaren mysteriöse und komplizierte Muster und Figuren ein. Da diese Werke vor langer Zeit geschaffen wurden, sind sie heute schwer zu finden. Die wenigen Werke, die vorhanden sind, verschaffen uns einen Einblick in die Malerei in einer sehr frühen Periode. Diese Werke sind auf Seide gemalt und wurden aus antiken Gräbern freigelegt. Sie haben eine Geschichte von mehr als 2000 Jahren.

Die frühe Chinesische Malerei ließ sich nach den Motiven in mehrere Typen wie die Malerei mit menschlichen Figuren als Hauptmotiv, die Landschaftsmalerei und die Blumen- und Vogelmalerei unterteilen. Um das 17. Jahrhundert wurde die Europäische Malerei in China eingeführt. Um sie von der Chinesischen Malerei zu unterscheiden, wurde sie als "Xiyang Hua" (Malerei aus dem Westen) und die Chinesische Malerei als "Zhongguo Hua" bezeichnet. Deshalb wurde die Bezeichnung der Chinesischen Malerei anfangs als Gegenstück zur Europäischen Malerei benutzt.

Die Chinesische Malerei ist die Hauptströmung der orientalischen Malkunst. Sie bildet ein abgeschlossenes System auf dem Gebiet der bildenden Kunst der Welt. Sowohl im Inhalt als auch in der Form und der Darstellungsmethode unterscheidet sie sich stark von der europäischen Malerei. Lasst uns der Entwicklungsbahn der Chinesischen Malerei folgend den Ursprung, den Stil und die Besonderheiten dieser altehrwürdigen Kunst erforschen und repräsentative Maler und deren Werke kennen lernen.

 

Feinzeichnung in lebhaften Farben und freie Skizze in Tusche

Die meisten Leute glauben, dass die Chinesische Malerei nichts anderes als freie Skizze in Tusche wäre. Das ist in Wirklichkeit ein Missverständnis. Die Chinesische Malerei kann nach dem Stil und der Maltechnik in zwei Typen unterteilt werden:"Gong Bi Zhong Cai Hua" (Feinzeichnung in lebhaften Farben) und "Shui Mo Xie Yi Hua" (freie Skizze in Tusche) .
"Gong Bi Hua" (Feinzeichnung) zeichnet sich durch einen ordentlichen und sorgfältigen Stil aus. Der Maler benutzt regelmäßige und ausdrucksvolle Linien, um das Objekt zu umreißen, und achtet besonders darauf, die Details darzustellen. Dann trägt er prunkvolle und lebhafte Farben auf. Die Farben, die auf die Feinzeichnung verwendet wurden, sind meistens mit Mineralien hergestellt und können ihre ursprüngliche Farbe für eine lange Zeit beibehalten. Dank ihrer Farbenprächtigkeit hat die Feinzeichnung einen starken dekorativen Effekt. Deshalb wandten die meisten Hofmaler in der chinesischen Geschichte diese Maltechnik an, im den Prunk des Kaiserhauses zu beschreiben.

Das Gegenstück zur Feinzeichnung bildet freie Skizze, die auch als "Cu Bi Hua" (Zeichnung mit groben Pinselstrichen) bezeichnet wird. Sie zeichnet sich durch einen einfachen und schlichten Still aus. Mit möglichst einfachen Pinselstrichen legt der Maler des Hauptgewicht darauf, den Charme und das Aussehen eines Gegenstandes darzustellen, und achtet wenig auf Ähnlichkeit und Genauigkeit. Durch sein Werk versucht er, seine persönlichen Gefühle so viel wie möglich zum Ausdruck zu bringen, indem er von künstlerischer Vereinfachung und Übertreibung sowie reichen Gedankenverbindungen Gebrauch macht. Deshalb ist die Tuschmalerei durch Improvisation, Willkürlichkeit und unerwarteten Effekt charakterisiert. Aus diesem Grund ist sie schwer zu kopieren und zu erlernen. Die Tuschmalereien sind fast alle mit Tusche angefertigt und sehen einfach und elegant aus. Solche Werke nehmen einen großen Anteil an den chinesischen Gemälden der späteren Periode ein.

Die Entwicklungsgeschichte der Chinesischen Malerei zeigt, dass die Werke der frühen Periode (vor dem 12. Jahrhundert) alle Feinzeichnungen in lebhaften Farben waren, während die Werke der mittleren und späteren Periode meistens freie Skizzen in Tusche waren. Von der Qualifikation der Maler her gesehen, waren die Autoren der Feinzeichnungen in lebhaften Farben meistens professionelle Maler oder Kunsthandwerker, während die Autoren der freien Skizzen in Tusche meistens Maler mit literarischen Eigenschaften waren.

Natürlich gibt es zwischen den beiden Schulen einen großen Spielraum, in dem manche Maler einen Stil entwickelten, der halb der Feinzeichnung und halb der Grobzeichnung ähnelt.  

Eine perfekte Verbindung von Poesie, Kalligraphie, Malerei und Siegelschnitzerei

Die traditionelle Chinesische Malerei kann nicht frei von Gedichten, Widmungen und Stempeln sein. Sie ist eine künstlerische Verbindung von Poesie, Kalligraphie, Malerei und Siegelschnitzerei.

Die chinesischen Charaktere in ihrer frühen Form sehen dem, was sie bedeuten, ähnlich aus. Einfache Linien wurden benutzt, um einzelne Ideogramme zu formen. Das ist der Zeichnung mit Linien ähnlich. Diese Besonderheit der chinesischen Schrift plus der Tatsache, dass das Schreiben der chinesischen Charaktere von ausgeprägter künstlerischer Kreativität ist, schaffen eine natürliche Verbindung von Kalligraphie und Malerei. Daher sagt man, dass die Kalligraphie und die Malerei denselben Ursprung haben. Während der Zeichnung eines Bildes wenden chinesische Maler, besonders Maler mit literarischen Eigenschaften, spontan die Kalligraphietechnik an. Sie drücken ihre Gefühle oft in Form von Gedichten, die sie direkt ins Bild, das sie schaffen, schreiben, aus und drücken nach der Gewohnheit der chinesischen Literaten einen roten Stempel mit ihrem Namen auf den unteren Teil des Bildes. Die Stärke der Ausdruckskraft der Linien und der kalligraphische Reiz der Pinselstriche sind ein wichtiges Kriterium für die Bewertung der chinesischen Malereien.

Die umfassende künstlerische Qualifikation der Maler ist sehr wichtig für das Schaffen chinesischer Malereien. Schon vor dem Beginn des Malens überlegt sich der Maler normalerweise darüber, welche Verse er schreiben, welche Schriftart er benutzen und in welcher Stelle des Bildes er seinen persönlichen Stempel drücken soll. Die Verse spielen eine ergänzende und balancierende Rolle für die künstlerische Konzeption und die Komposition des Bildes. Und die rote Farbe des Stempels bildet einen Kontrast zur schwarzen und weißen Farbe des Bildes. Die Integration von Versen, Kalligraphie, Bild und Stempel in einem einzelnen Kunstwerk ist eine sehr wichtige Besonderheit der Chinesischen Malerei.

Was die Komposition betrifft, besteht der markante Unterschied zwischen der Chinesischen Malerei und der Europäischen Malerei darin, dass chinesische Maler pflegen, leere Räume in ihren Bildern freizulassen. Diese leeren Räume sind keine Lücken. Sie können Berge umhüllender Dunst, Morgennebel über einem Fluss, der Sonnen- oder Mondschein oder nichts Erkennbares sein. Manche Leute meinen, dass der "Entwurf von leeren Räumen" von besonderer Wichtigkeit für die Chinesische Malerei sei. Chinesische Malerei legen Wert auf, den poetischen Geschmack der Bilder zum Ausdruck zu bringen. Die leeren Räume übermitteln wahrscheinlich einen unbestimmten, verschwommenen poetischen Geschmack, der den Betrachtern Spielraum für Vorstellung lässt. Su Shi (1036 - 1101), ein berühmter chinesischer Maler und Dichter im 11. Jahrhundert, trat dafür ein, dass die Gedichte bildhaft und die Bilder poetisch sein sollten. Das ist ei Ziel, das die chinesischen Maler der späteren Generationen unermüdlich anstrebten.

 

Die Koexistenz der Figurenmalerei, der Landschaftsmalerei und der Blumen- und Vogelmalerei

Die Figurenmalerei, die Landschaftsmalerei und die Blumen- und Vogelmalerei sind die drei größten Arten der Chinesischen Malerei. Menschliche Figuren, Landschaft, Blumen und Vögel sind die häufigsten Motive der chinesischen Malereien. Sie entsprechen ungefähr den menschlichen Figuren, der Landschaft und dem Stillleben in der Europäischen Malerei.

Von allen Arten der Chinesischen Malerei kam die Malerei mit menschlichen Figuren als Hauptmotiv, nämlich die Figurenmalerei, am frühesten vor. Dies wurde durch archäologische Entdeckungen bestätigt. Vorfahren der Chinesen in der Urgesellschaft malten mit Kreide, roter Tonerde und Kohlenstoff auf Felswänden menschen- und tierförmige Muster. Man kann sagen, dass das der Beginn der Figurenmalerei war. Während der Periode der Wei- , der Jin- und der Südlichen und Nördlichen Dynastien vor etwa 1500 Jahren reifte die Figurenmalerei allmählich heran. Gu Kaizhi (384 - 409), ein Kunsttheoretiker in dieser Periode, befürwortete die "Darstellung des Geistes durch die Form" und die "Verbindung von Geist und Form" für die Figurenmalerei. Er war der Ansicht, dass die Maler nicht nur das Aussehen der menschlichen Figuren richtig porträtieren, sondern auch darauf achten sollten, ihren Geist und ihre Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen. Seitdem folgten fast alle Künstler und Kunstkritiker beim Schaffen und Beurteilen von Kunstwerken dieser Theorie.

Die Malerei mit der natürlichen Landschaft als Hauptmotiv heißt "Landschaftsmalerei". Sie ist die wichtigste und einflussreichste Art der Chinesischen Malerei. Sie entstand viel später als die Figurenmalerei. Etwa in der Tang-Dynastie (618 - 907) wurde die allmählich reif. Später erlebte sie ihre Blütezeit, in der eine große Anzahl von hervorragenden Malern hervortrat und viele ausgezeichnete Kunstwerk geschaffen wurden. Das Gedeihen der Landschaftsmalerei hat seine Ursache in der traditionellen chinesischen Kultur. Chinesische Philosophen im Altertum befürworteten die "Harmonie zwischen Natur und Mensch" und meinten, dass der Mensch eng mit dem Himmel, der Erde und allen Dingen verbunden sei und dass der Mensch dank seiner Veranlagung die Natur verstehen könne. Selbst wenn man als Geschäftsmann oder als Beamter fungiere, sehne man sich nach Bergen, Flüssen und Wäldern. Sich der Natur zu nähern und sich in die Natur einzugliedern, ist der größte Wunsch der chinesischen Gelehrten, einschließlich Malern. Durch die Schilderung der natürlichen Landschaft bringen die Maler ihre Gefühle und Bestrebungen zum Ausdruck, gleichzeitig geben die den Betrachten ihrer Werke viele Gedankenverbindungen und Anregungen. Die Geschichte der antiken Chinesischen Malerei zeigt, dass sich die meisten chinesischen Maler mit der Landschaftsmalerei beschäftigten.

Eine weitere Art der Chinesischen Malerei ist die Malerei mit Blumen, Bambus, Felsen, Vögeln, Tieren, Fischen und Insekten als Hauptmotiv. Am häufigsten ist die Blumen- und Vogelmalerei. Sie entstand früher als die Landschaftsmalerei. Anfangs wurde die auf die Muster, die kunsthandwerkliche Produkte dekorieren, verwendet.

In der Tang-Dynastie wurde sie zu einer unabhängigen Art der Chinesischen Malerei. Chinesische Gelehrte im Altertum liebten Winterblumen, Orchideen, Bambus und Chrysanthemen, weil die meinten, dass die elegant und erhaben seien und die charakteristischen Eigenschaften der gelehrten repräsentieren. Deshalb sind Winterblumen, Orchideen, Bambus und Chrysanthemen die häufigsten Motive der Blumen- und Vogelmalerei.

 

Einzigartige Werkzeuge und Materialien und Formen des Aufklebens

Auch hinsichtlich der Werkzeuge und Materialien, die die Maler benutzen, unterscheidet dich die Chinesische Malerei von der Europäischen Malerei. Die Werkzeuge der chinesischen Maler sind Papier, Pinsel, Tusche und Tuschstein, die als die "vier Schätze der Studierstube" bekannt sind. Die sind auch die häufig benutzten Werkzeuge der chinesischen Gelehrten.

Chinesische Maler malen nie auf der Leinwand. Anfangs malten sie auf dem Seidenstoff, weil der Seidenstoff eine schwache Wasserdurchlässigkeit hat. In der Regel sind die Bilder, die auf dem Seidenstoff gemalt wurden, mit feinen Linien und lebhaften Farben angefertigt. Zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert wurde ein spezielles Papier, das "Xuanzhi" (Xuan-Papier) heißt, in Xuancheng, Provinz Anhui, produziert. Es wurde zu einem idealen Material für Landschaftsmaler. Dieses Papier, das aus Baumrinden und Reisstroh hergestellt wird, ist weiß. Mottenfest und für lange Aufbewahrungen geeignet. Da es eine starke Wasserdurchlässigkeit hat, können die Maler durch leichte oder schwere Pinselführung viele Schattierungen vom Weißen bis zum schwarzen schaffen, um die Veränderungen der Natur darzustellen.

Chinesische Maler verlassen sich beim Malen nicht auf Farbe, Perspektive und Proportion. Sie benutzen hauptsächlich Linien und Punkte, um die Beschaffenheit des Objekts, dessen dynamischen oder statischen Zustand und die Räumlichkeit darzustellen. Das ist eine grundlegende Besonderheit der Chinesischen Malerei in der Ausdruckstechnik. In den Augen der chinesischen Maler sind die Linien am wichtigsten, die Anwendung der Farben muss den Linien untergeordnet sein. In den chinesischen Malereien sind die Linien abwechslungsreich. Zum Beispiel gibt es 18 Methoden für das Zeichnen der Linien, die die Falten der Kleidung der Figuren darstellen. Beim Malen legen die Maler großen Wert auf das Tempo, den Rhythmus und die Präzision des Ziehens von Linien. Diese Linien werden mit dem Pinsel, einem traditionellen Schreibgerät, gezeichnet.

Der chinesische Pinsel besteht aus einem Bambus- oder Holzhalter und einer Spitze aus tierischem Haar. Da die Pinselspitze weich und elastisch ist, kann man mit ihr dicke oder dünne, helle oder dunkle, kräftige oder feine, flüssige oder punktierte Linien zeichnen, um die verschiedenen Erscheinungen des Objekts darzustellen. Man benutzt oft den Ausdruck "magische Pinselführung", um ein gutes Gemälde zu loben. Das passt am besten, wenn das Gemälde auf Xuan-Papier gemalt ist. Die Linien scheinen unregelmäßig zu sein, und die Vermischung von Wasser und Tusche kann einen unerwarteten Effekt erzielen. Aber sie spiegeln die künstlerischen Fertigkeiten, die Gefühle und die Persönlichkeit des Malers wider. Der Maler demonstriert eben durch die Handhabung des Pinsels und des Xuan-Papiers seine künstlerischen Fertigkeiten und seine Persönlichkeit und lässt seinen Gefühlen freien Lauf.

Darüber hinaus sind die Formen des Aufklebens in China und die in Europa verschieden. Das der Seidenstoff und das Papier, die für chinesische Malereien verwendet werden, leicht zerbrechlich und sehr dünn sind, muss ein fertiges Bild von einem Aufkleber bearbeitet werden. Papier oder Seidenstoff wird auf die Ränder und den Rücken des Bildes aufgezogen, um es zu schützen. Es gibt hauptsächlich drei Formen des Aufklebens für chinesische Bilder: Rollbild, Bildrolle und Bildband. Die Rollbilder sind vertikale Bilder, die normalerweise an der Wand für Bewunderung hängen. Manchmal hängen mehrere große Rollbilder nebeneinander an einer spanischen Wand. Die Bildrollen sind horizontale, lange Bilder, die gewöhnlich eingerollt werden, um aufbewahrt zu werden. Wenn man sie bewundern will, rollt man sie mit der Hand langsam auf. Der Bildband ist eine Sammlung von kleinen, einzelnen Bildern. Er ist so aufgezogen, dass man ihn leicht durchblättern kann. Die von hervorragenden Aufklebern aufgezogenen Bilder können tausend Jahre lang nicht kaputtgehen, wenn sie gut aufbewahrt werden. Wenn sie von Motten zerfressen oder moderig geworden sind, können sie aufs neue aufgeklebt werden, um ihr Leben zu verlängern.