1. Ursprung der Großen Mauer
     1.1 Erbaut als Verteidigungs-
            Anlage

     1.2 Bau und Befestigung der
            Großen Mauer dauerten
            mehr als 2000 Jahre

     1.3 Allmählich verlor die
           Große Mauer ihre
           Funktion

2. Drei 5000 Kilometer lange
     Mauerwerke

     2.1 Die Große Mauer der
            Qin-Dynastie

     2.2 Die Große Mauer der
           Han-Dynastie

     2.3 Die 6000 Kilometer
            lange Mauer der
            Ming-Dynastie

3. Die Struktur der Großen
    Mauer

     3.1 Mauerwand
     3.2 Paßfestungen - Durch-
            gänge der Großen Mauer

     3.3 Die Burgen
     3.4 Die Alarmfeuertürme
4. Besondere Sehenswürdig-
     keiten und historische
     Funde

     4.1 Wandmalereien in einem
            Grab der Han-Dynastie

     4.2 Die Wolkenterrasse
           (Yuntai) mit eingravierten
            buddhistischen
            Lehrsätzen
            in sechs Sprachen

     4.3 Die Tafel am Torturm von
            Shanhaiguan

     4.4 Ziegel mit Schriftzeichen
     4.5 Grenzstein und
            Gedenktafel

     4.6 Passierscheine für die
            Große Mauer

     4.7 Schrifttäfelchen aus der
            Han-Dynastie

     4.8 Kanonen und andere
            Waffen

5. Volkssagen über die
     Große Mauer

     5.1 König You narrt die
            Fürsten mit
            trügerischem Alarm

     5.2 Meng Jiangnü sucht
            ihren Mann und klagt
            an der Großen Mauer

     5.3 Der Kaiser ist keine
            Ausnahme

     5.4 Der Witwenturm auf der
            Großen Mauer am Paß
            Huangyaguan

     5.5 Der Ziegel auf dem Paß
            Jiayuguan

     5.6 Der treuen Schwalbe
            Klageton am Paß
            Jiayuguan

     5.7 Die Kanonen des
            Generals

     5.8 Eiserne Kessel auf dem
            Meeresgrund und eine
            chinesische Tabakpfeife

     5.9 Ye Wang und seine
            Eismauer

     5.10 Die Schlacht am Paß
              Shanhaiguan und das
              Ende der Ming-Dynastie

     5.11 Die Eroberung der
              Festung Juyongguan
              durch Dschingis Khan


Die Schlacht am Pass Shanhaiguan und das Ende der Ming-Dynastie

Anfang des Jahres 1644 rückte die von Li Zicheng geführte Bauernarmee auf Beijing vor, die Hauptstadt der Ming-Dynastie konnte jederzeit fallen. Chongzhen, der letzte Kaiser der Ming-Dynastie, beorderte eilig Wu Sangui, der mit sei­nen Truppen in West-Liaoning stationiert war, nach Beijing zur Verteidigung der Hauptstadt. Als Wu Sangui noch unterwegs war, wurde Beijing am 19. März von der aufständischen Armee eingenommen. Kaiser Chongzhen erhängte sich am Fuß des "Kohlenhügels" hinter dem Kaiserpalast, und Wu zog sich mit seinen Soldaten zurück, um den Paß Shanhaiguan zu schützen, denn dort standen bereits die mandschurischen Qing-Truppen.

Der Shanhaiguan war eine strategisch wichtige Stelle, weil sich hier der Verkehr zwischen Beijing und Nordostchina kontrollieren ließ. Das Gebiet innerhalb des Passes war in jenen Tagen von der Armee des Bauernaufstands beherrscht, das Gebiet außerhalb des Passes hielten die Qing-Truppen besetzt. Wenn die Qing-Truppen weiter nach Süden vorstoßen wollten, mussten sie zuerst den Shanhaiguan erobern, und wenn die Bauernarmee ihren Siegeszug nach Nordostchina fortsetzen wollte, ging das gleichfalls nur über den Shanhaiguan. So waren der Pass und sein Garnisonskommandant Wu Sangui in dieser Aus­einandersetzung Objekte, um die beide Seiten miteinander rangen.

Um Wu Sangui für sich zu gewinnen, veranlasste Li Zicheng dessen Vater Wu Xiang, der einen höheren Offi­ziersrang (Tidu) in Beijing bekleidete, seinem Sohn in einem Brief die Kapitulation nahezulegen. Wu Sangui war dazu auch bereit und machte sich mit seinen Truppen auf den Weg nach Beijing, um sich dem neuen Herrscher zu unterwerfen. Unterwegs erfuhr er jedoch, dass seine Nebenfrau Chen Yuanyuan von einem Offizier der Bauernarmee in Besitz genommen worden war. Wütend kehrte er wieder zum Paß Shanhaiguan zurück und war entschlossen, sich den Qing-Truppen zu ergeben und gemeinsam mit ihnen Widerstand gegen Li Zicheng zu leisten.

Die Lage spitzte sich zu, als Li Zicheng am 13. April mit   seinen   Truppen   am   Shanhaiguan   eintraf,   um   den Kommandanten   zur   Aufgabe   zu   zwingen.   Wu   Sangui ließ  daraufhin   dem   Prinzregenten   der   Qing,   Duoergun (1612-1651),  ein  Schreiben   überbringen,   in   dem  er  um Beistand bat. Am 21. April griffen die Truppen Li Zichengs von Osten, Westen und Norden den Shanhaiguan an. Die Lage wurde kritisch, als am Nachmittag die Verteidiger der Nordflanke des  Passes  kapitulierten.   Wu  Sangui  schickte einen Boten zu der nahegelegenen Festung Weiyuan, wo die Qing-Truppen lagen,  und ließ ein gemeinsames Vorgehen aushandeln. So wurde der Pass Shanhaiguan von der Qing-Armee besetzt.

Am 22. April kam es bei Shihe in der Nähe des Passes zu einem heftigen Kampf zwischen den Truppen Wu Sanguis und den von Duoergun geführten Qing-Einheiten auf der einen Seite und der Bauernarmee auf der anderen. Zunächst griff Wu Sangui den Gegner an. Beide Seiten erlitten starke Verluste. Am Mittag brach unerwartet ein Sandsturm los. Er kam aus Richtung Nordosten, und damit wendete sich das Blatt, denn die Bauerntruppen mussten in Richtung des Sturms kämpfen. Duoergun nutzte diese Chance und startete sofort eine Offensive, die Bauerntrup­pen wurden vernichtend geschlagen. Li Zicheng trat den Rückzug an und eilte nach Beijing. Wegen der Niederlage musste er sich mit seinen Truppen aus Beijing zurückzie­hen.

Im September 1644 zog der erste Qing-Kaiser, Shunzhi, aus dem heutigen Shenyang kommend, in Beijing ein. Die Ming-Dynastie hatte ihr Ende gefunden, es begann die letzte feudalistische Herrschaft Chinas - die Qing-Dynastie.