1. Ursprung der Großen Mauer
     1.1 Erbaut als Verteidigungs-
            Anlage

     1.2 Bau und Befestigung der
            Großen Mauer dauerten
            mehr als 2000 Jahre

     1.3 Allmählich verlor die
           Große Mauer ihre
           Funktion

2. Drei 5000 Kilometer lange
     Mauerwerke

     2.1 Die Große Mauer der
            Qin-Dynastie

     2.2 Die Große Mauer der
           Han-Dynastie

     2.3 Die 6000 Kilometer
            lange Mauer der
            Ming-Dynastie

3. Die Struktur der Großen
    Mauer

     3.1 Mauerwand
     3.2 Paßfestungen - Durch-
            gänge der Großen Mauer

     3.3 Die Burgen
     3.4 Die Alarmfeuertürme
4. Besondere Sehenswürdig-
     keiten und historische
     Funde

     4.1 Wandmalereien in einem
            Grab der Han-Dynastie

     4.2 Die Wolkenterrasse
           (Yuntai) mit eingravierten
            buddhistischen
            Lehrsätzen
            in sechs Sprachen

     4.3 Die Tafel am Torturm von
            Shanhaiguan

     4.4 Ziegel mit Schriftzeichen
     4.5 Grenzstein und
            Gedenktafel

     4.6 Passierscheine für die
            Große Mauer

     4.7 Schrifttäfelchen aus der
            Han-Dynastie

     4.8 Kanonen und andere
            Waffen

5. Volkssagen über die
     Große Mauer

     5.1 König You narrt die
            Fürsten mit
            trügerischem Alarm

     5.2 Meng Jiangnü sucht
            ihren Mann und klagt
            an der Großen Mauer

     5.3 Der Kaiser ist keine
            Ausnahme

     5.4 Der Witwenturm auf der
            Großen Mauer am Paß
            Huangyaguan

     5.5 Der Ziegel auf dem Paß
            Jiayuguan

     5.6 Der treuen Schwalbe
            Klageton am Paß
            Jiayuguan

     5.7 Die Kanonen des
            Generals

     5.8 Eiserne Kessel auf dem
            Meeresgrund und eine
            chinesische Tabakpfeife

     5.9 Ye Wang und seine
            Eismauer

     5.10 Die Schlacht am Paß
              Shanhaiguan und das
              Ende der Ming-Dynastie

     5.11 Die Eroberung der
              Festung Juyongguan
              durch Dschingis Khan


Passfestungen - Durchgänge der Großen Mauer

Die Große Mauer sollte ein unüberwindliches Bollwerk sein. Doch die Menschen, die innerhalb der Großen Mauer lebten, mussten manchmal nach außen, und umgekehrt mussten Leute von außerhalb nach innen kommen. Dafür wurden entlang der Mauer kleine und große Durchgänge angelegt. Solche Durchgänge, von denen viele zu stattlichen Passfestungen ausgebaut waren, gab es Tausende. Die wichtigsten waren die Passfestungen Juyongguan, Gubeikou und Xifengkou bei Beijing, Huangyaguan im Kreis Jixian bei Tianjin, Shanhaiguan, Songtingguan, Zijingguan und Daomaguan in der Provinz Hebei, Niangziguan, Yanmenguan, Ningwuguan und Piantouguan in der Provinz Shanxi, Shilanji in der Inneren Mongolei, Jiayuguan in der Provinz Gansu sowie Jiumenkou in der Provinz Liaoning.

Die Passfestungen, wichtige militärische Bastionen, befanden sich hauptsächlich zwischen hohen Bergen, an Stellen zwischen Berg und Fluss bzw.. Berg und Meer, an Flussbiegungen und in der Ebene an Stellen, die unbedingt passiert werden mussten. Je nach Topographie und strategischer Lage wurden die Passfestungen in unterschiedlicher Form gebaut: quadratisch, rechteckig, trapezförmig oder vieleckig. War der Durchgang zu eng, baute man anstelle von Passfestungen einfach zwei oder drei miteinander verbundene Wachtürme. Die Passfestung Mitianyu im Kreis Huairou bei Beijing ist dafür ein Beispiel.

Die Festungsstadt Shanhaiguan

Der Pass Shanhaiguan befindet sich im Nordosten der Provinz Hebei zwischen dem Yanshan-Gebirge im Norden und dem Bohai-Meer im Süden. Das Gebirge ist nur einige Kilometer vom Meer entfernt. Von alters her war dieser Pass ein wichtiger Durchgang von Nordchina nach Nordostchina.

Schon im 6. Jahrhundert wurden hier erste Mauerabschnitte angelegt, doch erst im Jahr 1381 baute der berühmte General Xu Da hier eine Festungsstadt. Da diese Stelle strategisch sehr wichtig war, wurde die Festungsstadt Shanhaiguan mit besonders vielen Verteidigungsringen versehen.

Die Große Mauer erstreckte sich vom Bohai-Meerbusen vier Kilometer nordwärts und erreichte dort die Festungsstadt Shanhaiguan. Dann schlängelte sie sich drei Kilometer nordwestwärts bis zum Fuß des Yanshan-Gebirges. Damit schnitt sie den Weg von Norden nach Süden zwischen Gebirge und Meer ab.

Da sich die Passfestung Shanhaiguan in der Mitte dieser Mauerstrecke befand, war sie das Verteidigungszentrum dieses Gebiets und wurde dementsprechend massiv ausgebaut. Die Festungsstadt wurde mit dem Nordwassertor (Beishuiguan), dem Südwassertor (Nanshuiguan) und dem Wegtor (Hanmenguan) versehen. Rings herum gab es weitere Festungen wie Nanhaikou, Jiaoshanguan, Sandaoguan und Sieryuguan angelegt. So bildete hier die Mauer mit den verschiedenen militärischen Anlagen und Festungen ein komplettes Verteidigungssystem. Die Festungsstadt war von einer starken Mauer mit vier Stadttoren und imposanten Tortürmen umgeben. Rings um die Stadtmauer verlief ein Wassergraben. Außerhalb der Stadttore im Westen und Osten hatte man je ein Vorwerk angelegt, und im Norden und Süden der Festung befanden sich die Unterkünfte der Garnisonstruppen. Ein Kilometer außerhalb des Osttors der Festung gab es noch eine als Vorposten dienende kleine Festung namens Weiyuan, in der Elitetruppen stationiert waren.

Innerhalb der Stadt gab es vier Straßen, die zu den vier Stadttoren führten. Die Stadtmauer war etwa 14 Meter hoch und 7 Meter dick und hatte einen Umfang von 4000 Metern. Sie war mit Ziegelsteinen verkleidet und innen mit Lösserde aufgefüllt. An der Innenseite der Stadtmauer gab es mit Ziegeln gepflasterte Pferdewege, die bis nach oben auf die Stadtmauer führten. Außerhalb der Stadtmauer war ein 14 Meter breiter und 7 Meter tiefer Wassergraben angelegt. Auf der Mauer selbst standen Wachtürme, und jedes Stadttor krönte ein Torturm. Der Osttorturm ist bis heute erhalten.

Durch das Osttor der Festungsstadt Shanhaiguan führte der wichtigste Zugang nach Nordostchina, und so wurde das Osttor mit besonders vielen Verteidigungsanlagen versehen. Die Große Mauer erstreckte sich von beiden Enden der Oststadtmauer nordwärts und südwärts.

Der Turm über dem Osttor mit zweistufigem Fußwalmdach hat eine Höhe von 13,7 Metern. An der Nord-, Süd- und Ostseite befinden sich insgesamt 68 Schießscharten für Bogenschützen. Oben auf dem Bauwerk befindet sich eine weiße Holztafel mit der Inschrift "Erster Pass unter dem Himmel“.

Außerhalb des Osttors wurde ein 14 Meter hohes Vorwerk mit einer Länge von etwa 300 Metern angelegt. Über den Wassergraben außerhalb des Vorwerks führte früher eine Zugbrücke. Heute befindet sich an dieser Stelle eine feste Brücke. Außerhalb des Wassergrabens gibt es noch eine Mauer mit einer Länge von 1975 Metern, die östliche Außenmauer. Auf ihrem Osttor befindet sich noch die ursprüngliche Steintafel aus der Ming-Zeit mit den Schriftzeichen "Shanhaiguan“.

Von der etwa einen Kilometer vom Osttor der Festungsstadt Shanhaiguan erbauten Festung Weiyuan gibt es heute nur noch einige Ruinen. Sie hatte einen Umfang von 614 Metern. Um bis zur eigentlichen Festungsstadt Shanhaiguan vorzudringen, musste man also erst diese mit Elitetruppen besetzte Festung überwinden, sodann die Außenmauer, dann die Zugbrücke, dann das Vorwerk und schließlich das Oststadttor.

Einen Kilometer nördlich der Festungsstadt Shanhaiguan lag der Nordstadtflügel mit einem Umfang von etwa 1200 Metern, während der etwas größere Südstadtflügel sich zwei Kilometer südlich der Festungsstadt befand. In diesen beiden Stadtflügeln waren Truppen stationiert. Heute sind hier nur noch Ruinen zu sehen.

Die Mauer im Meer und der Pass Nanhaikou

Der Pass Nanhaikou befindet sich unweit der Stelle, wo die Mauer bis ans Meer stößt. Als der Ming-General Qi Jiguang im Jahr 1569 die Große Mauer bis ans Meer angelegt hatte, ließ er eine Festung im Meer bauen, um zu verhindern, dass mongolische Reiter bei Ebbe oder im Winter übers Eis die Große Mauer erstürmen. Die Festung war mit der Großen Mauer am Ufer verbunden und erstreckte sich 20 Meter ins Meer. Sie war von einem Turm gekrönt, dem Chenghailou (Turm des klaren Meeres). Im Jahr 1900 wurde der Turm von den Alliierten Interventionstruppen zerstört. Im Jahr 1986 wurde er originalgetreu wiederaufgebaut.

Nordwestlich der Festungsstadt Shanhaiguan liegt der Pass Jiaoshanguan, und der Pass Sandaoguan ist 7,5 Kilometer nordöstlich von ihr entfernt. Zwischen beiden Pässen und Shanhaiguan gab es einst zahlreiche Alarmfeuertürme, von denen noch Reste zu sehen sind. Sobald Feinde auftauchten, wurden die Nachrichten darüber blitzschnell weitergegeben, um die Sicherheit der Festungsstadt Shanhaiguan zu gewährleisten.

Die Festung Huangyaguan

Von den Festungsstädten entlang der Großen Mauer ist die Festungsstadt Huangyaguan wegen ihrer bewusst irreführenden Anordnung besonders erwähnenswert.

Der Pass Huangyaguan befindet sich 35 Kilometer nörd­lich der Kreisstadt Jixian, etwa 120 Kilometer von Beijing entfernt, wo zwei Gebirge eine tiefe Schlucht bilden. Da bei Sonnenuntergang die östliche Felsenwand in goldenem Glanz erstrahlt, bekam der Paß den Namen Huangyaguan (Goldener Felsen-Pass). Die Huangyaguan-Mauer wurde ursprüng­lich während der Nördlichen Qi-Zeit gebaut, doch die Fe­stungsstadt Huangyaguan entstand erst im 15. Jahrhundert. Im Laufe der Zeit verfiel die Festungsstadt, und auch die Große Mauer wurde schwer beschädigt. Die heutige Festung und die Mauerstrecke wurde im Jahr 1985 wiederhergestellt.

Die Festungsstadt Huangyaguan war von einer Mauer umgeben und umfasste eine Fläche von 40 000 Quadratmetern. Im Osten, Süden, Westen und Norden wurde je ein Turm auf der Mauer gebaut. Die Stadt mit der Kommandan­tur als Zentrum war nach dem System der acht Trigramme - Himmel, Wasser, Gebirge, Donner, Wind, Feuer, Erde und Moor - gebaut. Über 40 Straßen und Gassen verbanden sich in T-Form oder Winkel-Form miteinander. Sie bildeten ein Labyrinth, und wer das Wegesystem nicht kannte, verlief sich darin und konnte den Ausgang nicht mehr finden, zumal es in der ganzen Festungsstadt nur einen einzigen Ausgang gab. Es war schwer, in die Festung einzudringen, aber noch schwerer, sie zu verlassen.

Die Große Mauer zu beiden Seiten der Festungsstadt Huangyaguan war besonders imposant, und es ist sehr zu empfehlen, die hier rekonstruierte Mauer mit ihren Wach­türmen und Alarmfeuertürmen zu besichtigen. Man sieht eine Mauerstrecke aus Ziegelsteinen, in die Mauer einbezo­gene Felswände und einen Mauerabschnitt aus Bruchsteinen, der bereits vor 1400 Jahren gebaut wurde. Ferner kann man zahlreiche Wachtürme sehen, darunter eckige und runde, innen  hohle und  innen  massive.  Manche wurden an der Mauer und manche auf der Mauer errichtet. Ein runder, aus Stein gebauter Alarmfeuerturm auf einem Berggipfel stammt noch aus der Zeit der Nördlichen Qi (550-577).

Im Huangyaguan-Museum sind historische Dokumente und Funde von diesem Abschnitt der Großen Mauer ausge­stellt. Man kann hier außerdem einen Stelenwald besuchen. Deng Xiaoping und viele andere Persönlichkeiten haben dort auf Steintafeln Widmungen geschrieben. Ein weiterer Stelen­wald enthält die Widmungen von Xu Xiangqian und 107 anderen Generälen der Volksrepublik China.

Die Festtungsstadt Gubeikou

Der Paß Gubeikou liegt im Kreis Miyun im Yanshan-Gebirge, etwa 135 Kilometer von Beijing entfernt. Wie die Pässe Shanhaiguan und Juyongguan, so war auch der Paß Gubeikou ein wichtiger Zugang von Beijing zur mongolischen Steppe und nach Nordostchina. Im Jahr 1214 errichtete die Jin-Dynastie hier eine Festung namens Eisernes Tor, und nach der Gründung der Ming-Dynastie wurde die Festung zu einer Festungsstadt ausgebaut und unter starken militärischen Schutz gestellt.

Bereits Mitte des 6. Jahrhunderts zur Nördlichen Qi-Zeit wurde vom Pass Juyongguan über den Paß Gubeikou bis zum Pass Shanhaiguan eine Mauer gebaut. Der erste Ming-Kaiser Zhu Yuanzhang ließ dann General Xu Da u.a. bei den Pässen Juyongguan, Gubeikou und Xifengkou Festungsstädte anlegen bzw. die Mauerstrecken befestigen. Die Festungsstadt Gubeikou wurde 1378 erbaut. Sie befand sich am Ostufer des Flusses Chao und hatte einen Umfang von etwa 2500 Metern. Die Höhe der Stadtmauer war unterschiedlich; an tief­gelegenen Stellen war sie bis zu 10 Meter hoch. Der Fluss Chao westlich der Festungsstadt sowie die massiven Mauern und zahlreiche Wachtürme und Alarmfeuertürme machten die Festungsstadt Gubeikou uneinnehmbar. Heute sind davon nur noch etliche Ruinen vorhanden.

Der Paß Gubeikou war strategisch so wichtig wie die Pässe Juyongguan und Shanhaiguan. Im Gegensatz zu diesen beiden Engpässen liegt der Paß Gubeikou jedoch in einer weit geöffneten Ebene, die durch Verwerfungen der Gebirgs­kette Yanshan und durch Anschwemmungen des Flusses Chao entstand. Um den Paß dennoch für Feinde unpassierbar zu machen, ließ der Ming-General Qi Jiguang hier die Große Mauer besonders fest bauen und streng bewachen. Dasselbe galt für die Jinshanling-Mauer und die Simatai-Mauer, die beide unter der Verwaltung Gubeikou standen. Diese Ab­schnitte zählen zu den großartigsten Strecken der Großen Mauer.

Die jinshanling-Mauer

Die Jinshanling-Mauer befindet sich im Kreis Luanping in der Provinz Hebei, etwa zehn Kilometer vom Paß Gubeikou entfernt. Sie wurde unter Leitung des Generals Qi Jiguang von Soldaten und Bauern errichtet. Wie die Mauer bei Badaling, so schlängelt auch sie sich über Berge, was einen großartigen Anblick bietet.

Die Jinshanling-Mauer weist einige Besonderheiten auf, zum Beispiel Sperrwände an steilen Stellen, die man anderswo selten findet. Sie stehen quer, sind etwa 2,5 Meter hoch und riegeln die Mauer oben zu etwa 2/3 ab. Die Sperrwände boten den Wachsoldaten den Schutz vor seit­lichem Angriff.

Die Wachtürme sind bei der Jinshanling-Mauer besonders zahlreich. Sie stehen in Abständen von 100 Metern, an manchen strategisch wichtigen Stellen sogar von 50 Metern. Sie sind teilweise zweistöckig und ungefähr 10 Meter hoch. Es gibt viereckige Wachtürme mit Flachdächern, Giebeldächern, Zeltdächern, gewölbten Dächern und Dächern mit achteckigen Deckenkassetten. Die unteren Etagen sind mit Fenstern versehen, deren Anzahl von zwei bis sechs va­riiert. Dann gibt es hier noch einen außergewöhnlich gro­ßen Wachturm mit Hofmauern und einem angebauten Lagerhaus. Vermutlich handelte es sich dabei um die Kommandostelle dieses Mauerabschnitts.

Auf Berghängen einige Dutzend Meter außerhalb der Mauer befindet sich noch eine zweite, niedrige Mauer. Man nannte sie Doppelmauer oder Pferdebarriere.

Mauerabschnitte wie die Jinshanling-Mauer, die so schwer bewacht wurden, über so vielfältige Wachtürme verfügen und noch so gut erhalten sind, kann man anderswo kaum finden.

Die Simatai-Mauer

Der Mauerabschnitt Simatai liegt in der Gemeinde Dongzhuanghe im Kreis Miyun ungefähr 120 Kilometer von Beijing entfernt. Sie war die östliche Verteidigungsanlage des Passes Gubeikou. Die Mauerwände und die Wachtürme wurden aus Quadersteinen und Ziegeln gebaut und entstan­den alle in der Ming-Dynastie.

Die Simatai-Mauer wurde auf steilen Berghängen ange legt und wirkt mit ihren zahlreichen Wachtürmen äußerst imposant. Während am Bergfuß die Mauer oben etwa 5 Meter breit ist, sind die Mauerwände auf den Berggipfeln nur 40 Zentimeter breit.

Auf einem Abschnitt der Simatai-Mauer kann man Ziegel mit Inschriften sehen, z.B. "Hergestellt von Militäreinheit Qiangzilu", "Hergestellt von der linken Garnison der Provinz Shandong im sechsten Regierungsjahr Wanli" und "Hergestellt vom Truppenlager Zhenlu im sechsten Regierungsjahr Wanli".

Am Fuß der Simatai-Mauer liegt der Simatai-Stausee. Die Große Mauer schlängelt sich von Osten und Westen hierher und bietet einen herrlichen Anblick wie zwei am Wasser spielende Drachen.

Der Stausee wird vor allem von zwei Quellen gespeist, von denen die westliche eine Thermalquelle ist. Ihr Wasser hat eine Temperatur von 38 Grad. Die östliche Quelle dagegen ist eiskalt.

Die Mauer beim Paß Mutianyu

Der Paß Mutianyu befindet sich im Süden des Kreises Huairou etwa 70 Kilometer von Beijing entfernt. Die hier verlaufende Mauer verbindet sich im Osten mit der Gubeikou-Mauer und führt im Westen zu den Festungen Huanghuacheng und Juyongguan. Früher war der Paß Mutianyu ein strategisch wichtiger Stützpunkt zur Verteidigung von Beijing und als "uneinnehmbarer Paß" bekannt.

Die Mutianyu-Mauer wurde ursprünglich Mitte des 6. Jahrhunderts während der Nördlichen Qi-Dynastie gebaut. Was man heute sieht, stammt jedoch aus der Ming-Zeit. Die Festung Mutianyu entstand erst im Jahr 1404.

Die für ihre einzigartige Baukonstruktion bekannte Festung Mutianyu befindet sich im Osten der Mutianyu-Mauer in einem engen Tal. Sie ist von keiner Mauer umgeben, sondern besteht nur aus drei miteinander verbundenen Wachtürmen und einem Festungstor.

Die Mutianyu-Mauer hat oben an beiden Seiten Zinnen. Solche Doppel-Zinnenwände gibt es selten.

Von der Festung in Richtung Norden schlängelt sich die Mauer steil hinauf bis zum Gipfel (1004 m). Sie passiert einen Wachturm, macht eine scharfe Kurve nach Westen und stürzt dann gleichsam den Berg wieder nach unten.

Mauer auf Eisenträgern

Westlich der Kurve gibt es den sehr bekannten Wachturm Zhengbeilou auf der Höhe von beinahe 1000 Metern über dem Meeresspiegel und einem Ort jiankou (Talmundung) auf der Höhe von über 600 Meter. Mehrere Gipfel sind hier mit Wachtürmen gekrönt, die, von oben gesehen, wie Kronblätter einer Lotosblume wirken. Gerade aus diesem Grund ist dieser Abschnitt ein gern besuchter Ort der Große-Mauer-Liebhaber. Jedes Mal nach dem Schneefall im Winter treffen sich zahlreiche Fotografen, die es auf schöne Fotos abgesehen haben.

Westlich von Jiankou sieht man ein Loch unter dem Fundament der Mauer. Wenn die Sonne richtig steht, kommt der Sonnenstrahl durch das Loch und wirft einen hellen Flecken in dem Schatten. Man sagt, dass die Mauer dieses Loch mit Hilfe von zwei Eisenstangen überspannt habe - eine einmalige Konstruktion an der Mauer, wenn es Tatsache ist.

Der Paß juyongguan und die Badaling-Mauer

Der Paß Juyongguan befindet sich 60 Kilometer nord­westlich von Beijing entfernt. Zwei Bergketten bildeten hier eine 15 Kilometer lange Schlucht, die ein wichtiger Weg zum Kreis Yanqing, zu den Städten Xuanhua, Zhangjiakou und Datong sowie zum mongolischen Hochplateau war. Einer Überlieferung nach soll Kaiser Qin Shi Huang zum Frondienst gezwungene Bauern hierher umgesiedelt haben, und so soll es zu dem Namen "Juyongguan" (Paß der Fronarbeiter-Wohnstätten) gekommen sein. In den folgenden Dynastien wurde dieser Paß stets besonders stark bewacht. Er erhielt hintereinander die Namen Xiguan, Nakuanguan, Jimenguan, Junduguan u.a.

Schon im 5. Jahrhundert während der Nördlichen Wei-Dynastie wurde hier beim Paß Juyongguan eine Mauer gebaut. Während der Nördlichen Qi-Dynastie Mitte des 6. Jahrhunderts wurde die Große Mauer dann ostwärts bis zum Paß Shanhaiguan verlängert. Die heutigen Mauerab­schnitte bei der Festung Juyongguan entstanden jedoch erst nach dem 14. Jahrhundert während der Ming-Dynastie.

Nachdem Zhu Yuanzhang im Jahr 1368 die Ming-Dynastie gegründet hatte, befahl er General Xu Da, die Festung Juyongguan zu bauen und die Mauerstrecken in der Nähe zu befestigen. Im Jahr 1450 ließ der Kriegsminister der Ming-Dynastie, Yu Qian, die Festung Juyongguan und die in der Nähe befindlichen Mauerabschnitte ausbessern und verstärken. Heute sieht man dort noch ein Schild mit den drei Schriftzeichen "Juyongguan" sowie die Inschriften "Baubeginn im August des fünften Jahres der Regierung Jingtai (1454)". Ende des 16. Jahrhunderts waren dann auch die Festung Badaling und die Badaling-Mauer nördlich der Festungsstadt Juyongguan fertig.

Die Festung Juyongguan, von der man einst nicht viel sah, lag mitten in der 15 Kilometer langen Schlucht, an deren Süd- und Nordenden sich zwei Außenpässe befin­den, die als Nankou (Südtor) und Beikou (Nordtor) be­zeichnet werden. Das Nankou bildete den Eingang zur Festung. Die einstigen Anlagen dieses Außenpasses sind inzwischen verfallen. Nur die Alarmfeuertürme auf dem Gipfel stehen noch da.

Die eigentliche Festung Juyongguan wurde über einen Bach angelegt und war von einer Mauer mit Zinnenwänden umgeben. Gebaut wurde die Festung zwischen den Jahren 1450 und 1456. Die Landstraßen von Beijing nach Zhangjiakou und nach Datong führen durch diese Festung. Acht Kilometer nördlich von Juyongguan befinden sich die Ruinen einer anderen Festung, die in den ersten Jahren der Ming-Dynastie unter Leitung von General Xu Da gebaut worden war.

Der Nordausgang des Passes Juyongguan ist das jetzige Tor zur Festung Badaling. Dies ist die höchste Stelle des Paßtals. Der Höhenunterschied zwischen dem Nordende und dem Südende beträgt etwa 500 Meter. Von diesem hochgelegenen Punkt kontrollierte die Festung Badaling praktisch das ganze Paßtal.

Der Name Badaling bedeutet "In acht Richtungen führen­de Bergketten". Von hier aus kann man südwärts Beijing, nordwärts den Kreis Yanqing und westwärts die Städte Xuanhua, Zhangjiakou und Datong erreichen.

Die Festung Badaling ist in der Form eines unregelmä­ßigen Vierecks angelegt, umfasst eine Fläche von etwa 5000 Quadratmetern und ist im Osten und Westen mit je einem Tor versehen. Die imposanten Festungsmauern wurden aus Quadern und Ziegeln gebaut. Das Westtor ist an beiden Seiten an die Große Mauer angeschlossen. Die Mauer ist im Durchschnitt 7,8 Meter hoch, hat eine Fundamentbreite von 6,5 Metern und eine obere Breite von 5,8 Metern. Mit ihren Zinnenwänden, Schießscharten, Wachtürmen, Kampftürmen, Wasserrinnen, Wasscherablaufrohren usw. gehört die Badaling-Mauer zu dem am besten erhaltenen Mauerabschnitten. Auch die Alarmfeuertürme außerhalb der Mauer sind eindrucksvolle Zeugen der Vergangenheit. Die Große Mauer schlängelt sich über die Bergketten und bietet hier einen besonders imposanten Anblick. Kein Wun­der, dass gerade die Badaling-Mauer weltweit ein Begriff ist.

Fiayuguan - ein bedeutender Paß an der alten Seidenstraße

Der Paß Jiayuguan befindet sich im westlichen Teil des sogenannten Korridors am Westufer des Gelben Flusses in der Provinz Cansu. An der Südseite ragt das mit ewigem Schnee bedeckte Qilian-Gebirge empor, und im Norden steht der Berg Heishan mit seinen steilen Abhängen. Hier führte einst die Seidenstraße vorbei, die China mit Mittel­asien, Westasien und den Ländern am Mittelmeer verband. 100 Meter außerhalb des Westtors der Festungsstadt Jia­yuguan sieht man immer noch eine Stele mit vier Schriftzeichen. Die Inschrift bedeutet "Starke Festung unter dem Himmel".

Die Große Mauer der Ming-Dynastie hatte am Paß Jiayuguan ihren westlichen Anfang. Die Festung Jiayuguan wurde auf einer Terrasse zwischen dem Berg Heishan und dem Qilian-Gebirge gebaut, und dank dieser idealen Lage konnte von hier aus der Verkehr zwischen Osten und Westen kontrolliert werden. Am Fuß der Festungsstadt sprudelte eine Quelle, die genug Trinkwasser für Menschen und Pferde lieferte und auch noch die Felder in der Nähe bewässerte, so dass die Versorgung der Truppen gesichert war.

Der Bau der Festungsstadt Jiayuguan dauerte weit über 100 Jahre. Begonnen wurde damit im Jahr 1372, nachdem der Ming-General Feng Sheng den Korridor am Westufer des Gelben Flusses eingenommen hatte.

Zwischen den Jahren 1488 und 1505 wurden die Außenmauer und Tortürme errichtet. Im Jahr 1506 baute man noch ein Lagerhaus und andere Nebenbauten. Danach wurde der Bau an der Festungsstadt für einige Zeit eingestellt. Nach dem Jahr 1539 wurden außerhalb der Festungsstadt mehrere Verteidigungsanlagen errichtet. Ferner baute man vom Fuß des Qilian-Gebirges eine an der Festungsstadt vorbeiführende, etwa 50 Kilometer lange Mauer, was die Verteidigungsfähigkeit weiter erhöhte.

Die Festungsstadt Jiayuguan bestand aus der inneren Stadt, zwei Vorwerken, der Außenmauer, der äußeren Stadt und dem Stadtgraben.

Die innere Stadt hat einen trapezförmigen Grundriß. Die östliche Seite der Stadtmauer ist 154 Meter lang, die westliche 166 Meter, die nördliche und südliche je 160 Meter. Die Mauer wurde aus festgestampfter Lehmerde angelegt und mit Ziegeln verkleidet. Sie ist etwa 10 Meter hoch und unten 5 Meter dick, während sie sich nach oben hin auf 2 Meter verschmälert. Nach außen schließt der Mauerrand mit Zinnen ab, nach innen nur mit einer Wand. An der Ost- und der Westseite ist die Mauer mit Toren versehen, auf denen je ein 17 Meter hoher, dreistöckiger Turm mit Fußwalmdach steht. Und an den vier Ecken wurden zweistöckige Türme aus Ziegeln errichtet. An der Nord- und der Südwand der Festung erheben sich in der Mitte auf Plattformen erbaute Wachtürme. Insgesamt macht die Festung den Eindruck einer wehrhaften Burg.

Außerhalb des Ost- und Westtors wurde je ein rechteckiges Vorwerk angelegt. Sie ist so hoch wie die Festungsmauer selbst und umschließt je eine Fläche von 550 Quadratmetern. Die Südseiten dieser beiden Vorwerke sind mit Toren versehen.

Im Westen der Festung, 16 Meter außerhalb der Stadtmauer und des Vorwerks, wurde eine weitere Mauer mit einer Länge von etwa 200 Metern gebaut. Das nördliche und das südliche Ende dieser Mauer wurden mit der 3,8 Meter hohen Mauer der äußeren Stadt verbunden, die wiederum mit einem Tor versehen war. Früher erhob sich auf dem Tor ein Wachturm. Eine dort angebrachte Tafel mit den Schrift­zeichen "Erste starke Festung unter dem Himmel" ist mit dem Verfall des Wachturms verlorengegangen. An der Nordostekke befand sich ein Falltor (Schleusentor), wo jeder kontrolliert wurde, der in die Festungsstadt hinein wollte.

Rings um die Festung wurde außerdem noch ein Graben ausgehoben. Er ist immer noch etwa zwei Meter tief und zwei Meter breit. Und außerhalb von diesem Graben wurde ein etwa ein Meter hoher Erdwall errichtet. Man nannte ihn Pferdebarriere. Außerhalb der Pferdebarriere wurden zusätz­lich mehrere Pferdefallen ausgegraben. So kann man sich vorstellen, dass es äußerst schwierig war, die Festungsstadt Jiayuguan einzunehmen.