Vorwort

1. Von der Urgesellschaft zur
    Sippengesellschaft (bis zum
    21. Jahrhundert v. Chr.)

    1.1 Urgesellschaft
    1.2 Sippengesellschaften
2. Die Sklavenhalter-
    gesellschaft - Die Xia-,
    die Shang- und die
    Westliche Zhou-Dynastie
    (21. Jahrhundert v. Chr. - 476
    v. Chr.)

    2.1 Die Xia-Dynastie
    2.2 Die Shang-Dynastie
    2.3 Die Westliche Zhou-
          Dynastie

3. Einstieg in den Feudalismus
    - Die Frühlings- und Herbst-
    Periode und die Zeit der
    Streitenden Reiche (770 -
    221 v. Chr.)

    3.1 Die Östliche Zhou-
           Dynastie

    3.2 Die Frühlings- und Herbst-
           Periode

    3.3 Die Periode der
          Streitenden Reiche

4. Entwicklung des frühen
     Feudalismus - Die Qin-
     und die Han-Zeit (221 v. Chr
     -220 n. Chr.)

   
4.1 Die Qin-Dynastie
    4.2 Die Westliche Han-
           Dynastie

    4.3 Die Östliche Han-Dynastie
    4.4 Kultur während der Qin-
           und der Han-Dynastie

5. Weiterentwicklung des
    Feudalismus in seiner
    Frühzeit - Die Drei Reiche,
    die zwei Jin-Dynastien und
    die Südlichen und Nördlichen
    Dynasite (220 - 589)

    5.1 Die Drei Reiche
    5.2 Die Westliche und die
           Östliche Jin-Dynastie

    5.3 Die Südlichen und
           Nördlichen Dynastie

    5.4 Entwicklung der Kultur
           und der auswärtigen
           Beziehungen

6. Die Feudalgesellschaft auf
    dem Höhepunkt - Die Sui-
    und die Tang-Dynastie

    6.1 Die Sui-Dynastie
    6.2 Die Tang-Dynastie
    6.3 Die  kulturelle und
           wissenschaftliche
           Entwicklung in der Sui-
           und der Tang-Dynastie

7. Weiterentwicklung des
    Feudalismus in seiner späten
    Periode - Die Fünf Dynastien
    und die Zehn Staaten, die
    Liao-, die Song-, die
    Westliche Xia, die Jin- und
    die Yuan-Dynastie (907-1368)

    7.1 Die Fünf Dynastien und
           die Zehn Staaten

    7.2 Die Nördliche Song-
           Dynastie

    7.3 Die Liao, die Xia und die
           Jin sowie der Untergang
           der Nördlichen Song-
           Dynastie

    7.4 Die Südliche Song-
           Dynastie und Kämfe
           gegen die Jin-Herrschaft

    7.5 Der Aufstieg der
           Mongolen und die Yuan-
           Dynastie

    7.6 Die Entwicklung der
           chinesischen
           Gesellschaft

8. Hohe Entwicklung und
    langsamer Untergang des
    Feudalismus - Die Ming- und
    die Qing-Dynastie vor dem
    Opiumkrieg (1368 - 1840)

    8.1 Die Ming-Dynastie
    8.2 Die Qing-Dynastie
    8.3 Kultur während der Ming-
           und der Qing-Dynastie

    8.4 Auswärtige Beziehungen
           Chinas während der Ming-
           und der Qing-Dynastie

9. Ausländische Aggressionen
    und die altdemokratische
    Revolution (1840 - 1919)

    9.1 Der Opiumkrieg
    9.2 Die Taiping-Revolution
    9.3 Der Zweite Opiumkrieg
    9.4 Die Bewegung zur
           Verwestlichung

    9.5 Ausländische
           Aggressionen gegen
           China

    9.6 Die Reformbewegung
           von 1898

    9.7 Der Yihetuan-Aufstand
    9.8 Die Revolution von 1911
           und die Herrschaft der
           Nördlichen
           Militärmachthaber

10. Die Neudemokratische
       Revolution (1919 - 1949)

    10.1 Die Bewegung des 4. Mai
             und die Gründung der
             Kommunistischen Partei
             Chinas

    10.2 Der Erste Revolutionäre
             Bürgerkrieg

    10.3 Der Zweite Revolutionäre
             Bürgerkrieg

    10.4 Der Widerstandskrieg
             gegen die japanische
             Aggression

    10.5 Der Befreiungskrieg und
             die Gründung der
             Volksrepublick China

11. Infokästen
    11.1 Zhoukoudian und der
             Peking-Mensch

    11.2 Der Nanjing-Mensch
              - eine neue Entdeckung

    11.3 Die Yangshao-Kultur und
             die Überreste der Banpo-
             Siedlung

    11.4 Kam die Yangshao-
             Kultur aus dem Westen
             nach China?

    11.5 Die Chinesen und der
             Gelbe Kaiser

     11.6 Flussregulierungen
              durch Yu den Großen
              und die Xia-Dynastie

    11.7 Die Yinxu und die Shang-
             Dynastie

    11.8 Das Brunnen-Feld-
             System und das Sklaven-
             haltersystem

    11.9 Genaue Datierung der
             Dynastien Xia, Shang
             und Westliche Zhou

    11.10 Das Dujiangyan - ein
                Meisterwerk antiken
                Wasserbaus

    11.11 Der patriotische Dichter
               Qu Yuan

    11.12 Der Erste Kaiser Shi
                Huang Di und seine
                Terrakotta-Armee

    11.13 Kaiser Wudi und das
               Goldene Zeitalter der
               Westlichen Han-
               Dynastie

    11.14 Zhang Qian und die
               Seidenstraße

    11.15 Der Große Kanal
    11.16 Kaiser Taizong und die
                Blütezeit der Tang

    11.17 Die Kaiserin Wu Zetian
    11.18 Die Tang-Prinzessin
                Wencheng in Tibet

    11.19 Chang'an, die Haupt-
               stadt der Tang-Dynastie

    11.20 Xuan Zang holte
               buddhistische Schrifte
n
    11.21 Das älteste Papiergeld
                der Welt

    11.22 Von Dschingis Khan bis
                Kublai Khan

    11.23 Bi Sheng und
               Gutenberg

    11.24 Die Große Mauer -
               Symbol der
               chinesischen Nation

    11.25 Cao Xueqin und sein
                Traum der Roten
                Kammer

    11.26 Zheng He und seine
                sieben Seefahrten

    11.27 Zheng Chenggong
                eroberte Taiwan zurück

    11.28 Lin Zexu und die
               Opiumverbrennung in
               Humen

    11.29 Die Taiping-Armee und
                das "Regiment der
                ausländischen
                Gewehre"

    11.30 Kaiserinwitwe Cixi
    11.31 Li Hongzhang und die
                Verwestlichungs-
                bewegung

    11.32 Deng Shichang im
                Seekampf gegen Japan

    11.33 Deutschland und die
                Jiaozhou-Bucht

    11.34 Das welterschütternde
                Nanjing-Massaker

    11.35 China und der Zweite
                Weltkrieg

    11.36 Die Aufstände vom 28.
                Februar in Taiwan

    11.37 Die drei Operationen


Ausländische Aggressionen gegen China

Nach den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts erreichte unter den kapitalistischen Ländern des Westens der Kampf um Kolonien sowie um Absatzmärkte, Rohstoffe und Investitionsmöglichkeiten in den Kolonien und anderen Ländern einen neuen Höhepunkt, wobei der Ferne Osten ein besonderer Zankapfel war. Einige an China grenzende Länder wurden nach und nach zu Kolonien, und es kam in Chinas Grenzgebieten zu einer ernsten Krise, die mit dem Chinesisch-Französischen Krieg endete.

Die Aggression gegen Xinjiang

Schon in den 60er Jahren hatten westliche Länder ein Auge auf das ausgedehnte Gebiet in Xinjiang geworfen. Im Jahr 1865 machte Yakub Beg, ein Armeeoffizier aus Khohand in Zentralasien (damals unabhängig, später dem zaristischen Russland einverleibt), sich innere Zwistigkeiten in Xinjiang zunutze, fiel mit seinen Truppen in Süd-Xinjiang ein und besetzte Kaschgar. Bis 1870 brachte Yakub Beg die meisten Gebiete nördlich und südlich des Tianshan-Gebirges unter seine Kontrolle. Da sowohl Großbritannien wie auch Russland seinen Einfluss in Xinjiang ausdehnen wollten, wetteiferten beide Länder darum, Yakub Beg für sich zu gewinnen. 1871 besetzte Russland die Stadt Ili, Hauptstadt von Xinjiang, und die umliegenden Gebiete und unterwarf die dortigen Nationalitäten einer grausamen Kolonialherrschaft. Im Jahr 1877 schlug die Qing-Armee Yakub Beg und gewann die verlorenen Gebiete in Süd-Xinjiang zurück. Ili blieb jedoch weiterhin in der Hand der Russen.

Wiederholt forderte die Qing-Regierung die Rückgabe Ilis, doch Russland weigerte sich. Im Februar 1881 zwang Russland die Qing- Regierung zur Unterzeichnung des Vertrags von St. Petersburg. China bekam dem Vertrag gemäß Ili zwar zurück, musste jedoch weite Gebiete westlich des Flusses Khorgos abtreten.

Aufgrund dieses Vertrags und anderer Dokumente, die zwischen 1882 und 1884 zur Festlegung der chinesisch-russischen Grenze geschlossen worden waren, annektierte Russland mehr als 70 000 Quadratkilometer chinesischen Territoriums in Xinjiang. 1892 besetzte das zaristische Russland weitere 20 000 Quadratkilometer chinesischen Territoriums westlich des Sarykol-Gebirges in der Region von Pamir. Die Qing-Regierung erklärte ausdrücklich, dass sie keine Gebiete, die zum damaligen Zeitpunkt von chinesischen Truppen besetzt waren, aufgeben würde, doch schlossen Russland und Großbritannien 1895 ein Abkom­men, in dem sie die Pamir-Gebiete westlich des Sarykol-Gebirges unter sich aufteilten.

Die Aggression gegen Tibet

In den 60er und den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts schickte Großbritannien zahlreiche Spione nach Tibet, die sich als Reisende oder Forscher ausgaben. Im Jahr 1875 überquerte der Brite Augustus Raymond Margary an der Spitze von 200 Männern Chinas Südwestgrenze und drang von Burma aus in die chinesische Provinz Yunnan ein, wurde jedoch bei einem Widerstand von Seiten der Einheimischen getötet, und die anderen Invasoren wurden vertrieben. Von diesem Vorfall ausgehend, zwang Großbritannien den Qing-Hof 1876 zur Unterzeichnung des Vertrag von Yantai, dem gemäß die Briten das Recht erhielten, zur "Erkundung" von Handelsrouten Leute nach Yunnan zu schicken, oder von China via Tibet nach Indien bzw. umgekehrt. Damit stand Großbritannien der Weg nach Yunnan und Tibet offen.

Im Jahr 1888 unternahmen die Briten einen Aggressionskrieg gegen Tibet, wobei sie auf einen zähen Widerstand der tibetischen Armee und Bevölkerung stießen. Mehr als 100 Aggressoren wurden getötet oder verwundet. Die korrupte Qing-Regierung aber verbot den Tibetern jeden Widerstand gegen die Invasoren, die tiefer in das Land eindrangen. Im Jahr 1890 verhandelte die Qing-Regierung mit Großbritannien die Grenzfrage und unterzeichnete den Sikkim-Tibet-Vertrag. Im Jahr 1893 öffnete die Qing-Regierung auf Verlangen der Briten die tibetische Stadt Yadong für den Handel. Von da an benutzte Großbritannien Indien und Burma als Basis für seine Operationen und setzte seine Aggression gegen Yunnan und Tibet fort.

Die Aggression gegen Taiwan

Die USA hatten schon seit langem ein Auge auf die chinesische Insel Taiwan geworfen. Im Jahr 1856 schlug der amerikanische Gesandte P. Parker seiner Regierung einen "politischen Ausgleich zwischen den Großmächten" auf Kosten der anderen Länder dergestalt vor, dass "Frankreich Korea, Großbritannien Zhoushan und die USA Taiwan besetzt halten" sollten. 1867 schickten die USA sogar Kriegsschiffe zur Insel und landeten Truppen an ihrer Südspitze, die jedoch von der einheimischen Gaoshan-Nationalität vertrieben wurden.

Von den USA ermutigt, überfiel Japan im April 1874 mit 3000 Soldaten die Insel Taiwan. Die einheimischen Gaoshan und die Han-Einwohner verteidigten gemeinsam die Insel von strategischen Positionen aus, so dass der Vormarsch der Japaner unter Verlusten zum Stoppen kam. Durch die "Vermittlung" der USA und Großbritanniens jedoch stimmte die korrupte Qing-Regierung einer Reparationszahlung von 500 000 Tael Silber an Japan zu, unter der Bedingung, dass seine Soldaten abzogen.

Während des Chinesisch-Französischen Kriegs überfielen fran­zösische Kriegsschiffe im August 1884 die Festung Jilong auf Taiwan und im Oktober 1884 noch einmal die Insel, doch trafen sie beidemale auf einen heftigen Widerstand von Armee und Bevölkerung und erlitten jeweils eine schwere Niederlage.

Der Chinesisch-Französische Krieg

Mitte des 19. Jahrhunderts stieß Frankreich nach der Besetzung Südvietnams nach Norden vor und versuchte, über Vietnam in Chinas Provinz Yunnan einzufallen. Die verstärkte französische Aggression führte schließlich zum Chinesisch-Französischen Krieg von 1884 bis 1885.

Die von Liu Yongfu geführte Armee der Schwarzen Flagge, eine rebellische Bauerntruppe am Mittellauf des Flusses Honghe, kämpfte an der chinesisch-vietnamesischen Grenze gemeinsam mit Armee und Bevölkerung Vietnams gegen die französische Aggression.

Im August 1884 griff Frankreich mit Kriegsschiffen die Insel Taiwan an und wurde von der dortigen Armee und Bevölkerung zurückgeschlagen. Die Franzosen wandten sich daraufhin Fuzhou, Provinz Fujian, zu, stießen jedoch auch dort auf eine heftige Abwehr, bei der die chinesische Flotte aber schwere Verluste erlitt.

Im Oktober 1884 überfielen französische Kriegsschiffe noch einmal die Insel Taiwan und erlitten abermals eine schwere Niederlage. Im März 1885 griffen sie Zhenhai, Provinz Zhejiang, an, und wurden wieder zurückgeschlagen. Während Frankreich Zhejiang überfiel, unternahmen seine Truppen auch einen Angriff auf den Zhennanguan-Pass (heute Youyiguan-Pass, also Freundschaftspass) in Guangxi an der chinesisch­vietnamesischen Grenze. Der fast 70-jährige General Feng Zicai führte seine Truppen an die Front und brachte dort den Franzosen die ent­scheidende Niederlage bei, was zum Sturz des damaligen französischen Kabinetts führte.

Trotz der günstigen Lage für China drängte die Qing-Regierung aber auf eine Beendigung des Krieges und ließ mit Frankreich über ein Waffenstillstandsabkommen verhandeln. Im April 1885 wurde dieses Abkommen unterzeichnet, und im Juni 1885 wurde der Chinesisch-Französische Vertrag unterzeichnet, in dem erklärt wurde, dass neue Handelsstädte in den an Vietnam grenzenden Provinzen Yunnan und Guangxi geöffnet würden und dass China Frankreich konsultieren müsse, wenn es dort Eisenbahnen bauen wolle. So wurde das Tor zu Südwestchina für weitere Aggressionen geöffnet.

Der Chinesisch-Japanische Krieg von 1894 und der Vertrag von Shimonoseki

Japan startete den Krieg gegen China, um Korea zu annektieren und seinen Einfluss auf China auszudehnen.

Seit den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts war Japan mehrmals in Korea eingedrungen und hatte Korea allmählich in eine Halbkolonie verwandelt.

Im Frühjahr 1894 brach in Korea ein großer Bauernaufstand unter Führung der Tonghak-Gesellschaft gegen die feudale Herrschaft aus, und die koreanischen Feudalherrscher baten die Qing-Regierung um militärischen Beistand zur Niederwerfung des Aufstands. Anfang Juni marschierten Qing-Truppen in Asan nach Korea ein, während auch die Japaner Truppen nach Korea schickten. Fast seine ganze Seestreitmacht und mehr als 10 000 Infanteristen wurden in der Gegend von Seoul und Inchon stationiert. Die Japaner nahmen den koreanischen König gefangen, besetzten die koreanische Hauptstadt und unternahmen Provokationen gegen China. Das führte schließlich zum Ausbruch des Chinesisch-Japanischen Krieges.

Im Verlauf dieses Krieges kämpften viele chinesische Soldaten und Offiziere heldenhaft, so wie der Heeresoffizier Zuo Baogui, der bei der Schlacht um Pjöngjang im September 1894 auf seinem Posten fiel, und der Marineoffizier Deng Shichang, der bei der erbitterten Schlacht im Gelben Meer, ebenfalls im September 1894, sein Leben zusammen mit seinen 200 Matrosen opferte. Doch die chinesischen Herrscher wie die Kaiserinwitwe Cixi und Li Hongzhang stoppten schließlich jeglichen Widerstand der chinesischen Armee. So konnten die Japaner schon im Januar 1895 die Halbinsel Liaodong und die Hafenstadt Weihai und in der darauf folgenden Zeit zahlreiche weitere Orte besetzen. Die Qing-Regierung bat um Frieden. Im März 1895 fuhr Li Hongzhang in Begleitung seines ameri­kanischen Beraters zu Friedensverhandlungen nach Shimonoseki und unterzeichnete in Vertretung der Qing-Regierung den demütigenden Vertrag von Shimonoseki, nach dem China die Halbinsel Liaodong, die Insel Taiwan und die Inselgruppe Penghu an Japan abtreten, eine Kriegsentschädigung von 200 Millionen Tael Silber entrichten, die Städte Shashi, Chongqing, Suzhou und Hangzhou für den Außenhandel öffnen musste und Japan das Recht erhielt, in allen Handelshäfen Fabriken zu errichten.

Die japanische Besetzung der Halbinsel Liaodong hinderte Russland an der Erweiterung seines Einflusses in Nordostchina. So schloss es sich mit Deutschland und Frankreich zusammen, um durch gemeinsamen Druck Japan zur Rückgabe der Halbinsel Liaodong an China zu zwingen.

Das gelang zwar, aber dafür pressten die Japaner der Qing-Regierung weitere Entschädigungen von 30 Millionen Tael Silber ab. Zwei Jahre später eroberten russische Truppen die Städte Lüshun und Dalian auf der Halbinsel Liaodong.

Der Vertrag von Shimonoseki war der verheerendste der ungleichen Verträge Chinas mit anderen Ländern seit dem Vertrag von Nanjing, und er beschleunigte die Aufteilung Chinas durch die Großmächte und verstärkte den halbkolonialen Status Chinas.

Das chinesische Volk war aufgebracht über den Vertrag. Es verurteilte die Verbrechen der Aggressoren und das verräterische Verhalten der Qing-Regierung, widersetzte sich der Abtretung von Taiwan und der Zahlung von Kriegsentschädigungen und forderte Widerstand gegen die Aggression. Insbesondere die Bevölkerung von Taiwan war wütend über die Abtretung ihrer Heimat. Alle Nationalitäten auf der Insel erhoben sich gemeinsam zum Widerstand gegen die Besetzung. In weniger als fünf Monaten mussten die Japaner den Verlust von 30 000 Toten und Verwundeten hinnehmen. In den darauf folgenden 50 Jahren der japanischen Okkupation hörten die Einwohner Taiwans niemals mit ihrem Kampf gegen Japan und für die Wiedervereinigung mit dem Vaterland auf.

Die imperialistische Aufteilung Chinas

Nach Ende des Chi­nesisch-Japanischen Kriegs von 1894 standen Großbritannien, Russland, die USA, Japan, Frankreich und nicht zuletzt auch Deutschland im Wettstreit miteinander um die größten Bissen bei der Aufteilung Chinas. Die Qing-Regierung befand sich zu jener Zeit in einer schweren finanziellen Krise. Ihre Jahresbruttoeinnahmen von 80 Millionen Tael Silber reichten bei weitem nicht aus, ihre Ausgaben zu decken. Sie konnte die Reparationen an Japan nicht aufbringen, geschweige denn die Halbinsel Liaodong zurückkaufen, und sah sich gezwungen, Geld bei den westlichen Ländern zu leihen. In den fünf Jahren nach 1895 dienten Großbritannien, Russland, Frankreich, Deutschland und andere Staaten der Qing-Regierung Darlehen von insgesamt 370 Millionen Tael Silber an, wofür die Seezolleinkünfte Chinas verpfändet wurden. Dadurch gewannen die imperialistischen Großmächte nicht nur Wucherzinsen, sondern auch die Kontrolle über Chinas Finanzen. Außerdem gründeten sie in China immer mehr Bankniederlassungen, über die sie ihre Kapitalexporte abwickelten und Banknoten ausgaben. Dadurch konnten sie die chinesische Finanzwirtschaft manipulieren. Allein in den fünf Jahren nach 1895 bauten sie in China 933 Fabriken. Sie dominierten den Eisenbahnbau, den Schiffstransport und den Bergbau. Gleichzeitig begannen sie mit der Aufteilung Chinas, indem sie sich Konzessionen und Einflusssphären sicherten.

Im November 1897 besetzte Deutschland die Jiaozhou-Bucht (Kiautschou-Bucht) in Shandong. Mit der Verpachtung der Jiaozhou-Bucht auf 99 Jahre gewann Deutschland auch das Recht zum Bau einer Eisenbahnlinie von Jiaozhou nach Jinan und das Bergbau-Recht innerhalb von 15 Kilometern auf beiden Seiten dieser Bahnlinie. Damit wurde die Provinz Shandong deutsche Einflusssphäre.

Im Juni 1896 unterzeichnete die Qing-Regierung mit Russland in Moskau ein Geheimabkommen, mit dem Russland das Recht erhielt, in den Provinzen Heilongjiang und Jilin die Nordostchinesische Eisenbahn zu bauen, um Wladiwostok direkt an die Transsibirische Eisenbahn anzubinden. Im September riss Russland durch den "Vertrag über die Ostchinesische Eisenbahngesellschaft" das Sonderrecht an sich, das Land entlang der Bahnlinie zu verwalten und kostenlos zu nutzen, Bergwerke zu betreiben und auf der Bahn Truppen zu transportieren. Im Dezember 1897 besetzten russische Kriegsschiffe die chinesischen Städte Lüshun und Dalian. Im März des folgenden Jahres "pachtete" es unter Druck Lüshun als Militärhafen und Dalian als Handelshafen. Außerdem erhielt Russland das Recht, von Harbin nach Dalian eine Nebenlinie der Nordostchinesischen Eisenbahn zu bauen. So wurde Chinas Nordosten russische Einflusssphäre.

Im Jahr 1897 zwang Frankreich die Qing-Regierung zu der Er­klärung, die Insel Hainan und die ihr gegenüberliegenden Teile des Festlandes keiner anderen Macht als Frankreich zu überlassen. Im Jahr 1898 "pachtete" Frankreich die Bucht von Guangzhou (heute das Gebiet um Zhanjiang, Provinz Guangdong) und beanspruchte das Recht, eine Eisenbahn von Vietnam nach Yunnan zu bauen und in Yunnan und Guizhou Bergbau zu betreiben. Darüber hinaus verlangte es von der Qing-Regierung, die Provinzen Yunnan, Guangxi und Guangdong keiner anderen Macht als Frankreich abzutreten. So wurden diese drei Provinzen französische Einflusssphäre.

Großbritannien betrachtete seit langem das Einzugsgebiet des Changjiang als seine Einflusssphäre. Im Jahr 1898 besetzten britische Truppen den Hafen Weihai und pachtete die Hafenstadt, um der Okkupation von Lüshun und Dalian durch Russland entgegenzuwirken. Im Süden Chinas erzwangen die Briten die Verpachtung der Halbinsel Kowloon, der Inseln in der Umgebung von Hongkong und der Buchten von Dapeng und Shenzhen als Gleichgewicht zur französischen Machtposition. Sie zwangen die Qing-Regierung zu erklären, dass sie die am Changjiang liegenden Provinzen sowie Guangdong und Yunnan unter keinen Umständen anderen Mächten überlassen würde. So wurde das Flussgebiet des Changjiang zu einer britischen Einflusssphäre, und die Provinzen Guangdong und Yunnan wurden eine gemeinsame Einflusssphäre Großbritanniens und Frankreichs.

Japan erzwang im Jahr 1898 von der Qing-Regierung die Zu­sicherung, Fujian an keine andere Macht abzutreten oder zu verpachten. So kam die Provinz Fujian unter japanischen Einfluss.

In den Jahren von 1896 bis 1899 wurde der größte Teil des chinesi­schen Territoriums von den verschiedenen kapitalistischen Ländern aufgeteilt. Da nach Beendigung des Amerikanisch-Spanischen Krieges die Einflusssphären in China bereits ohne die Vereinigten Staaten festgelegt worden waren, schlugen die Amerikaner im Jahr 1899 den anderen westlichen Mächten vor, eine Politik der "offenen Tür" einzuführen, wonach die Einflussbereiche der verschiedenen Länder und ihre Privilegien in China anerkannt wurden, diese Länder jedoch ersucht wurden, ihre Konzessionen und Einflusssphären den USA zu öffnen, damit diese zu gleichen Teilen Nutzen und Vorteile daraus ziehen konnten. So bekamen die Amerikaner unter dem Banner "gleiche Vorteile und Chancen" einen Fuß in die "Einflusssphären" der anderen Mächte und setzten sich von da an in China immer mehr fest.