Der Aufstieg der Mongolen und die Yuan-Dynastie
Die mongolische Nationalität war ein altes
Nomadenvolk im Norden Chinas. Im 13. Jahrhundert
vereinigte sie sich zu einem großen mongolischen
Reich, das sich auf mehr als 30 Millionen qkm
erstreckte. In Zentralchina wurde die Yuan-Dynastie
(1271-1368) errichtet, die elf Kaiser aus sechs
Generationen regierten.
Eine aufstrebende Nationalität
Die Mongolen lebten ursprünglich am Oberlauf des
Flusses Argun und breiteten sich später bis zum
Mongolischen Hochland zwischen dem Äußeren
Hinggan-Gebirge und dem Altay-Gebirge aus. Im Laufe
der Zeit wurden sie zu einem mächtigen Volk. Zwischen
dem späten 12. und dem frühen 13. Jahrhundert
vereinigte Temujin die mongolischen Stämme und
errichtete ein zentralisiertes Khanat. Im Jahr 1206
wurde er zum Großkhan mit dem Herrschertitel
Dschingis Khan (1162-1227) erklärt. In der
chinesischen Geschichte ist er als Kaiser Taizu (Reg.
1206-1227) der Yuan-Dynastie bekannt.
Über viele Jahre hinweg eroberten Dschingis Khan
und seine Nachfolger Ogdai Khan und Mangu Khan
ausgedehnte Gebiete in den südlichen und westlichen
Regionen. Im Süden richteten sich ihre Angriffe auf
die Xia, die Jin und die Song, und im Westen kamen sie
auf ihren Feldzügen bis nach Mitteleuropa. Im Jahr
1215 eroberten die mongolischen Truppen die Stadt
Zhongdu (heute Beijing), die Hauptstadt der
Jin-Dynastie, und das weite Gebiet nördlich des
Huanghe. Nach dem Sieg über die Westliche Liao im
Jahr 1218 konnten sie innerhalb von fünf Jahren den
Großteil Asiens einnehmen und bis Osteuropa und
Nordpersien vorstoßen. Im Jahr 1227 vernichteten sie
den Staat der Westlichen Xia. Dschingis Khan starb
1227 in diesem Krieg an einer Krankheit, sein Sohn
Ogdai übernahm die Regierung. Anfang 1234
vernichteten die Mongolen unter Ogdai Khan mit Hilfe
der verbündeten Südlichen Song die Jin-Dynastie.
Danach unternahmen die mongolischen Truppen groß
angelegte Angriffe gegen die Song-Dynastie. Zwischen
1236 und 1241 schickte Ogdai Khan nach dem Sieg über
Russland seine Truppen bis nach Polen, Ungarn und in
andere Gebiete. Mangu Khan, der Nachfolger von Ogdai
Khan, ließ in den Jahren 1253 bis 1259 Persien
erobern und brachte auch Südwestasien unter seine
Kontrolle.
Die Gründung der Yuan-Dynastie und die Einigung Chinas
Im Jahr 1259 fiel Mangu Khan im Krieg, sein Bruder
Kublai (1215-1294) trat 1260 die Nachfolge als Großkhan
an und bestimmte Kaiping (heute Kreis Duolun, Innere
Mongolei) als Shangdu (Obere Hauptstadt) und Yanjing
(heute Beijing) als Zhongdu (Mittlere Hauptstadt). Im
Jahr 1271 gründete Kublai Khan nach Sitte der
Han-Nationalität eine kaiserliche Dynastie, die
Yuan-Dynastie (1271-1368), er selbst wurde Kaiser
Shizu (Reg. 1260-1294).
Im Jahr 1276 zogen die Yuan-Truppen in die Stadt
Lin'an, die Hauptstadt der Südlichen Song-Dynastie,
ein und nahmen den Song-Kaiser und andere Angehörige
der kaiserlichen Familie gefangen. Damit wurde die
politische Spaltung, die seit der Spätzeit der
Tang-Dynastie in China geherrscht hatte, beendet, und
China entwickelte sich wieder als ein einheitlicher
Nationalitätenstaat weiter.
Die politische und wirtschaftliche Entwicklung
Nach Gründung der Yuan-Dynastie unternahm Kublai
Khan als Kaiser Shizu große Anstrengungen zur Stärkung
der zentralistischen Macht und zur Weiterentwicklung
der Wirtschaft.
In der politischen Struktur übernahm die
Yuan-Dynastie Einrichtungen der Song-Dynastie, verlieh
diesen jedoch noch größere Funktionen. Höchstes
Verwaltungsorgan des Landes wurde das Zentrale
Sekretariat, das für alle politischen Angelegenheiten
wie auch für die wichtigsten militärischen Fragen
und für die Finanzen des ganzen Landes verantwortlich
war. Der Geheimrat war für die militärischen Angelegenheiten
verantwortlich, und das Zensoramt kontrollierte die
Regierungsbeamten. Auf lokaler Ebene wurden Provinzen
als höchste Verwaltungsgebiete eingerichtet, und das
war der Beginn des chinesischen Provinzialsystems.
Unter der Yuan-Dynastie wurde die Region Tibet zum
erstenmal in der chinesischen Geschichte offiziell ein
Verwaltungsgebiet des Reiches und direkt von der
Zentralregierung kontrolliert. In Penghu wurde ein
Inspektionsamt eingerichtet, das in Vertretung der
Zentralregierung die Gerichtsbarkeit über Taiwan und
Penghu ausübte. Auch die Gebiete im heutigen Xinjiang
und südlich und nördlich des Flusses Heilongjiang
sowie das Südchinesische Meer unterstanden der
Yuan-Regierung. Während der Yuan-Dynastie verstärkten
sich die Beziehungen zwischen verschiedenen Nationalitäten
in China, was die Entwicklung der Wirtschaft und
Kultur und die Einheit des Landes förderte.
Kublai Khan formulierte eine Politik der
Beruhigung der Bevölkerung und der Förderung der
Landwirtschaft. Nach der Eroberung der Südlichen
Song-Dynastie führte er das traditionelle System
wieder ein, nach dem die Truppen sich in
Friedenszeiten mit Ackerbau und Landurbarmachung
beschäftigten, und er organisierte in großem Umfang
die Einrichtung von Wasserbauanlagen.
Großes Gewicht legte die Yuan-Regierung auch auf
die Entwicklung des Kommunikations- und
Transportwesens. Poststraßen und -Stationen wurden
angelegt und ausgebaut, ein Verkehrsnetz zu Wasser und
zu Land mit mehr als 1300 Poststationen entstand. Das
weit gefächertes Netz der Poststraßen erreichte zur
Zeit Kublai Khans im Nordosten den Fluss Heilongjiang
und Nurkan (heute Tirin, Russland), im Südwesten
Yunnan, im Süden Hubei, Hunan, Guangdong und Guangxi
und im Norden die Mongolei. Kublai Khan sorgte dafür,
dass der damals noch unfertige Große Kanal fertig
gestellt wurde, der die Yuan-Hauptstadt Dadu (heute
Beijing) direkt mit den reichen Städten in Südchina
verband. Auch die Küstenschifffahrt wurde auf der
Strecke vom Südosten nach Dadu aufgenommen. Die
Seeschifffahrtslinie verlief von Liujiagang (heute
Liuhe bei Taicang, Provinz Jiangsu) an der Mündung
des Changjiang durch das Gelbe Meer und das Bohai-Meer
bis nach Zhigu (heute Tianjin).
So wurde China während der Yuan-Dynastie zum stärksten
und reichsten Land der Welt.
Widerstand in der Bevölkerung und Niedergang der Yuan
Die Vereinigung Chinas unter der Yuan-Dynastie
legte zwar die Grundlage für die wirtschaftliche und
kulturelle Entwicklung, doch bestanden in der
chinesischen Gesellschaft weiterhin krasse nationale
und Klassenwidersprüche, und der Widerstand der Bevölkerung
gegen die Yuan-Herrschaft hörte nie auf.
Die Herrscher der Yuan-Dynastie entrissen den
Bauern allerorts große Ackerflächen, um sie den
Garnisonen zu überlassen oder den Klöstern zu
schenken. Die Bauern mussten schwere Steuerlasten
tragen und Frondienst ableisten, ihre Pferde wurden für
militärische Zwecke beansprucht. Außerdem wurden
viele Bauern in Nordchina Sklaven des Mongolenadels.
Um Zwietracht unter den verschiedenen Völkern zu säen
und den Widerstand der Bevölkerung zu schwächen, führte
die Yuan-Regierung eine Diskriminierungspolitik ein,
indem sie die Bevölkerung des Landes in vier Stände
einteilte: Die Mongolen gehörten der privilegierten
Klasse an, gefolgt von den sog. Semu, die u. a. die
Einwohner der Westlichen Xia und der Westlichen
Region, darunter auch die Uiguren, sowie die in China
ansässigen Europäer umfassten, dann kamen die Qidan,
die Nüzhen und die im Staat Jin lebenden Han, und
ganz unten standen die "Südlichen
Menschen", die am und südlich des Changjiang
lebenden Han und die ethnischen Minderheiten im Südwesten.
Schon 1278, nur zwei Jahre nach der Eroberung der
Südlichen Song-Dynastie durch Kublai Khan, begann
Huang Hua aus Jianning (heute Kreis Jian'ou, Fujian)
gemeinsam mit einer Führerin der She-Nationalität
einen bewaffneten Aufstand zum Sturz der Yuan. Mehrere
hunderttausend Männer schlossen sich dem Aufstand an
und kämpften sechs Jahre lang. Von örtlichen Beamten
wurden im Jahr 1283 über 200 Aufstände im ganzen
Land gemeldet, und einem offiziellen Bericht zufolge
waren allein im Jahr 1289 mehr als 400 Aufstände in
den Gebieten südlich des Changjiang zu verzeichnen.
Im
Jahr 1343 trat der Huanghe über die Ufer. Um die
Deiche zu befestigen, wurden daraufhin mehr als 150
000 Männer organisiert, was die verarmten Bauern zu
einem neuen Aufstand veranlasste. Die Bauern erhoben
sich unter Führung von Liu Futong zu einem großen
Aufstand in Yingzhou in der heutigen Provinz Anhui,
der als "Aufstand der Roten Turbane" bekannt
ist, weil sich die Rebellen rote Schals um den Kopf
als besonderes Kennzeichen banden. Die bald auf
hunderttausend Mann angeschwollene Truppe eroberte
eine Anzahl von Orten im Südteil der heutigen Provinz
Henan, worauf auch in Gegenden am Fluss Huaihe und
beiderseits des Changjiang Revolten ausbrachen. Im
Jahr 1355 gründete Liu Futong in Anhui eine neue
Regierung, die sich Song nannte. Die Armee der Roten
Turbane zog im Jahr 1357 auf drei Routen nach Norden.
Im Jahr 1358 eroberte Liu Futong die Stadt Kaifeng,
wohin die Song-Regierung ihre Hauptstadt verlegte.
Damit erreichten die Roten Turbane praktisch den Höhepunkt
ihrer Macht. Da sie aber nur Eroberungskriege führten
und ihre Streitkräfte allzu zerstreut waren, hatten
sie angesichts der neu gebildeten Grundherren-Truppen
Niederlagen einzustecken. 1363 fiel ihr Führer Liu
Futong im Kampf, der Aufstand wurde niedergeschlagen
Zhu Yuanzhuang stammte aus einer
armen Bauernfamilie und wurde Mönch, als er noch jung
war. Im Jahr 1352 schloss er sich einer Abteilung der
Roten Turbane an. Nach dem Tode von deren Führer"
1355 übernahm Zhu Yuanzhuang das Kommando. Im Kampf
wurden seine Streitkräfte immer stärker und
kontrollierten schließlich das Gebiet am Mittel- und
Unterlauf des Changjiang. Als er das Gebiet südlich
des Changjiang fest in der Hand hatte, führte er 1367
seine Männer zu einem Nordfeldzug gegen die Yuan, die
zu jenem Zeitpunkt mit inneren Kämpfen beschäftigt
war. 1368 eroberte er die Yuan-Hauptstadt Dadu und stürzte
die Yuan-Dynastie. So fand wieder die Ablösung einer
alten Dynastie durch eine neue statt.