Die Frühlings- und Herbstperiode
Die Zeit von 722 v. Chr., 49 Jahre nach Verlegung
der Hauptstadt der Westlichen Zhou-Dynastie nach Osten, bis 481 v.
Chr. wird von Historikern als Frühlings- und Herbstperiode
bezeichnet, doch allgemein hat sich der Begriff Frühlings-
und Herbstperiode für die Zeit von 770 bis 476 v. Chr.
durchgesetzt.
Annektierung kleiner Staaten
Während der Westlichen Zhou-Dynastie
soll es in ganz China ca. 1800 kleinere oder größere
Staaten gegeben
haben. Nach Verlegung der Hauptstadt der Zhou nach
Osten kam
es zu zahlreichen Annektierungen von kleineren
Staaten. Manche größere
Staaten eroberten bis zu 50 kleinere Staaten. So
schrumpfte die Zahl der Staaten während der Frühlings- und Herbstperiode auf etwa 140.
Von diesen 140 Staaten war nur etwa ein Dutzend von
politischer Bedeutung,
darunter Qi, Jin, Chu, Qin, Lu, Zheng, Song, Wei,
Chen, Cai, Wu und Yue.
Entstehung des
Privatgrundeigentums
Während der Frühlings und
Herbstperiode gab es erstmals das Privateigentum an
Grund und Boden,
und der Bestand an Privatfeldern nahm allmählich zu.
Im Jahr 594
v. Chr. erließ der Staat Lu ein neues Steuergesetz
und erhob zum erstenmal
eine Bodensteuer, mit deren Einführung das Sklavenhaltersystem
mit staatlichem Grundeigentum allmählich durch das
feudale System des
Privateigentums an Grund und Boden ersetzt wurde.
Während der Frühlings- und Herbstperiode begann
sich die Technik der Eisenverhüttung zu entwickeln, und man war
bereits in der Lage, eiserne Werkzeuge wie Äxte und Hacken
herzustellen. Pas Pflügen mit Ochsen wurde eingeführt.
Entwicklung des Handwerks und
Handels
Zugleich mit der Entwicklung
des Ackerbaus wurden während der Frühlings- und Herbstperiode
auch Handwerk und Handel vorangetrieben. Eigenständige
reiche Händler kamen auf. Metallene Münzen wurden
gegossen und in Umlauf
gesetzt. Sie lösten die als Währung dienenden
Muscheln und Kupferstücke ab.
Konfuzius und seine Beiträge zur chinesischen
Kultur
Während der frühen Östlichen Zhou-Dynastie
wurde allmählich das Kultur- und Literaturmonopol
des Adels gebrochen. Privatschulen wurden errichtet
und kamen in Mode. Einer der ersten Begründer solcher
Privatschulen war
Konfuzius.
Konfuzius' persönlicher Name war Qiu, öffentlich
angesprochen wurde er mit Zhongni. Er wurde 551 v. Chr. in Zouyi
(heute Kreis Qufu, Provinz
Shandong) im Fürstentum Lu geboren und starb 479 v.
Chr. Eine Zeitlang war er ein Beamter niedrigen
Ranges, der Lagerhäuser verwaltete und für
die Aufsicht über die Viehherden zuständig war, doch
in der meisten Zeit
seines Lebens war er Privatlehrer. Er soll mehr als
3000 Schüler gehabt haben, von denen angeblich 72 die
sogenannten "Sechs
Künste" (Riten, Musik, Bogenschießen,
Wagenlenken, Schreiben und Rechnen) schließlich
vollständig beherrschten. Oft bereiste er, von Schülern
begleitet, verschiedene Staaten, doch war es ihm nicht
vergönnt, dass
seine Vorstellungen von Politik von einem der
Herrscher übernommen
wurden. In seinen Fünfzigern wurde er Beamter für
den Strafvollzug und die Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung im Fürstentum
Lu. Seine späteren Jahre widmete er der Sammlung und Herausgabe
literarischer Texte. Ihm wird die Herausgabe des Buches
der
Urkunden (Shang Shu) und des Buches der
Lieder (Shi Jing) zugeschrieben. Dem Buch der Wandlungen (Zhou Yi), einem
Werk über Weissagungen,
fügte er erklärende Bemerkungen hinzu. Er stellte
die Frühlings- und Herbstannalen (Chun Qiu) zusammen
und bearbeitete das
Buch der Riten (Li Ji) und das Buch der
Musik (Yue). Bis auf das Buch
der Musik, das verloren gegangen ist, wurden die anderen fünf Bücher
konfuzianische Klassiker, die von den Anhängern des Konfuzianismus
studiert und befolgt werden mussten. Die Frühlings-
und
Herbstannalen waren
die erste vollständige Zeitgeschichte mit großem
Einfluss auf spätere historische Werke. Nach seinem
Tod stellten seine Jünger seine Äußerungen in einem
Buch mit dem Titel Gespräche (Lun Yu) zusammen.
Seine Beiträge zum Erziehungswesen und für die Verbreitung der überlieferten Kultur sind von großer Bedeutung.