Wohngehöfte in Nordchina

Ein Wohngehöfte in Nordchina ist ein Anwesen mit Häusern an vier Seiten um ein Hof in der Mitte, eine grundlegende Form des chinesischen Wohnungsbaus, deren bekanntestes Beispiel der alte Beijinger Wohnhof ist. Das Haupthaus ist gegen Süden gerichtet, um im Winter mehr Sonnenwärme und Licht zu bekommen. Hier wohnt der Hausherr. Die Seitenhäuser sind für die Kinder bestimmt. Dem Haupthaus gegenüber befindet sich inmitten eines Korridors das sogenannte zweite Tor. Davor gibt es einen kleinen Vorhof und gegen Norden zu ein Haus, das für Gäste und männliche Dienstleute bestimmt ist. An der östlichen Seite dieses Hauses ist Eingang des Wohnhofs. Im hinteren Teil des Anwesens befindet dich noch ein kleiner Hinterhof mit einem Wohnhaus für die weiblichen Dienstleute und mit einer Küche und Lagerräumen. Toiletten befinden sich oft in Flügelzimmern des Haupthauses oder eines Seitenhauses. Alle Türen und fast alle Fenster gehen zur Innenseite. An der Rückseite zur Straße gibt es immer nur ganz wenige kleine Fenster. Auf diese Weise wurde ein Wohnbereich frei von Störungen von außen geschaffen, in dem sich die traditionelle, vom patriarchalischen System geprägte Lebensweise entfalten konnte.

Tritt man durch den Eingang in den Hof, sieht man sich einer Schirmwand gegenüber, die in der Regel mit Ziegelschnitzereien verziert ist. Manchmal stehen auch Zierpflanzen oder Miniaturlandschaften davor. Hinter dem zweiten Eingangstor ist der Haupthof - das Wohnviertel der Familie. In dem Hof ist ein kreuzartiger Weg gepflastert. Auf Bäume wird großer Wert gelegt. In Frage kommen Bäume, die im Frühling blühen, im Sommer Schatten werfen und im Herbst Früchte tragen, z. B. Kaki-, Zierapfel-, Dattel- und Birnbäume.

Wohnhöfe waren unterschiedlich groß je nach der gesellschaftlichen Stellung und dem Wohlstand des Besitzers. Kleinere Wohnhöfe haben keinen Vorhof und Hinterhof, so dass der Eingang direkt zum Haupthof führt. In großen und reichen Familien wohnten mehrere Generationen zusammen. Dafür wurden mehrere Höfe hintereinander oder parallel angelegt. Zu dem Baukomplex gehörte manchmal auch ein Garten. Alle diese getrennten Höfe hatten einen Ausgang zu einem öffentlichen Weg, genannt Hutong. Schmale und breitere verbanden diese Anwesen zu Wohnvierteln. In den Gassen hallten die Rufe von Wasserträgern, Hausierern, Friseuren und Lumpensammlern. Heute verschwinden die letzten Überbleibsel in der Hutong-Kultur des alten Beijing. Nur noch wenige Hutongs erinnern daran, wie man in Beijing einmal lebte.

Die Gehöfte in Nordostchina waren anders. Lange und kalte Winter erforderten eine entsprechende Bauweise. Die Höfe waren hier geräumiger. Das Eingangstor war breit und befand sich in der Mitte an der Frontmauer, damit Pferdewagen leicht ein- und ausfahren konnten. Die Höfe waren oft in ost-westlicher Richtung breit und in süd-nördlicher Richtung schmal, damit möglichst viel Licht in die Häuser gelangen konnte.

Auch in der Provinz Shanxi bauten reiche Kaufleute in den Städten Wohnhäuser in der Form von Höfen. Allerdings waren diese Häuser meist zweistöckig, manche Haupthäuser sogar dreistöckig. Die Höfe waren in der Regel von vier Häusern an den vier Seiten umschlossen, von denen manche noch kleinere Flügelhäuser hatten. Und an den vier Ecken gab es ein- oder zweistöckige Eckhäuser. Das Eingangstor zu einem solchen Hof befand sich zumeist an der südöstlichen Ecke des Anwesens. Das Tor war wie ein Ehrenbogen, der oft höher war als die Häuser selbst, prächtig angelegt. Vor dem Tor gab es Steintrommeln und steinerne Löwen. Diese Höfe wirken mächtiger als die Wohnhöfe in Beijing.