Qingyiyuan

Im Jahr 1744 wurde der Garten des Hellen Vollmonds fertiggestellt. Kaiser Qianlong schrieb dafür ein Nachwort für den Garten des Hellen Vollmonds, in dem er die schöne Landschaft und den Umfang des Gartens rühmte. Seinen Kindern riet er, in neue Gärten nichts mehr zu investieren, weil es unmöglich sei, den vorhandenen zu übertreffen. Doch der Kaiser schien vergesslich gewesen zu sein, denn nach wenigen Jahren gab er ein Edikt, nicht weit vom Garten des Hellen Vollmonds in westlicher Richtung den Garten des Reinen Wassers anzulegen. Der Grund war ganz einfach: Kaiser Qianlong liebte die Gärten in Südchina, die mit der echten Natur untrennbar verbunden sind. Betrachtete der Kaiser seine Gärten, so vermisste er im Garten der Wohltuenden Stille und im Garten der Stille und des Lichts das Wasser und im Garten des Hellen Vollmonds die Berge. So waren sie nach Ansicht des Kaisers nicht mehr die idealen Gärten. Also nutzte man ein freies Gelände zwischen dem Garten des Hellen Vollmonds und dem Berg der Jadequelle, auf dem sich ein Hügel mit dem Namen "See des Tongefäßberges" befanden, für die Anlage eines weiteren Gartens. Aus Anlass des 60. Geburtstages seiner Mutter und der Sanierung des Wassersystems in der nordwestlichen Vorstadt wurde der Bau des Gartens des Reinen Wassers im Jahr 1750 in Angriff genommen.

Als erstes vergrößerte man die Wasserfläche. An der Ostseite wurde ein Damm gezogen, um den Wasserstand zu erhöhen und mit dem gestauten Wasser die Hauptstadt zu versorgen. Der neue See bekam den Namen Kunming-See. Mit der ausgehobenen Erde wurde der Hügel höher gemacht. Er bekam dann den Namen Berg des Langen Lebens, und auf ihm entstanden zahlreiche Bauten. Der neue Garten wurde 1764 fertiggestellt. Er war eine der größten kaiserlichen Gartenanlagen, 290 Hektar umfassend.

Der Garten des Reinen Wassers besteht aus drei Teilen, dem Palastrevier am östlichen Eingang, dem See und dem Berg mit seinen Bauten und dem Bereich des Hinteren Sees.

In der Regel befand sich der Palast immer im vorderen Teil eines Gartens. Auch im Garten des Reinen Wassers war dies so. Der Palastkomplex war eindrucksvoll, nur nicht so groß wie der in der Verbotenen Stadt. Vorn stand die Halle des Wohlwollens und der Langlebigkeit, die dem Kaiser als Büro und Audienzhalle diente, dahinter waren sein Schlafgemach und andere Räumlichkeiten angeordnet.

Der See und das Ufergebiet sind der wichtigste Teil des Gartens des Reinen Wassers. Der Berg des Langen Lebens liegt direkt am See. Auf dem vorderen Berghang gibt es einen Tempelkomplex. Das Eingangstor, die Haupthalle und die anderen bedeuteten Bauten sind auf einer Hauptachse topographisch angepasst angelegt - ein beachtliches Geburtstagsgeschenk für die Kaiserinmutter. Der Baukomplex ist nicht nur umfangreich, auch auf Formschönheit und Verzierung wurde großes Gewicht gelegt. Der Pavillon des Göttlichen Wohlgeruchs, in dem eine große Buddhastatue steht, ist fast 40 Meter hoch. Er ist flankiert von anderen, symmetrisch angeordneten Bauten. Vor dem Berg des Langen Lebens breitet sich der Kunming-See aus. Westlich des Sees hat man nach dem Vorbild des Westsees in Hangzhou einen schmalen Damm gezogen, der mit sechs Brücken ausgestattet wurden. Der Damm zerschneidet den See in drei Teile, jeder Teil mit einer Insel, die die drei legendären Inseln der Unsterblichen im Ostchinesischen Meer symbolisieren. Am Fuß des Berges des Langen Lebens zieht sich ein 728 Meter langer Wandelgang von Ost nach West, der aus Holz gebaut und bunt bemalt ist. Dargestellt sind Szenen aus chinesischen Legenden, Märchen und Opern sowie Tiere und Pflanzen.

Zwischen dem hinteren Berghang und der Außenmauer verläuft ein etwa 50 Meter breiter Streifen, auf dem ein Kanal angelegt wurde. Mit der ausgehobenen Erde wurden an der Mauer Hügel aufgeschüttet. Mit dem Kunming-See verbunden, verläuft der Kanal mal breit und mal schmal in Richtung Westen. An der Mittelstrecke wird er von zahlreichen Läden gesäumt, das ist die so genannte Suzhou-Straße, die nach dem Modell der Stadt Suzhou in Südchina gebaut worden ist.

Am nördlichen Hang des Berges des Langen Lebens gibt es einen lamaistischen Tempel. Die Bauten liegen zwischen dicht wachsenden Bäumen, es herrscht eine stille und friedliche Atmosphäre, ein großer Kontrast zur vorderen Seite des Berges, wo man ein ausgedehntes Areal überblickt.

Im Jahr 1860 wurde der Garten des Reinen Wassers von britischen und französischen Truppen gleich den anderen Parkanlagen in diesem Gebiet zerstört. Alle Holzkonstruktionen wurden niedergebrannt. Zurückgeblieben waren nur die Steintreppen vor dem Pavillon des Göttlichen Wohlgeruchs und einige wenige Steinbauten. Eine zeitgenössische Beschreibung schildert den Garten des Reinen Wassers nach dem Brand so:

Die Jadequelle weint bitter, der Kunming-See ist gestaut,

allein und verlassen hält der bronzene Büffel in der Öde noch Wache,

in den Trümmern heult der Fuchs in der Nacht,

sogar die Fische trauern unter den Brücken.

Im Jahr 1888 ließ die Kaiserinwitwe Cixi den Hauptteil des Gartens des Reinen Wassers wieder herstellen und benannte ihn um in Sommerpalast. Im Jahr 1900 drangen die alliierten Truppen aus Großbritannien, Frankreich, Japan, den USA, Deutschland, Italien, Russland und Österreich in China ein. Truppen aus dem zaristischen Russland, Italien und Großbritannien hielten den Sommerpalast ein Jahr lang besetzt, räumten die ganze Anlage leer und demolierten Bauten. Zwei Jahre später investierte die Qing-Regierung viel Geld in eine groß angelegte Renovierung, und weitere zwei Jahre später feierte die Kaiserinwitwe Cixi dort ihren 70. Geburtstag - das letzte Mal, dass der Kaiserhof diese Anlage zu einem festlichen Anlass nutzte.