Yuanmingyuan

Während der Regierungsperiode Kangxi wurde zunächst der Changchunyuan (Garten des Herrlichen Frühlings) angelegt, der erste kaiserliche Garten der Qing-Zeit im westlichen Vorort Beijings. Er bestand aus einem Vorhof, in dem der Kaiser wohnte, und einem Hintergarten mit einer Wasserfläche und Wald. Im Jahr 1708 ließ Kaiser Kangxi nördlich davon den Garten des Hellen Vollmonds bauen, den er seinem Sohn Yinzhen übergab, der als Kaiser Yongzheng die Nachfolge antrat. Kaiser Yongzheng ließ den Garten des Hellen Vollmonds ausbauen, indem er einen Palastteil hinzufügte. Während der Herrschaft des Kaisers Qianlong florierte die Wirtschaft, und die Landesstärke nahm weiter zu. Kaiser Qianlong war ein leidenschaftlicher Liebhaber von Gärten. Er reiste sechsmal nach Südchina, sah sich in berühmten Bergen und Gärten um und befahl, mit der Anlage großer Gärten zu beginnen. Der Garten des Hellen Vollmonds erlebte eine erneute Vergrößerung, denn der Garten des Herrlichen Frühlings und der Garten des Zehntausendfachen Frühlings wurden mit ihm zusammengelegt. Er nahm nun eine Fläche von 350 Hektar ein. Erst nach 30 Jahren war der Garten fertiggestellt.

Der Garten des Hellen Vollmonds befand sich auf einer Ebene. Es gab keinen See, doch das Grundwasser stand nur einen Meter unter der Erdoberfläche einen großen Teil des Gartens ein. Der größte See war der 600 Meter breite Fuhai (Glückssee) mit verschiedenen Inselchen. Mittelgroße Seen waren 200 bis 300 Meter breit. Dazu kamen noch viele kleine Teiche, die mit Gebäuden und Hügeln kleine landschaftliche Szenerien formulierten. Der Garten war zu Hälfte mit Wasserflächen bedeckt. Ein Drittel nahmen Hügel ein, die mit der bei der Anlegung der Seen ausgehobenen Erde aufgeschüttet worden waren. Alle diese künstlichen Hügel waren nicht hoch. Sie störten die Landschaft nicht, sondern bildeten im Gegenteil unentbehrliche Bestandteile des Gartens.

So war der Garten des Hellen Vollmonds eigentlich ein Garten, der sich aus vielen kleinen Gärten zusammensetzte. Er übertraf bei weitem den Garten des Reinen Wassers und den Beihai-Park in der Stadt, was den Umfang anbelangt. Nur hatte er keine vergleichbaren Aussichtspunkte wie den Berg des Langen Lebens im Garten des Reinen Wassers und die Insel der Erlesenen Jade im Beihai-Park, die eine zentrale Rolle für eine Anlage spielten. Im Garten des Hellen Vollmonds waren dafür Gruppen von Sehenswürdigkeiten verstreut am Ufer und auf Inseln angeordnet. Dazu gehörten u.a. die Halle der Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit, in der der Kaiser Audienzen gab, die Pengdao-Yaotai-Insel, die gemäß Legenden nach dem Muster einer Insel für unsterbliche gebaut wurde, und der Ahnentempel Anyougong. Einige berühmte Gärten in Südchina gefielen dem Kaiser Qianlong bei seinen Inspektionsreisen so sehr, dass er befahl, manche dieser Gärten in der Hauptstadt nachzubauen. Daraufhin entstanden in verkleinerter Form Nachbildungen von Santan Yinyue (drei Teiche spiegeln den Mondschein), vom Weißen Damm des Westsees in Hangzhou und von einer Marktstraße in Suzhou. Es gab über 120 solche Baugruppen mit einer gesamten Baufläche von rund 160 000 Quadratmetern.

Die Bauwerke in diesem Garten waren von einer großen Vielfalt. Neben quadratischen und rechteckigen Formen gab es Bauten in "工","田","井" und Fächerform. Auch Dächer wurden entsprechend viereckig, sechseckig, achteckig, kreuzartig order rund gestaltet. Desgleichen waren die Wandelgänge von unterschiedlicher Gestalt. Während der Herrschaft des Kaisers Qianlong wurden im nördlichen Teil des Gartens des Herrlichen Frühlings viele europäische Steinbauten sowie Fontänen und Standbilder errichtet. Dies waren die ersten chinesischen Bauwerke im europäischen Stil. Die Planung und die Bauarbeit wurden unter Leitung des italienischen Missionars und Malers Giuseppe Castiglione durchgeführt.

Im Jahr 1856 entfesselten Großbritannien und Frankreich den Zweiten Opiumkrieg gegen China. 1860 drangen die britischen und französischen Truppen in Beijing ein. Der Garten des Hellen Vollmonds, der Garten des Herrlichen Frühlings, der Garten des Reinen Wassers, der Garten der Wohltuenden Stille und der Garten der Stille und des Lichts wurden dabei völlig zerstört. Die Aggressoren raubten nicht nur die Kostbarkeiten, sondern setzten die Gebäude zum Schluss in Brand. Zurückgeblieben sind nur Ruinen der Bauwerke im westlichen Stil, heute stumme Zeugen einer Aggression. Über diese unvergleichliche Gartenanlage können wir heute nur noch aus Büchern und Bildern etwas erfahren.