Buddhistische Pagoden

Pagoden sind spezielle buddhistische Bauten, die ihren Ursprung in Indien haben. Nachdem Sakyamuni, der Begründer des Buddhismus, verstorben war, wurde seine Leiche verbrannt. Die Knochen, seither heilige buddhistische Reliquien, begruben seine Schüler an vielen Orten. Auf den Gräbern schütteten sie Grabhügel auf, die Stupa genannt wurden, die frühe Form der Pagoden.

Mit der Einführung des Buddhismus wurde der Bau von Pagoden auch in China übernommen. In Verbindung mit chinesischen Pavillons entstanden Pagoden chinesischen Stils. Die Bauform Pavillon erschien in China sehr früh. Weil nun der Stupa als ein Symbol des Buddhismus höchst respektiert und hervorgehoben werden sollte, wurde er als ein Teil des Baus auf einen Pavillon gesetzt, und so entstand die chinesische Pagode. Sie erfuhr danach eine ständige Entwicklung und wurde zu einer wichtigen Bauform der chinesischen Architektur.

Pavillonähnliche Pagoden sind die früheste Form der Pagoden. Weil die chinesischen Pavillons Holzkonstruktionen sind, waren auch alle diese Pagoden aus Holz. Die älteste heute noch existierende pavillonähnliche Pagode ist die 1056 erbaute Sakya-Pagode des Fogong-Tempels im Kreis Yingxian, Provinz Shanxi. Sie ist ein achteckiges Bauwerk und hat eine Höhe von 67,3 Metern. Von außen gesehen scheint sie nur fünf Stockwerke zu haben, in der Tat hat sie jedoch neun. In jedem Stockwerk gibt es Buddhastatuen. Ringsherum sind jeweils nach außen offene Rundgänge. Dieser Holzbau hat in seinem über 900jährigen Bestehen mehrere heftige Erdbeben überstanden.

Holzkonstruktionen sind feuergefährdet. Hochstehende Pagoden aus Holz können leicht von Blitz getroffen werden. Um solches Unglück zu vermeiden, baute man schließlich Pagoden aus Ziegeln und Holz. Den Kern bildeten die Ziegel, außen immer noch die alte Holzkonstruktion, so dass sie das alte Antlitz beibehielten. Bei Feuer würde nur das Holz zerstört, die Pagode ließe sich leicht wieder reparieren. Diese Bauform kam in Südchina häufig vor. Ein Beispiel dafür ist die im Jahr 977 erbaute Pagode des Longhua-Tempels in Shanghai. Sie ist ein achteckiges Bauwerk und hat sieben Stockwerke. Auch die Pagode im Yunyan-Tempel in Suzhou ist so gebaut, ebenfalls ein achteckiges Bauwerk mit sieben Stockwerken. Sie stammt aus dem Jahr 961. Die Holzkonstruktion dieser Pagode ist allerdings abgebrannt, zurückgeblieben ist nur der Ziegelkern. Die Pagode drohte einst einzustürzen, wurde dann mit Stützungsmaßnahmen befestigt und ist heute ein schiefer Turm.

Pagoden aus Ziegeln oder Steinen sind zwar feuersicher, sehen aber nicht so elegant wie die aus Holz. Ein berühmtes Beispiel ist die Pagode im Yuanqing-Tempel im Kreis Tiantai, Provinz Zhejiang. Sie wurde im Jahr 598 erbaut und ist mit Glasurziegeln verkleidet. Glasurziegel können unterschiedliche Farben aufweisen und sind durch die Glasur vor Verwitterung geschützt.

Pagoden mit dichten Dächern wurden auf der Grundlage der pavillonähnlichen Pagode entwickelt. Sie sind dadurch gekennzeichnet, dass die Höhe der ersten Etage erweitert und die der anderen Etagen erheblich reduziert ist, so dass die Dächer dicht beieinander sind. Der Grundriss dieser Pagoden, meist aus Ziegeln gebaut, ist quadratisch, sechseckig oder achteckig. Seit der Song-Dynastie wurde diese Bauform weit verbreitet, insbesondere in nördlichen Gebieten. Unterschiede zwischen dieser Bauform und ihrem Vorläufer sind, dass diese Pagoden meist massiv sind und nicht mehr bestiegen werden können. Solche Pagoden sind reich verziert. Jede Seite ist mit imitierten Fenstern und Türen ausgestattet; zwischen dem Sockel und der ersten Etage gibt es Ziegel mit Buddhafiguren sowie Pflanzen- und Tiermotiven; an den Dächer sind aus Ziegeln Holzkonstruktionen imitiert. Ein Beispiel dafür ist die Pagode im Tinaning-Tempel in Beijing. Diese achteckige Pagode wurde im 12.Jahrhundert erbaut, hat 13 Etagen und ist 57,8 Meter hoch.

Lama-Pagoden Der Buddhismus, der in Tibet verbreitet ist, ist im Vergleich zu dem in anderen Landesteilen sehr verschieden. Er wird tibetischer Buddhismus oder Lamaismus genannt. Die Pagoden in Tibet ähneln mehr den Stupas in Indien. Sie bestehen aus einem halbrunden unteren Teil und einem Oberbau. Meist sind sie schlicht und einfach gestaltet und weiß angestrichen. In der Yuan-Dynastie (1217 - 1368) wurde der Lamaismus von der herrschenden Klasse Chinas bevorzugt und ins Landesinnere eingeführt. Die Weiße Pagode des Miaoying-Tempels in Beijing stammt aus dieser Zeit.

Pagoden des Buddhismus des Kleinen Fahrzeugs Aufgrund der Einführung des Buddhismus in verschiedener Zeit und durch verschiedene Wege sowie wegen der unterschiedlichen Hintergründe der nationalen Kultur, Gesellschaft und Geschichte hat sich der Buddhismus in China in drei Schulen geformt: Buddhismus der Han, tibetischer Buddhismus und Buddhismus des Kleinen Fahrzeugs in Südchina, hauptsächlich in Yunnan. Mitglieder der Dai-Nationalität, die vorwiegend in Süd- und Südwest-Yunnan leben, sind Anhänger des Buddhismus des Kleinen Fahrzeugs, der über Myanmar und Thailand eingeführt worden ist. Davon ist auch die Form der Pagoden stark geprägt. Sie heißen hier Pagoden im Stil von Myanmar. Die Manfeilong-Pagoden in Menglong, Bezirk Jinghong, wurden 1204 erbaut. Sie bestehen aus einer zentralen Pagoden (16,29 Meter hoch) und acht kleinen Pagoden (9,1 Meter hoch) ringsherum. Diese Pagoden setzen sich aus einem gemeinsamen Sockel, getrennten Körpern und Spitzen zusammen.

In der Frühperiode des Buddhismus in China besaßen Pagoden eine Stellung in den Tempelanlagen, sie waren wichtig Kultobjekte. Als dann mehr und mehr Buddhastatuen verehrt wurden, verloren sie an Bedeutung. Sie wurden hinter die Haupthalle des Tempels verdrängt, oft noch auf der Mittelachse, aber auch daneben in einem eigenen Hof. In vielen Pagoden wurden Reliquien aufbewahrt. Pagoden dienten aber auch noch anderen Zwecken: In der Tang-Dynastie bestiegen Prüflinge, die das staatliche Examen bestanden hatten, die Große Wildgans-Pagode in Chang-an und kritzelten Gedichte und ihre Namen an die Wand der Pagode. Die Liuhe-Pagode am Fluß Qiantang in Hangzhou, Provinz Zhejiang, steht an einem Berghang war am Abend mit Laternen versehen- als Leuchtturm für die Schifffahrt. Außerdem gab es Pagoden, die lediglich als Aussichtstürme dienten.