Grotten

Grotten sind am Berghang ausgehobenen buddhistische Höhlen. Es gibt davon zwei Arten: Die eine ist eine quadratische Höhle. An der offenen Seite ist die Tür angebracht, die drei anderen Seiten sind manchmal voller kleiner Nischen mit Buddhastatuen. In solchen Grotten meditierten einst Mönche und Gläubige. Die andren Art von Höhlen hat herausgemeißelte Pagoden an der hinteren Wand. In dem freien Raum vor der Pagode versammelten sich die Gläubigen. Die Formen der Grotten wurden vom Ausland übernommen. Sie fanden dann weite Verbreitung in China, vor allem in Xinjiang, Gansu und Shaanxi in Nordwestchina sowie in Shanxi, Henan und Hebei. Die Gestaltung der Grotten nahm jedoch allmählich immer mehr Charakter an. In Dunhuang, Provinz Gansu, und in Yungang bei Datung, Provinz Shanxi, gibt es noch Grotten der frühen Form, in denen in der Mitte eine Säule steht, die entweder als Pagode gestaltet oder mit zahlreichen Nischen versehen ist. Buddhisten gingen um diese Säulen, während sie beteten. Späteren Grotten sind meist an der hinteren Wand, zum Teil auch dreiseitig, mit Buddhastatuen versehen, die mit unterschiedlichen farbigen Ornamenten verziert wurden. Ferner gibt es in solchen Grotten meisten großartige Fresken.

Chinesische Grotten wurden oft an steilen Bergen angelegt. Darüber gibt es eine Beschreibung aus alter Zeit:

Zwischen dem blauen Himmel und den weißen Wolken,

an schroffen Felsen,

wurden aus dem Fels Buddhastatuen gehauen,

in tausend Grotten und abertauend Nischen,

künstlich angelegt,

die aus Gotteshand zu stammen scheinen.

Die damit erzeugte Stimmung verstärkt den Glauben an ein Himmelreich des Buddhismus und erregte die Ehrfurcht den Gläubigen. Die Bauarbeiten waren an solchen Stellen jedoch sehr schwierig. Bis auf eine kleine Zahl von natürlich Höhlen mussten die meisten Grotten aus den Felsen gehauen werden. Die Longmen-Grotten bei Luozang, Provinz Henan, wurden allein für die Anlegung eines 36 Meter breiten und 41 Meter tiefen Vorplatzes drei Jahre lang gearbeitet, um dann eine 17 Meter hohe Buddhastatue am Felsen zu bearbeiten. Mit dem Bau der Grotten auf dem Berg Maiji bei Tianshui, Provinz Gansu, wurde im vierten Jahrhundert begonnen. In den folgenden Dynastien ging die Arbeit weiter. Hier befinden sich über 200 Grotten. Die höchstgelegenen Grotten befinden sich über dem Boden. Sie sind durch 1 bis 1,5 Meter breite und 800 Meter lange hängende Wege auf 20 Stecken miteinander verbunden. Um diese Wege zu errichten, wurden Pfähle als Stützen in den Felsen befestigt, auf denen man dann Holzplanken verlegte. Als Sicherheitsmaßnahme wurden diese hängenden Wege mit Geländern versehen.

Der kunsthistorische Wert dieser Grotten besteht vor allem darin, dass sie eine große Menge von Schnitzereien, Tonfiguren und Malereien beherbergen. Obwohl es sich dabei um buddhistische Inhalte handelte, gibt es auch zahlreiche Darstellungen früher Architektur. Die Wandgemälde und Steinschnitzereien in den Grotten von Dunhuang, Longmen und Yungang zeigen Stadtschutzwälle, Paläste, Tempel und Klöster, Gärten und Straßen. Man kann hier die Formen und die Konstruktion antiker Bauten wie Hallen, Lauben und Pavillons, Läden, Wohnhäuser und Brücken studieren. Diese bildlichen Darstellungen sind sehr wertvoll, weil heute nur noch ganz wenige Bauten aus dieser frühen Zeit Chinas erhalten sind.