Kaisergräber der Ming-Dynastie

Im Jahr 1398 stürzte Zhu Yuanzhang die Herrschaft der Mongolen, die rund 100 Jahre gedauert hatte, und gründete die Ming-Dynastie (1368 - 1644). Damit glaubte er als Kaiser Taizu (Regierungsperiode 1368 - 1398) der Retter der Han-Nationalität zu sein, der die Monarchie der Han- Nationalität wiederherstellte. Er ergriff mit großer Begeisterung die Initiative, die konfuzianische Lehre zu befolgen und mit den dafür vorgesehenen Gesetzen das Land zu regieren. Vom Anfang an wurden für Zivil- und Militärbeamte bestimmte Bestattungsformen vorgeschrieben. Feuer- und Wasserbestattungen wurden verboten. Bestraft wurde, wer wie die Mongolen Leichen verbrannte und die Asche verstreute. Zhu Yuanzhang wurde bei der Stadt Nanjing beigesetzt, im heute sogenannten Xiaoling-Grab. Vor dem Grab gibt es einen Weg mit Steinfiguren, der zur Opferhalle führt. Hinter der Halle ist eine hohe Terrasse, auf der sich ein Torturm befindet. Erst dahinter sieht man den Grabhügel, um den eine runde Burg gebaut wurde. Damit war die Anordnung der Kaisergräber der Ming- Dynastie festgelegt.

Im Jahr 1420 verkündete Zhu Di, dessen Kaisername Chengzu lautet (Regierungsperiode 1403 - 1424), die Hauptstadt von Nanjing nach Beijing zu verlegen. Sofort wurden die Vorbereitungen dafür in großem Umfang in Angriff genommen. Gleichzeitig ließ Zhu Di seine eigene Ruhestätte in der Nähe von Beijing aussuchen. In Frage kam schließlich der Berg Tianshou nördlich von Changping. Der  Berg hat links und rechts zwei Ausläufer, die ein kleines Becken bilden, das nur eine Seite offen lässt. Das Grab des Kaisers Chengzu ist unter dem Namen Changling bekannt und befindet sich am nördlichen Rand dieses Beckens. Die spätestens 12 Kaiser der Ming-Dynastie wurden, links und rechts dees Changling-Grabs bestattet, so dass ein richtiger Kaiser-Friedhof entstand, der heute dreizehn Ming-Gräber genannt wird. Die dreizehn getrennten Gräber sind nach einem einheitlichen Plan errichtet und haben einen gemeinsamen Eingang und einen Heiligen weg. Der Unterschied zwischen den dreizehn Ming-Gräbern und den Kaisergräbern der Tang-Dynastie ist, dass die Kaisergräber der Ming-Dynastie unter aufgeschütteten Hügeln liegen., während die Kaisergräber der Tang-Dynastie in Felsen gehauen sind.

Die Anlage mit den Ming-Gräbern hat eine Fläche von 401 Quadratmetern. Der Haupteingang im Süden heißt Großes Palasttor, vor dem noch ein Ehrenbogen mit sechs Säulen steht. Hinter dem Eingangstor befindet sich ein quadratischer Pavillon mit einer riesigen Steintafel, auf der eine Widmung der Kinder von Kaiser Chengzu eingraviert  ist. Direkt daran beginnt der Heilige Weg, den 12 Tierpaare wie Löwen, Kamele und Elefanten und 6 Paare von Zivil- und Militärbeamten säumen. Am Ende dieser Statuenallee gelangt man zum Drachen- und Phönix-Tor. Danach geht man über zwei Brücken, bevor sich der Weg zu den verschiedenen Gräbern verzweigt. Die Distanz zwischen  dem Ehrentor und dem Drachen- und Phönix- Tor beträgt 3100 Meter. In der Kaiserzeit durfte sie zu Fuß zurückgelegt werden.

Das Changling-Grab liegt in der Mitte des Gräberreviers. Angefangen wurde die Arbeit im Jahr 1409, sie dauerte 11 Jahre. Das Changling-Grab ist eine Kopie des Xiaoling-Grab in Nanjing. Das Grab besteht aus drei Höfen. Das Eingangstor bildet mit dem Leng-en-Tor den ersten Hof. Es gab früher einige kleine Seitengebäude in diesem Hof, in denen Ritualgefäße aufbewahrt wurden. Im zweiten Hof  steht de Opferhalle (Leng-en-Halle). Sie hat vorne 10 Säulen, das Dach ist vom höchsten Rang. Die Pfeifer und Balken, deren Durchmesser bis zu 1,7 Meter betragen, sind aus dem wertvollen Nanmu-Holz. Die Leng'en-Halle wurde zur selben Zeit wie die Halle der Höchsten Harmonie in der Verbotenen Stadt gebaut. Beide haben vieles gemeinsam. Sie  stehen auf einer dreistufigen Plattform und haben Dächer vom höchsten Rang. Die Leng-en-Halle ist nur wesentlich kleiner als die Halle der Höchsten Harmonie. Die Plattform ist niedrig, der Hof vor der Halle kleiner. Im dritten Hof befindet sich ein sog. Seelenturm auf dem großen Grabhügel.

Das Grab wurde noch nicht freigelegt. Hingegen kann man die Grabkammern des Dingling-Grabs, des Grabs von Shenzong, dem 13.Kaiser der Ming-Dynastie (Regierungsperiode 1573 - 1619), und seinen zwei Gemahlinnen, besichtigen.  Der Bau dieses Grabs wurde 1584 in Angriff genommen und dauerte 6 Jahre. Täglich arbeiteten hier rund 30 000 Menschen. Insgesamt wurden dafür über 8 Millionen Unzen Silber ausgegeben, zwei Jahreseinkommen des ganzen Landes. Das Dingling-Grab ist eine der größeren Ming-Gräber. Allerdings wurde der Oberbau zum großen Teil zerstört. Zurückgeblieben sind davon nur der Seelenturm und der Grabhügel. Die fünf Grabkammern aus Stein, mit Durchgängen und Toren miteinander verbunden, befinden sich 27 Meter unter der Oberfläche des Grabhügels und haben eine Fläche von 1195 Quadratmetern. Die Decke ist bogenartig gestaltet und der Fußboden mit dem Ziegelplatten der Spitzenqualität belegt. Die drei Hauptkammern liegen hintereinander und sind jeweils mit zwei Torflügeln ausgestattet, die je 3,3 Meter hoch und 1,7 Meter breit sind und 4 Tonnen wiegen. Um die Bewegung der so schweren Toren zu erleichtern, sind die Tore angelseitig 0,32 Meter und an der anderen Seite 0,17 Meter dick, so dass das Hauptgewicht auf der Angel liegt. Die rund geschliffenen Angelenden tragen zur Bewegung der Tore wesentlich bei.

Die größte Kammer ist die Hinterkammer. Sie ist 36,1 Meter lang, 9,1 Meter breit und 9,5 Meter hoch. Hinten an der Wand ist Sargpodest gemauert, auf dem in der Mitte der Sarkophage des Kaisers Shenzong und zu beiden Seiten die Sarkophage seiner zwei Kaiserinnen standen. Ringsherum befanden sich auf dem Sargpodest Grabbeigaben in roten Holzkisten, darunter Schalen aus Gold, Silber und Jade, eine große Menge von Seidenstoffen, eine Kaiserrobe mit zwölf Drachen und ein Kleid mit Mustern von Kiefern, Bambus, Winterkirsche, Pfirsich und hundert Kindern für die Kaiserin. Am wertvollsten sind eine Goldkrone des Kaisers und zwei Phönixkronen der Kaiserin. Die Krone des Kaisers mit einem Drachenmuster wurde ganz aus feinen Goldfäden geflochten. Die zwei Phönixkronen sind mit über 5000 Perlen und mehr als 100 Diamanten versehen. Insgesamt fand man in dem Grab rund 3000 Gegenstände der erlesensten Art.