Kaisergräber der Tang- und der Song-Dynastie

Die feudalistische Gesellschaft trat mit der Gründung der Tang-Dynastie in eine Blütezeit. Die Kaiser, die in monumentalen Palastanlage lebten, streben auch nach einem prächtigen Leben im Jenseits. Der zweite Kaiser der Tang-Dynastie, Taizong (Regierungsperiode 626 - 649 ), gab sich mit herkömmlichen Verfahren des Gräberhaus nicht mehr zufrieden. Er wählte auf einem imposanten Berg den Platz für seine Ruhestätte aus und ließ sein Grab in die Felsen hausen. Damit wurde eine neue Bestattungsform geschaffen. Ein gutes Beispiel dafür ist auch das Kaisergrab Qianling in der Nähe von Chang'an (heute Xi'an), der damaligen Hauptstadt der Tang-Dynastie, in dem Kaiser Gaozong und Kaiserin Wu Zetian (die einige offiziell gekrönte Kaiserin der chinesischen Geschichte) beigesetzt sind. Das Grab befindet sich im Berggebiet Liangshan des Kreises Qianxian. Der 1047 Meter hohe Berg Liangshan hat an der südlichen Seite einen Ausläufer mit zwei einander gegenüberliegenden Hügeln. Das Grab wurde auf halber Höhe des Hauptgipfels angelegt, tief in die Felsen gegen alle Plünderungsversuche versteckt. Zwischen den Hügeln führt ein rund zwei Kilometer langer Weg hindurch, der von mehr als hundert Menschen- und Tierfiguren gesäumt ist, darunter Zivil- und Militärbeamte sowie Könige aus fernen Ländern. Auf den Zwei Hügeln stehen je ein Que. Ein Grab, das die imposante Lage eines Berges nutzte, demonstrierte die Nacht natürlich besonders eindrucksvoll.

Die Song-Dynastie (960 - 1279) wurde stets von Nomadenvölkern aus dem Norden gestört. Sie war politisch und militärisch wesentlich schwächer als die Tang-Dynastie, was sich auch im Grabbau zeigt. Die Kaisergräber der Song- Dynastie waren viel kleiner als die der Tang-Zeit. Der Kaiserhof der Song- Dynastie schrieb sogar vor, dass zu  Lebzeiten des Kaisers und der Kaiserin der Bau nach ihrem Tod innerhalb von sieben Monaten fertig sein müsse. Aus diesem Grund sind ihre Gräber alle nicht groß und in der Form einfach. Die Nördliche Song-Dynastie hatte neun Kaiser, die im Kreis Gongxian, Provinz Henan, auf einer Ebene beigesetzt wurden. Vor den Gräbern sind Wege angelegt, an denen Steinfiguren stehen, und um die Gräber wurde eine Mauer gezogen. An den vier Ecken der Mauer wurden je ein kleiner Turm gebaut. Die neun Gräber liegen dicht beieinander. Jedes einzelne Grab wirkt eher bescheiden, erst die ganze Gräbergruppe macht Eindruck.

Diese Gräber sind bis heute nicht freigelegt. Allerdings kennen wir in Hebe, Henan und Shanxi einige mittelgroße Gräber aus dieser Zeit. Da das Handwerk und der Handel eine große Entwicklung erfuhren, tauchte damals eine große Anzahl von reichen Kaufleuten und Beamten auf. Ihre Gräber waren zwar nicht sehr groß - die kleinste Grabkammer misst an jeder Seite nur zwei Meter - dafür aber vorzüglich verziert. Sie alle sind Stein- und Ziegelbauten, und an den vier Wänden der Grabkammern sind oft Szenen aus dem Leben der Verstorbenen dargestellt. In einer Grabkammer ist an den Wänden das Wohnhaus des Toten zu stehen. An jeder Wand blickt man in drei Zimmer. An der Wand der Frontseite sitzt das Ehepaar an einem Tisch einander gegenüber, auf dem sich Speisen und ein Blumenstrauß befinden. Auf der Bühne, die an der Wand gegenüber dargestellt ist, führen Männer und Frauen gerade eine Oper auf. Alle Szene sind in Ziegelschnitzereien festgehalten. Solche Darstellungen sind typisch für den Grabbau dieser Zeit.