Gräber

In Altchina glaubte man, dass alle Dinge unter dem Himmel eine angeborene Seele hätten. Der Tod eines Menschen bedeute deshalb nur den Schwund der sterblichen Hülle, seine Seele jedoch existiere weiter im Jenseits. Auf die Bestattung wurde deshalb großer Wert gelegt.

Auf dem ausgedehnten Territorium Chinas lebt eine Vielzahl von Nationalitäten, die jeweils ihre eigene Bestattungskultur entwickelt haben. Die Han-Nationalität bevorzugt die Erdbestattung in einem Sarg. Die Hui-Nationalität in Nordwestchina pflegt die Toten mit Tüchern zu umwickeln, bevor sie begraben werden. Dann wird ein Grabhügel im muslimischen Stil errichtet. In Tibet gibt es die sogenannte Himmelsbestattung. Die Leichen werden auf den Berg getragen, zerschnitten und den Geiern, die dort warten, überlassen. Die Toten, so der alte Glaube, können nur in den Himmel aufsteigen, wenn ihr Fleisch aufgefressen wird.

Der Ahnenkult, der in der vorgeschichtlichen Zeit entstand, wurde vom Konfuzianismus verstärkt. Die konfuzianische Schule legte großes Gewicht auf die Pietät, die für sie die Grundlage war für die Stabilität des patriarchalischen Gesellschaftssystems, das vor allem durch die Blutsverwandtschaft zusammengehalten wurde. Die konfuzianischen Gelehrten glaubten, dass Menschen, die die Alten ihrer Sippe ehren und ihnen nach ihrem Ableben Opfer darbringen, auch der staatlichen Obrigkeit Respekt entgegenbringen würden. Das Grab wurde als Wohnung in einer anderen Welt angesehen und war den Wohnungen für die Lebenden gleichgestellt. Jedoch erlaubten die finanziellen Verhältnisse nicht jedem, ein prunkvolles Grab anzulegen. Luxuriöse Gräber hatten eigentlich nur Kaiser- und Adelsfamilien. Sie scheuten keinen Aufwand, um an ausgewählten glückverheißenden Orten Gräber zu bauen, die oft Palästen glichen. Dabei gab es eine strenge Rangordnung, die den Umfang des Oberbaus und der Grabkammern sowie die Zahl der Beigaben vorschrieb.

Die Gräber, auf die hier eingegangen wird, bestehen normalerweise aus einem unter- und einem oberirdischen Teil. Sie wurden oft aus Steinen und Ziegeln gemauert, weil sie die Zeit überdauern sollten. In den Grabkammern wurden neben dem Toten vielerlei Beigaben untergebracht. Der Oberbau des Grabs diente für Opferzeremonien. Oft stehen dort Menschen- und Tierfiguren aus Stein Spalier. Es wurden auch ein Eingangstor zum Grab, Grabhallen, Stelenpavillons und Ehrenbogen errichtet. Der Grabkomplex war von Bäumen umgeben.

Mit der Entwicklung des Bestattungssystems wurde der Grabbau, der stark vom Aberglauben geprägt war, immer mehr verfeinert. In den Gräbern findet man auch zahlreiche Eingravierungen, Malereien und Kalligraphien.