Gedenkstätten für historische Persönlichkeiten

China kann auf eine lange Geschichte und eine glänzende Kultur zurückblicken. Zahlreiche bekannte Persönlichkeiten gingen in die Annalen ein, von deren Gedankengut wir heute noch profitieren. Darunter gab es Gelehrte, die zur Entwicklung von Ideologie und Literatur beitrugen, Generäle, die sich militärische Verdienste erwarben, Patrioten, die für das Vaterland den Heldentod starben, und unbestechliche Beamte, die sich vor der Macht nicht beugten. Nach ihrem Tod richtete das Volk oft Gedenkstätten für sie ein, so dass im ganzen Land zahlreiche solche Stätten zu finden sind, die oft Tempel heißen. Hier einige wichtige Beispiele:

Konfuziustempel    Die bedeutendsten Gedenkstätten für eine bekannte Persönlichkeit sind zweifellos die Konfuziustempel. Konfuzius (551 - 479 v.Chr.) war ein großer Denker, Gelehrter, Pädagoge und schließlich Begründer der konfuzianischen Schule. Bis zum 19. Jahrhundert war der Konfuzianismus stets die orthodoxe Ideologie der herrschenden Klasse. Konfuzius wurde sogar mit dem Titel Heiliger geehrt. In ganz China wurden Konfuziustempel errichtet, der größte in Qufu, Provinz Shandong, wo Konfuzius gelebt hatte. Er umfasst eine Fläche von 21 Hektar und misst von Süd nach Nord 650 Meter. Die vordere Hälfte der Anlage besteht aus drei Ehrenbögen und fünf Toren. Die hauptsächlichen Bauten,  nämlich vier große Hallen, befinden sich in der hinteren Hälfte der Anlage. Das wichtigste Bauwerk ist die Dacheng-Halle, in der einst die Zeremonien zu Ehren vom Konfuzius abgehalten wurden. Die Dacheng-Halle ist 54 Meter breit, die Dachform ist jener der Halle der Vollkommenen Harmonie in der Verbotenen Stadt ähnlich. Auffallend sind zehn Steinsäulen an der Vorderseite, um die sich eingemeißelte Drachen winden. Die Halle steht auf einer zwei Meter hohen Plattform, vor der sich eine breite Terrasse befindet. Hier fanden früher große Opferrituale statt. Der Kaiser schickte oft Gesandte nach Qufu, um Konfuzius die Ehre zu erweisen. Manchmal kam er auch persönlich, um die Stellung des Konfuzianismus zu betonen. In der Qing-Dynastie erlaubte Kaiser Yongzheng (Regierungsperiode 1723 - 1735), für die Restaurierung des Konfuziustempels gelbglasierte Dachziegel zu benutzen, die eigentlich nur der Kaiserfamilie vorbehalten waren. Auch in vielen anderen Städten wurden Konfuziustempel errichtet. Seit dem 11. Jahrhundert wurden sie überall mit Schulen zusammengelegt.

Guan-Yu-Tempel      Im 3. Jahrhundert befand sich China in der Periode der Drei Reiche. In Südwest-China gründete Liu Bei das Shu-Reich (221 - 263). Er schloss mit seinen Generälen Guan Yu und Zhang Fei Brüderschaft und hatte in Zhuge Liang einen Kanzler, der nicht nur loyal war, sondern sich durch Scharfsinn und Einfallsreichtum auszeichnete. Der klassische Roman Die Drei Reiche hat dazu beigetragen, dass die Geschichten um sie im Volk weit verbreitet sind. Geschichtlichen um sie im Volk weit verbreitet sind. Geschichtlichen Überlieferungen und der Beschreibung in diesem Roman zufolge waren sie von den Konfuzius gepredigten Tugenden wie Wohlwollen, Gerechtigkeit, Anstand und Vertrauenswürdigkeit geprägt. Im ganzen Land wurden viele Gedenkstätten für sie gebaut, vor allem in Sichuan, wo das Shu-Reich existiert hatte. Der Tempel des Herzogs von Wu in Chengdu und der Tempel des Göttlichen Kriegers sind jeweils Zhuge Liang und Guan Yu gewidmet, doch in beiden Tempeln sind auch Statuen von Liu Bei und Zhang Fei aufgestellt. Guan Yu gelangte posthum zu dem Titel Göttlicher Krieger und ist seither in China ein Vorbild und Schutzpatron der Soldaten. Guan-Yu-Tempel und Konfuziustempel gab es früher praktisch in jeder Stadt.

Tempel des Herrn Bao  Bao Zheng war ein hoher Beamter in der Nördlichen Song-Dynastie (960 - 1127), gerecht und unbestechlich. Er ließ bei seinen Amtstätigkeiten keine Nachsicht walten, so dass auch Potentaten vor Rechtswidrigkeiten zurückschreckten, und kümmerte sich um das Wohl und Wehe des einfachen Volkes. Geschichten über ihn werden immer wieder erzählt und auch als Theaterstücke aufgeführt. In seiner Heimatstadt Hefei steht zu seinen Ehren ein Tempel, der in der Ming-Dynastie erbaut worden ist.

Im Krei Guanxian unweit von Chengdu gibt es die Bewässerungsanlage Dujiangyan, die im dritten Jahrhundert v.Chr. unter Leitung des damaligen Provinzpräfekten Li Bing und dessen Sohn fertiggestellt wurde. Bis heute profitiert eine große Fläche Ackerland auf der Westsichuan-Ebene von dieser Anlage. Man errichtete an einem Hang oberhalb der Bewässerungsanlage einen Tempel für Vater und Sohn, die im Volksmund zwei Könige genannt werden.

Auch für Dichter aus alter Zeit gibt es in China Gedenkstätten. Ein Beispiel ist der große Dichter Du Fu aus der Tang-Zeit, an den in Chengdu seine sog. Strohhütte erinnert. In einer Zeit, in der die Tang-Dynastie bereits in den Abwärtstrend geriet, machte Du Fu die sozialen Probleme zum Thema seiner Gedichte. Das Mitleid mit dem Volk, das Du Fu in seinen Versen zum Ausdruck brachte, beeindruckt noch heute.

Was haben die oben genannten Gedenkstätten gemein?

Erstes sind sie vor allem in der Heimat oder an der jeweiligen Wirkungsstätte der betreffenden Persönlichkeiten, manche sogar auf dem Grundstück ihrer alten Domizile, errichtet. Sie haben deshalb keine einheitlichen Formen, weisen vielmehr Merkmale volkstümlichen Baustils auf. Der Zhang-Fei-Tempel im Kreis Yunyang, Provinz Sichuan, wurde z.B. auf dem Berg am Südufer des Yangtse gegenüber der Kreisstadt erbaut. Die Bauten dieses Tempels fügen sich ausgezeichnet in den Berghang ein. Mit den geschwungenen Dächern und buntglasierten Ziegeln bietet die ganze Anlage einen lebhaften Eindruck. Auch der Tempel für Li Bing und seinen Sohn befindet sich am Fluss auf einem Hang. Vom Eingangstor bis zur Haupthalle gibt es nacheinander vier Tore, die in Verbindung mit Ehrenbogen, Wachturm und Bühne unterschiedliche Formen aufweisen. Man sieht auch Schirmwände und Pavillons. Bis er die Haupthalle des Tempels erreicht, passiert der Besucher viel Sehenswertes.

Zweitens spielen diese Gedankstätten alle eine erzieherische Rolle für das Volk. Die in diesen Tempeln geehrten Persönlichkeiten haben entweder in bestimmten Bereichen für die Entwicklung der Geschichte und der Nation beigetragen, oder sie waren Vorbilder für ein tugendhaftes Leben. Der Tempel des Herrn Bao umfasst nur einen schlichten Hof. Im Hof steht eine Statue des aufrechten Beamten. Die einfache Gestaltung selbst ist der Ausdruck der Redlichkeit des Bao Zheng.