Projektierung der Verbotenen Stadt

Die Stadt Beijing wurde in der Ming-Dynastie auf der Grundlage der Stadt Dadu errichtet. Sie bestand aus drei Teilen, nämlich dem Kaiserpalast oder der Verbotenen Stadt, der Kaiserstadt mit dem Chengtianmen (Tor der Stütze des Himmels), dem heutigen Tian'anmen ( Tor des Himmlischen Friedens) als Eingang und der Außenstadt. Die hohe Stadtmauer besaß neun Tore. Außer dem Zhengyangmen (Tor der Mittagssonne) sieht man heute nur noch kleine Reste der alten Mauer. Im Jahr 1553 wollte die Ming-Dynastie zur Verstärkung der Stadtverteidigung eine neue Mauer errichten. Angefangen wurde die Arbeit im dicht bevölkerten Süden der Stadt. An den übrigen drei Seiten wurde jedoch nichts mehr gemacht. Danach wurde der alte Stadtteil Innere Stadt und der südliche Teil Äußere Stadt genannt.

Nun wollen wir die Stadt Beijing, wie sie während der Ming- und der Qing-Dynastie aussah, genau betrachten. Wir versetzen uns in die Kaiserzeit zurück und gehen vom Süden durch das Yongdingmen (Tor der Ewigen Festigkeit) in die Stadt. Eine breite Straße führt geradeaus zum Tor der Mittagssonne der inneren Stadt. Nicht weit vom Tor der Ewigen Festigkeit sehen wir am östlichen Rand der Straße den Himmelstempel, wo der Kaiser dem Himmel Opfer darbringt, und am westlichen Rand der Straße den Altar des Ackerbaus, der Ort des Gedenkens an den Ackergott, der den Bauern das Pflügen beigebracht haben soll. Zwischen dem Tor der Mittagssonne und dem Tor des Himmlischen Friedens befindet sich eine 1000 Schritt lange, mit großen Steinplatten gepflasterte Straße, an deren Seiten Korridore entlangführen und wo sich weiter draußen verschiedene Ämter befinden. Vor dem Tor des Himmlischen Friedens verbreitet sich der Weg zu einem großen Platz. Zu beiden Seiten des Weges zwischen dem Mittagstor, dem Haupteingang der Verbotenen Stadt, und dem Tor des Himmlischen Friedens reihen sich Räume, wo sich Minister und Generäle vor einer Audienz beim Kaiser aufhalten. Innerhalb des Mittagstors gibt es eine Reihe von Palästen. Gegenüber dem Tor des Göttlichen Kriegers, dem Hintertor der Verbotenen Stadt, erhebt sich der Kohlenhügel, der höchste Punkt der Stadt. Weiter draußen sieht man erst das Nordtor der Kaiserstadt, das Tor des Irdischen Friedens, und am nördlichen Ende der Stadt befinden sich der Trommel- und der Glockenturm. Die Distanz zwischen dem Tor der Ewigen Festigkeit und dem Glockenturm beträgt 7,5 Kilometer - das ist die Zentralachse, nach der man die Anordnung der Stadt und der Bauwerke des Kaiserpalastes ausgerichtet hat.

Die Verbotene Stadt misst von Süden nach Norden 961 Meter und von Osten nach Westen 753 Meter. Sie ist von einer über zehn Meter hohen Mauer umgeben, vor der ein 52 Meter breiter Wallgraben verläuft. An jeder Seite der Mauer gibt es ein Tor und an jeder Ecke einen Turm, wie sie schon bei den Befestigungsanlagen aus Chinas alter Zeit zu Verteidigungszwecken gedient hatten. Die Ecktürme ganz oben auf der Mauer sind architektonische Musterwerke.

Die Verbotene Stadt wurde nach dem Prinzip vorn der Äußere Hof und hinten der Innere Hof angelegt. Im Äußeren Hof regelte der Kaiser die Staatsangelegenheiten, im Inneren Hof befanden sich die Wohngemächer der kaiserlichen Familie.

Im Äußeren Hof befinden sich die Halle der Höchsten Harmonie, die Halle der Vollkommenen Harmonie und die Halle zur Erhaltung der Harmonie, die bedeutendsten Bauten der Verbotenen Stadt, in denen die großen Zeremonien stattfanden. Neben diesen drei großen Hallen sieht man an der östlichen Seite die Halle der Literarischen Blüte und an der westlichen Seite die Halle der Militärischen Tapferkeit. In der ersteren studierte der Kaiser klassische Werke über den Konfuzianismus und die Geschichte, in der anderen fastete er und beriet sich mit seinen Ministern.

Im Inneren Hof findet man eine Vielfalt von Gebäude, was die Typen und Ausführung anbelangen. Hier gibt es Räumlichkeiten, in denen der Kaiser Routinegeschäfte erledigte, wo Mitglieder der kaiserlichen Familie wohnten und wo Mönche beteten und meditierten. Auch gibt es mehrere Gärten. Auf der Zentralachse befinden sich hier nur wenige wichtige Bauten wie z. B. der Palast der Himmlischen Reinheit, das Schlafgemach des Kaisers, und der Palast der Irdischen Ruhe. Die anderen Bauten wie die Sechs Westlichen Paläste, wo die Kaiserinmutter und die Konkubinen verstorbener Kaiser wohnten, die Sechs Östlichen Paläste, Wohnstätten der Konkubinen des amtierenden Kaisers, und die Fünf Östlichen und Fünf Westlichen Höfe, Wohnräume für die Prinzen, befinden sich zu beiden Seiten der Zentralachse. Ferner gibt es noch Gebäude für religiöse Zeremonien, den Kaiserlichen Garten und eine große Anzahl von Diensträumen.