Der Bau der Verbotenen Stadt

Im Jahr 1368 wurde Zhu Yuanzhang als erster Kaiser der Ming-Dynastie gekrönt, die Nanjing zu ihrer Hauptstadt machte. In demselben Jahr nahmen die Truppen der Ming die Stadt Dadu ein, was das Ende der Yuan-Dynastie bedeutete. Zhu Yuanzhang belehnte seine Söhne, von denen Fürst Yan in Beiping (1046 in Beijing umgenannt) am mächtigsten wurde. Nach Zhu Yuanzhangs Tod bestieg sein ältester Enkel als Kaiser Huidi den Thron. Kurz danach rebellierte Fürst Yan, 1042 stürzte er seinen Neffen und riss die Macht der Ming-Dynastie an sich. Er ging als Kaiser Chengzu in die Geschichte ein. Um die Landesverteidigung in Nordchina zu verstärken und die Macht zu konsolidieren, verlegte der Kaiser die Hauptstadt von Nanjing nach Beijing. Im Jahr 1406 wurde der Bau der Verbotenen Stadt in Angriff genommen, wobei es zunächst um die Materialbeschaffung ging.

Für den Palastbau war eine Unmenge von Holz erforderlich. Es stammte vor allem aus Zhejiang, Jiangxi, Hunan und Hubei in Südchina und wurde auf dem Wasserweg nach Beijing transportiert, zuerst auf dem Yangtse und dann auf dem Großen Kanal. Der Transport nahm bis zu vier Jahre in Anspruch.

Neben Holz wurde auch eine große Menge von Ziegelsteinen gebraucht. Hohe Anforderungen wurden an die Qualität der Fußbodenplatten gestellt, die aus einem speziellen Lehm gebrannt wurden. Vorher musste der Lehm in Wasser eingeweicht und gefiltert werden. Der gefilterte Schlamm wurde zu großen Platten geformt und gebrannt, die danach noch poliert und mit Tungöl behandelt werden mussten. Die auf diese Weise hergestellten Ziegelsteine waren sehr hart, hatten einen schönen Glanz und gaben einen klingenden Ton von sich, wenn man daran klopfte. Man nannte sie Goldziegel. Der berühmteste Produktionsort für solche Ziegel war Suzhou in Jiangsu. Die Goldziegel kamen ebenfalls über den Großen Kanal nach Beijing.

Auch Natursteine waren wichtige Baumaterialien für Paläste. Sie wurden vorwiegend für den Bau von Fundamenten, Geländern und Wegen eingesetzt. Obwohl die Steine möglichst in der Nähe der Baustelle gebrochen wurden, war ihr Transport wesentlich schwieriger als der von Holz. Am schwierigsten war der Transport der für große Steinschnitzereien wie die Steinsäulen und Steinlöwen vor dem Eingang der Verbotenen Stadt bestimmten Quader. Die größe Steinplatte der Verbotenen Stadt befindet sich hinter der Halle zur Erhaltung der Harmonie. Sie diente als Kaiserweg. Es handelt sich um eine 16 Meter lange, 3 Meter breite und 1,7 Meter dicke Marmorplatte, die nach der Bearbeitung 250 Tonnen wog.

Wie hatte man ein so riesiges Stück ohne Maschinen vom Steinbruch zur Werkstatt gebracht? Man bohrte entlang des Weges Brunnen, wartete den Winter ab und schüttete Wasser auf die Straße, das zu einer Eisschicht gefror. Der Stein wurde auf einen Schlitten geladen und ließ sich leicht transportieren.

Wichtige kaiserliche Bauwerke waren mit gelben glasierten Dachziegeln versehen. Um diesen Bedarf zu decken, wurden innerhalb und außerhalb der Stadt Beijing mehrere Ziegeleien errichtet. Die heutige Kulturstraße Liulichang in Beijing war in der Kaiserzeit eine kaiserliche Ziegelei. Im westlichen Teil der Stadt Beijing gibt es heute eine Gasse mit dem Namen Großes Holzlager (Damucang Hutong) und in der Nähe des Trommelturms eine Ziegelgasse (Fangzhuan Hutong), deren Namen auf kaiserliche Lager von Holz und Ziegeln zurückzuführen sind. Das Große Holzlager war riesig, es umfasste eine Fläche von dreitausend Räumen. Daraus ist ersichtlich, wie viel Holz der Bau der Verbotenen Stadt verschlungen hat.

Bis die eigentliche Bauarbeit 1417 in Angriff genommen werden konnte, hatte die Vorbereitung der Baumaterialien bereits zehn Jahre gedauert. Zur Bauarbeit zog die Regierung der Ming-Dynastie im ganzen Land rund 100 000 Handwerker und mehrere 100 000 Arbeiter zusammen. Die Baustelle nahm eine Fläche von 720 000 Quadratmetern ein, auf der mehr als 1000 Gebäude mit insgesamt über 9000 Räumen gebaut werden sollten. Im Jahr 1420 waren die Bauarbeiten beendet. Ein glanzvoller Kaiserpalast stand nun in der Mitte von Beijing. Die Ming-Dynastie verlegte die Hauptstadt 1421 von Nanjing nach Beijing.