Entwicklung des Palastbaus

Historischen Angaben zufolge existierte zwischen 2070 und 1600 v.Chr. die erste Monarchie Chinas- die Xia-Dynastie, die schon eine Stadtmauer zog und in der Stadt einen Palast baute.

Auf die Xia-Dynastie folgte die Shang-Dynastie (1600 - 1046 v.Chr.), die sechsmal ihre Hauptstadt verlegte und endlich im Ort Yin ihr Zentrum errichtete. Archäologische Ausgrabungen belegten, dass Häuser des Shang-Palasts in einen Nord-, Zentral- und Südblock gegliedert waren. Die ersten beiden Blöcke dienten aller Wahrscheinlichkeit nach als Wohnstätten, Amtsräume und Tempelanlagen. Aus den gefundenen 50 Ruinen kann man schließen, dass die Palastgebäude, bis zu 80 Meter lang und 14,5 Meter breit, auf einem rund ein Meter hohen Sockel errichtet wurden.

Die Shang- wurde von der Zhou-Dynastie (1046 - 771 v.Chr.) abgelöst, die nacheinander Hao (südwestlich der heutigen Stadt Xi'an) und Luoyi (heute Luoyang, Provinz Henan) zu ihrer Hauptstadt machte. Die beiden Kaiserpaläste sind bis heute nicht freigelegt. In dem Buch Über Bauwerke ist die Anordnung der Stadt Luoyi festgehalten. Danach war Luoyi quadratisch angelegt und hatte an jeder Seite drei Tore. Der Kaiserpalast befand sich genau in der Mitte der Stadt, ein Baukomplex, an dessen Front sich fünf Eingangstore hintereinander befanden und in dessen Zentrum drei Haupthallen standen.

China wurde im Jahr 221 v.Chr. von Kaiser Shihuangdi, wörtlich Der erste Kaiser, nach Jahrhunderten von Kriegswirren geeinigt. Damals war China bereits eine Feudalgesellschaft geworden. Die Produktivkraft hatte einen Entwicklungssprung erlebt, und dementsprechend übertraf auch der Kaiserpalast im Ausmaß bei weitem die Paläste der vorherigen Dynastien. Der Kaiserpalast der Qin-Dynastie stand in Xianyang (heute Xi'an). Die Haupthalle Epang war 300 Meter lang und 150 Meter tief. Von ihr führte ein Korridor zum Südberg, dessen zwei Spitzen gleichsam als Portalsäulen dienten. Der gewaltige Umfang und die überwältigende Pracht des Palastes der Qin-Dynastie waren einmalig. Die Qin-Dynastie ging unter, bevor der Palast ganz fertiggestellt war.

Mit der Tang-Dynastie (618 - 907) wurde die Blütezeit des Feudalismus erreicht. Die Reichshauptstadt Chang'an (heute Xi'an) war eine der größten Metropolen der damaligen Welt. In der streng projektierten Stadt konzentrierten sich die Palastanlagen vor allem in der Verbotenen Stadt im nördlichen Teil von Chang'an. Später wurde außerhalb der Stadt ein noch größerer Palastkomplex, Daminggong genannt, gebaut. Die wichtigsten Gebäude dieses Komplexes befanden sich alle an einer Zentralachse. Zur Haupthalle des Palastes, die zu beiden Seiten Nebenhallen hatte, führte ein langer Weg.

Im 13. Jahrhundert gründeten die Mongolen die Yuan-Dynastie (1279 - 1368), die erste von einer nationalen Minderheit im vereinten China etablierte Macht. Die Yuan-Monarchie plante nach der alten Tradition die Stadt Dadu (heute Beijing) und baute in der Mitte der Stadt einen umfangreichen Kaiserpalast. Die wichtigsten Bauten im Kaiserpalast befanden sich auf einer Zentralachse, zu deren beiden Seiten gab es noch weitere symmetrisch angeordnete Bauwerke.

Die Palastanlagen der Yuan- und der anderen Dynastien existieren nicht mehr. Die Palastanlagen, die wir heute noch sehen können, nämlich die Verbotene Stadt in Beijing und der Kaiserpalast in Shenyang, stammen aus der Ming-Dynastie (1368 -1644) und Qing-Dynastie (1644 -1911). Die Verbotene Stadt wird noch ein spezielles Kapitel gewidmet.

Werfen wir einen Blick auf die Palastanlagen in der chinesischen Geschichte, so erkennen wir einige gemeinsame Merkmale: Erstens waren alle Bauten alleinstehende Gebäude. Sie waren bis auf wenige Hauptbauten nicht von besonders großem Ausmaß und erfüllten jeweils diverse Zwecke hinsichtlich Verwaltung, Wohnen, Vergnügungen. Opferdarbringung usw. Zweitens gehörten alle diese alleinstehenden Bauten gemäß einer bestimmten Reihenfolge zu Baukomplexen, wobei die Hauptbauten auf einer Zentralachse und die anderen zu deren beiden Seiten standen. Im vorderen Teil befanden sich Amtsräume, hinten die Wohngemächer und Gärten. Drittens bildeten die unterschiedlichen Baukomplexe einen Palast, der ringsherum mit einer Mauer umgeben war. Der Palast lag in der Regel im Zentrum der Stadt. So entwickelte sich die Anordnung der Hauptstadt und des Kaiserpalastes zu einem festen Muster, dem alle Dynastien folgten.